iPhone 6: RAM bleibt wohl klein und Produzent Foxconn ist überfordert

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Apples Mobilbetriebssystem iOS 8 steht mittlerweile zum Download bereit und das neue iPhone wird ab morgen, 19.09.2014, in Deutschland verkauft. Doch trotz all der Vorfreude gibt es weitere Wermutstropfen für Anhänger der iPhone-Linie. So scheint der Arbeitsspeicher gleichwohl gewachsener Displays bei einem GByte zu stagnieren. iPhone-Produzent Foxconn kommt derweil trotz unglaublicher 200.000 Mitarbeiter am Standort Zhengzhou nicht mit der Herstellung hinterher.

200.000 Foxconn-Arbeiter an einem Standort. Das sind 400.000 Hände, unterbezahlt und schlecht versorgt, wie jedes Jahr von der iPhone-Euphorie der Welt und etwas Geld für die eigene Tasche oder Familie getrieben. Man stelle sich nur diese Produktionshallen vor, in denen zahlenmäßig die komplette Bevölkerung von Kassel, sicher (hoffentlich!) aufgeteilt auf mehrere Schichten, unermüdlich vor sich hinwerkelt. Die Fotos, die man findet, lassen mich schnell an einen Schlachthof denken. Doch – um es etwas zu übertreiben – wer ist hier der Schlächter? Dass die Arbeitsbedingungen bei Foxconn alles andere als angenehm sind, ist seit Jahren bekannt. Dieses, vor zwei Jahren in der Zeitung Welt erschienene, Foto einer Foxconn-Mitarbeiterin, die ein Schild mit der Aufschrift “Bloody Apple” in ihren Händen hält, ist mehr als bezeichnend für den Zynismus, den man – leider nicht nur als Apple-Kunde – in Kauf nimmt. Es wird sich also hoffentlich niemand beschweren, wenn er auf sein neues iPhone nun drei oder vier Wochen länger warten muss als geplant.

Täglich werden bei Foxconn 140.000 iPhone 6 Plus und 400.000 iPhones zusammengebaut. “Das ist der höchste tägliche Ausstoß aller Zeiten, aber die Menge reicht immer noch nicht, um alle Vorbestellungen zu erfüllen”, zitiert das Wall Street Journal eine mit der Angelegenheit vertraute Person. “Für das iPhone 6 Plus bauen wir die Produktion weiter aus. Ein weiterer Grund für die knappen Mengen sind Lieferschwierigkeiten bei den 5,5-Zoll-Displays.”

Ein Mitarbeiter aus der Display-Abteilung sagte dem Wall Street Journal zudem, dass nur 50 bis 60 Prozent der gefertigten iPhone 6 Plus den Qualitätsstandards genügten. Der Rest müsse aussortiert werden. Beim iPhone 6 sei die Ausbeute jedoch mit 85 Prozent deutlich höher. Horrende Ausschüsse, vermutlich auf Kosten der Löhne der Mitarbeiter, die, so scheint es, nicht optimal auf die Herausforderungen dieser Wochen vorbereitet wurden. Dabei assembliert Foxconn mit seinen über 100 rund um die Uhr laufenden Produktionslinien laut WSJ sämtliche iPhone 6 Plus mit 5,5-Zoll-Display sowie die meisten 4,7-Zoll-iPhones 6.

Gerade jene Produktdiversifikation ist es, die Foxconn weitere Schwierigkeiten zu bereiten scheint. Durch die größeren Bildschirme und andere Neuerungen unterscheiden sich beide Modelle deutlich von ihren Vorgängern, heißt es in dem Bericht des Wall Street Journals. Damit verbundene Änderungen bei der Produktion muss Foxconn nahezu komplett alleine stemmen. Im vergangenen Jahr sei es zwar auch alleine für das iPhone 5S verantwortlich gewesen, es habe aber nur wenige iPhone 5C geliefert und die Produktion des Modells schließlich aufgegeben.

Der Arbeitsspeicher bleibt gleich

So etwas wie die Parallele zu den gigantisch großen und doch nicht ausreichenden Arbeitshallen in China ist der Arbeitsspeicher der neuen iPhone-6-Modelle. Während die restlichen High-End-Smartphones zwei, teilweise auch drei GByte RAM verbaut bekamen, sitzt in Apples neuen Mobilgeräten ersten Tests zufolge nach wie vor nur ein GByte Arbeitsspeicher. Freilich ist die Abstimmung von Hard- und Software beim Konzern aus Cupertino deutlich besser als bei den Konkurrenzgeräten mit Betriebssystemen wie Android oder Windows Phone. Trotzdem muss man eigentlich eine vergleichsweise zögerliche Performance erwarten, geschuldet der gewachsenen Displayauflösungen von iPhone 6 und iPhone 6 Plus.

Kai Schmerer von ZDNet vergleicht hierzu das iPad 4 Retina und iPad Mini der ersten Generation. “Obwohl das iPad 4 in Sachen Prozessorleistung eine im Vergleich zum Mini dreifach bessere Performance bietet und über doppelt so viel RAM verfügt, muss es geöffnete Tabs öfter nachladen als die auf dem Papier vermeintlich schwächere iPad-Variante.” Die Ursache dafür liegt laut Schmerer in der vierfachen Displayauflösung des iPad 4 Retina im Vergleich zum iPad Mini. Anstelle der 1.024 mal 768 Pixel bietet das Retina-Gerät eine Auflösung von 2.048 mal 1.536 Bildpunkte, also 0,78 Millionen Pixel gegenüber 3,14 Millionen Pixel.

So enorm sind die Unterschiede zwischen iPhone 5 und den neuen Modellen zwar nicht – die Pixelanzahl stieg um 37 Prozent beim iPhone 6 und um 185 Prozent beim iPhone 6 Plus – doch erwartet Schmerer ähnliche Performanceeinbußen, “zumal das Phänomen des Nachladens geöffneter Tabs auch beim iPhone 5 bekannt ist.”

Leider ändere sich dieses Verhalten auch mit iOS 8 nicht. Zumindest ließe sich im Test mit der Golden Master und dem iPad 4 keine Besserung erkennen. Das Problem ist bereits seit längerem bekannt und wird in zahlreichen Foren wie bei MacRumors ausgiebig diskutiert. Entsprechend enttäuscht zeigen sich die dortigen Leser über die nun bekannt gewordene Größe des Arbeitsspeichers der iPhone-6-Modelle. Nun denn, mal abwarten.

Tags :Via:Mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de
  1. Wow ich habs nichtmal fertiggebracht vor lauter geistigem Dünnschiss, die ersten beiden Absätze zu lesen. Gratulation. Schauen wir doch mal auf die anderen Auftraggeber von Foxconn und deren Bemühungen für bessere Arbeitsbedingungen

      1. graturliere auch zum artikel. manche apfel-anbeter können einfach nicht selber denken und ignorieren alles, was ihnen nicht passt.

    1. Weil alle es machen, wird Apples Verhalten nicht besser. Finde den Artikel erfrischend kritisch. Unreflektierte Jubelgesänge über die ‘wieder mal’ höchsten Verkaufszahlen gibt es wirklich genug.

  2. Ist doch nicht nur bei den Smartphones so, in sofern, finde ich den Artikel zwar an sich nicht schlecht. Aber zu kurz Gehalten, finde ich Ihn wieder doch.
    Entweder alle, oder keiner, von Artikeln die Apple und Fox so hinstellen, als wären Sie das ganze übel….. Gibt es auch schon mehr als Genug (MM)

  3. Man muss natürlich auch beachten, dass iOS weniger Arbeitsspeicher verbraucht und die Apps auf den verfügbaren Arbeitsspeicher optimiert sind. Habe irgendwo mal einen Artikel zur JavaGarbageCollection gelesen, dass dadurch bei Android generell mehr RAM benötigt wird.(Weiß keine Details mehr, aber gidf ;))Trotzdem wird der Arbeitsspeicher mittlerweile schon knapp und wird in spätestens 1-2 Jahren ungenügend sein. Ich kann jetzt schon vorraussagen: Der größere Arbeitsspeicher wird beim iPhone 6S die größte Neuerung. Die großen Performance Updates kamen doch sowieso immer mit der S Version der iPhones oder?

  4. Da kommt man sich doch verarscht vor man kauft sich so ein teures Gerät, und die es zusammenbauen verhungern schier.
    Bei den dicken Margen die Apple einfährt wäre es sicher möglich jedem Mitarbeiter ein paar Dollars mehr zu bezahlen.
    Kennt man von den Kleidern ja schon lange, leider hat man als Konsument nicht wirklich eine Möglichkeit etwas zu unternehmen wenn man einigermassen Zivilisiert leben möchte.
    Ich rede hier von Kleidung und Elektronik, nicht das einer mit Max Havelaar Bananen daher kommt.

  5. Als wäre Foxconn bzw Apple das Übel des Kapitalismus. Selten so einen populistischen Scheiß gelesen – egal ob nun alles hochgejubelt wird oder versucht wird schlecht zu reden, in der Mitte liegt die Wahrheit. Hat denn Nokia soviel bessere Arbeitsbedingungen in Rumänien, HTC oder Samsung in Asien?! Nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen, da zeigen 3 Finger auf einen selbst. Der Autor kann ja gerne auf jeglichen kommerziellen Kram verzichten (wer hat denn seinen Computer/Laptop wohl zusammengeschraubt, wo kamen denn die Materialien her und unter welchen Bedingungen wurden diese abgebaut). Ich hoffe Andreas Eichenseher sitzt in einem Jutesack gekleidet vor einem selbstgebauten PC und treibt seinen Hamster an Strom zu liefern, ansonsten ist dieser Artikel nichts wert! Letztlich möchte wohl niemand solche Zustände unterstützen, aber solange nur China seltene Erden fördert und das gesamte kommerzielle System darauf ausgelegt ist, einzelne Menschengruppen gnadenlos auszubeuten um selber Profit zu erzielen, wird es so bleiben. Da ist aber der Konsument das letzte Glied in der Kette – fragt mal bei der Regierung/EU weshalb solche Praktiken gewollt und unterstützt werden!

    1. habe im artikel nach “Übel des Kapitalismus” gesucht, oder iwas, was darauf hinweist, aber nichts gefunden. kannst du benennen, wo die textstelle zu finden ist ???
      ich habe nur die erste zeile deines kommis gelesen. da hatte ich schon den eindruck, dass du ein unterbelichteter junge bist LOL weiter lese ich nicht :DDDDDDDDD

  6. Der unterdimensionierte Arbeitsspeicher regt mich fast noch mehr auf als die ständigen Foxconn/Apple Stories… So gut wie jeder lässt mittlerweile unter solchen Bedingungen fertigen…. Ich möchte mal die Android User hören wenn das neue Handy 5€ mehr kostet nur damit die chinesischen Arbeiter besser bezahlt werden ;-)

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