iRescue – Grundschüler wollen Notrufsystem smarter machen

iRescue   YOU Could Save a Life     What could be cooler  by Bill Hayhurst — Kickstarter

Sie wollten eigentlich nur an der Lego-Roboter-Liga teilnehmen, nun suchen sieben Grundschüler aus dem US-Bundesstaat Oregon Unterstützer auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Ihre Idee: Eine App, die im Notfall nahe Personen informiert und selbst bei Netzausfall funktioniert.

Zach, Adam, Cam, Jack, Jacob und Connor leben in Canby, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Oregon. Zusammen mit ihrem Maskotten “Robot Buddy” und ihrem Lego-Roboter “Warthog” bildeten die Grundschüler die “Rockin´ Robots” und nahmen an der Lego-Roboter-Liga teil. Als sie im Herbst 2013  zum zweiten Mal an einem dortigen Wettbewerb partizipierten, wurden sie mit dem Thema “Naturgewalt” konfrontiert und ersannen ein paar Ideen zur Kommunikation bei Notfällen. Bald erkannten sie, wie omnipräsent Smartphones sind und verlagerten deshalb auch den Schwerpunkt der Arbeit auf Mobilgeräte und Apps: iRescue steckte in den Startlöchern.

IRescue soll jedes Smartphone in ein Search-&-Rescue-Tool und Notruf-Beacon verwandeln. Das heißt, bei einem persönlichen Notruf werden die entsprechenden Sicherheitsbehörden informiert, erhalten nach Möglichkeit auch die Aufenthaltskoordinaten und zu Beginn der Registrierung eingegebene wichtige medizinische Informationen wie beispielsweise Blutgruppe, Allergien oder Diabetes. Selbst wenn ein Funkmasten ausgefallen ist, lässt sich mit iRescue per Smartphone nach Hilfe rufen. Nahe Personen, die ebenfalls die iRescue-App am Handy installiert haben, werden so umgehend alarmiert, um als potentieller Ersthelfer der verletzten Person zu Hilfe zu kommen. Die sensiblen Daten, die in die App eingegeben werden, sollen überdies an niemanden sonst übertragen oder gar gespeichert werden. Sie liegen auf dem Telefon und können nur im Falle eines Notfalls von der jeweiligen Behörde eingesehen werden – Mal sehen wie gut das klappt. Des Weiteren deklariert man im Zuge der Registrierung den sogenannten “Safety Circle”, also drei Personen, beispielsweise Familienmitglieder, die im Notfall eine automatische Textnachricht mitsamt der GPS-Koordinaten erhalten, sofern das Funknetz aktiv ist.

Um vom Mobilfunknetz, das eben auch mal ausfallen kann oder manchmal überlastet ist, unabhängig zu sein, kommuniziert iRescue via Beacons. Und zwar nicht nur über die Mobilfunkantenne, sondern auch über Bluetooth und die Wlan-Schnittstelle des Handys. Private Retter können sich anhand der Signalstärke an die gesuchte Person herantasten. Ganz neu ist diese simple Idee natürlich nicht, spannend bleibt sie aber trotzdem.

Die weitere Funktionspalette von iRescue

Wer sich einer größeren, anhaltenden Gefahr, wie einem Hurrican, gegenübersieht, kann den “Snooze“-Modus aktivieren. Er startet nach zehn Minuten automatisch den iRescue-Hilferuf, für den Fall, dass man von der Naturgewalt erfasst wurde, aber beispielsweise bewusstlos auf dem Scheunendach des Nachbarn liegt. Bleibt man unversehrt, lässt sich die Snooze-Funktion natürlich jederzeit wieder abschalten. Zu lange warten sollte man aber nicht, ansonsten rücken die ersten Sicherheitskräfte umsonst aus.

Wer sich nach einer solchen Naturgewalt auf die Suche nach Verletzten machen möchte, wechselt in den entsprechenden “Such“-Modus. IRescue zeigt daraufhin die Beacons samt GPS-Koordinaten an, die sich in der Nähe befinden. Gleichzeitig informiert das Feature darüber, ob die Person iRescue selbst aktiviert hat oder über den Snooze-Modus nach Hilfe sucht.

Wer speziell nach jemandem mit iRescue-App suchen möchte, soll dies scheinbar auch tun können. Innerhalb dieser “Locate“-Funktion ist es allerdings nur den drei zuvor individuell festgelegten Personen des “Safety Circle” möglich den eigenen Aufenthaltsort zu ermitteln. In diesem Fall vibriert und piept das Mobiltelefon für dreißig Sekunden.

Wer entführt wird kann mit der “Amber“-Funktion auf sich aufmerksam machen und seine Standpunkte übermitteln, ohne dass der Entführer ein Geräusch oder eine Vibration des Smartphones vernimmt.

Und noch eine Funktion steckt in iRescue. Mit “Hide & Seek” kann man das Suchen von verletzten Personen via Wlan-Beacon testen, oder – falls Interesse besteht – einfach nur Spielen.

Bild: Kickstarter / Rockin´Robots iRescue LLC

Bild: Kickstarter / Rockin´Robots iRescue, LLC

Vorschusslorbeeren für die Schüler

Der lokale Provider sowie die Polizei und Feuerwehr zeigten sich nach einer Präsentation durchaus begeistert von dem Vorhaben der sieben Grundschüler. Man hoffe dort, iRescue irgendwann selbst auf den Telefonen einzusetzen.

Umsetzung, Coding und Design gaben die Schüler mittlerweile an die Unternehmen BOING! Designs, Azkinet Technologies und Addnectar ab. Das Patent sowie Markenrecht für iRescue haben die findigen Grundschüler bereits angemeldet. Sogar Vereinbarungen mit FEMA (Federal Emergency Management Agency) und IPAWS (Integrated Public Alert und Warning System, eine geplante Modernisierung des US-amerikanischen Notfallwarnsystems) wurden unterzeichnet. Beide wollen drahtlose Notalarme via iRescue verfolgen und weiterleiten.

Dabei ist die im Mittelpunkt stehende Anwendung noch lange nicht fertig. Die iOS-App ist aktuell zur Hälfte entwickelt. Sammeln die Grundschüler noch weiter Geld, werden bald auch Applikationen für Windows Phone und Android fertiggestellt. Gerade bei Googles Mobilbetriebssystem sieht das junge Team dabei wenig Probleme, wohingegen die Zugriffsrechte für Apps bei iOS und Windows Phone aus Sicherheitsgründen deutlich eingeschränkter sind.

Die App selbst soll voraussichtlich 0,99 Dollar (etwa 0,74 Euro) kosten und in möglichst vielen Sprachen verfügbar sein. Aktuell wurde sie in Chinesisch, Französisch, Hindi und Spanisch übersetzt. Hilfe für die anderen Sprachen wird von den sieben Jungs freundlich erbeten.

Bis 10. September ist die Crowdfunding-Kampagne noch aktiv. Die recht kleine Hürde von 500 Dollar ist schnell gefallen. Den aktuellen Fond von 2.000 Dollar möchte man aber auf bis zu 200.000 Dollar vergrößern, um eine großangelegte iRescue-Kampagne an Schulen zu starten. Die Jungs haben also einiges vor.

Hier gelangst du zum iRescue-Kickstarter-Projekt!

Tags :Quellen:Kickstarter

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