Studie: So viel NSA steckt in Eltern

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Eine weltweite AVG-Studie zur elterlichen Kontrolle des Online-Konsums ihrer Kinder brachte unter anderem ans Licht, dass knapp zwei Drittel der Teenager über Eltern klagen, die einige ihrer oder sogar alle Passwörter kennen.

Wenn nationale Sicherheitsdienste die persönlichen Daten mitlesen und den eigenen digitalen Fußabdruck verfolgen, bekommen wohl die meisten ein flaues Gefühl im Bauch. Getoppt wird dieses Gefühl, wenn der unerwünschte Voyeur nicht ein Fremder ist, der vielleicht „nur“ in einem anderen Land sitzt, sondern ein Freund, Bekannter, womöglich ein Familienmitglied. Doch es gibt einen Personenkreis, dessen Gefühle man diesbezüglich wohl nur allzu selten beachtet: Kinder.

Eine Studie des Online-Security-Anbieters AVG, in der 3.999 Teenager zwischen elf und 16 Jahren in Australien, Brasilien, Kanada, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Neuseeland, Großbritannien und den USA im September 2014 zusammen mit dem Marktforschungsspezialisten Research Now befragt wurden, hat unter anderem ergeben, dass 24 Prozent der deutschen Eltern die Smartphones und Tablets ihrer Kinder ohne Erlaubnis kontrollieren. Im internationalen Vergleich ist das sogar ein geringer Wert, so bestätigen 38 Prozent der befragten Jugendlichen die Fremdeinsicht durch Familienmitglieder.

Besonders verletzend kann es sein, wenn daraufhin private Informationen entdeckt werden, die der Teenager eigentlich niemanden sehen lassen wollte. So geschehen bei 18 Prozent der Befragten (15 Prozent in Deutschland). Das in diesen Fällen mangelnde Vertrauen in die eigenen Nachkommen sowie das den Kindern inhärente Gefühl der permanenten Überwachung und Kontrolle ist letztlich ein trauriges Zeugnis der teils undurchdachten Ausschöpfung technischer Möglichkeiten.

Ein Passwort für das eigene Smartphone oder Tablet sollte – sofern aktiviert – eigentlich vor Fremdeinsicht schützen. Doch obwohl fast vier von fünf (79 Prozent) der befragten Jugendlichen ihr Mobilgerät mit einem Passwort sichern, wissen 59 Prozent, dass ihre Eltern diese zum Teil oder ganz kennen. Weltweit gaben drei Viertel der Teenies an, ein Passwort zu nutzen, 70 Prozent teilten diese mit den eigenen Eltern. Ein ähnliches Selbstverständnis herrscht bei der Zimmertüre. Zwölf Prozent der befragten Jugendlichen verschließen ihre Zimmer vor den Eltern, neun Prozent der Teenager tun dies in Deutschland.

Ohne Frage spielen auch soziale Netzwerke eine große Rolle bei elterlichen Einschränkungen. Die beliebtesten unter den Jugendlichen waren laut Studie Facebook, gefolgt von Instagram und Twitter. Mehr als die Hälfte der Teenager (Deutschland: 52 Prozent, weltweit: 54 Prozent) wusste von Freunden, die in keinem einzigen Sozialen Netzwerk verkehren. In erster Linie lag das an einem Verbot der Eltern.

Jene Restriktionen beziehen sich in Deutschland zu 50 Prozent allein auf Facebook – weltweit sind es sogar 61 Prozent. Tatsächliche Bedenken über die eigene Privatsphäre äußerten im weltweiten Durchschnitt neun Prozent. Spitzenreiter war hierbei Deutschland mit 15 Prozent der Teenager, die befürchteten, dass ihre persönlichen Daten eingesehen werden könnten.

Noch wichtiger als die Internet-Kontrolle ist Eltern übrigens nur eins: Hausaufgaben, na klar. 61 Prozent der befragten Jugendlichen in Deutschland werden diesbezüglich von ihren Eltern überprüft. Weltweit sind es laut Studie sogar drei Viertel. Um die Zeit, die Kinder im Internet verbringen, kümmern sich dagegen nur etwa die Hälfte aller Eltern (Deutschland: 51 Prozent, weltweit: 48 Prozent).

Unser Fazit: Eltern sollten rational zwischen dem Nutzen eines Babyfons oder der Bewahrung vor Cyberkriminalität und einem totalitären Haushalt mit Vollzeitüberwachung und selbstverständlicher Verletzung der Privatsphäre abwägen. Erst vor wenigen Tagen hat es ZDF logo!-Kinderreporter Felix zusammen mit anderen, ähnlichen Aspekten auf den Punkt gebracht:

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  1. Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren.
    Sehr smarte Studie.
    Finde da gibt es schon unterschiede ob ich meinen 11 Jährigen Sohn überwache was er so treibt, oder wenn er 16 ist.
    Oder ist das Babyphone beim Neugeborenen bereits Bespitzelung?

  2. Dass die Jungs von AVG noch Zeit für solche Studien haben ist doch sehr erstaunlich.
    Schliesslich müssen sie doch noch Gastbeiträge für Gizmodo schreiben.
    Siehe z.B den Titanfall Artikel vor ein paar Tagen.

  3. > die Smartphones und Tablets ihrer Kinder ohne Erlaubnis kontrollieren

    Das können Eltern überhaupt nicht ohne Erlaubnis machen, da sie diese Erlaubnis von Gesetzes wegen immer haben.

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