Test: Amazon Fire HDX 8.9 – Schnellster Einkaufswagen der Welt?

(Bild: Gizmodo)

Amazon brachte im November 2014 die vierte Generation seines Fire-Tablets auf den Markt. Mit 8,9 Zoll Bildschirmdiagonale, überdurchschnittlicher Pixeldichte und aktuellem Qualcomm-Prozessor hält man schon ab 380 Euro ein High-End-Tablet in den Händen. Ob diese Rechnung aufgeht? Wir haben das Amazon Fire HDX 8.9 metaphorisch unter die Lupe genommen.

Amazons Engagement auf dem Tablet- und Smartphonemarkt ist im Gegensatz zu deren E-Book-Readern Kindle bisweilen von wenig Erfolg gekrönt. Das mag unter anderem an der recht eigennützigen Fokussierung der entsprechenden Mobilgeräte liegen. Die Fire-Phones sowie -Tablets werden vom Kunden schließlich tendenziell als moderner Einkaufswagen in den eigenen vier Wänden beziehungsweise der eigenen Hosentasche betrachtet - und diese Meinung hat durchaus seine Berechtigung.

So laden Amazons Mobilgeräte immer und immer wieder dazu ein, sich an den Konsum auf Amazon zu gewöhnen. War das schönste am lästigen Staubsaugervertreter doch über Jahre hinweg sein Rücken, dem er einen zugewandt hat, wenn er endlich wieder von einem abließ, so hat man den zweckmäßig selben Eindringling in Form eines Amazon-Tablets nun täglich mitten in der eigenen Wohnung liegen, hält ihn mit beiden Händen! Das gefällt nun wirklich nicht jedem. Doch trotz alledem besitzt auch das Amazon Fire HDX 8.9 mehr als genug Funktionen, die wahrlich tablet-spezifisch sind und sich von der Remineszenz an Konsum lösen können.

Performance

Was simples Browsen und normale Arbeitsvorgänge anging, gab es beim Fire HDX 8.9 bezüglich der Performance fast nichts zu bemängeln. Nur an einer Stelle schwächelte das Tablet dafür besonders konstant. Das schlichte Wechseln zwischen geschossenen Fotos in der Kamerarolle zog sich ungemein lange – dem Laden der Bilder schien das Tablet nicht gewachsen. Von einem neuen, mindestens 380 Euro teuren Mobilgerät erwartet man allerdings einen anderen, besseren Standard.

Ansonsten konnte das Fire HDX 8.9 in puncto Geschwindigkeit aber dank seines Qualcomm Snapdragon 805-Prozessors mit 2,5 GHz Taktung überzeugen. Bei besonders arbeitsintensiven Anwendungen sollen Prozesse im Übrigen in die Cloud ausgelagert werden können, um wirklich mit ziemlich allen Anforderungen zurechtzukommen. Hinzu kommen 2 GByte RAM und eine Adreno 420 Grafikeinheit, die dem Snapdragon-Prozessor zur Seite steht. Der 8,9 Zoll große Touchscreen reagiert standesgemäß flott auf Bewegungen.

Display

Hier spielt das Amazon-Tablet subjektiv betrachtet in der obersten Liga. Die Auflösung liegt mit 2.560 mal 1.600 Bildpunkten (339 ppi) im Bezug auf Tablets in überdurchschnittlichen Gefilden. Blose Pixel sind bei ganz genauem Hinsehen aber trotzdem noch zu sehen. Die Blickwinkelstabilität hält das natürlich nicht von einer starken Leistung ab. Auch die kräftige Farbwiedergabe kombiniert mit dem beeindruckenden Kontrast verzückte die Augen.

Amazon Fire HDX 8.9

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Optik und Haptik

Optisch hat sich das Amazon Fire HDX 8.9 im Vergleich zum Vorgänger nicht verändert. 8,9 Zoll Bildschirmdiagonale, 231 mal 158 mal 7,8 Millimeter und 375 Gramm (WLAN-Modell). Die LTE-Variante wiegt nur 15 Gramm mehr. Das geringe Gewicht und die schmale Bautiefe sind auch ausschlaggebend dafür, dass das Tablet so gut in der Hand liegt. Die aus Magnesium bestehende Rückseite fühlt sich dagegen sehr nach gummierten Plastik an. Außerdem ist die Rückseite zu allen vier Seiten hin auf einer Breite von etwa zwei Zentimetern abgeschrägt und mündet minimal abgerundet in die Vorderseite. Mitten auf der Rückseite prangert groß und in schwarzer Klavierlackoptik das Amazon-Logo.

Dasselbe Material schmückt auch die oberen zwei Zentimeter, in denen links und rechts je ein Lautsprechergrill eingelassen ist. Mittig, in einem leicht vorgesetzten Trapez, befinden sich die Kamera samt LED-Blitz. Im Gegensatz zu dem matten Magnesium ist der schwarze, glänzende Streifen sehr anfällig für Fingerabdrücke.

An den Seiten der matten Rückseite hat Amazon die haptischen Tasten integriert. Links erreicht man den On/Off-Button, rechts die Lautstärkewippe. Beide machen bezüglich ihrer Position nur Sinn, wenn das Tablet – wie jedoch meist – im Querformat gehalten wird. Aber auch dann sind die flachen Tasten oft nur schwer zu finden beziehungsweise zu fühlen.

Vorderseitig wirkt das Tablet beinahe wie aus einem Guss. Die vier Ecken sind deutlich abgerundet, die matt schwarze Rückseite lugt etwa einen Millimeter am Rand hervor. Der Rest sieht aus wie ein einziges Display, ist es aber nicht. Aktiviert man den Bildschirm, wird ersichtlich, dass auch hier ein zwei Zentimeter dicker Rand um das Display prangert. Insgesamt ist die Optik dank ihrer dunklen Töne wenig aufdringlich, edel oder gar extravagant darf man dieses Mobilgerät aber keinesfalls nennen. Mit einer zusätzlich erworbenen Hülle spielt die – meiner Meinung nach ernüchternde – Optik aber fast keine Rolle mehr.

Kamera

Wer sich ein Tablet kauft, hat dabei in der Regel keine allzu hohen Ansprüche an die Kamera. Amazon muss seinem Fire HDX 8.9 diesbezüglich allerdings ein wenig mehr Potenz einhauchen, da sich die Produkterkennungs-App Firefly voll und ganz auf die Kamera verlassen muss, doch dazu später mehr.

Die 8-Megapixel-Cam an der Rückseite erlaubt HDR-Aufnahmen, Videos in Full-HD (1080p) und kann gegebenenfalls auf die Unterstützung eines LED-Blitzes zurückgreifen. Horizontale oder vertikale Panoramaaufnahmen sind mit der Kamera-App ebenfalls möglich. Andere Mobilgeräte bieten zwar besser ausgestattete Software, das wichtigste Merkmal einer Kamera ist jedoch die Bildqualität. Und die war bei entsprechend guten Lichtverhältnissen oder tagsüber unter freiem Himmel sehr zufriedenstellend. Die Farben waren satt, kräftig und realitätsgetreu. So macht auch Fotografieren mit dem Tablet Spaß. Geht der Tag jedoch zur Neige und die Wände werden dunkler, verfällt die Kamera des Fire HDX 8.9 unverzüglich in eine Orgie des Rauschens. Die folgenden Bilder sprechen Bände und stellen auch noch die Bildqualität der 2-Megapixel-Frontkamera zur Schau. Ein paar Screenshots verdeutlichen außerdem das Design des Fire OS 4.

Sound

Den besten Sound über ein Mobilgerät erhält man freilich mit angeschlossenen Kopfhörern oder externen Boxen. Trotzdem sind integrierte Lautsprecher für ein Tablet unverzichtbar. Beim Amazon Fire HDX 8.9 handelt es sich hierbei um Stereo-Lautsprecher mit Dolby-Digital-X2-Technik, die sich, im Querformat gehalten, links und rechts oben an der Rückseite befinden.

Und das ist auch schon der größte Nachteil an den Lautsprechern. Beim Betrachten eines Videos oder Filmes klingt der Ton doch recht dünn. Den eigentlich guten Sound erfährt man erst, wenn man das Tablet umdreht und direkt von den Lautsprechern bestrahlt wird. Ansonsten wusste der Klang durchaus zu gefallen, wenngleich man natürlich keine wummernden Bässe oder messerscharfen Höhen erwarten darf.

Apps und Betriebssystem

Das auf Android 4.4 basierende Fire OS 4 „Sangria“ ähnelt Googles Mobilbetriebssystem nur noch peripher. Der Startbildschirm gliedert sich in eine untere Reihe, standardmäßig aber nicht zwingend bestehend aus Silk-Browser, E-Mail-Verknüpfung, Mayday-Hilfebutton, Amazon FreeTime, der Kamera, einem Link zu Amazon Online, dem Kalender und Firefly. Darüber in ausgesprochen großen Symbolen, sämtliche zuletzt verwendeten Apps und/oder Medien, in zeitlich absteigender Reihenfolge von links nach rechts. Maximal fünf Anwendungen können hier gleichzeitig angezeigt werden. Die anderen werden nach einer horizontalen Wischgeste sichtbar. Wischt man hingegen nach oben, verschwinden die großen Symbole und eine App-Ansicht erscheint. Die zuvor erwähnte untere Reihe befindet sich nun ganz oben. Darunter: Weitere Anwendungen wie Uhr, Kontakte oder eigens installierte App.

Am oberen Ende des Startbildschirms befindet sich eine aufziehbare Mitteilungszentrale, die selbst auch als Navigationsmenü zu den Einstellungen, Mayday, Firefly, Drahtlosverbindungen, Bildschirmhelligkeit und „Automatisch drehen“ führt. Unter ihr listet das Fire HDX 8.9 in Worten die Menüführung zu weiteren Kategorien auf. Diese wären Einkaufen, Spiele, Apps, Bücher, Musik, Videos, Hörbücher, Web, Fotos und Dokumente. Innerhalb eines solchen Ordners unterscheidet Amazon zwischen Cloud und Geräte – je nach dem, wo sich die angezeigten Dateien befinden.

Die drei quasi omnipräsenten Onscreen-Buttons „Home“, „Zurück“ und „Suche“ unterscheiden sich nur im Bezug auf Letzteres von Android. Dort wird anstelle der Suche ein Fenstermenü geöffnet, bei dem alle geöffneten Apps aufgelistet, angewählt oder aber geschlossen werden können. Dem Fire HDX 8.9 fehlt diese Funktion aber trotzdem nicht. Das zentrale Karussell, bestehend aus den großen Symbolen am Startbildschirm übernimmt diese Funktion. Das macht das Wechseln zwischen geöffneten Apps über den Umweg des Startbildschirms manchmal einfacher, manchmal aber auch langwieriger. Wer im Übrigen von der Seite der Onscreen-Buttons nach Innen wischt, zieht hin und wieder auch eine Leiste mit den zuletzt verwendeten Apps auf – praktisch.

Angenehm ist hierbei, dass das Tablet nicht von zig redundanten Apps überfüllt ist. Keine Google-Play-Armada, keine erdrückende YouTube-Front. Die demonstrative Distanz des Suchmaschinenriesen setzt sich auch im Silk-Browser fort, dessen Suche auf Microsofts Bing basiert, wobei sich dies auch innerhalb der Einstellungen ändern lässt. Die beiden anderen Optionen sind Google und Yahoo. Übrigens, das Display des Fire HDX 8.9 lässt sich mit Miracast-fähigen Geräten auch duplizieren.

Wie schon beim E-Book-Reader Kindle gibt sich Amazon sehr familienfreundlich. Das Tablet Fire HDX 8.9 unterstützt beispielsweise verschiedene Benutzerkonten in Amazon FreeTime. Bei Benutzerkonten unterscheidet Amazon zwischen Erwachsenen und Kindern. Jedem Benutzerkonto können verschiedene Inhalte, also Apps, Bücher oder Videos, zugewiesen werden, auf die zugegriffen werden darf. Außerdem können benutzerspezifische Ziele wie beispielsweise 30 Minuten „Bücheraktivität“ oder auch Zeitlimits wie „Eine Stunde Bildschirmzeit“ oder „Schlafenszeit von 20 bis 8 Uhr“ separat für Wochen- und Wochenendtage eingestellt werden.

Optional werden Unterhaltungsinhalte im Bezug auf Lernziele wie Lesen so lange blockiert, bis der jeweilige Benutzer sein Tagespensum erreicht hat. Auch auf Drahtlosverbindungen wie WLAN hat man in FreeTime Einfluss. Den Kindern kann also beispielsweise der Zugriff aufs Internet oder ein Einkauf im App Store untersagt werden. Ebenso können soziale Netzwerke, In-App-Käufe oder standortbasierte Dienste deaktiviert werden.

In der Familienbibliothek können außerdem Inhalte abgelegt werden, die allen zugänglich sind. Auch exklusive Amazon-Prime-Inhalte wie Filme, Musik oder geliehene Bücher, selbst wenn nur ein Familienmitglied Prime-Kunde bei Amazon ist.

Löblich ist der Einstellungspunkt Barrierefreiheit, also Möglichkeiten, Inhalte einfacher oder alternativ wahrzunehmen. Hier wird zunächst zwischen optischen und akustischen Einstellungen unterschieden. Zu Letzterem zählt die Möglichkeit, Stereo in Mono zu konvertieren, Untertitel für Videos anzuzeigen, sofern welche verfügbar sind und die Untertitel selbst bezüglich Farbe und Größe individuell zu gestalten.

Die optischen Einstellungen beinhalten eine dreistufige Veränderung der Schriftgröße und einen Bildschirmvergrößerer, der innerhalb Menüs verwendet werden kann. Durch Trippelklicken mit dem Finger stellt der Bildschirmausschnitt einen kleineren Bereich dar, der sich per Zwei-Finger-Wischgeste verschieben lässt. Am spannendsten ist allerdings der Screenreader, der Inhalte am Bildschirm vorliest. Wählt man per langer Touchgeste einen Reiter aus, wird dieser mit einem gelben Rechteck markiert und von einer Frauenstimme vorgelesen. Diese Lesegeschwindigkeit sowie -lautstärke lässt sich im Übrigen auch einstellen. Per Doppelklick lässt sich dann auch ein Touchbefehl ausführen.

Zu den vorinstallierten Anwendungen zählt auch Mayday, Amazons Instant-Kundenservice, der binnen 15 Sekunden auf jede Anfrage reagieren soll. Die Benutzer können hierbei über ihr Mobilgerät mit einem Amazon-Servicemitarbeiter kommunizieren, ohne dabei selbst gesehen zu werden. Voraussetzung dafür ist eine aktive WLAN-Verbindung. Das Servicepersonal, das bislang nur in deutsch und englisch operiert, soll dann bei Problemen helfen und kann den Bildschirm des jeweiligen Benutzers einsehen.

Amazon bietet den Service rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, an. Ich rief abends um 18 Uhr an und hatte nach knapp zehn Sekunden auch schon eine freundliche Mitarbeiterin vor einem Amazon-Logo sitzend auf dem Display. In einem kleinen Video-Fenster erschien Mia rechts unten und fragte nach meinem Problem. Obwohl ich sie gut verstehen konnte, war die Verbindung ihrer Aussage zufolge zu schlecht und ich brach nach einer halben Minute die Verbindung ab.

Aufgegeben hat Mia von Amazon aber nicht. Nur wenige Minuten später klingelte mein Smartphone und die Mitarbeiterin erklärte die Verbindungsprobleme von zuvor. Dass Amazon meine Mobilfunknummer hat, war mir nicht bewusst. Angeblich hatte ich sie zu einem früheren Zeitpunkt in meinem Kundenkonto hinterlegt. Nun konnte ich die Mitarbeiterin nach der neuen dynamischen Lichtsteuerung fragen. Sie soll die Farbe und Helligkeit des Bildschirms automatisch anpassen, damit Buchseiten bei allen Lichtverhältnissen echtem Papier ähneln. Wie Mia per Telefon erklärte, lässt sich in einem Buch – ähnlich dem Kindle E-Reader – ein Menü durch Tippen auf den oberen Bildschirmrand öffnen. Unter dem Punkt Layout kann man entweder manuell die Helligkeit regeln, oder durch Klick auf die Sonne die automatische Lichtsteuerung aktivieren. A ha! Mayday bietet unverzüglichen, freundlichen und versierten Service – schön!

Genießen kann man auch die Amazon-Angebote. Dazu zählen die Kindle E-Books oder, als Prime-Mitglied, die kostenlose Leihbibliothek, das Film- und Serienangebot von Amazon Prime Instant Video oder die 30 Millionen Songs sowie die Hörbücher von Audible. Darauf zugreifen kann man aber auch ohne Fire HDX 8.9.

Firefly – bisweilen eine Eintagsfliege

Die Amazon-App Firefly, vielerorts im Tablet zu finden, soll Produkte, Bücher, CDs oder DVDs mit der Kamera erkennen und das entsprechende Angebot auf Amazon finden. Gleiches gilt für Musik sowie für Filme und Serien, deren Audiosignal analysiert wird. Außerdem soll mit Firefly auch Text übersetzt werden – ganz einfach per Kamera. Die Erkennung von QR-Codes und E-Mail-Adressen versteht sich da quasi von selbst.

Besonders spannend klingt die Produkterkennung, die – wie die Bildergalerie zuvor bereits bewies – jedoch ganz und gar nicht funktionierte. Das Amazon Fire HDX 8.9 erkannte weder iPhone oder Teelöffel noch seine eigene Schutzhülle. Bücher wurden dagegen stets sicher identifiziert, das half in dem Fall aber reichlich wenig, da der Name des Produktes und weitere Informationen hier ohnehin im Buch enthalten sind. Auch das Argument des Preisvergleichs erblasst hier aufgrund der Buchpreisbindung. Letztlich wird nur der Konsum vereinfacht und beschleunigt.

Selbiges funktioniert auch gut mit Songs. Enttäuscht wurde ich dafür bei der Film- und Serienerkennung. Auch diese sollten über das Audiosignal erkannt werden, allerdings konnte das Fire HDX 8.9 nicht mal solche Filme identifizieren, die in Amazon Prime Instant Video enthalten sind. Hinzu kam, dass sich die Firefly-App gelegentlich nach etwa 20 vergeblichen Sekunden einfach beendete. So sieht wohl digitale Resignation aus.

Wirklich nützlich wäre die automatische Übersetzung mittels Firefly. Versucht habe ich es mit englischen Texten und einem einfachen Zitat – wieder ohne Erfolg.

Ebenfalls ernüchternd ist die Größe des Amazon App Stores, was auch daran liegt, dass Amazon eigenen Angaben zufolge jede App prüft, bevor sie im App Store erhältlich ist. Wer dennoch auf den Google Play Store zugreifen möchte, sollte unter Umständen diese Tipps befolgen.

Akku, Zubehör und Preis

Genaue Angaben zu der Kapazität des Akkus machte Amazon nicht. Stattdessen spricht man von elf Stunden bei gemischter Nutzung und 18 Stunden beim Lesen. Das sind beinahe die gleichen Werte wie beim Vorgänger, der allerdings zwölf Stunden bei gemischter Nutzung durchhalten sollte. Die Ladezeit beträgt mit dem originalen Adapter fünf Stunden. Überprüfen ließ sich das allerdings nicht, da Amazon leider den US-Adapter mitlieferte.

Wie lange man mit einer Akkuladung tatsächlich kommt, hängt natürlich von mehreren Faktoren wie beispielsweise Bildschirmhelligkeit ab. An die propagierten elf Stunden kam ich allerdings nicht heran. Wer die maximale Laufzeit aus seinem Mobilgerät hervorholen möchte, sieht sich am besten in unserer großen Themengalerie um.

Strom sparen und die Laufzeit erhöhen soll speziell das neue Feature SmartSuspend. Es erstellt ein gerätespezifisches Profil für Zeiten, in denen das Tablet nicht genutzt wird. Zu diesen Zeiten schaltet es dann etwa die WLAN-Verbindung automatisch ab. Dabei aktiviert es WLAN nur noch in regelmäßigen Abständen, um E-Mails oder App-Benachrichtigungen abzurufen, damit das Tablet stets auf dem neuesten Stand ist, wenn man es wieder aufweckt. Laut Hersteller sind durch die Funktion Einsparungen von bis zu 25 Prozent möglich.

Klappbare Hüllen für das Fire HDX 8.9 gibt es bereits ab rund 10 Euro. Unserem Testgerät legte Amazon die eigene Origami-Hülle im Wert von 55 Euro bei. Sie eignet sich sowohl im Hoch-, als auch im Querformat als magnetische Hülle, besitzt eine Stiftschlaufe, rückseitige Druckknöpfe für On/Off-Button und Lautstärke sowie seitliche Aussparungen für den Audioausgang und den MicroUSB-Anschluss. Der Bildschirm des Tablets kann, wie gewohnt, auf das Schließen beziehungsweise Öffnen der Hülle reagieren. Wer das Tablet innerhalb der Hülle im Querformat um etwa drei Zentimeter nach oben schieb, aktiviert damit automatisch die Kamera. Das Fire HDX 8.9 rastet an dieser Stelle automatisch ein.

Wer die Origami-Funktion der Hüllenvorderseite einmal verinnerlicht hat, wird sich regelmäßig an ihr erfreuen. Entgegen des starken Magnetismus der Vorderseite, reicht die magnetische Kraft der Rückseite, von der das Tablet innerhalb der Hülle gehalten wird, leider nicht immer aus. Mit dem Display nach unten gehalten, reicht eine minimal zu schnelle Bewegung und das Fire HDX 8.9 löst sich aus der Hülle und fliegt gen Boden.

Wie auch andere Hersteller kategorisiert Amazon sein neuestes Tablet nach Speichergröße und LTE. Das Fire HDX 8.9 kostet in der kleinsten Version mit 16 GByte (9,2 GByte zur freien Verfügung) und ohne LTE 379 Euro. Für 50 Euro mehr gibt´s 32 GByte internen Speicher. 64 GByte veranschlagen insgesamt 479 Euro. Interessenten stehen hier demselben Konflikt gegenüber, wie iPhone-Besitzer, denn auch das Amazon Fire HDX 8.9 besitzt keinen microSD-Kartenslot. Die LTE-Version gibt es von vornherein  nur mit 32 GByte oder 64 GByte internen Speicher und kostet 529 bzw. 579 Euro. Seit dem 4. November 2014 ist das Fire HDX 8.9 der vierten Generation erhältlich. Im Lieferumfang enthalten ist ein USB-MicroUSB-Kabel sowie ein Steckdosenadapter mit USB-Anschluss. Wer Glück hat, erwischt vielleicht sogar den passenden. In meinem Falle lag leider ein US-amerikanischer Steckdosenadapter bei.

Technische Spezifikationen

Display: 8,9 Zoll, 2.560 mal 1.600 Pixel

Prozessor: Qualcomm Snapdragon 805 Quadcore-Prozessor mit 2,5 GHz

Arbeitsspeicher: 2 GByte RAM

GPU: Adreno 420

Kamera: HD-Kamera mit 720p auf der Vorderseite; 8MP-Kamera mit LED-Blitz, elektronischer Bildstabilisierung und Blendenöffnung 5P f/2.2 auf der Rückseite

Konnektivität: WLAN nach IEEE 802.11 ac, Bluetooth 4.0, VPN

Sensoren: Umgebungslichtsensor, Beschleunigungssensor, Drehratensensor, GPS

Gewicht: 375 Gramm

Abmessungen:  231 mal 158 mal 7,8 Millimeter

Akku: 11 Stunden bei gemischter Nutzung

Speicher: 16, 32 oder 64 GByte

Anschlüsse: MicroUSB 2.0 (Slimport-fähig), 3,5-Millimeter-Audioanschluss

Lieferumfang: USB-MicroUSB-Kabel, 9 Watt Steckdosenadapter

Preis: 379 Euro bis 579 Euro

gizrank 35 Sterne

Fazit

So wirklich glücklich war ich mit dem Amazon Fire HDX 8.9 leider nicht. In erster Linie lag das allerdings an dem Gefühl, eigentlich nur einen transparenten Warenkorb Amazons in den Händen zu halten. Darüber hinaus war ich wenig d´accord mit dem Design des Tablets – sowohl Innen als auch Außen. Fire OS 4 „Sangria“ funktioniert im Großen und Ganzen aber sehr ordentlich und mit einigen sinnvollen Funktionen zum Lesen, für Familien und manchen Menschen mit Behinderung. Wäre nicht einmal der Silk-Browser abgestürzt und würde das Laden meiner Fotos nicht viel zu oft viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen, könnte ich auch der Performance eine sehr gute Note bescheinigen. Dafür machte das Display ordentlich was her und die Kamera bei guten Lichtverhältnissen wirklich hübsche Fotos. Firefly bescherte bei mir hingegen nur ein müdes Lächeln. Musikerkennung ist mittlerweile ein alter  Hut und die Cover von Büchern oder CDs kann man auch selbst lesen. Der Rest hat nicht einmal funktioniert.

Wer keine Angst vor Amazon hat oder einfach nur ein Familientablet möchte, könnte das Fire HDX 8.9 aber dennoch in Betracht ziehen. Zu Betonen ist außerdem noch der hervorragende Kundenservice, wohingegen der interne Speicher nicht erweiterbar ist. Wer sich aber schon auf ein Amazon-Tablet einlässt, der wird auch eher damit kokettieren einen Amazon-Prime-Account zu erwerben. Damit konsumiert  man Filme, Musik und Bücher einfach über die Cloud.

plus Tolles Display

plus Kein vorinstallierter App-Überfluss

plus „Fliegengewicht“

plus Mayday

plus Funktionen für Barrierefreiheit

plus Erstklassiger Prozessor

minus Dennoch lahme Bildwiedergabe

minus Firefly in den Kinderschuhen

minus Kleiner App Store

minus Wenig ansprechendes Design und personalisierbares Fire OS 4

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