Formel E – ambitionierter Vorstoß in ein neues Motorsport-Zeitalter

formel e aufmacher

Am 13. September 2014 wird in Peking das erste Formel-E-Rennen stattfinden. Gizmodo war beim letzten Testrennen der vollelektronischen Flüsterflitzer dabei und ließ sich sofort von der pionierhaften Aufbruchsstimmung der Organisatoren und dem futuristischen Sound der Boliden begeistern. Doch die Formel E steht trotz eines spannenden Konzepts noch am Anfang. Viele Probleme müssen noch gelöst werden.

Formel E

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Formel E Testrennen Donington

Das Erste was auffällt: Die Wagen sehen zwar aus wie aus der Formel 1 entsprungen, hören sich aber völlig anders an. Während Formel-1-Wagen eher dröhnen und donnern, säuseln die Formel-E-Wagen wie in Watte gehüllte Düsenjets im Tiefflug. Das liegt vor allem daran, dass der Elektromotor keinen Mucks von sich gibt. Man hört lediglich eine futuristisch anmutende Geräuschmischung aus Reifen auf Asphalt, Luftwiderstand und Getriebe.

Formel E: 25 min mit 300 kg

Dabei sind die Formel-E-Wagen durchaus kräftig. Ihre 200 Kilowatt Elektromotoren beschleunigen die Gefährte in drei Sekunden auf 100 km/h. Jedoch wird es kein Formel-E-Pilot aufs Treppchen schaffen, der das Gaspedal bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit so tief wie möglich durchdrückt.

Über Sieg oder Niederlage wird entscheiden, wer am ökonomischsten mit den Energiereserven des fest verbauten Akkus haushaltet. Der 300 kg schwere Akku soll den Wagen etwa 20 bis 25 Minuten bewegen können. Und das obwohl ihm beim Bremsen Energie zurückgeführt wird. Das heißt dennoch, dass der Wagen während des etwa 45 Minuten dauernden Rennens einmal gegen eines mit vollem Energiespeicher getauscht werden muss.

Probleme mit dem Getriebe

Doch noch läuft nicht alles rund. Besonders mit dem Getriebe scheinen die Techniker ihre Probleme zu haben. Während der ersten Testfahrt in Donington bleiben gleich mehrere Wagen liegen und müssen in die Box geschleift werden. Ein Techniker bestätigte die Anfälligkeit des Getriebes. Hier ist es vor allem die nahe Verwandtschaft zur Formel 1, die sich als eher hinderlich als nützlich erweist. Denn das Getriebe sei nicht perfekt auf den Elektromotor abgestimmt.

Formel E Testlauf in Donington

Individualisierungen ab nächster Saison

Doch mit diesen Problemen hat jedes der teilnehmenden Rennteams zu kämpfen. Denn alle fahren mit dem gleichen Auto – dem Spark-Renault SRT_01E. Erst ab der nächsten Saison ist es den Rennteams erlaubt eigene Modifikationen durchzuführen. Zum einen ist es damit in dieser ersten Saison besonders spannend, wer sich durchsetzen kann. Schließlich reduziert sich damit alles auf das fahrerische Können des Piloten und das taktische Geschick der Mannschaft.

Zum anderen wird sich die Formel E erst vollständig von der Formel 1 emanzipieren können, wenn sie eigene technische Innovationen hervorbringt. Optisch darf jedoch nichts verändert werden. Das heißt die aus der Formel 1 so beliebten Spielchen an der Aerodynamik fallen weg.

Formel E Box

Die Rennteams sollen sich bei ihrer Entwicklung auf die Akkutechnik, den Antrieb und das Ladesystem konzentrieren. Dies sei wichtig, damit die Formel E als Technologiemotor der elektrischen Mobilität wahrgenommen wird.

Übrigens fällt die aus der Formel 1 bekannte Reifenproblematik komplett weg. Alle Teams erhalten Einheitsreifen von Continental. Sie werden nicht vorgeheizt und die Reifen werden bei jedem Wetter gefahren. Der Reifenwechsel soll damit komplett überflüssig werden.

Ladesystem Halo

Die Formel E soll auch genutzt werden, um Zukunftstechnologien zu zeigen und ihre Machbarkeit zu beweisen. Dazu gehört auch Qualcomms drahtloses Akkuladesystem Halo. Gizmodo-Leser kennen es bereits von unserer Berichterstattung zur CES 2013 und EVS27 (Videointerview).

In der ersten Saison der Formel E wird das Medical Car (ein BMW i3) und das frisch vorgestellte Safety-Car (ein BMW i8) mit Halo ausgestattet. Der Vorteil von Halo: Die Autos sind schneller einsatzfähig – es ist nicht nötig erst einen Stecker zu ziehen bevor man losfahren kann.

Formel E BMW i8 Safety Car

Die Formel E hat aber mit Qualcomms Halo noch mehr vor. So soll die induktive Ladetechnik bald direkten Einfluss auf die Rennen haben. In zukünftigen Saisons würden längere Abschnitte der Rennstrecken mit Halo-Technik verlegt. Die entsprechend präparierten Rennwagen könnten dann während der Fahrt ohne anzuhalten wieder aufgeladen werden.

Denkbar ist dann zum Beispiel, dass die Piloten die Ideallinie verlassen und die Halo-Ladespur nutzen, um den Wagenwechsel hinaus zu zögern oder Energie für kostspielige Manöver zu sammeln.

Formel E

Diese so in den Städten geschaffene Infrastruktur soll dann auch abseits des Rennens von elektronischen Autos, Bussen und Taxis, die mit Halo ausgestattet sind, nutzbar sein. Sicherlich ein cleverer Schritt Qualcomms die mit viel Expertise, Engagement und Budget ihr proprietäres Ladesystem vor der Konkurrenz etablieren wollen.

Publikumsinteresse vorhanden

Über 5.000 Besucher ließen sich das letzte Testrennen der Formel E in Donington nicht entgehen. Dabei war das Wetter eher schlecht angesagt und der Austragungstag ein Dienstag. Das recht hohe Publikumsinteresse könnte darauf zurück zu führen sein, dass es die Formel E geschafft hat, viele bekannte Namen um sich zu scharen. So kennen Rennsportbegeistere sicherlich die ehemaligen Formel 1 Piloten Lucas di Grassi oder Nick Heidfeld. Heidfeld startet für Venturi, dessen Miteigentümer zu den bekanntesten Gesichtern dieses Planenten gehört: Leonardo DiCaprio.

Formel-E-Fans in der Boxengasse
Auch Jarno Trulli will es noch einmal wissen. Der Formel-1-Veteran gründete ein eigenes Team und setzt sich auch gleich selbst hinters Steuer. Der zugegeben etwas ältere Alain Prost gründete auch ein eigenes Team, gibt aber seinem Sohn Nicolas Prost hinter dem Steuer den Vorrang. Noch ein Sohn kommt zu Einsatz: Nelson Piquet junior. Die komplette Fahrerliste findest du hier.

Fan-Boost

Die Formel E hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Publikum nah an das Renngeschehen zu bringen und sogar direkt Einfluss darauf nehmen zu lassen. Dafür hat es den Fan-Boost ins Leben gerufen.

Hier stimmen Formel-E-Fans darüber ab, welche drei Fahrer einen zusätzlichen Schub bekommen. Der Schub wird über einen Knopf am Lenkrad ausgelöst und erhöht die Leistung des Motors für 5 Sekunden um 30 kW. Das kostet dann entsprechend Akkuleistung und sollte taktisch überlegt eingesetzt werden.

Formel E

Die Formel E sucht die Nähe zu seinen Fans. Das zeigt sich auch in der Boxengasse. Hier sind Fans sowohl vor, als auch nach dem Rennen willkommen, um den Technikern über die Schulter zu schauen und einen Blick auf die Piloten zu erhaschen.

  • Startschuss 13. September - Wird sich die vollelektronische Rennliga Formel E durchsetzen? (Mehr Infos)
  • Ergebnisse

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Ausschließlich Stadtrennen

Es wird ausschließlich Stadtrennen geben. Auch das ist eine Entscheidung, um näher an den Fans zu sein. In der Stadt fällt es dann auch weniger ins Gewicht, dass die Formel-E-Wagen während des Rennes auf 225 km/h gedrosselt sind. Übrigens kennen die Fahrer die Strecken selbst nicht und fahren diese zur Qualifikation das erste Mal.

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Die Rennen finden in zehn Großstädten rund um den Globus statt – auch in Berlin. Das gesamte Event dauert inklusive freiem Training und Qualifikation nur einen Tag. Das erste Rennen der Formel E startet am 13. September in Peking.

Die FEH vergibt derzeit Übertragungsrechte, damit die Formel E in möglichst vielen Ländern empfangen werden kann. Für Deutschland wurde noch kein Sender bekannt gegeben.

Tags :Quellen:FIA Formel E
  1. Naja… Mir sind laute Motoren und der Geruch von Benzin in der Luft lieber. Werde das Gefühl nicht los, dass man versucht das Ganze zu hypen um letztendlich mehr Akzeptanz für Elektroautos zu schaffen, so lange man das Gefühl hat die Umwelt nicht zu verschmutzen tut man ihr ja etwas gutes, nicht? Vielleicht bin ich aber auch einfach in der Vergangenheit stehen geblieben…

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  2. Also ich bin sehr gespannt wie sich die Formel E entwickelt. Die Fahrer, Regeln, Ideen und Planung sind qualitativ sehr hochwertig und sind sehr namhaft. Dieses Format ist wie eine Knospe und wir werden sehen ob sie zu einer schönen Blume wird. Was mir aber nicht gefällt ist, dass man plant es nur auf Sky zu zeigen und das finde ich echt schlimm, denn ich denke mit Eurosport oder ein anderer Kabelsender würde die Aufmerksamkeit von Deutschland mehr erhöhen als im Pay-TV. Naja bin schon gespannt auf die ersten Rennen.. wird ungewöhnlich und zugleich sehr interessant denke ich mal. :)

  3. Ich bin zuversichtlich, dass die Formel E kein Reinfall werden wird. Einige Punkte des Konzeptes werden dafür sorgen, dass das Ganze im Vergleich zur Formel 1 sicherlich diverse Vorteile haben wird. So gibt es eine (in der Formel 1 seit vielen Jahren mehr oder weniger engagiert geforderte) Budgetobergrenze genauso wie ein Verbot der aerodynamischen Weiterentwicklung während der Saison. Die Tatsache, dass (zumindest im ersten Jahr) mit Einheits-Fahrzeugen, -Motoren und -Reifen gefahren wird, verspricht spannende Rennen.

    Bei den TV-Übertragungen tendiert man ja leider tatsächlich zu Sky, was ich sehr schade finde. So wird man mit dieser neue Form von Motorsport wohl nur einen äußerst geringen Zuschauerkreis in Deutschland erreichen.

    Bitte aber etwas sauberer recherchieren: Auf den Reifen sind ziemlich gut die Logos von Reifenpartner Michelin anstelle von der im Bericht genannten Firma Continental zu sehen ;)

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