Blackberry wird Smartphones der Bundesregierung absichern

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Nachdem Blackberry den bisherigen Verschlüsselungspartner der deutschen Bundesregierung, Secusmart, gekauft hat, wurde laut NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung auch ein elfseitiger Folgevertrag vereinbart, in dem das kanadische Unternehmen der Bundesregierung besondere Kontrollrechte einräumt.

Dazu zählt beispielsweise, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) den Quellcode des Blackberry-Betriebssystems einsehen darf. Außerdem unterwirft sich Blackberry einer sogenannten „No-Spy-Klausel“, die besagt, dass das Unternehmen nicht dazu verpflichtet ist, vertrauliche Informationen an ausländische Nachrichtendienste weiterzugeben. Eventuell auftretende Schwachstellen, so heißt es im Vertrag weiter, muss Blackberry sofort nach Bekanntwerden der Bundesregierung melden.

Im Gegenzug stimmt das Bundeswirtschaftsministerium dem Kauf von Secusmart unter den genannten Auflagen zu. Es hatte die Transaktion zunächst gestoppt, um zu prüfen, ob Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland gefährdet sein könnten. Secusmarts Produktion und Entwicklung sollen weiterhin in Deutschland stattfinden. Das Unternehmen saß bisher in Düsseldorf.

Das Bundesinnenministerium hat den Bericht der ARD-Anstalten und der Tageszeitung bestätigt. Ein Sprecher teilte ihnen auf Nachfrage mit, dass “nachteilige Auswirkungen des Verkaufs auf die mobile Kommunikation der Bundesverwaltung ausgeschlossen werden können”.

Dem Bericht zufolge setzt die Bundesregierung aktuell etwa 2.500 Secusmart- und 600 Telekom-Geräte in Ministerien und Behörden ein. Die zuständige Telekom-Tochter, die Samsung-Galaxy-Geräte mit zusätzlicher Software absicherte, wurde jedoch im Oktober geschlossen. Der noch bis 2015 gültige Vertrag mit Secusmart sieht eine Versorgung mit bis zu 10.000 Geräten vor.

Von Secusmart stammt eine Lösung zur Verschlüsselung von Sprachtelefonie – Secusuite. Sie soll künftig zu einer Kernkomponente von Blackberry-Endgeräten werden. Beide Firmen arbeiten seit 2009 zusammen. Die Übernahme gilt im Hinblick auf Regierungshandys dennoch als brisant, schließlich gehört Kanada zu den Five Eyes, einer Gruppe von Nationen, die Geheimdienstinformationen ebenso wie Überwachungstechniken austauscht. Die anderen “Eyes” sind Australien, Großbritannien, Neuseeland und die USA. Die fünf Länder zählen auch nicht zu den 65 Unterstützern eines aktuellen Entwurfs zum Schutz der Privatsphäre der Vereinten Nationen, über den die UN-Vollversammlung im Dezember final abstimmen wird.

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Tags :Quellen:Bild: ShutterstockVia:Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de

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