Hat die NASA das Raketentreibstoffsystem revolutioniert?

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Die Nasa testete einen auf Mikrowellen basierenden Raketenantrieb, der bisherigen Treibstoff ersetzen könnte. Ob den Testergebnissen zu trauen ist, darf aber stark bezweifelt werden, denn selbst die Nasa-Forscher können sich die Auswirkungen nicht so ganz erklären.

Die Nasa habe „die Gesetze der Physik überlistet“. Man liest diese Tage die unglaublichsten Dinge und Isaac Newton, der 1687 das Wechselwirkungsprinzip postulierte, wäre sicher beeindruckt vom Cannae-Antrieb der US-amerikanischen Luftraumfahrtbehörde. Tatsächlich ist es der Nasa gelungen Schub ohne Treibstoff zu erzeugen. Der in den Eagleworks Laboratories getestete „Cannae-Antrieb“ des US-Forschers Guido Fetta erzeugte 30 bis 50 Mikronewton Schub. Zum Vergleich: Die Saturn-V-Rakte, die einst Apollo-Astronauten zum Mond brachte, besaß eine Schubkraft von 33.851.000 Newton. Der Effekt hält sich also in Grenzen und über die Glaubwürdigkeit und Umsetzbarkeit des in einem Bericht veröffentlichten Tests rätseln nach wie vor zahlreiche Forscher.

Was geht da vor?

Fettas Antrieb setzt auf Strom, um Mikrowellen zu erzeugen. Diese reflektieren in einem speziellen Behälter hin und her, erzeugen damit eine nicht näher spezifizierte Wechselwirkung mit Quantenfluktuationen und virtuellen Teilchen und führen, angeblich, zu zielgerichtetem Schub. Anders als bei Treibstoff, der nach unten ausgestoßen die Rakete als Gegenkraft nach oben befördern soll, gehen die Mikrowellen auch nicht abhanden, sondern bleiben in ihrem Container. Das zugrunde liegende Prinzip des EmDrive ist dabei kein Neues und die Forscher können sich die erzielte Wirkung bislang auch noch nicht erklären. Wurde der EmDrive zuweilen oft kritisiert, so glaubten chinesische Wissenschaftler ihn bestätigt zu haben. Auch deren Erkenntnisse wurden angezweifelt, da die erzeugten Effekte so ungeheuer gering waren und überdies einen Widerspruch zur Impulserhaltung darstellen würden.

Nun nahmen sich auch Wissenschaftler der Nasa dem Effekt an. Auch sie fanden eine Kraft, allerdings in noch kleinerem Ausmaße als beim chinesischen Experiment. Sie versuchten außerdem eine  zweite Variante, den Q-Drive der Firma Cannae, der ebenfalls nach den Prinzipien des EmDrive arbeiten soll. In den Beschreibungen ihrer Publikationen äußern sich die Forscher allerdings teilweise etwas konfus, können die Beobachtungen mit dem vorhandenen Wissen auch nur wenig in Einklang bringen. Womöglich könne sich die gemessene Kraft durch eine Interaktion mit dem virtuellen Quantenplasma erklären. Festlegen wollen sie sich aber nicht.

Als sie bei einem anderen Test daraufhin versuchten, die Konstruktion von Cannae so zu verändern, dass es – zumindest laut Cannae – nicht hätte funktionieren dürfe, maß man erneut den ominösen Effekt. Es darf also weiter geforscht und getüftelt werden. Dass der gemessene Effekt tatsächlich vergrößert und reproduziert werden kann, widerspricht aus aktueller Sicht zu vielen Standpunkten, um ihn von der Science-Fiction-Kategorie in unsere Erwartungen zu hypen. Auszuschließen ist es aber nicht, darum gilt es dem spannenden Projekt wachsam zu folgen und vielleicht irgendwann dank der Nasa eine neue Physik lehren zu dürfen. Am Cern in Genf wäre man dann ob der bahnbrechenden Erkenntnis wohl nicht allzu neidisch.

Tags :Quellen:ScienceBlogsNASA Bild: Shutterstock

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