Nur noch eine Runde – Civilization Beyond Earth im Test

Civilization-Beyond-Earth

Das neue Civilization entführt Euch auf einen fremden Planeten. Dort läuft einiges anders und vieles sehr vertraut. Ein schönes Spiel – das noch viel besser sein könnte.

Anfang mit Schrecken

Zu Anfang zeigt Beyond Earth seine stärkste Seite – wenn sich gegen die Aliens durchgesetzt werden muss, wenn der Planet Schritt für Schritt befriedet wird, wenn endlich die Handelsrouten stehen und die nächsten Außenposten zu Städten angewachsen sind. Die widrigen Bedingungen auf dem neuen Planeten wurden spieltechnisch spürbar umgesetzt.

Zunächst muss der Planet in seine Schranken gewiesen werden. Dabei lassen sich schon hier verschiedene Taktiken wählen – geht man nachhaltig mit dem Alienbestand um oder ballert man alles weg, was den Marines vors Gewehr läuft? Normalerweise greifen die Bugs nicht an, wenn man weiter als zwei Hexfelder von ihren Nestern fernbleibt. Außerdem lässt sich relativ früh ein Ultraschallzaun errichten, so dass die Viecher Euren Städten fernbleiben. So kann man auch ohne Gewalt sein Imperium ausbauen. Spieltechnisch hat das nur leichte Auswirkungen im diplomatischen Sektor, die anderen Anführer bemerken Euren Umgang mit den fremden Wesen und Ihr erhaltet gegebenenfalls einen Gesinnungsbonus.

Beyond-Earth-Anfang

Was in jedem Fall verschwinden muss, ist das sogenannte Miasma. Das ist ein für Aliens gesunder, für Menschen aber giftiger Nebel, der unter anderem von Aliennestern erzeugt wird. Im weiteren Spielverlauf können Anhänger der Harmonie-Affinität sich an den Nebel gewöhnen, zu Anfang ist er extrem störend, weil er neben dem Schaden an Euren Einheiten auch Eure Handelsrouten blockiert. Die sind bitter nötig, um Geld in die Kasse des frisch gegründeten Staates zu spülen.

Die Neuerungen

Spätestens jetzt werdet Ihr Euch mit den anderen Neuerungen in Beyond Earth vertraut machen. Von denen hat mir das neue Wissenschaftsnetz sehr gut gefallen. Auf den ersten Blick ist die Änderung von einem gerichteten Strahl mit vier Routen zu einem Netz nichts Besonderes. Doch im Spiel habt Ihr jetzt mehr Auswahlmöglichkeiten, welche Technologien erforscht werden können, und welche nicht. Dadurch, dass pro Technologie noch drei Unterpunkte in beliebiger Reihenfolge erforschbar sind, werdet Ihr je nach Spielgeschehen (z.B. abhängig von den verfügbaren Ressourcen, bei einem drohenden Krieg, oder um die Aliens in den Griff zu bekommen …) andere Forschungsschwerpunkte setzen.

Die neuen Werte nehmen sich dagegen recht blass aus. Aus den nach Spezialisierungen geordneten Kultur-Skilltrees von Civilization V sind vier miteinander synergetisch verknüpfte Skillungen geworden, die sich auf Kampf, Wissenschaft, Nahrung und Produktion beziehen. Die Entkoppelung von einer kulturellen Richtung hat sicherlich damit zu tun, dass Euch für das Endgame die drei Affinitäten Harmonie, Reinheit und Vorherrschaft zur Verfügung stehen, und die Entwickler die Identifikation mit der Richtung, die die Zivilisation einschlägt, auf dieses System beschränken wollten. Das, was für die Kulturpunkte übriggeblieben ist, hat dabei leider all den Charme verloren, den man aus Civ V gewohnt ist.

Beyond-Earth-Grenzkonflikt

Das Midgame – Kämpfen ist spaßiger als Handeln

Im weiteren Verlauf des Spiels schmiedet Ihr Bündnisse, erforscht den Kontinent, absolviert Nebenquests für kleinere Belohnungen, und entscheidet Euch langsam, mit welcher der fünf Endgame-Varianten Ihr das Spiel gewinnen wollt. Hier kann es passieren, dass das Spiel seine Längen bekommt. Denn wer nicht in den Krieg zieht, hat im Mittelteil von Beyond Earth nicht viel zu tun – Städte ausbauen und Handel treiben, und nebenher mit dem Spionagesystem herumspielen. Das ist zwar gut gelungen, doch die knapp 20 Züge zwischen jeder neuen Aktion Eurer Agenten bedeuten längere Wartezeiten.

Ich fand es spannender, direkt in die Konflikte mit den Nachbarn einzusteigen. Mit aufgerüsteten Rovern und domestizierten Alienschwärmen Städte einzunehmen macht riesigen Spaß, wie auch schon die durch eine Beginner-Quest motivierte Jagd auf einen der mächtigen Alien Siege Würmer, die à la Dune die Wüstengebiete des Planeten umpflügen. Der Kampf ist dank des 1-Unit-per-Tile-Prinzips ordentlich taktisch, Civ V Spieler fühlen sich hier sofort zu Hause.

Alles wie immer

Was beim Spielen auffällt, ist die absolute Reduktion von Beyond Earth auf das Niveau von Civilization 5 Vanilla. Der Vorgänger wurde durch die Erweiterungen Gods & Kings und Brave New World zu einem phänomalen Spiel, woraufhin die Nörgeleien um die 1-Unit-per-Tile-Regelung schnell verstummten. Mit Religionen, Ideologien, einem erweiterten Diplomatiesystem und Tourismus wurden viele Mechanismen eingeführt, ohne die ich Civ 5 nicht mehr spielen wollen würde. Natürlich lassen sich diese nicht 1:1 in ein Science-Fiction-Setting übernehmen. Trotzdem hat man mit Beyond Earth das Gefühl, dass das an sich gute Spiel mit den nächsten zwei Erweiterungen noch besser werden wird und man hier gerade „nur“ an der Basisversion sitzt. Zum Beispiel fehlen auch spezielle Erfahrungs-Upgrades für die Einheiten, oder ein den vereinten Nationen entsprechender Rat.

Auch das Diplomatiesystem funktioniert wie aus Civ V gewohnt. Einzig neu sind hier die kleinen Gefallen, die zumindest in meinen Interaktionen mit den anderen Anführern aber zu wenig Wert besaßen, um wirklich ins Gewicht zu fallen. So bekam ich einen Gefallen für die Öffnung einer Grenze, der dann später im Spiel ganze 30 Gold wert war. Hier war ich als langjähriger Civilization Fan enttäuscht, denn das Diplomatiesystem ist für mich seit jeher der Dreh- und Angelpunkt der Serie – da hätte Firaxis sich ruhig noch etwas Neues einfallen lassen können.

Beyond-Earth-Intro

Glitzernde Verpackung

Dafür ist die Präsentation sehr schön geworden. Das Intro zählt zum Besten, was ich je in einem Civ-Spiel gesehen habe. Wie hier Emotionen erzeugt werden, während die Menschheit vom überfüllten Planten Erde zu den Sternen aufbricht, verdient Respekt. Auch im Spiel selbst sind zwar keine Filmsequenzen, dafür aber vertonte Wissenschaftserfolge und ausführliche Einträge in der spielbegleitenden Zivilopädie vorhanden.

Komischerweise fehlt die aus Civ V bekannte Vorstellung Eurer Fraktion – zu Anfang weist nur einen karger Logbucheintrag des Anführers auf dessen Namen hin. Das soll wahrscheinlich das Gefühl verstärken, es hier mit einem neuen Kapitel und eben nicht mit einem bereits aus der Historie bekannten Imperium zu tun zu haben. Bei mir sorgte die fehlende Einführung aber eher für Verwirrung, weil ich nicht mal meine eigene Fraktion am Namen identifizieren konnte. Der taucht nämlich nur kurz zu Anfang als Namen des Sponsors auf, wenn man sich seine Startboni für das Spiel zusammenklickt.

Endgame mit Biss

Im Endgame dreht Beyond Earth erfreulicherweise richtig auf. Wo andere Civilization Titel seit jeher zum Schluss etwas zäh daherkommen, ist hier nochmal ordentlich Spannung angesagt. Über den Siegbildschirm lässt sich jederzeit der Fortschritt aller Zivilisationen nachvollziehen, so dass die anderen Spieler merken, wenn Ihr auf die Zielgerade zusteuert. Weil für die meisten Siege ein Weltwunder gebaut und gehalten werden muss, führt das oft zu spontanen Kriegserklärungen und einem heftigen Kampf um die Krone. Das ist gerade für den Multiplayer ein guter Einfall, der dem Spiel zum Schluss noch einmal ordentlich Spannung verleiht.

Civilization-Beyond-Earth

Fazit

Civilization Beyond Earth ist ein grundsolides 4X-Spiel. Auch wenn hier offensichtlich im Hinblick auf kommende Addons an Funktionen gespart wurde. Auch wenn die Strategiekarte aussieht, als würde man eine Civ V Mod spielen. Auch wenn das Diplomatiesystem nicht verbessert wurde.

Trotz alldem ist Beyond Earth ein gutes Spiel geworden, das zunächst nach Civ V aussieht, dann aber genügend eigene Regeln und Atmosphäre mitbringt, um als vollwertiger Nachfolger zu gelten. Persönlich hätte ich mir mehr Mut und ein paar wirklich neue Ideen von den Entwicklern gewünscht. Verglichen mit dem preiswerteren Vorgänger wird Beyond Earth wohl nur besser sein, wenn in zukünftigen Add-Ons noch mehr Funktionen dazukommen.

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  1. “Verglichen mit dem preiswerteren Vorgänger wird Beyond Earth wohl nur besser sein, wenn in zukünftigen Add-Ons noch mehr Funktionen dazukommen.”

    Klingt logisch, zumal Add-Ons ja dann auch nichts kosten…

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