Harman/Kardon Esquire Mini im Test: Edler Begleiter mit verzerrten Tiefen

Harman/Kardon Gizranked (Foto: Gizmodo)

Audio- und Heimkino-Systeme von Harman/Kardon by harman stehen für stilvolles Design zu gehobenen Preisen. Der handliche Esquire Mini Bluetooth Speaker hat es uns bereits auf der diesjährigen IFA im Hands-On angetan. Nun haben wir das formschöne Gerät einem Test unterzogen und verraten euch, warum Schönheit nicht alles ist.

Harman Esquire Mini

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Harman Esquire Mini
Äußerst tragbar und dennoch Stereo-Sound aus zwei mal vier Watt Speakern. Mit dem 240 Gramm leichten Esquire Mini soll sich super gut reisen lassen.

Das US-Unternehmen Harman/Kardon hat es mehr oder minder geschafft, die Brücke zwischen edlem, ansprechenden Design und Qualitätsklang zu schlagen. Doch der Esquire Mini Bluetooth Speaker im Hosentaschenformat wird diesem Anspruch nicht vollends gerecht. Optisch ein unternehmenstypischer Hingucker, unterscheidet sich das Gerät klanglich kaum von Konkurrenten der selben Größe. Was jedoch einen Unterschied macht, ist der Preis: Für 149 Euro fühlt sich der Esquire Mini etwa 50 Euro teurer als ein Lautsprecher an, der zu Verzerrungen neigen darf. Die perfekte Wiedergabe von tiefen Bässen erwartet kaum jemand bei den Maßen von gerade einmal 76,2 x 139,7 x 22,9 Millimetern, doch Verzerrungen sollten in dieser Preislage nicht zum Lieferumfang gehören. Doch eines nach dem anderen.

Design

Optisch vermittelt der Esquire Mini Stil und einen Hauch  von Luxux. Das in Schwarz, Braun, Crème und Weiß erhältliche Gerät erinnert mit den Maßen eines 5-Zoll-Smartphones etwas an ein Zigarren-Etui. Hinter dem geriffelten Metallgrill mit silbernem Harman/Kardon-Logo befinden sich jedoch keine kubanischen Glimmstängel, sondern zwei 27 Millimeter-, 4-Watt-Driver. Der Aluminiumrahmen beherbergt die Schalter für’s Ein- und Ausschalten, die Bluetooth-Kopplung, Anrufannahme die Lautstärkewippe. Alle Tasten sind gut abgegrenzt und haben einen knackigen Druckpunkt.

Weiter geht es am rechten Rand mit einer Öse für das beiliegende Ledertrageband, einem Micro-USB-Port zum Laden des Esquire Mini (das Kabel wird mitgeliefert), ein 3,5mm-Aux-Eingang, sowie ein herkömmlicher USB-Port, um andere Geräte mit etwas Zusatzenergie über den Tag zu retten. Wie viel Saft dem Lautsprecher, beziehungsweise zu ladenden Geräten noch zur Verfügung steht, verrät eine LED-Anzeige an der gegenüberliegenden Seite. Praktischerweise befindet sich auf der Rückseite ein verchromter Kickstand, der den Harman/Kardon-Lautsprecher in einem zweckdienlicheren Winkel aufzustellen vermag.

Qualitativ birgt der Esquire Mini kaum Anlass zur Kritik. Nichts scheppert, knarzt oder wirkt auf sonstige Weise suboptimal verarbeitet. Ob des gehobenen Äußeren ist das Gerät sicher kein Freund von feucht-sandigen Standausflügen, dafür eignet sich eher etwa der Sol Republic Punk, der einen vergleichbaren Sound bietet. Auf einem geordneten Schreibtisch können wir uns den Esquire Mini viel eher vorstellen, einem Ort, an dem er kaum Kratzer verursachenden Umwelteinflüssen ausgesetzt ist.

Performance

Ihr habt es ja bereits herauslesen können. Der Harman/Kardon Esquire Mini ist ein bisschen mehr Schein als Sein. Und obwohl das US-Unternehmen für gewöhnlich auch durch gute Klangqualität überzeugen kann, macht der Hosentaschenlautsprecher die Außnahme.

Die optimale Wiedergabe von Titeln mit intensiven Bässen, würde keiner von einem Lautsprecher dieser Größe erwarten. Was man jedoch für 150 Euro erwarten darf, sind verzerrungsfreie Töne, selbst, wenn knackige Tiefen nicht im Rahmen des Möglichen sind. Unglücklicherweise gelingt gerade das dem Mini nicht. Schon bei Lautstärken weit unter dem Maximum – etwa ab der Mitte – haben die beiden 4-Watt-Lautsprecher merklich Schwierigkeiten, Tiefen sauber hervorzubringen. Sollte eure Playlist also überwiegend aus elektronischer Musik mit vielel Bässen bestehen, raten wir euch, den Esquire Mini zu meiden.

Viel mehr kann das Gerät sich bei Tracks profilieren, die sehr niedrige Frequenzbereiche umgehen. Bill Callahans „Drover“ klingt mit seiner Baritonstimme zum Beispiel, knackig, klar und rund. Hier schafft der Harman/Kardon-Speaker die richtige Mischung aus tiefen und hohen Mitten. Hier ist es ein Genuss, die Musik lauter aufzudrehen (der Mini wird übrigens überraschend Laut für seine Größe). Klassische Musik dagegen klingt eher dünn und entbehrt warmer Tiefen.

Mit acht Stunden gibt Harman/Kardon eine der Größe entsprechend ganz ordentliche Akkulaufzeit des Esquire Mini an. Wie lange das Gerät schlussendlich wirklich durchhält, hängt natürlich von der Lautstärke ab, doch bei moderater Nutzung kamen wir sogar auf über neun Stunden, was für einen portablen und so leichten Lautsprecher eine vernünftige Leistung ist.

Fazit

Lautsprecher dieser Größe lassen selten ihre Muskeln im tiefen Frequenzbereich spielen. Doch immer wieder drängt sich das Preisargument in den Vordergrund. Für 150 Euro darf man, gute Verarbeitung und Optik hin oder her, etwas mehr erwarten. Zwar ist der Harman/Kardon Esquire Mini durchweg schick und schreit geradezu danach, in der Innentasche eines edlen Jacketts zu verschwinden, doch für diesen Preis sollten Bässe nicht schon im mittleren Lautstärkefeld hörbar verzerrt aus dem Grill hervorschallen. Schönheit ist eben nicht alles. Wer etwas mehr Gewicht und unwesentlich größere Maße in Kauf nehmen kann, dem raten wir in dieser Preiskategorie zum Bose SoundLink Mini, der mit Bässen keine Schwierigkeiten hat und für gerade mal 15 Euro Aufpreis ebenso solide verarbeitet ist. Liebhaber von Rock, Pop und Hip-Hop-Musik, die weitgehend auf tiefe Bässe verzichtet, die einen edlen musikalischen Begleiter können beim Esquire Mini dagegen zugreifen.

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