Sicherheitsforscher entdeckt gravierende Schwachstelle in UMTS-Netzen

(Bild: Shutterstock)

Berichten des WDR und der Süddeutschen Zeitung zufolge, ist es dem deutschen Sicherheitsexperten Karsten Nohl und seinen Mitarbeitern gelungen, die Verschlüsselung im UMTS-Netz auszuhebeln. Die Sicherheitslücke soll es erlauben, Telefonate und SMS, die über das UMTS-Netz geführt beziehungsweise versendet werden, abzuhören und mitzulesen. Wer wünscht sich da nicht ein flächendeckendes LTE-Netz?

Laut Medienberichten sitzt die Schwachstelle im SS7-Protokoll. Darüber tauschen unter anderem Netzanbieter und Roaming-Partner Informationen aus. Außerdem werden Verschlüsselungsdaten mithilfe des Protokolls übermittelt, um Gespräche von einer Vermittlungsstelle an die nächste weiterzugeben. Sehr oft geschieht dies im Austausch mit weltweiten Telefongesellschaften auch automatisiert.

Nohls Team habe sich einen Zugang zum SS7-Netz im Ausland verschafft und darüber die Verschlüsselungsdaten für das Handy eines Bundestagsabgeordneten erhalten, heißt es weiter in dem Bericht. Die Daten habe die Deutsche Telekom automatisiert geliefert. Das Team gab sich dafür einfach als ausländische Vermittlungsstelle aus.

“Mit dieser Methode lassen sich neben SMS auch Telefonate entschlüsseln”, zitiert der WDR Nohl. “Weshalb die deutschen Netzbetreiber diese Informationen mit der ganzen Welt teilen, ergibt keinen Sinn, denn ich beginne mein Telefonat ja nicht in Berlin und führe es in New York weiter.”

Ein Telekom-Sprecher räumte gegenüber dem WDR ein, es handle sich um ein Problem, dass die gesamte Mobilfunkbranche betreffe. Die jetzt entdeckte Sicherheitslücke sei zwar geschlossen worden, das Grundproblem bleibe aber bestehen. Eine dauerhafte Lösung könne nur die gesamte Industrie umsetzen. Maßnahmen einzelner Mobilfunkanbieter seien nur “ein Pflaster”.

Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel sagte die Telekom, das Abhören des UMTS-Netzes sei nur mit Expertenwissen möglich. “Dazu muss man sich in der Nähe des Teilnehmers aufhalten, über einen speziellen Empfänger verfügen, der nicht am Markt erhältlich ist, und sich Zugang zum internen Signalisierungsnetz der Mobilfunkanbieter verschaffen.”

Der Spiegel vermutet in dem Zusammenhang, die von Nohl beschriebene Lücke könne auch ausgenutzt worden sein, um das Handy von Bundeskanzlerin Merkel abzuhören. Bundestag und Bundesregierung befänden sich in unmittelbarer Nähe der amerikanischen und auch russischen Botschaften. Die US-Regierung hatte im vergangenen Herbst bestätigt, dass Merkels Diensthandy abgehört wurde.

Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert kritisierte indes die Netzbetreiber. Sie verhielten sich “viel zu blauäugig”, sagte er gegenüber dem WDR. Sie seien dafür verantwortlich, “dass das Telekommunikationsgeheimnis gewahrt wird. Das ist ganz offensichtlich über Jahre nicht gewährleistet gewesen, die müssen definitiv nachbessern.”

Tipp: Wie sicher bist du bei der Sicherheit? Überprüfe dein Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de

Tags :Quellen:Bild: ShutterstockVia:Mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising