Test: Prestigio Multiphone 8500 Duo – Edles Low-Budget-Windows Phone für Einsteiger

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Große Bildschirme liegen in den Augen der Hersteller voll im Trend und das Betriebssystem Windows Phone 8.1 gefällt nicht nur uns richtig gut. Alternativ zu den Nokia-Modellen hat sich unter anderem der zypriotische Hersteller Prestigio mit seinem Multiphone 8500 Duo in genau dieser Sparte platziert. Mit dem Preispunkt von 159 Euro setzt man eine gehörige Duftmarke und Kaufanreize für Einsteiger. Ob auch verwöhnte Digital Natives dem Low-Budget-Mobilgerät etwas abgewinnen können, erfährst du in unserem Test.

Wie schon in unserem Unboxing-Artikel beschrieben, kann sich das Prestigio Multiphone 8500 Duo technisch mit dem derzeit beliebten Nokia Lumia 630, seinerseits das erste Smartphone mit Windows Phone 8.1, messen. Während das Nokia-Gerät seit Marktstart vor drei Monaten um etwa 30 Euro auf rund 130 Euro gesunken ist, hat es ein etwas kleineres Display, schlechter auflösende Kamera und weniger Arbeitsspeicher als das Prestigio-Smartphone, das bezüglich der inneren Werte weitestgehend dem 120-Euro-Modell von Motorola entspricht. Gleichzeitig kommt das Lumia 630 mit einem neueren Prozessor und der Option, die LTE-Variante (Lumia 635) für aktuell etwa 165 Euro zu erwerben. Letzten Endes unterscheiden sich die beiden Smartphones vor allem bezüglich ihres Designs. Während das Lumia 630 beziehungsweise 635 in schrillen Farben auf mitunter billig wirkenden Plastikschalen vor allem junge Leute erreicht, stellt sich das Prestigio Multiphone 8500 Duo in die edle, klassische Schlange, die in zeitlosem Schwarz und Weiß niemanden überrascht und doch ein wenig zu reizen vermag.

Design

Damit wären wir auch schon beim Design des Multiphones. Frontseitig gefällt uns das Prestigio Multiphone 8500 Duo richtig gut. Das schwarze Display ist bei entsprechend schwacher Lichteinstrahlung nicht vom Rahmen zu unterscheiden und wirkt wie aus einem Guss. Die drei Buttons (Zurück, Homescreen, Lupe) schneiden dem Fünf-Zoll-IPS-Display keinen Platz ab, können sich damit aber auch nicht mit den Bildschirmdrehungen bewegen, wie es beim Nokia Lumia 630 der Fall ist. Doch das ist nur eine kleine Spielerei. Ganz außen umläuft das Multiphone ein schwarzer und rund einen Millimeter hoher Rand, der in einen ebenso schmalen und gering hervortretenden Aluminiumrahmen mündet. Er verleiht dem Gerät mit den angenehm abgerundeten Ecken einen hochwertigen, klassischen Stil, der bei der Plastikrückseite, die sich dank besonders winziger, angedeuteter Perforationen sowohl glatt als auch rau anfühlen kann, abrupt endet. Auch wenn die Plastikschale in keinster Weise klappert und demzufolge astrein sitzt, hier sieht man trotz des metallisch glänzenden Prestigio-Emblems samt Schriftzug, dass das Multiphone 8500 Duo nicht das teure Premium-Produkt ist, das es in manchen Augen wohl zunächst gerne wäre.

Plastikschale, Aluminiumrand und vorstehende Kamera.

Plastikschale, Aluminiumrand und vorstehende Kamera. Die angedeutete Perforation ist so schwach, dass man schon sehr genau hinsehen muss.

Wirklich schlimm ist das aber keineswegs. Fettschlieren und Fingerabdrücke sieht man auf den meisten Rückseiten und die Kamera glupscht zwar auffällig hervor, wird mitsamt dem glänzenden Metallring aber den wenigsten missfallen. Auch das bereits angesprochene Prestigio-Emblem selbst ist wenig störend, obwohl es sich dabei nicht unbedingt um einen unverzichtbaren Augenschmaus handelt. Nichtsdestotrotz muss sich das gut verarbeitete Äußere in seiner Erscheinung keineswegs verstecken. Wer die Augen trotzdem schließt und sich auf das Gewicht konzentriert, wird feststellen, dass es sich nicht unbedingt leicht anfühlt, vielleicht sogar etwas schwer in der Hand liegt. Verglichen mit anderen, physisch großen Smartphones sind die rund 140 Gramm aber ein ganz durchschnittlicher Wert.

Display

Wir bleiben bei dem, was wir ständig sehen. Das 5-Zoll-IPS-Display bietet eine HD-Auflösung von 1.280 mal 720 Pixel, die bei maximaler Helligkeit durchaus zu gefallen wissen. Auch bezüglich der Blickwinkelstabilität braucht sich das Smartphone nicht zu scheuen, wohingegen die Pixeldichte von etwa 295 ppi noch weit von den traumhaft schönen Bildern der aktuellen Smartphone-Flaggschiffe entfernt ist, die mit Werten zwischen 440 und 540 ppi auf sich aufmerksam machen. Doch das ist mitunter bereits zuviel des Guten und bei der Preisklasse, der das Prestigio Multiphone 8500 Duo angehört, auch nicht wirklich zu erwarten.

Geringe Helligkeit - spart Strom.

Geringe Helligkeit – spart Strom.

Kamera

Die Acht-Megapixel-Autofokus-Kamera an der Rückseite entspricht in etwa dem Standard der Preiskategorie des Multiphones. Wo Premium-Geräte mit 13, 16 oder 20 Megapixel und knackigen Fotos beeindrucken, reicht die Kamera des Prestigio-Smartphones allerdings durchaus um den tendenziell anspruchslosen Schnappschusschützen in seiner Erwartung gerecht zu werden.

Mit wenig Ernüchterung stellten wir fest, dass die Kamera, wie bei den meisten Produkten, bei schlechten Lichtverhältnissen starkes Rauschen in den Bilden hervorrief. Dafür schaffte es der Sensor die Bilder heller zu machen, als es in Wirklichkeit war. Nichtsdestotrotz gibt es Smartphones, die unter diesen Bedingungen vor allem hinsichtlich der Gradatation meist subjektiv schönere Aufnahmen erstellen. Schlecht reden wollen wir die Kamera des Multiphone 8500 Duo aber nicht, so lassen sich auch mit ihr hübsche Bilder schießen. Dass das Bild auf dem Display im Kameramodus bei Bewegungen sehr stark nachzieht gefiel uns hingegen überhaupt nicht.

Die Kamera des Prestigio Multiphone 8500 Duo

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Am hellichten Tag lassen sich schöne Bilder aufnehmen, wenngleich hier die Lichter gerne Überhand nehmen.

Trotz der schwachen Darbietung des Bildausschnitts auf dem Display, das bei Bewegungen durch und durch von Lags geläutert wurde, schaffte das Multiphone 8500 Duo standesgemäß flüssige Videoaufnahmen mit einer Auflösung von bis zu 864 mal 480 Pixel. Dort ließ sich vorab der Weißabgleich einstellen und die LED-Leuchte für die Aufnahmezeit aktivieren. Die Qualität der Videos hinkte in erster Linie an der geringen Auflösung, überzeugte ansonsten aber sogar beim Ton. Frontseitig filmt man mit einer noch geringeren VGA-Auflösung, die man bei Videotelefonie aber weitestgehend verkraften wird, da aufgrund limitierter Übertragungsgeschwindigkeiten sowieso häufig die Auflösung herabgesetzt wird. Fotos, beispielsweise Selfies können dagegen mit zwei Megapixel geschossen wird.

Performance

Apps öffnen sich in der Regel nach spätestens zwei bis drei Sekunden, was den Geduldsfaden des Durchschnittsnutzers noch nicht überspannen wird. Die Surfgeschwindigkeit leidet natürlich am fehlenden LTE-Standard, stellt ansonsten aber durchaus zufrieden. Beim Drehen des Bildschirms von Horizontal in Vertikal oder umgekehrt dauert der Seitenaufbau, vor allem innerhalb des Browsers, mit bis zu zwei Sekunden meist auch spürbar länger, als bei Geräten, die mit schnellerer CPU und mehr als einem GByte RAM ausgestattet sind. Insgesamt wünscht man sich bezüglich der Reaktion des Touchscreens leider nicht ganz selten, dass die Wischgesten, Zoombewegungen oder das schlichte Drücken auf Buttons besser erkannt wird. Schade – Hier ist man von den meisten anderen Smartphones eine etwas bessere Performance gewöhnt. Selbiges setzt sich fort, wenn man das Smartphone mit seiner glatten Plastikschale auf den Tisch legt und übers Display zu Wischen versucht. Einige andere Geräte bleiben hier beständig auf dem Untergrund liegen, doch das Multiphone 8500 Duo rutschte mitsamt dem Finger – Scrollen wurde einem nicht leicht gemacht. Doch es sei erwähnt, dass die Performance des Multiphone 8500 Duo für die Erwartungshaltung in dieser Preiskategorie durchaus genügt. Einsteiger werden ihr Multiphone also trotzdem schätzen.

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Eigentlich recht schick. Einen vollständigen Blick auf das Prestigio Multiphone 8500 Duo kannst du dir in unserem Unboxing machen.

Betriebssystem

Mit Windows Phone 8.1 hat man ein schönes, organisch visualisiertes Betriebssystem  zur Hand, das es mit seiner Konkurrenz in nahezu allen Bereichen aufnehmen kann. Was alles neu ist, kannst du hier ganz einfach nachlesen. Das Multiphone 8500 Duo ist im Übrigen nicht mehr lange das Einzige Prestigio-Modell mit dem Mobilbetriebssystem von Microsoft. Das Multiphone 8400 Duo, das für 79 Euro mit 4-Zoll-IPS-Display und 512 MByte RAM aber dem selben Prozessor wie das 8500 Duo kommt, wird ab Mitte September angeboten. Ab Oktober bietet Prestigio auch ein 10-Zoll-Tablet mit Windows Phone 8.1 an. Das MultiPad Visconte 3 soll dabei mit einer UVP von 249 Euro starten.

Akku und Konnektivität

Mit einer Kapazität von 2.000 mAh wirkt der Lithium-Ionen-Akku nicht gerade wie ein Energie-Bolide. Dank des sparsamen Betriebssystems schafft man damit bei durchschnittlicher Nutzung trotzdem anderthalb bis zwei Tage. Das Aufladen nahm beim Multiphone 8500 Duo leider ungewohnt viel Zeit in Anspruch. So war der Akku nach einer Stunde gerade einmal zu 34 Prozent gefüllt. Dieser Schnitt führte sich auch in etwa so fort, was in einer fast dreistündigen Ladezeit für den eigentlich knapp bemessenen 2.000-mAh-Akku mündete. LTE und mitunter auch NFC wird man beim Multiphone 8500 Duo im Übrigen auch vermissen. Die Verbindung zu Peripherie-Geräten oder dem lokalen drahtlosen Netzwerk übernimmt Bluetooth 4.0 sowie WLAN IEEE 802.11b/g/n. Über GPS kann der Standort ermittelt werden.

Vorinstallierte Software

Links oben und schräg darunter

Links oben und schräg darunter

Neben spezifischen Windows Phone 8.1- und Microsoft-Diensten wie „Bing Gesundheit & Fitness“, „Bing Finanzen“,  „Bing Kochen & Genuss“, „Microsoft Office“, „OneDrive“, „OneNote“, „Bing Reisen“, „Bing Sport“, „Xbox Games“, „Bing Wetter“, sowie dem Internet Explorer, der Karten-Anwendung, dem Windows Store und Skype ist lediglich Facebook vorinstalliert. Wenigstens wird man hier nicht von doppelten, dreifachen und restlos überfüllten App-Angeboten geflutet, wie es bei vielen Android-Geräten der Fall ist. Mag sein, dass Prestigio seine eigenen Apps, wie den eReader, einfach noch nicht für Windows Phone optimiert hat.

Dual-SIM

Eine der Besonderheiten des Multiphone 8500 Duo, die mittlerweile jedoch immer mehr Hersteller in ihre Geräte integrieren, ist die Dual-SIM-Funktion. Nimmt man die Rückseite ab, lassen sich hier zwei SIM-Karten einschieben, die auf dem Home Screen separat ein SMS- und Anruf-Tile bekommen (siehe Bild links). Dual-SIM ist nicht etwa dafür da, um sich mit seinem Partner selbst das Mobiltelefon zu teilen, sondern erlaubt einfachere Tariffreiheiten, beispielsweise bei häufigen Auslandsaufenthalten, für die man einen gesonderten Tarif samt zweiter Nummer benutzen möchte.

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Sound

Das Mikrofon selbst nimmt, wie bereits bei den Videos beschrieben, einen sehr zufriedenstellenden, klaren Ton auf. Zur Wiedergabe liegen unter anderem Kopfhörer bei, deren flaches Kabel angenehm zwischen den Fingern liegt und vergleichsweise resistent gegenüber scheinbar unlösbaren Knoten ist. Die edlen, schwarzen In-Ears mit glänzendem Metallring kommen zwar ohne wechselbaren Ohraufsatz, machen aber einen schönen, dynamisch überzeugenden Sound. Im Übrigen besitzt das Kabel auf Kinnhöhe auch eine etwa zwei Zentimeter lange Verstärkung samt Mikrofonöffnung und Button zur Anrufannahme sowie Play/Pause bei Musik- oder Videowiedergabe.

Wer alternativ dazu Musik über die Lautsprecher des Multiphone 8500 Duo hören möchte, sollte sein Smartphone dabei aber nicht mit der Rückseite nach unten legen. Die Lautsprecher sind leider etwas ungünstig platziert und strahlen in diesem Fall direkt auf den Tisch – übrig bleibt ein laues Lüftchen voll blasser Töne. Hält man das Smartphone aber in der Hand oder legt es auf das Display, das dank Gorilla Glas 2 ja etwas geschützt sein soll (wir haben nicht versucht es zu zerkratzen), erhält man einen für die meisten Smartphones erwartungsgemäßen Sound – flach und blechern.

Du willst Bewegtbilder? Dann schau dir mein Unboxing an!

Technische Daten laut Hersteller

Display: 5-Zoll-IPS-Display mit 1.280 mal 720 Pixel (HD) und Gorilla Glas 2

Prozessor: Qualcomm Quad-Core MSM8212 mit 1,2 GHz und Adreno 302 Grafikeinheit

Arbeitsspeicher: 1 GByte

Interner Speicher: 8 GByte, 4,5 GByte davon zur freien Nutzung

Anschlüsse: MicroUSB 2.0, 3,5-Millimeter-Klinke, MicroSD-Kartenslot für bis zu 32 GByte

Konnektivität: 3G, WLAN IEEE 802.11b/g/n, DLNA, GPS

Betriebssystem: Windows Phone 8.1

Sensoren: Bewegungssensor, Beschleunigungssensor, Näherungssensor

Rückseitige Kamera: 8 Megapixel mit Autofokus, LED-Blitz und Videos mit bis zu 864 Pixel Breite.

Frontseitige Kamera: 2 Megapixel mit Videoauflösung von 640 Pixel Breite.

Akku: 2.000 mAh Lithium-Ionen

Maße: 8,5 Millimeter (Tiefe), 73 Millimeter (Breite), 146 Millimeter (Höhe)

Gewicht: 140 Gramm

Lieferumfang: USB-MicroUSB-Kabel, Netzteil, Kopfhörer, Handbuch

Preis: 159 Euro UVP

gizrank 35 Sterne

Fazit

Das Prestigio Multiphone 8500 Duo kommt schlichtweg ohne große Überraschung oder konsequent durchdachte Ausstattung aus, so liest sich das Datenblatt, abgesehen von Preis, Dual-SIM und Displaygröße, wie ein Verkaufsschild von vor mehreren Jahren. Staubig und alt wirkt das Multiphone aufgrund des bunten Windows Phone 8.1 aber ganz und gar nicht. Wer sein Smartphone in erster Linie zum Kommunizieren nutzt und weniger Wert auf Schnickschnack, Kamera oder mehr oder minder nahe Zukunftstechnologien legt, kann auch dem ersten Windows Phone von Prestigio einiges abgewinnen. Äußerlich gefällt uns vor allem die Frontseite und wer ein Smartphone mit großem Display aber für den kleinen Geldbeutel sucht, wird sich ob der UVP von 159 Euro gut und gerne noch länger mit dem Prestigio-Modell beschäftigen. Letzten Endes kommt das Multiphone 8500 Duo aber auch unter Beachtung seiner Preisklasse nicht über 3,5 von 5 Sternen im Gizrank hinaus.

plus Windows Phone 8.1

plus Dual-SIM und 5-Zoll-Display für unter 160 Euro

minus LTE und NFC fehlen

minus Gelegentlich unverhältnismäßige Touchdisplay-Reaktionen

minus Relativ kleine Videoauflösungen

 

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  1. Also verglichen mit den Lumia-Geräten, die trotz Kunststoffrückseite hochwertig sind (optisch und haptisch), sieht das Smartphone von Prestigio verdammt billig aus. Die Rückseite von dem Gerät sieht irgendwie speckig aus. Kann die Meinung im Artikel überhaupt nicht nachvollziehen.

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