Studie: 3D macht das Filmerlebnis nicht emotionaler

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Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität in Utah bestätigt, dass 3D-Filme bei den Betrachtern fast immer dieselbe emotionale Reaktion auslösen wie ihre zweidimensionalen Pendants. Regisseure sollten sich also zukünftig besser überlegen, ob es bei ihren Bildern den Aufwand eines 3D-Films wert ist.

Psychologen der Utah University führten ihre Tests an 408 Probanden aus, die sie an zahlreiche Elektroden und Sensoren anschlossen, um psychologische Reaktionen sowie Herzfrequenz und Schweißproduktion zu messen. Dann wurden ihnen einige Filmsequenzen, darunter Szenen aus “My Bloody Valentine”, “Despicable Me”, “Tangled” und “Der Polarexpress”, in 2D und 3D vorgespielt, die – typisch für das Medium – auf verschiedene Emotionen wie Angst, Trauer, Unterhaltung und Aufregung abzielten. Zur Verwunderung der Psychologen konnte lediglich die 3D-Variante des Films “Der Polarexpress” ein kleines bisschen mehr Emotionen aus den Probanden kitzeln, als im 2D-Format. Robert Zemecknis, der den Film verantwortete und selbst ein begeisterter Verfechter des 3D-Films ist, kann sich also auf die Schulter klopfen.

Den Forschern zufolge lohnt sich die 3D-Produktion also nur, wenn sie auch wirklich, wirklich gut ausgeführt wird. Dann kann sie durchaus eine lebhaftere, zum Teil immersive Erfahrung ermöglichen. Im Falle des Films “Der Polarexpress” geschah dies durch qualitativ hochwertigere, abwechslungsreichere und länger anhaltende 3D-Effekte, als bei der Konkurrenz. Bei den meisten Filmen war dies leider nicht der Fall und der 3D-Status blieb ein schlichter Status – trocken, anwesend, doch regungslos.

Eine Glaubensfrage

Hollywood-Regisseure wie George Lucas, James Cameron, Steven Spielberg, Martin Scorsese oder Robert Zemecknis sind große Verfechter des 3D-Films, während im anderen, abgespaltenen 2D-Lager ebenfalls Filmgrößen wie Michael Bay, Christopher Nolan und Louis Leterrier aktiv sind. 2D oder 3D war häufig eine Einstellungs- und Glaubensfrage. Die Studie der Utah University, die belegt, dass ihre Probanden vielmehr auf den Inhalt und die Dramaturgie des Films anspringen als auf die eingesetzte visuelle Technologie, gibt der Diskussion neues, empirisches Futter. Und es sieht so aus, als ob die 3D-Kritiker zuletzt lachen würden – zumindest bis eine weitere Studie die Erkenntnisse aus Utah widerlegen kann.

Die Studie sollte in erster Linie der eigenen Forschung dienen, da man bei unterschiedlichsten Aufgaben selbst häufig Filme benutzt, um bei den Probanden Gefühle auszulösen. Abschließend erwähnte man, dass zukünftige Studien das Alter der Probanden variieren und außerdem “neuere, realistischere visuelle Stimulationen als Mittel, die Wissenschaft bezüglich dem Entstehen von Emotionen zu verbessern,” getestet werden könnten. Gemeint sind unter Umständen VR-Brillen wie die Oculus Rift.

Bestätigung vieler Meinungen

OK, eigentlich war das Ergebnis dieser Studie gar nicht so außergewöhnlich. Ein gesteigertes Empfinden beim Sehen eines solchen Films beschränkt sich auf ausgewählte Streifen mit entsprechenden Effekten. In den Augen unserer Leser sind das Filme wie Gravity oder Avatar. Doch 3D-Filme werden teurer produziert, da die komplexen Kameras mehr Geld und Zeit zur Justierung verschlingen. Damit gehen auch die höheren Eintrittspreise für 3D-Filme in den Kinos einher. Höhere Preise bedeuten aber nicht unbedingt höheren, emotionaleren Gewinn, manchmal aber höhere Erwartungen, denen man nicht immer gerecht wird und somit gelegentlich Enttäuschungen auslöst. Auch der coole 3D-Moment, bei dem man futuristisch mit klobigen Shutterbrillen, manchmal auch nur mit den aus Pappe bestehenden Anaglyphenbrillen in den weichen Kinosesseln saß, ist schon lange, lange nicht mehr außergewöhnlich, geschweige denn aufregend. Die gesteigerte Emotion muss also tatsächlich vom Filmerlebnis selbst stammen. Doch das gelingt nur selten.

Viele geben bei manchen Filmen sogar der 3D-Technologie die Schuld für ihr negatives Filmerlebnis. Vor allem beim Hobbit, der auch in einer Kombination aus 3D und HFR, also 48 Bildern anstelle der üblichen 25 oder 30 Bilder pro Sekunde, gesehen werden konnte, beschwerten sich zahlreiche Kinobesucher. Man sprach von einem “Theatereffekt” und zu schnellen Kameraschwenks, die nicht mehr scharf verfolgbar waren. Die 3D-Technologie wurde zunehmend infrage gestellt, ihre hohen Kosten stehen schließlich nur wenigen Vorteilen gegenüber.

Freilich gibt es eine ganze Reihe von Filmen, die von den Möglichkeiten des 3D-Films profitieren, da sie gezielt Effekte einsetzen, um das Publikum zu überraschen. Auf intentionaler und emotionaler Ebene kann die Technologie aber nicht mit Handlung, Musik oder der Schauspielkunst konkurrieren. In der Diskussion zwischen 3D-Fans und -Kritikern haben letztere aufgrund der Studie der Utah University zumindest ein handfestes Argument hinzugewonnen. Und 3D sollte vielleicht weniger als logische Weiterentwicklung des zweidimensionalen Bildes, sondern als hilfreiches Trick- und Stilmittel in passenden Fällen betrachtet werden.

Tags :Quellen:WiredPlos OneBild: Shutterstock

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