Moto X (2nd Gen.) im Test: Tolle Ansätze mit Verbesserungsbedarf

Moto X (2nd Gen.) Gizrank

Mit dem neuen Moto X wagt sich Motorola in die Oberklasse. Individualisierbares Äußeres, 1080p-AMOLED-Display, sowie ein Snapdragon 801-SoC. Im Test macht das Gerät vieles richtig, doch einige Features wie der erweiterte Sprachassistent "Moto", sowie die Kamera überzeugen nur bedingt. Ob sich der Kauf des 5,2-Zöllers dennoch lohnt, lest ihr in unserem Testbericht.

Nachdem Motorola in den letzten Jahren seinen Besitzer häufiger als manche Leute ihre Unterwäsche gewechselt hat und schließlich bei Lenovo gelandet ist, wurde auf der IFA die zweite Generation des Moto X vorgestellt. Während der Vorgänger mit besonderen Features zu einem angemessenen Preis, aber nicht mehr ganz taufrischer Hardware überzeugen wollte, möchte Motorola nun einiges besser machen und siedelt die zweite Generation seines Flaggschiffs bereits in der Oberklasse an. Und auch die Werte auf dem Papier rechtfertigen auf den ersten Blick diese Einstufung. Sehen wir uns das Moto X einmal genauer an.

Moto X: Design und Verarbeitung – ach, was bist du schön!

Ich muss gestehen, nachdem mir für das erste Moto X der zeitliche Abstand zu meinem alten RAZR i zu gering war, wurde der Nachfolger des individualisierbaren Smartphones zum heißen Anwärter auf mein nächstes privates Gerät. Schon die Optik sprach mich sofort an als das Telefon auf der IFA im Rahmen eines eigenen Events von Motorola vorgestellt wurde. Wie ich finde, ist den Designern hier ein großer Wurf gelungen, sodass ich sogar behaupten würde, das Moto X ist eines der aktuell schönsten Android-Geräte. Aber das ist nur meine Meinung.

Moto X 2. Gen.

Die Rückseite des neuen Moto X hat durch seine großen Applikationen Wiedererkennungswert. Außerdem lässt sie sich individuell anpassen.

Der Rücken ist des 5,2-Zöllers clever gewölbt, denn durch die sich zu den Rändern hin verjüngende Form, fühlt sich das Moto X aufgrund der Krümmung der Hand tatsächlich so dünn an, wie der Rahmen ist. Derselbe ist an der dünnsten Stelle nur 3,8 Millimeter dick. Insgesamt bringt es das Android-Phone durch die Wölbung auf 9,9 Millimeter Dicke. Dabei ist das Gerät 140,8 x 72,4 Millimeter groß und wiegt 144 Gramm. Trotz seiner Größe liegt das Smartphone selbst in meinen kleineren Händen richtig gut – dies unterstützt die leichte gummierte Rückseite bei der Kunststoff-Variante noch zusätzlich.

Auf der Rückseite, die ihr im Moto Maker in verschiedenen Farben und Materialien (gegen 20 Euro Aufpreis gibt es Leder oder Hölzer) gestalten und mit einer Gravur versehen könnt, befindet sich das Runde Motorola-Logo direkt unter der 13-Megapixel-Kamera, welche von einem besonderen Ringblitz eingekreist wird. Umgeben ist das ganze von einem geschwungenen Aluminium-Rahmen. Die Gorilla Glass 3-Vorderseite ist wahlweise in Schwarz oder Weiß zu haben, leicht nach hinten abgerundet und wird nur durch die – ebenfalls farblich individualisierbaren – Aluminium-Applikationen des Lautsprecher-Grills (Ja, leider Singular) und des Hörers unterbrochen. Auf der rechten Seite befinden sich der Power-Schalter, sowie die Lautstärkewippe, welche beide sehr filigran gefertigt sind und sich haptisch von Rahmen sehr gut abheben. Auf der Oberseite ist schließlich noch Platz für einen Klinkenstecker, sowie die SIM-Karte und darunter wiederum befindet sich ein micro-USB-Port.

Moto X 2. Gen.

Der geschwungene Aluminium-Rahmen gibt dem Telefon ein sehr dynamisches Aussehen. Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau.

In puncto Design und Verarbeitung kann ich daher gar nicht anders, als von hohem Niveau zu sprechen. Wer am Motorola Moto X interessiert ist, zahlt zwischen 499 und 599 Euro. Den günstigsten Preis gibt es für die schlichten schwarzen und weißen Geräte in der 16 GB-Ausgabe im freien Handel. Wer das Gerät im Moto Maker gestaltet, zahlt mindestens 529 Euro. Holz oder Leder kosten je 20 Euro zusätzlich, den doppelten Speicher gibt es für 50 Tacken mehr.

Display: Blickwinkelstabil und satte Farben

Grundlegend gibt auch das Display des neuen Moto X wenig Anlass zur Kritik. Rein faktisch sind die Specs jedenfalls ordentlich: Der 1080p-AMOLED-Screen bietet WQHD-Auflösung, aber auf Bildschirmen mit unter 6 Zoll-Display-Diagnonale ist das eher ein Marketing-Argument, welches den ohnehin etwas klein ausgefallenen Akku zusätzlich belastet – dazu später aber mehr. Der AMOLED-Bildschirm, auf dem 1.920 x 1.080 Bildpunkte leuchten, bringt gewohnt gute Kontraste, satte Farben sowie gute Blickwinkelstabilität mit. Wirklich schwarze Flächen werden – wie beim Active Display – gar nicht erst beleuchtet und sind damit tatsächlich schwarz. Auf der maximalen Stufe leuchtet das Display des Moto X sehr hell und stellt auch nachts durch den Sensor ausreichend dunkel.

Moto X 2. Gen.

Am oberen Rand haben ein Kopfhörer sowie eine nano-SIM Platz.

Ein Feature, welches mir sehr gefällt, ist das Active Display. Mit einem 2.300 mAh ist bei Motorolas Flaggschiff  das Stromsparen angesagt. Statt den Bildschirm jedes Mal komplett anzuschalten, um etwa die Uhrzeit in Erfahrung zu bringen, leuchten auf dem AMOLED-Screen nur die wirklich dazu notwendigen Bildpunkte, wenn ihr mit der Hand über das Telefon winkt. Denn auf der Front befinden sich einige Sensoren, die die Gestensteuerung möglich machen. Dort könnt ihr auch WhatsApp-Nachrichten oder E-Mails anlesen, um zu sehen, ob es sich lohnt, den Bildschirm anzuschalten. Gefällt mir gut und ist der Akkuleistung tatsächlich zuträglich.

Kamera: Zack, zack ganz ansehnliche Fotos gemacht

Vielleicht fragt ihr euch, was das „Zack zack“ in der Zwischenüberschrift soll. Nun, eines der praktischen Zusatzfeatures des Moto X ist die Schüttelgeste, mit der promt die 13-Megapixel-Kamera gestartet wird. Zwei schnelle Handgelenkumdrehungen aktivieren die Knipse auch aus dem Standby heraus. Mit einem gemütlichen Brummen wird die Foto-App geöffnet, die sehr minimalistisch gehalten ist, aber die meisten notwendigen Einstellungen bietet. Durch den mit einem Wisch von links erscheinenden Ring werden folgende Optionen eingeblendet: Foto-Format, HDR, Blitz, Auslöseton, Schüttelgeste und Fokussierung, sowie für Videos wahlweise FHD-, 4K- oder SlowMo-Format. Das war es und mehr braucht es meiner Meinung nach auch nicht. Die Frontkamera löst übrigens mit 2 Megapixel auf.

Moto X (2. Gen) Foto-Beispiele

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Moto X (2. Gen) Foto-Beispiele

Fotos, die das Moto X aufnimmt, liegen über dem Durchschnitt, doch es geht deutlich besser: Nur bei hellem Tageslicht schießt die Kamera gute Fotos, dann aber mit viel naturgetreuer Farbdynamik und Schärfe. Sobald die Lichtverhältnisse nicht mehr optimal sind, wie in dunkleren Räumen oder in der Dämmerung, beginnt das große Rauschen. Ob des Mangels eines Bildstabilisators und der daraus resultierenden Unschärfe, werden gute Abend- oder Nachtaufnahmen zu einer wahren Herausforderung. Seht euch einfach ein paar Beispielaufnahmen in untenstehender Galerie an. Der besonders gestaltete Ringblitz im Übrigen, erfüllt seinen Zweck nicht mehr oder minder gut als seine herkömmlichen Verwandten und fällt daher viel mehr unter die Kategorie „Design-Spielerei“.

„Hey du, Moto X…“ – kein Smartphone für Frauen, die einen guten Zuhörer brauchen

Wo wir gerade beim Thema „Spielereien“ sind. Eines der für mich interessantesten Features im Vorhinein war die erweiterte Sprachsteuerung „Moto“, mit der man dem Moto X sogar aus dem Schlaf heraus Kommandos geben kann. Ganz nett ist, dass ihr euch eigene Auslösesätze statt „OK, Google Now“ ausdenken könnt („Echo-Basis, bitte kommen!“). Doch dafür benötigt das Telefon eine absolut ruhige Umgebung, sonst gestaltet sich das Einsprechen als langwierig. Ebenso lange dauert es, einen Befehl umzusetzen, denn Moto ist nur eine weitere App, welche über Google Now gestülpt wird. Bis die hauseigene Sprachkennung zu Ende zugehört, Google geöffnet wurde und den Befehl verstanden hat, vergehen einige Sekunden.

Moto X 2. Gen.

Die Sprach-App „Moto“ ist derzeit nicht mehr als eine Spielerei. Für mehr funktioniert sie zu unzuverlässig.

Ein praktisches Kommando, welches es mir besonders angetan hat, ist jenes, welches das Telefon für den Fall der Unauffindbarkeit in den eigenen vier Wänden auf sich aufmerksam macht. „Echo-Basis, bitte kommen! Telefon finden!“, schon piept das Moto X lautstark vor sich hin, bis man es gefunden hat. So in der Theorie. In der Praxis gestaltet sich die Sprachsteuerung weitaus nervenaufreibender, da sich das Gerät oftmals schwerhörig stellt. Das Problem tritt zum Glück seltener auf, wenn ihr den Standardsatz verwendet. Aber selbst wenn ihr das Gerät direkt vor dem Gesicht haltet und somit das Verschulden durch die Entfernung ausgeschlossen werden kann, reagiert das Moto X häufig erst nach vier bis sechs Malen auf den Befehl. Dabei stellte sich heraus, dass absolute Genauigkeit bei der Intonation vonnöten ist. Auch nachdem Moto mich einmal wahrgenommen hat, hatte ich weiterhin Schwierigkeiten: lassen sich in der Sprach-App die Befehle einsehen, gibt es bei deren Ausführung abermals Probleme. Ein Beispiel: „‚Beethoven‘ auf YouTube abspielen“ wird trotz der exakten Wiederholung des Satzes aus der Befehlsliste dahingehend verstanden, den Titel „Beethoven auf YouTube“ mittels Google Play Music abzuspielen, den es natürlich nicht gibt. Auf der anderen Seite öffnete Moto YouTube des Öfteren, wenn von dem Videoportal gar nicht die Rede war. Verschenktes Potenzial, welches hoffentlich mit einem baldigen Update voll ausgeschöpft wird.

Diese Schwierigkeiten sind recht bezeichnend für die Tauglichkeit der Sprachsteuerung. Es mag anfangs ganz cool sein, vor Freunden das Handy bei deaktiviertem Display dazu aufzufordern, ein Selfie zu machen, doch von der Alltagstauglichkeit und als wirkliche Unterstützung ist Moto leider noch weit entfernt – deshalb ab in die Spielerei-Schublade damit.

Wenn wir schon bei der Software sind. Als Fan von unverfälschtem Android, komme ich beim Moto X voll auf meine Kosten: 4.4.4 KitKat und eine Garantie, das nächste große Update – also auf Android L – zu erhalten, gefällt mir sehr.

Performance: High-End wie es sich gehört

Für einen Oberklasse-Preis bekommt ihr mit dem Moto X auch ein High-End-Smartphone: In seinem Inneren steckt ein Snapdragon 801 Vierkern-Prozessor mit 2,5 GHz-Taktung. Mit 2 GB Arbeitsspeicher gibt es ordentliche Unterstützung. Und ausnahmsweise fällt der Performance-Punkt auf der Agenda sehr kurz aus, denn das Moto X läuft wie geschmiert. Surfen und Scrollen ohne jegliche Verzögerungen – auch aufwendige Spiele laufen vollkommen ruckelfrei. Dafür haben wir mal wieder „Ich, einfach unverbesserlich“ installiert. Ich wurde fast misstrauisch, aber ich konnte noch so genau hinsehen, bei der kompletten Benutzung des Moto X ließ sich nicht eine Verzögerung feststellen. AnTuTu Benchmark bestätigt diesen Eindruck: Das Motorola-Phone bringt es auf einen Wert von etwa 44.000 Punkten. In der Theorie liegt das X somit sogar leicht vor dem HTC One M8 oder dem Galaxy S5.

AnTuTu Benchmark Moto X 2nd Gen.

Laut AnTuTu Benchmark spielt das Moto X zahlenmäßig ganz vorne mit.

Wenig Akku mit/ wenig Speicher ohne „Aber“

Entgegen einiger anderer Tests, kann ich nicht bestätigen, dass das Moto X mit seinem vergleichsweise kleinen Akku von 2.300 mAh, nicht über die Runden kommt. Zwar wirkt das in Anbetracht der Technik und des 5,2 Zoll-Full HD-Displays fast lächerlich, doch das Gerät geht sehr gut mit der ihm zur Verfügung stehenen Energie um. Wer das Active Display ausnutzt spart wirklich Saft. Nach etwa einer Woche Testzeit mit intensiver Nutzung (YouTube, Telefonie, Spielen und übermäßiger Sprachkommando-Gebrauch) kann ich sagen, dass das Moto X kein Überflieger in Sachen Durchhaltevermögen ist, aber Angst um ein halbtäglich zu ladendes Gerät muss niemand haben.

Moto X 2. Gen.

Leider ist nur der untere Grill ein Lautsprecher. Sein Gegenstück dient nur als Telefonhörer.

Knappheit herrscht dafür an einer ganz anderen Stelle: Der interne Speicher ist mit 16 GB (wovon nur etwa 10 verbleiben) für ein Gerät dieser Preisklasse wirklich mager. Zwar kann der für 50 Euro verdoppelt werden. Doch auch bei 32 GB ist irgendwann mal Schluss. Ja, Schluss, denn einen Speicherkartenslot gibt es nicht. Und das ist für mich das größte Manko des Moto X. Für diese Preisklasse sollte das zum Standard gehören.

Fazit: Niemand ist perfekt

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Nicht schlecht, Motorola! Das Moto X mischt wirklich vorne mit. In Sachen Performance macht dem Gerät so schnell keiner etwas vor und auch das Design trifft meiner Meinung nach den Kopf auf den Nagel. Umso schöner, dass jeder sein Telefon individualisieren kann. Auch generell kann das Moto X überzeugen. Nur eben nicht bei einer seiner Besonderheiten: Dem Moto-Sprachassistenten. Dafür funktioniert er einfach viel zu unzuverlässig. Der Akku leistet allen Befürchtungen zum Trotz gute Arbeit und die Kamera macht zumindest bei Tageslicht verwertbare Fotos. All das Macht das Moto X zu einem vollwertigen Mitglied der Oberklasse und das zu einem akzeptablen Preis. Und trotz der vergeigten berührungsfreien Steuerung wird das Motorola-Flaggschiff wohl mein betagtes RAZR i beerben.

plusOptisch sehr gelungen und hochwertig verarbeitet

plusTolle Performance

plusEffiziente Akkunutzung

plusÄußeres individualisierbar

plusAngemessender Preis

minusProminente Sprachassistenz unzuverlässig und langsam

minusNur ein Lautsprecher

minusSpeicher nicht erweiterbar

 

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