Wird die Oculus Rift zum Werkzeug für Journalisten?

OculusRift

Wie nutzt man Virtual Reality zur Berichterstattung? Die Journalistin und Dokumentarfilmerin Nonny de la Peña versetzt Anwender mithilfe der Oculus Rift nach Guantanamo Bay und Syrien.

„Projekt Syria“ und „Gone Gitmo“ heißen die VR-Szenen, die de la Peña mithilfe der Oculus Rift begehbar gemacht hat. Auf dem Medienevent „The Conference“ in Schweden erklärte sie, dass der Trend der Documentary Games, in denen Spieler historische Situationen nachstellen können, sie auf die Idee brachte. Sie wollte journalistische Recherche für die Menschen erfahrbar machen. Die resultierenden Projekte verbinden Filmclips mit einer 3D-Umgebung, durch die der Rift-Nutzer hindurchlaufen kann. Das ist für Menschen mit Gaming-Kenntnissen nicht sonderlich beeindruckend, wird aber durch das unmittelbare Erlebnis der Rift verstärkt.

Den technologischen Hintergrund liefert die Entwicklungsumgebung Unity 3D. Um de la Peñas Vision von zwei Szenen aus dem Syrienkonflikt Wirklichkeit werden zu lassen, brauchte es zusätzlich zur journalistischen Arbeit ein ganzes Team von Entwicklern, 3D-Artists und Leveldesignern. Der Aufwand für eine derartige Produktion ist also nicht mit einem Artikel vergleichbar und wird sich wohl nur in speziellen Fällen rechtfertigen lassen.

Trotzdem könnte die Idee neuen Schwung in die Bemühungen der Journalisten bringen, die Eindrücke und Probleme einer wichtigen Situation zu vermitteln. Der Zuschauer ist näher dran am Geschehen, und wenn die Recherche im Hintergrund stimmt, kann er Ursachen und Zusammenhänge schneller begreifen. Auf der anderen Seite ist die Gefahr von Medienmanipulation bei einem Gerät wie der Rift größer als beispielsweise bei einem Bericht im Fernsehen. Dem Nutzer wird vermittelt, er würde die Situation selbst erleben. Dabei wird der kritische Umgang mit den Informationen schwer fallen.


[Project Syria: An Immersive Journalism Experience]

Tags :Quellen:Immersive Journalism, The ConferenceVia:The Wire
  1. … und wie immer will es mir nicht gelingen, bei all den heren Vor- und Ansätzen die dieses und ähnliche Projekte haben, über die enorme Gefahr der Manipulation und Falsifikation hinwegzusehen. Russische und ukrainische … Stellen ändern aktuell permanent Wikipedia-Artikel in die ein- oder andere propagandistische Richtung, wir kennen die 3d-animierten koreanischen ‘Nachrichten’-Dramatisierungen.
    3D-Animationen als Journalismus zu verkaufen ist brandgefährlich auf so vielenen Ebenen.
    Erst recht wenn es so echt wirkt ‘weil ich es ja selbst gesehen habe, mitten drin war’.

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