So viel kostet das iPhone 6 in der Herstellung

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Zwischen 700 und 1.000 Euro muss man derzeit zahlen, um eines der neuen iPhone-6- beziehungsweise iPhone-6-Plus-Geräte zu erstehen. Dass die Herstellung der Smartphones deutlich günstiger ist, steht außer Frage. Wie hoch die Bruttomarge aber tatsächlich ist, zeigt nun IHS, das, wie auch bei früheren Modellen, die neuen iPhones zerlegt hat.

Apple iPhone 6 Verkaufsstart

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Marcel wurde, wie auch alle anderen Kunden, frenetisch gefeiert.

Kein Smartphone erhitzt so sehr die Gemüter wie das iPhone. Nun hat IHS auch das neue iPhone 6 und iPhone 6 Plus auseinandergenommen und festgestellt: Die Komponenten für das iPhone 6 mit 16 GByte Speicher (699 Euro UVP) kosten Apple mitsamt der Fertigung gerade einmal rund 200 Dollar (etwa 157 Euro). Den 128 GByte großen Flash-Speicher schätzt man auf einen Wert von 47 US-Dollar (rund 37 Euro), wohingegen Apple dafür 200 Euro auf den Preis aufschlägt. Die Fertigungskosten sind laut IHS nur fünf Dollar höher als beim iPhone 5S. Auch für das vor einem Jahr erschienene 5S verlangte Apple anfänglich 649 Dollar ohne Abschluss eines Mobilfunkvertrags.

Die Bruttomarge der iPhones liegt damit bei rund 70 Prozent – kaum ein Hersteller hat mehr. Entsprechend trägt das iPhone einen Großteil  zu Apples Gewinnen bei. Aufgrund gestiegener Materialkosten ist die Marge in den vergangenen Jahren aber leicht geschrumpft. Diese Entwicklung kann Apple jedoch mit dem iPhone 6 Plus abfedern, glaubt IHS. Es kostet in der Herstellung gerade einmal 16 Dollar mehr als das iPhone 6, ist jedoch für einen 100 Dollar höheren Verkaufswert zu haben. Bisher hatte Apple versucht, seine Profite nur durch höhere Preise für mehr internen Speicher zu steigern. Mit der neuen iPhone-Generation tragen dazu also auch die größeren Modelle, die wie die erhöhte Speicherkapazität von 64 beziehungsweise 128 GByte jeweils 100 Euro mehr veranschlagen als das iPhone 6 mit 16 GByte, bei.

Darüber hinaus will IHS bei seiner Analyse festgestellt haben, dass Apple seine Prozessor-Bestellungen inzwischen tatsächlich zwischen seinem angestammten Lieferanten Samsung und Taiwan Semiconductor Manufacturing aufteilt. Bisher hatte sich der iPhone-Hersteller bei Prozessoren ausschließlich auf Samsung verlassen. Wahrscheinlich haben die Patentstreitigkeiten zwischen den beiden Unternehmen Apple dazu bewogen, seine Abhängigkeit von Samsung zu reduzieren.

Auch beim iPhone 6 und 6 Plus ist das teuerste Bauteil das Display mit Touchscreen. Beide Komponenten kosten zusammen 45 beziehungsweise 53 Dollar, im Vergleich zu 41 Dollar beim iPhone 5S. Für den Akku setzt IHS 4 bis 5 Dollar an, während der Hauptspeicher von 16 GByte die Kalkulation mit 15 Dollar belasten soll. Für die Kamera gibt Apple angeblich 11 bis 13 Dollar aus.

Der A8-Chipsatz, der im 20-Nanometer-Verfahren gefertigt wird, kostet zusammen mit seinem M8-Co-Prozessor rund 20 US-Dollar in der Herstellung. Etwas teurer, nämlich 22 US-Dollar, sollen die NFC-Chips, die für Apples Bezahlfunktion Apple Pay eingesetzt werden, sein. Pikantes Detail: Die Arbeitskosten für jedes fertiggestellte iPhone werden auf 4 bis 4,50 US-Dollar geschätzt. Dabei produzieren die 200.000 Mitarbeiter von Foxconn täglich etwa 540.000 neue iPhones. Ganz pauschal ergeben sich somit 12,15 Dollar (9,55 Euro) pro Person und Arbeitstag.

Nicht vergessen darf man bei den hohen Bruttomargen jedoch, dass Apple auch viel Geld in seine eigene Betriebssystemproduktion stecken muss, während andere Smartphone-Hersteller “nur” Lizenzen für Android oder Windows Phone erwerben. Gerade die vielen Probleme und Rückrufe seit dem Start von iOS 8 treffen Apple natürlich ins Mark, zumal sie sich hier in alleiniger Verantwortung sehen.

Und natürlich hat so ein Smartphone-Hersteller auch Kosten im Bereich der Logistik, Personalwesen, Entwicklung, Finanzen, Marketing und vielem mehr. Ganz zu schweigen von Steuern und den über 400 Apple Stores weltweit. Ach ja, die Helden, denen das iPhone 6 Plus in der Hosentasche verbogen ist, muss Apple womöglich auch noch entschädigen ;-)

Tags :Quellen:ComputerwocheRecodeVia:Mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de
  1. Ich bin klein und dumm aber rechne fleissig rum. 1 Liter Wasser, 3g Hopfen, 2 Körner Gerste und 5.400 Hefezellen. Alles in allem kostet die Brauerei der Liter Bier also 8 Cent. UND DIE VERKAUFEN DAS FÜR 4 EURO. WUCHER.
    Geht’s noch simpler für all die Simpel ? Wie wäre es mal mit der Einbeziehung von den – leider – üblichen Steuern, Vertriebskosten, Entwicklungskosten, Versicherungen, Lohnnebenkosten der eigenen Mitarbeiter, Software- und Systemkosten, Rücklagen, Mehrwertsteuer und nicht zu vergessen die Kommunikationskosten. Wenn der Käufer ein Problem oder ne Frage hat, wendet er sich ja nicht an Foxcon ;-) Unterschie zwischen Produktions- und Produktkosten sollte man kennen bevor man solch dümmlichen Artikel veröffentlicht.

    1. Der Vergleich hinkt aber auch mal gewaltig. Ganz so falsch sind die Berechnungen seitens IHS nicht, niemand sagt, dass das der tatsächliche Gewinn Apples ist, auch wenn du das vielleicht so verstanden hast. Aber bezüglich dieser Rechnung ist es durchaus interessant zu sehen, dass z.B. die Bestückung mit mehr Speicher, welche sich weitgehend wirklich auf den Materialmehrpreis reduzieren lässt, dennoch einen vielfach höheren Preisanteil im Endpreis erzeugt (was jetzt nicht nur bei Apple so ist, allerdings kann der Wettbewerb sich das meist nicht in gleichem Mass erlauben).

      1. Die Frage ist doch, warum rechnet man sowas aus ? Wer hat Interesse daran ? CD mit 60 Min. Musik für 24 Euro, Presskosten inklusive Rohling 54 Cent. Na und ? Wenn ein Mobiltelefon in der ‘Herstellung’ 50 Cent kosten würde und der Verkaufspreis bei 500 Euro läge, na und ? Also nochmal, warum rechnet man sowas aus ?

      2. “Der Vergleich hinkt aber auch mal gewaltig.”

        Nö. Überhaupt nicht.

        “Aber bezüglich dieser Rechnung ist es durchaus interessant zu sehen, dass z.B. die Bestückung mit mehr Speicher, welche sich weitgehend wirklich auf den Materialmehrpreis reduzieren lässt, dennoch einen vielfach höheren Preisanteil im Endpreis erzeugt (was jetzt nicht nur bei Apple so ist, allerdings kann der Wettbewerb sich das meist nicht in gleichem Mass erlauben).”

        Genauso ist es u.a. auch im Automobilbau, wo die ansonsten identische Karre mit größerem Motor deutlich mehr kostet – sogar, wenn der größere Motor im Einkauf/in der Herstellung günstiger ist. Warum ist das so? Die Antwort ist die gleiche wie die auf die Frage, warum sich der Hund die Eier leckt: Weil er es kann.
        Die Autohersteller rufen für die “bessere” Motorisierung die höheren Preise auf, weil sie es können.
        Apple verlangt für mehr Speicher im iPhone (genau wie mehr RAM im MBP, größere Festplatte im MBP, …) ein Vielfaches des Aufpreises der Komponente im Einkauf, weil sie es können. Bei anderen Herstellern ist das übrigens nicht anders.

        Weil es bei der Preisbildung nicht auf ein festes Verhältnis zum Wareneinsatz ankommt, sondern lediglich darauf, dass man genug Kunden findet, die das Produkt zum aufgerufenen Preis erwerben (zusätzlich wäre es sinnvoll, wenn die gesamten Einnahmen die gesamten Ausgaben überstiegen, sonst gibt es die Firma nicht lange). Und gerade an dieser Stelle muss man sich derzeit bei Apple wohl keinerlei Sorgen machen.

        Übrigens: in der Gastronomie (um mal von den Autovergleichen weg zu kommen) gibt es die Faustformel, dass der aufgerufene Preis ungefähr beim Vierfachen des Wareneinsatzes liegen sollte.

  2. Solange die Nachfrage da ist, wird sich das Angebot sicher auch nicht ändern.
    Zudem gibt es, wie vom Milchmädchen schon erwähnt, so viele Faktoren die für den hohen Gerätepreis eine Rolle spielen, dass die reinen Produktionskosten eher das Mindeste sind.

    1. Jedes Jahr wieder aufs neue dieser Quark. Kann sich doch jeder mal selbst überlegen. Bringe ich ein Produkt auf dem Markt, und merke, dass es mir förmlich aus den Händen gerissen wird, kann ich auch den Preis bestimmen. Oder würde jemand von euch etwas für 400 verkaufen, wenn er auch das Doppelte verdienen könnte? Ist ganz einfach, nennt sich Marktwirtschaft. Sicher bin ich auch nicht vom Preis für mehr Speicher begeistert, da es für mich aber keine Alternative zum System gibt, muss ich halt nen Hunderter mehr drauf packen. Macht mich nun auch nicht ärmer.
      Und was nun genau am Ende nach allen Abzügen hängenbleibt, weiß eh nur Apple selbst. Darüber zu spekulieren ist sinnlos.
      Schönes WE!

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