Wikipedia-Artikel vom Recht auf Vergessen betroffen

Google – Wikipedia

Erstmals soll Google einen Link zu einem Wikipedia-Artikel nicht mehr in seinen Suchergebnissen anzeigen. Damit verschärft sich die Debatte um Pressefreiheit, die seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Mai geführt wird.

Um welchen Wikipedia-Eintrag es sich handelt und wer den Löschantrag gestellt hat, ist bislang nicht bekannt. Das Online-Lexikon würde den Artikel ohnehin weiter führen, da sich das sogenannte “Recht auf Vergessen” lediglich auf Ergebnisse von Online-Suchmaschinen bezieht und, wie schon seit längerem bekannt ist, auch nur die europäischen Domains betrifft. Wie der Guardian berichtet, könnte der entsprechende Wikipedia-Eintrag aber bereits in den nächsten Tagen aus Googles Suchindex entfernt werden.

“Das ist vollkommen verrückt und muss korrigiert werden”, zitiert der britische Observer den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. “Bei wahren, nicht diffamierenden Informationen, die legal zugänglich sind, gibt es meiner Meinung nach kein vertretbares ‘Recht’, etwas zu zensieren, das andere Leute gesagt haben”, so Wales weiter. Niemand habe das Recht, ein Gesetz zu benutzen, um Wikipedia-Autoren daran zu hindern, wahre Informationen wiederzugeben. Gesetze dürften auch nicht herangezogen werden, um Google davon abzuhalten, wahre Informationen zu veröffentlichen, sagte Wales.

Wales selbst ist Mitglied des Experten-Beirats, der über die Löschanträge bei Google entscheidet. Auch Executive Chairman Eric Schmidt, Chief Legal Officer David Drummond, Luciano Floridi, Professor für Philosophie an der Oxford University, und der frühere Chef der spanischen Datenschutzbehörde José-Luis Piñar gehören dem Gremium an. Vor knapp drei Wochen wurde  zudem auch die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in den Beirat berufen.

Schon im Mai hatte Wales die Entscheidung des EuGH scharf kritisiert. Der BBC sagte er, es sei “eines der weitreichendsten Internet-Zensur-Urteile, das ich je gesehen”. Internetnutzer könnten sich “über etwas beschweren und einfach behaupten, es sei irrelevant, und Google muss dann eine Entscheidung treffen. Das ist sehr schwer für Google, vor allem da das Risiko besteht, dass es rechtlich haftbar gemacht wird, wenn es in irgendeiner Form falsch entscheidet.”

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Google hat das Urteil des EuGH zwar kritisiert, versucht aber auch, die Anweisungen des Gerichts umzusetzen. Bis zum 18. Juli hat es nach eigenen Angaben 91.000 Löschanfragen erhalten, die mehr als 328.000 Websites betreffen. Eigentlich ist Pressefreiheit in Europa aber ein Privileg, das, betrachtet man die Weltkarte der Pressefreiheit von “Reporter ohne Grenzen”, ansonsten nur in Nordamerika in selbem Maße gelebt wird.

Über google.com lassen sich entfernte Links zwar weiterhin finden, trotzdem sieht der Internetkonzern aus Kalifornien offenbar noch erheblichen Diskussionsbedarf zu Details der Entscheidung. Ende Juli forderte Google seine Nutzer auf, bis zum 11. August Stellungnahmen und Fachbeiträge zu Fragen rund um das Urteil einzureichen. Sie sollen von Googles Experten-Beirat geprüft werden. Unter anderem geht es Google um eine Definition der Verantwortungsbereiche von Suchmaschinen, Datenschutzbehörden, Websitebetreibern und Einzelpersonen. Es will auch klären, ob die Öffentlichkeit ein Recht hat, Details zu den Löschanträgen zu erhalten. Letzten Endes stellt sich auch die Frage, welche Rolle ein Online-Distributor von Inhalten in der Ausführung von Pressefreiheit spielt.

Update: In einem Transparenzbericht legte die Wikimedia Foundation offen, dass bereits 56 Links zu Inhalten von Wikipedia aus Googles Index in Europa entfernt wurden.

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Tags :Quellen:Screenshot WikipediaVia:Stefan Beiersmann, ZDNet.de
  1. Wikipedia ist eine Enzyklopädie,
    mit berechtigten Anspruch auf die Wahrheit,
    ohne Verfälschungen der Geschichte durch Zensur bzw. Weglassen.

    Daher ist die Abwägung zwischen diesen Anspruch der Geschichte, und dem Persönlichkeitsrecht ist sehr schwierig !

    Ansprüche im Rahmen der TV / Pressefreiheit kommen dazu.

    Geschichte (und auch das Recht) wird leider viel zu oft, durch die Sieger / Mächtigen verbogen und verlogen…
    Ähnlich wie auch die deutsche Presse / Medien, die einseitig pro USA manipulieren.
    Um das Volk mit Propaganda zu manipulieren und zu verdummen.
    Oft zum ungerechten Nachteil der Verlierer.

    Z.B. 5 Tage lang alle 30 Minuten (240 mal) unbewiesene wage Mutmaßungen der USA gegen Russland,
    und nur eine Gegendarstellung zu Nachtzeit mit wenig Zuschauer.
    Achtet mal drauf !

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