Test: Yeelight Blue jagt Philips Hue

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Das Potential von Glühbirnen im Zuge der Heimautomatisierung ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit dem Wechsel zu LED-Lampen erhielten die Leuchten auch neue Funktionen zwischen Dimmen, Programmierbarkeit, Musikwiedergabe und Farbdarstellung. Wir haben uns die Yeelight Blue vorgenommen, die - ähnlich der Philips Hue - vor allem in puncto Farben einiges verspricht. Es wurde bunt!

Installation

Auch wenn das dünne Handbuch nur in den Sprachen Englisch und Chinesisch gedruckt wurde, ist die Installation der Yeelight Blue doch recht simpel und zügig zu bewerkstelligen. Wie beschrieben dreht man die Lampe mit dem standartisierten E 27-Sockel in die jeweilige Fassung und knipst das Licht an. Anschließend lädt man sich die iOS- oder Android-App über den entsprechenden Online Store auf sein jeweiliges Mobilgerät und installiert die Anwendung. Nun aktiviert man Bluetooth auf seinem Smartphone oder Tablet und startet die Yeelight-App – ein Kinderspiel, das genauso leicht funktioniert wie es klingt. Die einzelnen Funktionen sind dann nur kurz erwähnt, ohne näher auf deren Möglichkeiten einzugehen oder die Bedienung zu erklären. In den meisten Fällen ist das aber auch nicht notwendig.

Funktionen

Mit der Yeelight Blue sollte sich nicht nur weißes Licht, sondern jede Farbe des additiven Farbkreises darstellen lassen. Wie man zwischen diesen wechselt und dimmt wird gleich am Anfang erklärt – auf Chinesisch. Glücklicherweise haben die Hersteller aber auch eine kleine Infografik dazugefügt. Per horizontaler, beziehungsweise vertikaler Wischgeste regelt man Helligkeit beziehungsweise Farbe. Das funktioniert dank der direkten Prozentangabe der Helligkeit und der Darstellung der aktuellen Farbwahl auf dem kompletten Bildschirm auch dementsprechend ganz ordentlich, wobei die Veränderungen in der Lampe immer ein wenig langsamer sind als die Finger und deshalb noch ein bis zwei Sekunden nachziehen können. Kleine Helligkeitsunterschiede werden indes nur schwer wahrgenommen, was vor allem daran liegt, dass selbst der Maximalwert von 500 Lumen nicht besonders hell erscheint und in keinem Verhältnis zu einer 60-Watt-Glühbirne steht. Und auch wenn die Farbmischung theoretisch 16 Millionen verschiedene Farben erlaubt – die Ansteuerung derselben über den kleinen Kreis am Touchdisplay begrenzt die Anzahl der möglichen RGB-Kombinationen natürlich deutlich. Dennoch lassen sich sehr präzise schöne, satte Farben wiedergeben, die einem Raum die besondere Note verleihen können.

Yeelink bietet außerdem eine Timerfunktion im Zusammenhang mit der Yeelight Blue an. Dabei kann ein Zeitpunkt voreingestellt werden, bei dem sich die Lampe, oder auch mehrere Lampen von selbst deaktivieren. Das hat auch funktioniert, wobei im Gegensatz zu der iOS-App die Android-App mit den chinesischen Schriftzeichen innerhalb der Timer-Funktion noch kleine, sprachliche Stolperfallen besitzt. Die lernt man aber sehr schnell kennen.

Wirklich spannend ist vor allem die Möglichkeit das farbige Licht automatisch von der Musik oder Bildern beeinflussen zu lassen. Dabei kommt die patentierte Software „Flowing Color“ zum Einsatz. Der Nutzer bekommt also automatisch eine angenehme Lichtshow, passend zu den anderen optischen oder auditiven Eindrücken auf seinem Smartphone und seiner Umgebung – zumindest in der Theorie. Über den Menüpunkt „ColorFlow“ lässt sich tatsächlich ein Bild aus dem Speicher aufrufen, das dann in seine Einzelteile, beziehungsweise Farben zerlegt wird. Die App stellt einen dünnen Farbkreis dar, der sich um das entsprechende Bild legt. Die dort enthaltenen Farben spiegeln die Stimmung des Bildes einigermaßen wieder, filtern letztlich geglättete Mittelwerte verschiedener Farben aus den Dateien, die nicht immer optimal passen müssen.

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Die automatische Farbsteuerung durch die Musik hat uns zunächst sehr enttäuscht. Mit Music Rainbow und Disco Time war eine solche Funktion gleich zwei mal im Menü vertreten, beide führten aber schlicht zu folgender Anzeige (siehe links), die sich nahezu nicht änderte und auch nicht auf Musik aus der Umgebung reagierte. Allerdings war dies das Produkt der Android-Applikation, die nicht bei allen Geräten den vollen Funktionsumfang entfaltet. Anders hingegen bei iOS. Hier funktionierte sowohl Music Rainbow als auch Disco Time direkt auf Anhieb.

Dabei nahm das Apple-Mobilgerät Töne aus der Umgebung über das Mikrofon auf und visualisierte diese auf einer oder mehreren Lampen. Dem Vorteil, dass jegliche Musik im Raum, auch von analogen Abspielgeräten, von der Yeelight Blue begleitet werden kann, stehen aufgrund des Mikrofoneinsatzes störende Umgebungsgeräusche gegenüber. Gesprochene Wörter, laute Schritte, alles mischt sich in den Ton, den das Mikrofon erhält, und kann daher die Lichtshow arg verfälschen. Im Falle von Disco Time fällt das aber kaum auf, denn das Feature macht seinem Namen alle Ehre. Der Bezug zur abgespielten Musik war bei Disco Time kaum mehr erkennbar, die beiden Lampen, die wir dazu testeten, flackerten einfach wild und flott in verschiedenen Farben auf – Disco eben.

Etwas angenehmer sollte Music Rainbow erscheinen. Beide Lampen entschieden sich schnell für je eine Farbe – Blau und Orange – deren Intensität sie dann von Höhen und Tiefen beeinflussen ließen. Dabei schlugen die jeweiligen LEDs aber leider nicht immer an und verpassten den ein oder anderen Takt, was meist auf die Umgebungsgeräusche zurückzuführen war. Die Wechsel zwischen Hell und Dunkel erfolgten – sowohl bei Klassik als auch bei Metal – relativ hart, sodass selbst dieses Feature nicht gerade für sanfte Stimmungen geeignet ist. Schade eigentlich. Wer es aber mal „krachen“ lassen möchte, kann hiermit trotzdem viel Spaß haben.

Etwas unschön fiel hingegen auf, dass die Lichtfarbe nach einer Drehung des Bildschirms und meist auch nach einer Rückkehr zur Android-App automatisch zu weißem Licht wechselte. Das ist nicht immer gewollt und wenn, dann gibt es leider auch hierfür keine andere eingängige Methode. Am schnellsten wechselt man zum weißen Licht zurück, indem man im linken Menüreiter die entsprechende Lampe auswählt, deaktiviert und wieder einschaltet. Ein- und Ausschalten mit Beibehalten der Farbe funktioniert dafür umso simpler: Man tippt einfach doppelt auf das Display.

Der Menüpunkt Default Color macht zu guter Letzt die aktuelle Lampenfarbe zur Standardfarbe. Unter iOS hingegen fehlt dieses zugegebenermaßen leicht verzichtbare Feature.

Da eine Lampe alleine nicht unbedingt einen ganzen Raum in das entsprechende Farbgefühl tauchen kann, lassen sich bis zu zehn Yeelight Blue gleichzeitig steuern. Über den linken Menüreiter können außerdem einzelne Lampen an- und abgewählt werden, um verschiedenste Farbpunkte zu setzen. Leider gibt es auch hier ein großes Aber: Die Android-App erkannte in unserem Fall lediglich eine Lampe.

Yeelight Blue Screenshots

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Yeelight Blue
Der Startbildschirm der App.

App & Steuerung

Die Yeelight Blue-App von Yeelink ist für iOS 5.0 oder höher sowie für Android 2.2 oder höher verfügbar. Bedienung und Menüführung der Anwendung sind durchaus intuitiv, wenngleich ausschließlich auf Englisch. Farbmodifikationen und Dimmer sind simpel und großflächig über die Startseite der App erreichbar. Andere Tools, wie Timer, ColorFlow, Disco Time, Music Rainbow oder Default Color erreicht man über den quadratischen Menüreiter in der rechten oberen Ecke.

Zur Übersicht der Lampen gelangt man über den Button im linken oberen Eck. Die einzelnen Geräte lassen sich in der Ansicht, wie bereits beschrieben, direkt deaktivieren oder wieder in Betrieb nehmen. Etwas verwirrend ließ uns überdies die Tatsache zurück, dass nach der ersten Anwendung der Yeelight-App plötzlich ein zweites App-Icon in chinesischer Sprache auf dem Display prangerte. So ganz smooth läuft die Sache leider nicht, wobei sich dieses Phänomen, ebenso wie gelegentliche Verbindungsprobleme, auf Android beschränkte.

Technische Spezifikationen

Leistung: 6 Watt

Lichtstrom: 500 Lumen

Spannung: 240 Volt @ 50/60 Hertz

Standby-Leistung: Maximal 0,3 Watt

Lebensdauer: Mindestens 20.000 Stunden (circa 9 Jahre bei 6 Stunden Betrieb pro Tag)

Konnektivität: Bluetooth Smart 4.0

Reichweite: Bis zu 30 Meter

App: Android, iOS

Anzahl möglicher Farben: Über 16 Millionen

Fassung: E 27

Leuchtmitteleigenschaften: Dimmbar

Features: Timer, Auf Musik oder Bilder abgestimmtes Licht

Gewicht: 100 Gramm

Abmessungen: 14 mal 8,8 mal 7,6 Zentimeter

Lieferumfang: Benutzerhandbuch auf Englisch und Chinesisch, Garantiekarte

Preis: Rund 40 Euro

Der Lieferumfang der Yeelight Blue: Verpackung, spärlich Anleitung, die nicht näher auf die Funktionsweise eingeht, Garantiekarte.

Der Lieferumfang der Yeelight Blue: Verpackung, spärlich Anleitung, Garantiekarte.

gizrank 30 Sterne

 

Fazit

Die Yeelight Blue ist keine LED, um einen Raum großflächig zu erleuchten. Das Gimmick – eigentlich eine abgespeckte Philips Hue – dient der akzentuierten Farbsetzung im Raum. Das funktioniert auch recht schön und präzise, für Android sind die anderen Features derzeit aber noch nicht vollumfänglich optimiert. Die fehlende Visualisierung von Musik sowie seltene, doch existierende Verbindungsprobleme trotz geringster Entfernung und das Ignorieren weiterer Lampen sind aktuell noch ein großes Ärgernis. Wer auf die 40 Euro, die eine Yeelight Blue derzeit kostet, noch einmal satte 30 Euro drauflegt, bekommt eine vermeintlich hochwertigere LED-Birne – die Philips Hue. Sie ist internetfähig und bietet mehr Möglichkeiten zur Programmierbarkeit sowie voreingestellte Themes. Bis jetzt kann die Yeelight hier nicht mithalten.

Sämtliche Probleme traten jedoch ausschließlich unter Android auf und auch das gilt in der Regel nicht für alle Mobilgeräte mit diesem Betriebssystem. Außerdem sollten diese Unannehmlichkeiten mit der Zeit verschwinden, zumindest schürt ein Hinweis auf Verbesserung im Google Play Store diese Hoffnungen. Vor allem Apple-User können der Yeelight Blue aber einiges abgewinnen. Darum 3 von 5 Sterne in unserem Gizrank.

plusIntuitive, präzise Farbsteuerung

plusAutomatisierte Lichtshow auf Basis einer Bilddatei

minusZu Musik nur hektische Lichtshows unter iOS; noch gar keine unter Android

minusAndroid-App noch nicht fertig angepasst

Diese Lampe spielt sogar Musik!

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