Test: Yotaphone 2 – das extravaganteste Smartphone des Jahres [Videotest]

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Als im letzten Jahr das erste Yotaphone erschien, war ich von der Idee, auf der Rückseite des Smartphones ein großes E-Paper-Display zu verbauen, begeistert! Leider war die tatsächliche Umsetzung dann ernüchternd. Doch mit dem Yotaphone 2 haben die Entwickler viele Mängel beseitigt und zeigen, dass auch ungewöhnliche Konzepte alltagstauglich sein können.

Grundsätzlich ist die Idee, auf der eigentlich ungenutzten Fläche der Rückseite eines Smartphones ein E-Paper-Display zu verbauen, schlicht genial. Denn ein E-Paper-Display lässt sich dank indirekter Beleuchtung fast so gut ablesen wie Papier und bietet sich deshalb zum Konsumieren von Büchern an. Nicht umsonst kommt bei jedem E-Book ein E-Paper-Display zum Einsatz.

Zum anderen braucht das passive E-Paper-Display keine Energie, um Inhalte anzuzeigen. Nur beim Bildwechsel wird ein Energieimpuls benötigt. Die geringe Energieaufnahme zeigt sich auch bei E-Book, mit denen oft ein komplettes Buch mit nur einer Akkuladung gelesen werden kann. Die Idee birgt also jede Mange Potenzial.

Design & Verarbeitung

Das Yotaphone 2 wirkt mit seinen 69 Millimeter mal 144 Millimeter mal 9 Millimeter recht kompakt, für heutige Flaggschiffmaßstäbe fast schon klein. Das Gerät wiegt 145 Gramm. Die Vorderseite besteht aus einer einzige Gorillaglasschicht, nur unterbrachen von einer Aussparung für den Lautsprecher zum Telefonieren die etwas an den typischen Samsung-Home-Button erinnert.

Der Rand der Vorderseite geht relativ scharfkantig in den Rahmen über. Ansonsten verzichtet das Yotaphone 2 komplett auf kantige Stellen, es fühlt sich dadurch extrem geschmeidig an, von der Haptik sogar etwas mit den iPhone 6 (+) Modellen vergleichbar. Auch im negativen Sinn, denn das Yotaphone 2 rutscht verhältnismäßig leicht aus der Hand.

Hier unser ausführlicher Videotest des Yotaphone 2:


Auf der rechten Seite befinden sich der An- / Aus-Button und die Lautstärkewippe. Der An- / Aus-Button könnte dabei einen etwas besseren Druckpunkt haben. Tolle Idee: Die Lautstärkewippe kann mit dem mitgelieferten Ejection-Tool entfernt werden, um den SIM-Kartenslot freizulegen.

Auf der unteren Seite des Yotaphone 2 befindet sich der microUSB-Port sowie die Aussparungen für den Lautsprecher und das Mikrofon. Einen Micro-SD-Kartenslot sucht man vergeblich. Der Lautsprecher ist relativ laut.

Auf der Rückseite befindet sich neben der Kamera mit LED-Licht das Highlight des Yotaphone 2: Das großflächige E-Paper-Display. Dabei fällt sofort auf, wie perfekt es in das Design integriert wurde. Besonders gefällt mir die leichte Wölbung des Displays.

Nicht so schön: Wenn man das Yotaphone 2 länger Zeit mit dem E-Paper-Display nach oben in der Hand hält schneiden die oben erwähnten scharfen Kanten auf Dauer etwas in die Finger.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Display(s)

Das 5-Zoll-AMOLED-Display auf der Vorderseite löst mit 1.920 mal 1.080 Pixel auf und erreicht damit eine wahnsinnig hohe Pixeldichte von 442 ppi. Obwohl hier AMOLED-typisch eine Pentile-Matrix zum Einsatz kommt, sind dadurch auch bei ganz genauem Hinsehen keine einzelnen Pixel auszumachen.

Die weiteren Eigenschaften des Displays sind mit anderen guten AMOLED-Displays vergleichbar. Die Farben sind etwas übersteuert, die Schwarzwerte phänomenal, die Blickwinkel sehr gut aber nicht ganz farbtreu und das Weiß wirkt etwas grünstichig. Die maximale Helligkeit würde ich als ausreichen bewerten, dafür kann man das Display außergewöhnlich dunkel machen.

Das zweite rückseitige Display misst 4,7 Zoll und nutzt die E-Paper-Technik. Neben den oben beschriebenen Eigenschaften kommt hinzu, dass ein E-Paper Display nicht selbstleuchtend ist. In absoluter Dunkelheit ist das Display also nicht zu lesen. Bei direkter Sonneneinstrahlung allerdings – auch dank des entspiegelten Glases über dem Display – sehr gut. Was ich mir hier noch wünschen würde, wäre eine integrierte LED-Beleuchtung, wie sie mittlerweile bei modernen E-Book-Readern Standard ist.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Das Display löst mit 960 mal 540 Pixeln auf und kommt damit auf eine Pixeldichte von 235 ppi. Eigentlich recht ordentlich für ein E-Paper-Display. Trotzdem fällt beim Lesen sofort auf, dass die Schrift leicht ausgefranst wirkt. Beim aktuellen Einsteiger-Kindle wirkt die Schrift dagegen knackscharf.

Das Display ist nun komplett touch-fähig. Wenn man das AMOLED auf das E-Paper spiegelt, wirkt die Touch-Bedienung leicht verzögert. Das liegt am etwas träge reagierendem E-Paper Display. Auch Ghosting ist hier deutlich zu sehen. Das heißt, dass das Vorherige Bild noch etwas „durchscheint“. Beide Displays werden übrigens von Cornings Gorillaglas 3 geschützt.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Performance

Im Inneren sorgt ein Qualcomm Snapdragon 800 für ausreichend Leistung. Auch wenn dieser Chip mittlerweile vom 801 und 805 überflügelt wird, bietet er immer noch mehr als genug Leistung. Unterstützt wird er von 2 GByte RAM. Als Speicher verbaut Yota ein 32 GByte ROM von dem etwa 25 GByte nutzbar sind.

Die gefühlte Performance ist überdurchschnittlich. Apps öffnen flott, anspruchsvolle Games laufen auf höchsten Einstellungen flüssig und Surfen ist auch auf komplexen Seiten ohne Verzögerungen möglich.

Diese gefühlte Performance wird auch vom Antutu Benchmark mit sehr guten 38.240 Punkte bestätigt. Noch höher fällt dieser Wert aus, wenn man den Benchmark auf dem E-Paper-Display laufen lässt.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Konnektivität

Dank des 800er Snapdragons funkt das Yotaphone 2 auch im LTE (Cat 4) Netz. WLAN wird bis ac-Standard unterstützt. Außerdem ist Bluetooth 4.0, NFC, A-GPS & Glonass und ein FM Empfänger an Bord.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Akku

Yota hat im Yotaphone 2 einen 2.500 mAh Akku fest verbaut. Wenn hauptsächlich das AMOLED genutzt wird, zeigt sich die Lebensdauer leicht überdurchschnittlich. So hielt das Yotaphone 2 beim Streaming eines Youtube Videos auf halber Helligkeit bei 1080p 6:50 Stunden durch. Das ist so schon ein ganz guter Wert.

Die Akkulaufzeit profitiert jedoch gewaltig von einer häufigen Nutzung des E-Paper Displays. Yota selbst behauptet, dass der Akku so bis zu drei Tage durchhalten soll. Diese mutige Aussage konnten wir in unserem Test bestätigen. Allerdings muss dafür dann bei fast jeder Tätigkeit das E-Paper Display genutzt werden.

Bei einer gesunden Mischnutzung sollte die Akkulaufzeit wohl in etwa auf zwei Tage kommen. Sobald der Akku in einen tiefroten Bereich kommt, schaltet sich Yota Energy ein. Dieser Modus kann auch manuell ausgelöst werden und reduziert die Konnektivität auf das Nötigste, um die Akkulaufzeit zu strecken.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Kamera

Auf der Vorderseite kommt eine 2 Megapixel Kamera zum Einsatz, auf der Rückseite eine 8 Megapixel-Kamera. Wobei vor allem die rückseitige Kamera überraschend gute Bilder knipst. Nur bei schlechten Lichtverhältnissen macht sie wie alle Handylinsen keine gute Figur.

Die Kamera-App ähnelt der Android-Stock-Kamera-App. Cool fand ich die Möglichkeit, Selfies mit der guten rückseitigen 8 Megapixel Kamera zu machen. Dafür muss man lediglich das Display auf das E-Paper-Display spiegeln, die Kamera-App öffnen und den Selfie-Modus nutzen. Schon sieht man sein Konterfei auf dem E-Paper-Display und knipst sich mit der besseren Linse.

(Bild: Gizmodo) (Bild: Gizmodo) (Bild: Gizmodo) (Bild: Gizmodo)

Software

Es kommt ein minimal angepasstes Android 4.4.3 zum Einsatz. Yota selbst bedauert es sehr, dass sie nicht gleich mit Android 5.0 auf den Markt kommen konnten. Sie versprechen das Update auf Android 5.0 so schnell wie möglich nachzuschieben.

Hoffentlich verbessern sie in dem Zuge auch gleich das Zusammenspiel zwischen dem AMOLED und dem E-Paper-Display. Denn auch wenn die beiden durchaus sinnvoll nutzbar sind, klemmt und hackt es noch an der ein oder anderen Stelle.

Das ohne Zweifel beste Feature ist das Spiegeln des normalen Displayinhalts auf das E-Paper-Display. Dadurch müssen keine speziellen Apps für das E-Paper Display geschrieben werden. Es läuft ausnahmslos alles auf dem rückseitigen Display.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Im so genannten YotaHub kann eingestellt werden, was auf dem E-Paper-Display zu sehen ist, wenn man ganz normal das AMOLED nutzt. Das reicht von der Uhrzeit und dem Wetter, über Shortcuts einiger Apps, bis hin zu Benachrichtigungen von Twitter oder der Steuerung von Musik. YotaHub gefällt mir richtig gut!

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Fazit

Das Yotaphone 2 ist das außergewöhnlichste Smartphone des Jahres!

Das Yotaphone 2 schlägt in der Kategorie „Extravaganz“ sogar das Samsung Note Edge. Denn das zweite E-Paper-Display sieht mit seiner perfekten Integration einfach hervorragend aus. Und es glänzt nicht nur optisch, es lässt sich auch sinnvoll nutzen. Die Killer-App ist ohne Frage das komplette Spiegeln des normalen Displays auf das E-Paper Display. So lassen sich nicht nur toll Texte lesen sondern auch die ohnehin schon gute Akkulaufzeit merklich erhöhen.

Auch der Rest den Yotaphone 2 ist überdurchschnittlich. Das 5 Zoll AMOLED ist spitze, der Prozessor zwar nicht mehr High-End, aber immer noch sehr gut. Auch die Kamera kann sich sehen lassen.

Yotaphone 2 (Bild: Gizmodo)

Etwas Arbeit muss Yota noch in die Software stecken. Das Zusammenspiel der beiden Displays wirkt in einigen Situationen nicht ganz rund. Auch wird der sehr hohe Preis von 700 Euro sicher einige abschrecken. Wem der Preis nicht juckt und eines der außergewöhnlichsten Smartphones des Jahres will, kann zugreifen.

Es ist schon beachtlich, welchen riesigen Schritt Yota vom Yotaphone 1 zum Yotaphone 2 gemacht hat. Wenn der Schritt zum Yotaphone 3 wieder so groß wird, könnte das Yotaphone 3 das Smartphone des Jahres 2015 werden. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen.

plusplusTolles zweites E-Paper-Display auf der Rückseite

plusAkku kann mit E-Paper-Nutzng gestreckt werden

plusGutes AMOLED

plusFlotter Prozessor

plusGute Kamera

minusSehr teuer

minusSoftware wirkt nicht ausgereift

Hier unser ausführlicher Videotest des Yotaphone 2:

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  1. Bitte lasst doch mal ein Rechtschreibprüfungsprogramm (wie Word oder sonstwas) über eure Texte laufen bevor ihr sie hochladet… So viele Rechtschreibfehler in einem Artikel ist (selbst zu Weihnachten) peinlich ;) Trotzdem ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest! Ein treuer Leser

    1. Kontrolliert Word auch Kommasetzung? Falls Ja, dann solltest du das auch nutzen. ;-)
      Trotzdem ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest!

    2. Grammatik-Fehler nicht zu vergessen: “So viele Rechtschreibfehler *sind* […] peinlich)
      Aber trotzdem ein schönes Fest. ;)

  2. Dasselbe Feature auf einem Tablet würde – meiner Meinung nach – mehr Sinn ergeben. Ich lese oft auf meinem Tablet. Hier wäre es hilfreich, wenn ich das auf einem e-ink-Display lesen könnte.

    Dieses Handy gefällt mir mehr wegen dem Aussehen als wegen dem Zweitdisplay.

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