PKW-Maut: Warum nicht elektronisch?

(Bild: Shutterstock)

Die geplante PKW-Maut mit Vignetten gefällt dem Bitkom-Verband nicht, der fordert, eine elektronische Maut einzuführen, die durch unterschiedliche Preise Verhaltensanreize setzt und den Verkehr lenkt. Aufkleber bezeichnet der IT-Verband als unzeitgemäß.

Die PKW-Maut in Deutschland soll mit verschiedenfarbigen Vignetten eingeführt werden, die sich die Fahrer an die Scheibe kleben sollen. Der Verband Bitkom kritisiert deshalb die geplante Umsetzung als halbherzig. „Wenn eine Maut für alle Fahrzeuge eingeführt wird, dann sollte sie technisch auf der Höhe der Zeit sein“, sagt Dieter Kempf vom Bitkom. „Eine Maut darf nicht nur die öffentlichen Einnahmen steigern. Sie muss vor allem bei den Verkehrsteilnehmern sinnvolle Verhaltensanreize setzen und den Verkehr steuern. Wenn Maut, dann richtig!“ Dabei könnten Preise je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen gestaffelt werden, so der Verband.

Sollten die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur PKW-Maut umgesetzt werden, könnte eine große Chance zur notwendigen Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur verspielt werden, meint der Verband, der natürlich die Interessen seiner Mitglieder wahren will. „Während zum Beispiel die niederländische Bahn derzeit komplett auf elektronische Tickets umstellt, will die Bundesregierung künftig jedes Jahr an alle PKW-Fahrer per Post verschiedenfarbige Aufkleber verschicken, die auf die Windschutzscheiben geklebt werden sollen“, bemerkt Kempf zu dem Verfahren.

Zudem ist die geplante Vignette als Flatrate geplant: Ihr Preis richtet sich nach Emissionsklassen, nicht nach gefahrenen Kilometern. „Eine intelligente Maut sollte das Verursacherprinzip beachten“, sagt Kempf. Die Kosten für Erhalt und Ausbau der Straßen sollten abhängig von der Nutzung gestaffelt werden.

Bitkom kritisiert in diesem Zusammenhang eine weitere gesetzliche Regel, und zwar den Entwurf des „Gesetzes zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften“. Das Gesetz dient als Grundlage für bisherige und zukünftige elektronische Mautsysteme in Deutschland und Europa. Laut Entwurf darf für die Erhebung einer Maut neben Satellitenortung und Mikrowellentechnik ausschließlich der Mobilfunkstandard der zweiten Generation GSM/GPRS verwendet werden. „Aktuelle Gesetze zur Regelung zukünftiger elektronischer Mautsysteme schreiben technische Standards vor, die bereits heute veraltet sind“, wundert sich Kempf. Seit 2013 kann in Deutschland der Mobilfunkstandard der vierten Generation, LTE, genutzt werden. Kempfs Forderung: Daten sollten mit allen zur Verfügung stehenden Mobilfunkstandards übertragen werden dürfen.

Ein Beispiel führt der Bitkom auch an: In Stockholm werden pro Sekunde insgesamt 250.000 anonymisierte GPS-Daten von Handybesitzern, Stau- und Unfallmeldungen sowie Daten von Sensoren und dem Mautsystem analysiert und so der Verkehr gesteuert. Die individuellen Fahrzeiten konnten dem Verband nach um 50 Prozent verringert werden, das Verkehrsaufkommen und die Emissionen um 20 Prozent.

Bild: Shutterstock/ Juergen Faelchle

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  1. So ein Blödsinn. Die Maut kostet so schon genug, es ist günstiger sie so einfach wie Möglich zu gestalten, sah man ja an Tollcollect vor ein paar jahren, was dies für ein gefetz war – auf der höhe der zeit .. Die Bitcom hat natürlich berechtigtes Interesse ihr Zeug zu verkaufen. Je teurer es wird, desto meht Umsatz…

  2. Die Regierung soll mal aufhören unsere Kohle zu verprassen, dann gibts in Deutschland ordentliche Strassen ohne Maut! Nur weil die total unfähig sind sollen wir schon wieder bezahlen!? Ich glaub ich spinne, erst das Stromnetz dann das Telefonnetz und jetzt das Strassennetz, alles soll man hier Xmal bezahlen. HALLO, die rippen uns knappe 50% vom Lohn ab,jedem! Und dann sollen wir noch mehr zahlen weil die sich zuviel Kohle in den eigenen Arsch geschoben haben. FU! Früher haben sie Konige gelyncht weil der 10% vom Lohn wollte. So hart verarscht wie in Deutschland wird man nur an wenigen anderen Orten ;(

    1. Das Hauptproblem ist, dass Steuern nicht Zweckgebunden eingesetzt werden müssen. Das ist meiner Meinung nach einer der größten Skandale der Neuzeit.

  3. So ein Blödsinn, diese Überwachungsfanatiker geht es schlicht nichts an wann ich wo unterwegs bin. Und „Anreize setzen“ durch gestaffelte Preise? Wenn ich von a nach b muss fahre ich zur richtigen Zeit. 1. Anreize setzen funktioniert nicht. 2. WENN es funktioniert dann verursachen wir indirekt enorme Kosten durch Vermeidungsverhalten. 3. Das gesamte System wird durch die Elektronik unnötig kompliziert und teuer, Kosten die wieder die Allgemeinheit tragen muss. 4. Die PKW-Maut an sich ist Betrug am Volk. Der Versuch sie als Nullsummenspiel und Ausländerstrafe darzustellen ist Verblödung. Ist sie erst einmal eingeführt kann man in Zukunft schön scheibchenweise die Gebühren ändern. Dazu kommt die Merkel-Aussage „Mit mir wird es keine Maut geben“.

    Fazit: Verbr*** ähm sorry, Politiker verarschen uns und ziehen uns das Geld aus der Tasche. Sch**** Pe**** äh sorry, ich meine unetische Menschen allesamt, selber schuld wer die auch noch wählt.

  4. Genau betrachtet sind KEINE Erweiterung für Maut notwendig,
    weil die Vorhandene Infrastruktur voll ausreicht.

    Die Maut- Passierstellen haben für jede Fahrspur Cams, die mit zentralen Computer verbunden sind.
    Dort könnte der Computer mittels Bildverarbeitung aus den Cam- Bilder die Kennzeichen ausschneiden,
    diese mit OCR in Buchstaben und Zahlen umwandeln,
    diese mit Zeitstempel und Position der passierten Mautstellen dokumentieren,
    und daraus die genutzte Strecke berechnen.
    Durch Abgleich der Kfz- Kennzeichen mit Datei mit Kfz- Kennzeichen die bezahlt haben,
    könnten „Schwarzfahrer“ automatisch erkannt werden.
    (Und z.B. mit eine Farbkugel aus Paintball- Schussvorrichtung von der Mout- Brücke aus, markiert werden… lol)
    Erkannte Restrisiken:
    Nebel könnte die Cam- Lesbarkeit in seltenen Ausnahmefällen behindern… ?
    Oder überdeckte Falschkennzeichen ?

    Für Überwachungszwecke der Kfz-Bewegungsprofile dürfte dieses System bereits (inoffiziell) genutzt werden.
    NSA / BKA & Co, brauchen sich nur die Kopien der Cam- Auszeichnungen beschaffen und diese automatisch auswerten.

    Sonstige Maut- Investitionen sind überflüssig,
    und dürften nur dem Errichter und Betreiber,
    Millionen- Aufträge aus Steuergelder, zuschustern.
    (Mutmaßliche Korruption…)

    1. PS: Und bei seltenen Fehlern, die durch Nebel beeinflusste Cam- Lesbarkeit entstanden,
      könnte Abgleich mit Kfz- Farbe und Kfz- Typ helfen.

  5. …ich bin schi ein wenig älter…also früher haben sich die Leute auf ihre winzigen Windschutzscheiben ‚Großglockner-Pickerl‘ geklebt, jede Jahr einen, dazu noch Rimini und was weiß ich, bis sie kaum noch vorne raussehen konnten.
    Schön, dass D-A-CH und Dobrind uns nunmehr wirder in diese Zeit zurückbringen. GPS. Dass ich nicht lache….

  6. Es ist traurig zu sehen, daß es immer noch Leute wie den Herren von Bitkom gibt, die zwar anscheinend intelligent genug sind, komplexe technische Dinge zu durchdringen, aber offenbar nicht in der Lage sind, die Gefahren der totalen Überwachung für die Freiheit der Gesellschaft und die Demokratie zu begreifen, als gäbe es den Roman „1984“, die Snowden-Enthüllungen und die „gelebte“ Überwachung in Staaten wie China, Iran, Saudi Arabien, Rußland und USA nicht.

    Und leider läßt der Autor des Artikels das alles auch noch unreflektiert stehen. Vermutlich findet der die Überwachung auch klasse.

  7. Kauft Euch wieder Bücher, dann habt ihr keine Chance hier rumzumüllen! Das Gelaber geht einem echt aufn Sack. Vor allem von denen, die offensichtlich noch nicht mal nen Führerschein geschweige denn ein Auto haben…

    Da die LKW Maut Cams schon stehen, werden potentiell alle KFZ gescannt. Das ist bereits versucht worden, vor allem in Bayern, ist aber gekippt worden. Was spricht jetzt dagegen, die vorhandenen Ressourcen auch für normale PKW zu nutzen? Jedes Jahr werden Abermilliarden Euronen in Staus versenkt, was spricht jetzt dagegen, die gewonnen Daten in die Verkehrsleitung zu stecken? Jeder hat son Kacksmartphone, ne Kamera am Rechner, ne Kamera im TV und in der Konsole, jeder gibt damit bereitwilligst alle Verkehrsdaten preis, jetzt noch von 1984 zu sprechen, wo der Zug doch schon längst abgefahren ist, ist doch kompletter Schwachfug…

    Und dann damit noch die schon lange nicht mehr existente Demokratie ins Boot zu holen, ist doch auch albern, wir werden von der Industrie regiert, sowas sollte doch auch klar sein, wer feiert denn ausser der deutschen Bank Geburtstag im Kanzleramt? Oder lässt sich CO² Grenzwerte in der EU manipulieren? (MB/BMW)

    Kommt mal wieder runter und macht nicht alles nieder, was EUCH Angst macht…

  8. @Hans: Ach, Du bist also auch so ein „da kann man nichts machen“-Mitläufer, denen wir gerade zu verdanken haben, daß die Politik und Wirtschaft alles machen kann, was sie will? Damit trittst Du all den Menschen in den Allerwertesten, die für ihre Freiheit und Bürgerrechte auf die Straße gegangen sind und teilweise ihr Leben dafür geopfert haben.

    * Mautbrücken: die sind zu weit auseinander, um wirkliches Tracking durchzuführen, und außerdem findet der größte Teil des Verkehrs außerhalb der Autobahnen statt. Dagegen gibt es auf vielen Straßen anonyme Verkehrszähler, die genügend Information für eine Verkehrsleitung sammeln
    * KFZ-Kennzeichen: soweit ich weiß, waren bislang alle Gerichtsverfahren gegen KFZ-Scanning erfolgreich im Sinne der Datenschützer
    * Mobiltelefon: Das kann man abschalten oder zuhause lassen. Oder erst gar keins anschaffen, so wie ich
    * Kameras in PC, Mobiltelefon, TV, Spielekiste: nicht kaufen oder zukleben

    Noch sind wir Bürger nicht völlig fremdbestimmt. Geh mal lieber zur Freiheit-statt-Angst-Demo am 30. August in Berlin, statt hier so einen Blödsinn zu schreiben und auch noch andere Leute zu demotivieren, sich dagegen zu wehren.

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