Epson Pulsense PS-100 im Test: Der Frust am Laufen

EPSON Pulsense PS-100 Gizrank (Foto: Gizmodo)

Nach dem Schlemmen heißt es Rennen - um dem weihnachtlichen Rettungsring effektiv den Kampf anzusagen, möchte Epson mit dem Pulsense PS-100 Fitnesstracker für 150 Euro zum Training locken. Wie aus der Lust der Frust am Laufen wurde, verraten wir euch in unserem Test.

Egal, ob man seine Gelüste nach Süßem kompensieren oder sich generell fit halten möchte – Fitnesstracker liegen im Trend. Bereits im Oktober testeten wir Epsons größere Fitnessuhr Runsense SF-710 von welcher wir nur mäßig begeistert waren. Grundsätzlich handelt es sich bei dem Gerät um einen Herzfrequenz- und Aktivitätsmesser, welcher neben Schrittzahl und zurückgelegter Strecke auch euren Schlaf analysiert (wie sinnvoll dies ist, sei einmal dahin gestellt) und euch wie viele andere Modelle mittels Vibrationsalarm aus dem Schlaf zu rütteln versucht. Dabei soll die Pulsense PS-100 nicht nur mit der hauseigenen „PULSENSE“-App, sondern auch mit denen anderer Anbieter, wie zum Beispiel Runtastic, kompatibel sein. An Stelle eines Displays befinden sich fünf LEDs an der Oberseite des Trackers.

Nun, nachdem wir die Pulsense PS-100 kürzlich zum ständigen Begleiter gemacht haben, bestätigte sich, dass die abgespeckte Variante an ganz ähnlichen Defiziten leidet, wie die Runsense SF-710. Hinzu kommen noch einige spezifische Mängel, die wir euch nachfolgend nicht vorenthalten möchten.

Ergonomisch, aber…

Aber fangen wir doch erst einmal mit den positiven Eigenschaften der Pulsense PS-100 an. Im Gegensatz zu einigen anderen Fitnesstrackern (z.B. dem LG Lifeband Touch) ist das Gerät von Epson ein verstellbares, flexibles Armband, welches sich dank Metall-Klappmechanismus problemlos und komfortabel anlegen und abnehmen lässt. Da das Armband lediglich auf der Breite der Elektronik starr ist, schmiegt es sich sehr gut an das Handgelenk an und fühlt sich nicht wie ein wackelnder Fremdkörper an. Zwar sammelt sich mangels Ventilationsmöglichkeiten schnell Feuchtigkeit unter der Pulsense PS-100, juckende Hautirritationen halten sich dagegen erfreulicherweise in Grenzen.

Der praktische Klappmechanismus wird der Pulsense PS-100 unglücklicherweise während der Schlafmessung zum Verhängnis, da sich dieser bei nächtlichen Bewegungen und Reibung an Kissen und Bettdecke in mindestens 50 Prozent der Nächte (mehrfach) löst und somit kein direkter Kontakt mehr zur Haut besteht. Eine zuverlässige Messung ist dadurch schlichtweg nicht möglich. Warum wir das wiederholte Auftreten dieses Umstands feststellen konnten, werdet ihr im Laufe dieses Tests noch erfahren.

Epson Pulsense PS-100 (Foto: Gizmodo)

Größenverstellung und schnelles Anlegen – ja, sicherer Halt (in der Nacht) und damit zuverlässige Schlafmessung – nein.

Geladen wird das Gerät über eine spezielle Ladehalterung, in welche die Pulsense PS-100 so geklemmt wird, dass die beiden zerbrechlich aussehenden Stiftkontakte an ihren Gegenstücken einrasten. Ein USB-Netzteil befindet sich nicht im Lieferumfang, sollte aber inzwischen in jedem Haushalt vorhanden sein. Nach etwa zwei bis drei Stunden ist das Armband vollständig geladen, was ein entsprechender Lichtimpuls der LEDs signalisiert, dann reicht die Energie bei ständiger Pulsmessung immerhin für ziemlich genau 2,5 Tage.

Epson Pulsense PS-100 (Foto: Gizmodo)

Zum Laden wird die Pulsense PS-100 von Epson in einer mitglieferte Halterung geklemmt. Ob das den Kontakten der Letzteren auf Dauer gut tut…

Die Gräuel des Koppelns

Ein Fitnesstracker ohne Bildschirm ist ohne Smartphone nutzlos. Hier kommt die PULSENSE-App ins Spiel und hier beginnt der Frust mit der PS-100. Denn sie leidet unter mindestens genauso erheblichen Problemen bei der Verbindung mit dem Smartphone wie die SF-710. Wer schon einmal das erste Hindernis der OS-Versionskompatibilität (in der Regel erst ab Android 4.4 und mit Bluetooth 4.0, respektive ab iOS 7.1) hinter sich gelassen hat, kann noch längst nicht einfach los laufen, sondern muss sich einem äußerst langwierigen und von Fehlermeldungen gekennzeichneten Kopplungsprozess stellen. Wir haben das Fitnessarmband gleichermaßen mit dem Moto X (2nd Gen.) und dem Samsung Galaxy Note 3 getestet und hatten mit jedem Telefon die gleichen Schwierigkeiten.

Hürde 2: Als Glücksfall hat es sich herausgestellt, wenn während der Einrichtung der App die Verbindung zur Pulsense PS-100 hergestellt werden soll, und diese überhaupt erkannt wird. Hürde 3: Ein Wunder – das Gerät wurde erkannt. Das eben noch vorherrschende Erfolgsgefühl wird jedoch flugs wieder im Keim erstickt, als eine Fehlermeldung nach der anderen uns über den Umstand unterrichtet, dass eine Verbindung nicht hergestellt werden könne. In diesem Fall geht es erneut zurück zu Hürde 2. Nach keinen verwertbaren Lösungsansätzen zu den angegebenen Fehlercodes im Netz und ernüchternd beliebigen Hilfestellungen zur Kopplung durch die App, es müsse eine Bluetooth-Verbindung hergestellt werden und das Gerät müsse geladen sein, hat es nach unglaublichen zwei Stunden (!) und zahllosen Anläufen geklappt, die Pulsense PS-100 mit dem Smartphone zu verbinden – wir vermuten dahinter göttliche Intervention. Jetzt muss das Gerät aber das Ruder herumreißen (Doch es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir uns mit der Verbindung herumschlagen)!

Zwar fließt die App selbst eher zweitrangig in diesen Test ein, jedoch ist festzuhalten, dass sie nach einiger Gewöhnung die gesammelten Daten anschaulich darstellt, wenngleich einige Ergebnisse für meinen Geschmack nicht ausreichend benannt oder aufgeschlüsselt sind. Außerdem ist die PULSENSE-App merklich für iPhones optimiert, weswegen sich die Bedienung für Android-Nutzer etwas ungelenk anfühlt und an einigen Stellen von einer entsprechenden Anpassung profitiert hätte. Beispielsweise ist das „Echtzeit-Meter“, welches die Herzfrequenz anzeigt, die Standardanzeige der App. Alle anderen Diagramme erreicht ihr, indem ihr diesen Bildschirm nach oben wischt. Das sorgt nicht selten dafür, dass ungewollt die Google-Suche aktiviert wird. Zudem wird nahezu jede Eingabe von einer nicht unerheblich langen Serverrückfrage – „Verbinde“ – begleitet, wodurch die App sehr träge rüberkommt.

 Wecken und Nicht-Geweckt-Werden-Wollen

Es heißt, das Wecken durch Licht sei die natürlichste Form des Aufwachens. Dafür gibt es einen Zeitraum um die Morgendämmerung – und es gibt die Pulsense PS-100. Nur hält diese sich nicht an jene gottgegebenen Zeiten, um uns mit ihrem Licht zu wecken. Wie bereits erwähnt verfügt das Gerät lediglich über LEDs, um diverse Zustände mitzuteilen – sehr helle LEDs. Diese blinken in unregelmäßigen, dafür sehr häufigen Abständen (bei jeder Bewegung?) und untermalen dieses bunte Farbenspiel mit Vibrationen. Leider konnten wir keinerlei Informationen über einen etwaigen Sinn der Signale finden. Was übrig bleibt, ist ein äußerst lästiges Blinken am Handgelenk. Zwar besteht die Option, über die PULSENSE-App die LEDs abstellen, vollkommen los werdet ihr das Leuchten trotzdem nicht. Denn selbst wenn das Licht nun seltener auftritt, bleibt es vor allem nachts so hell, dass ein kleiner Raum gut ausgeleuchtet ist, weswegen ich je nach Position des Armes aus dem Schlaf gerissen wurde – immerhin ließ sich so feststellen, dass sich der Armbandverschluss abermals gelöst hatte.

Epson Pulsense PS-100 (Foto: Gizmodo)

„Hell“ ist nicht immer von Vorteil, vor allem, wenn dadurch der nächtliche Schlaf gestört wird.

Wenn die Pulsense PS-100 hingegen tatsächlich die Funktion erfüllen soll, ihren Träger zu wecken, versagt dies am Mangel einer akustischen Weckfunktion, den aber auch kein anderes Gerät bietet. Von der sanften Vibration am Arm, welche den Nutzer in einer Leichtschlafphase um den vorab festgelegten Weckzeitpunkt alamieren soll, habe ich jedenfalls nichts gemerkt und ich würde mich im Zweifel keineswegs darauf verlassen. Das ist zwar ein vollkommen subjektiver Eindruck, mir fällt es jedoch schwer, mir vorzustellen, dass irgendjemand davon aufwacht.

Pulsense PS-100 – immerhin präzise

Es mag ein regelrechter Glücksfall sein, die PS-100 zuverlässig nutzen zu können, doch wenn Fortuna sich als hold erweist, habt ihr mit diesem Fitnesstracker einen sehr präzisen Vertreter seiner Art am Arm. Bei der Schrittzahl und zurückgelegten Strecke etwa kam es lediglich zu Abweichungen von etwa +/- fünf Prozent. Da erwies sich das LG Lifeband Touch beispielsweise als etwas weniger genau. Auch der Pulsmesser könnte mit der guten alten Zeigefinger-Messung mithalten und lieferte realistische Werte. Doch was nützt all dies, wenn man sich auf das Gerät nicht verlassen kann. Denn wie bereits früher angedeutet, sollte mit den Kopplungsproblemen nach der erfolgreichen Einrichtung nicht Schluss sein. Schon nach fast einer Woche wollte die Pulsense PS-100 einfach keine Daten mehr übertragen. Auf eigenständige Pairing-Versuche reagierte sie je mit dutzenden, nicht von Erfolg gekrönten Pairing-Anfragen im Sekundentakt ihrerseits. So war es schlichtweg unmöglich, das Gerät weiterhin zu benutzen.

Epson Pulsense PS-100 (Foto: Gizmodo)

An der Unterseite befindet sich der optische Herzfrequenzmesser. Wenn der Rest des Gerätes auch so zuverlässig funktionieren würde wie er…

Fazit

gizrank 20 Sterne

150 Euro möchte Epson für die Pulsense PS-100. In Anbetracht der erheblichen Schwierigkeiten, die wir mit dem Armband hatten, raten wir im Zweifel zu Alternativen wie der Samsung Gear Fit SM-R350 oder Garmin Vivosmart, die bei vergleichbaren Preisen besser abschneiden können. Unterm Strich leidet die PS-100 an zu vielen Mängeln, die dauerhaft die Freude an dem Gerät vermiesen. Da hilft nicht einmal die gute Messgenauigkeit, wenn der Aktivitätstracker Schwierigkeiten hat, sich mit dem Smartphone zu verbinden oder Daten durch einen zu lockeren Verschluss nicht erhoben werden können. Dass das Armband trotz deaktivierter Beleuchtung trotzdem gelegentlich störende Blinksignale von sich gibt und die App nicht für Android-Geräte angepasst wurde, fließt dabei lediglich in den eher bescheidenen Eindruck mit ein. Daher können wir uns leider nicht für Epsons Einsteigermodell unter den Wearables aussprechen.

plusGuter Tragekomfort

plusGrößenverstellbar

plusMessgenauigkeit

minusminusExtreme (wiederkehrende) Kopplungsprobleme

minusHelle LEDs stören (trotz Abschaltung) Schlaf

minusVerschluss löst sich bei mechanischer Belastung leicht – dadurch Schlafmessung unterbrochen und ungenau

Tags :

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising