RHA T10i Kopfhörer im Test: High-Fidelity mit Feintuning aber ohne Halt

RHA T10i Gizranked

Mit den In-Ear-Kophörern T10i bringt das britische Unternehmen RHA ein interessantes Modell auf den Markt: Gussmetallenes Äußeres, unzählige Aufsätze für (fast) jedes Ohr sowie aufschraubbare Filter für unterschiedliche Frequenzberreiche lassen kaum Wünsche offen. Und obwohl der T10i fantastischen Sound bietet, ist das Gerät seitens seines Halts eine herbe Enttäuschung.

RHA T10i

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Kein Fahrradschlauch - ein Kopfhörerkabel.

Bisher konnten uns die Kopfhörer von RHA stets durch ihren guten Klang zu vergleichsweise günstigen Preisen überzeugen. Doch der T10i macht mit 180 Euro die Ausnahme und ist – wenn wir alleine den Sound und die Verarbeitung, die sie bieten, betrachten, durchaus sein Geld wert. Die 41 Gramm schweren dynamischen In-Ears decken einen Frequenzbereich von 16 bis 22.000 Hertz bei einer Impedanz von 16 Ohm ab. Die maximale Leistung beträgt fünf Milliwatt, die Empfindlichkeit 100 Dezibel pro Watt und Meter. Interessante Werte.

Zubehör satt

Wer sich den RHA T10i ins Haus holt, bekommt eine Fülle von Zubehör mitgeliefert. Neben den Kopfhörern selbst ganze zehn Paar Silikon-, beziehungsweise Memory-Schaumstoff-Aufsätze verschiedener Größen und Formen, damit ein jeder – hoffentlich – das passende Modell finden wird. Doch das eigentliche Highlight des T10i sind seine drei aufschraubbaren Tuning-Filterpaare, die je nachdem, welchen man einsetzt, hohe (kupferfarben, treble) oder tiefe (schwarz; bass) Frequenzbereiche hervorheben, beziehungsweise einen ausgewogenen Klang (silber; reference) gewährleisten. Die gerade nicht benötigten Filter, können praktischerweise auch auf ein Aufbewahrungsplättchen geschraubt werden, was sehr praktisch ist, da es dabei um sehr kleine Teile handelt. Zusammen mit einem Plastik-Kabelclip hat all dies Platz in einer schwarzen Tasche mit Reißverschluss von der Größe eines Portemonnaies.

RHA T10i Zubehör

Die Filter, sämtliche Ohrstöpsel und die Kopfhörer selbst haben Platz in dieser Tasche.

Die Verarbeitung aller Teile bewegt sich auf oberstem Niveau, was nicht zuletzt dem Metallspritzguss des Treibergehäuses liegt. Bis auf die Kabelummantelung, den Ohrstöpseln und den gummierten Tasten der Fernbedienung findet sich nur Metall in der Riege der Materialien. Volle Punktzahl! Doch – und das werdet ihr im Laufe dieses Tests noch öfter lesen – schon hier nimmt der kaum vorhandene Halt des T10i von RHA seinen Anfang.

Halt dich an mir fest!

Ich persönlich habe bisher nur wenige In-Ear-Kopfhörer gefunden, die wirklich in den Ohren stecken bleiben. Umso mehr habe ich mich anfangs gefreut, als ich die Fülle der dem T10i beiliegenden Ohrstöpsel in Verbindung mit einem biegsamen Ohrbügel gefunden habe. Das sitzt bombenfest… könnte man meinen, doch weit gefehlt! Zuerst zu den Stöpseln. Zumindest hier kann man RHA keinen Vorwurf machen. Bei 10 Paaren sollte tatsächlich für jeden etwas dabei sein, für mich trotzdem nicht. Nach einer langen Austauschzeremonie hat es keiner geschafft, in meinem Gehörgang sitzen zu bleiben, sowie diesen zu verschließen und somit zu gewährleisten, dass der Ton direkt ins Ohr dringt. Lediglich die Memory-Schaumstoff-Aufsätze konnten der etwas eigenwilligen Konstruktion der In-Ears standhalten.

Das beginnt, wie zum Schluss des vorletzten Absatzes erwähnt, mit dem biegsamen Ohrbügel. Die Kabel des T10i hängen nämlich nicht einfach nach unten, sie werden durch einen in kleine Segmente aufgeteilten Metallbügel über und hinter dem Ohr entlang geführt, was an sich keine schlechte Idee ist. Doch in der Praxis sieht es etwas anders aus, denn besagter Bügel ist einerseits in der Länge zu statisch, andererseits bietet er zu den Seiten weg nicht genug Stabilität. Das macht sich darin bemerkbar, dass die Kopfhörer bei konstanten, rhythmischen Bewegungen des Kabels wie etwa beim Gehen nach und nach aus dem Ohr gedrückt werden. Auf der anderen Seite behalten die Bügel nicht die Form, in die man sie an der Ohrmuschel entlang zurecht biegt, was für noch weniger Halt sorgt. Zu guter Letzt sind die Kopfhörer selbst durch ihr Metallgehäuse schwerer als Kunststoff-Konkurrenten. All dies drückt und zieht permanent am Ohrstöpsel, sodass ich es nicht geschafft habe, den T10i ohne konsequentes Nachdrücken im Sekunden- bis Minutentakt im Ohr zu halten. Dadurch dringt der Ton nicht vollständig in den Gehörgang und eine Isolierung von Umweltgeräuschen findet nicht statt. Einzig eine enge über die Ohren gezogene Mütze schaffte Abhilfe.

Wie gut der Halt bei passenden Aufsätzen noch ist, kann ich persönlich nicht beurteilen, nur haben andere Ohren ohne vorherige Beeinflussung ebenfalls den äußerst lockeren Sitz bemängelt. Das ist vor allem deshalb schade, da man den fantastischen, verfeinerbaren Sound der In-Ears aufgrund dieses Mankos einfach nicht genießen kann, außer, man hält ständig die Hände an den Ohren oder hat eben eine Mütze parat. Unterwegs ein No-Go.

Am rechten Kabel baumelt eine schicke Fernbedienung, die – wie so oft – nur Apple-Geräte voll unterstützt. Das ist immer recht schade. Doch viel mehr stört mich, dass das Teil mit seinem zusätzlichen Gewicht an den ohnehin schon lockeren Kopfhörern zerrt – nicht, dass da noch viel zu retten wäre, aber der beiliegende Clip kann zumindest einen Teil des Gewichts abnehmen. Hinter einer gummierten Oberfläche lassen sich die Tasten nicht einwandfrei erahnen und gerade die Lautstärkeregler haben mir einen zu wenig eindeutigen Druckpunkt. Gerade bei sehr feinen Lautstärkeanpassungen war ich mir des Öfteren nicht sicher, die Taste wirklich ausgelöst zu haben.

Der Sound reißt das Ruder herum

Was für ein Ohrenschmaus. Ich hätte den T10i um ein Haar links liegen gelassen, wäre da allen Umständen zum Trotz nicht ein verdammt gutes Argument: den Sound. Denn das, was da an die Ohren schallt, sollte der Kopfhörer sich nicht einmal mehr aus dem Gehörgang verabschieden, ist ein sehr natürlicher, feiner, warmer High-Fidelity-Klang. Ihr merkt vermutlich anhand der vielen Adjektive meine Begeisterung. Nicht grundlos würde ich behaupten, dass die neuen In-Ears von RHA klanglich zum oberen Drittel der Kopfhörer zählt, die ich in letzter Zeit testen durfte.

RHA T10i Filter

Drei Paar Filter optimieren die Kopfhörer für unterschiedliche Genres.

Spannend ist das eingangs erwähnte Tuning-Filtersystem, welches sich recht schnell für einen Genrewechsel austauschen lässt. Dazu müssen die Ohrstöpsel eurer Wahl abgezogen, die bisherigen Filter ab- und die neuen wieder aufgeschraubt werden. Ihr könnt zwischen Treble (Höhenverstärkung), Reference (ausgewogener Sound) und Bass (Tiefenverstärkung) wählen. Anfangs war ich ja etwas skeptisch, ob sich so einfach der Klang verbessern/ verändern lässt. Doch tatsächlich ist der Unterschied hörbar und ich habe Gefallen daran gefunden. Besonders der Bassfilter verleiht dem unteren Frequenzbereich etwas mehr Wumms. Dadurch klingen Metal, HipHop oder Dubstep besonders gut. Der Treble-Filter wiederum eignet sich für Jazz, Acapella oder klassische Musik. Im Hinblick auf die Lautstärke finden sich beim T10i keine Beanstandungen.

Fazit: Im Zwiespalt

gizrank 35 Sterne

Zugegeben, die Einschätzung des RHA T10i ist schwierig. Wie schwer ist der Halt des Kopfhörers mit dem restlichen Eindruck aufzuwiegen? Einerseits kann der sehr hochwertige Kopfhörer durch seinen High-Fidelity-Klang mit Feintuning sowie einer großen Zubehörpalette punkten. Andererseits empfand ich den „Halt“ der In-Ears mit den unsicheren Bügeln als derart frustrierend, dass ich während der Benutzung recht wenig Freude empfand. Unterwegs war der Gebrauch für mich ohne Hilfsmittel nicht zu bewältigen, in den Genuss des wahren Klangs kam ich nur, wenn ich ständig wieder nachjustierte, weswegen ich einen ganzen Stern abziehe. Dem gegenüber stehen die sehr hohe Qualität in den Bereichen Materialien, Verarbeitung und Klang. Wer sich also für den RHA T10i interessieren sollte, dem empfehlen wird dringend eine Anprobe vor Ort. Zu haben sind die Kopfhörer ab 1. November über Amazon und ab dem 18. November weltweit über Apple für 180 Euro.

plusToller Klang

plushörbares Feintuning durch wechselbare Filter.

plushohe Verarbeitungsqualität

plusViel Zubehör

minusminusSehr schlechter Halt (durch Gewicht, unpraktischen Bügel in Verbindung mit dem In-Ear-System)

minusNur Apple-Unterstützung der Fernbedienung

minusFernbedienung mit uneindeutigen Druckpunkten

Tags :
  1. Mir ist aufgefallen, dass die Phasen vertauscht sind. Ist dies gewollt oder ein Fehler?
    Könnt ihr das bei eurem Modell ebenfalls feststellen?
    Mich stört es extrem.

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