Test: Parrot Jumping Sumo – die störrische Drohne

Parrot Jumping Sumo Gizrank (Foto: Gizmodo)

Normalerweise kennen wir fliegende Drohnen - doch wenn wir uns den Parrot Jumping Sumo ansehen ist klar, dass dieses frech dreinblickende Spielzeug nicht zu dieser Gattung gehört. Dass der Jumping trotzdem abhebt und dabei eine Menge Lärm von sich gibt, könnt ihr in unserem Test nachlesen.

Sie sind überall – Drohnen! Inzwischen werden die kleinen Geräte auch im privaten Gebrauch als Unterhaltungselektronik immer beliebter. Neben gewöhnlichen Quadrocoptern und der etwas experimentellen Rolling Spider bietet Parrot den Jumping Sumo, eine auf zwei Rädern rollende Drohne, an. Seinem Namen wird das Gerät durch eine eingebaute Sprungfeder gerecht, durch welche der kleine Gnom fast einen Meter hoch beziehungsweise weit springen kann.

Zwischen den Rädern: Technische Ausstattung

Was wäre eine Drohne ohne Kamera? Und natürlich fehlt sie auch beim Sumo nicht. Die Knipse befindet sich auf der Vorderseite und fängt 15 Bilder die Sekunde mit 640 x 480 Pixeln ein – diese werden live auf euer Smartphone oder Tablet gestreamt und können – einen micro-USB-Stick vorausgesetzt – sogar aufgezeichnet werden. Wer einen solchen nicht hat, kann sich mit einem entsprechenden Adapter helfen, auch wenn dieser den Bewegungsspielraum des Gerätes einschränkt. Um mit dem Handy zu kommunizieren, erzeugt der Parrot Jumping Sumo ein eigenes WiFi-Netzwerk mit 2,4 oder 5 GHz. Die Reichweite beträgt im freien Feld immerhin ganze 50 Meter.

Jumping Sumo: in großen Sätzen zum Crash?

Der 185 x 150 x 110 Millimeter große Jumping Sumo sieht aus wie ein tennisballgroßes Ei mit Terminator-Antlitz zwischen zwei übergroßen Rädern – rot leuchtenden Augen sei Dank. Je nachdem, wie ihr die Drohne nutzen wollt (Wendigkeit oder Fahrstabilität), lassen sich die mit Schaumstoff überzogenen Räder nach innen beziehungsweise außen klappen – oder viel mehr biegen. Auch, wenn die Speichen dahingehend flexibel genug erscheinen, durchzuckt uns bei jeder Änderung der Reifenposition ein unangenehmes Gefühl, einem Schaden derselben zu ungewissem Zeitpunkt unausweichlich entgegen zu steuern. Bis dato ist es zumindest noch nicht geschehen. In diesem Zustand schrumpft die Breite übrigens auf 143 Millimeter.

Parrot Jumping Sumo (Foto: Gizmodo)

Mit eingeklappten Rädern ist der Jumping Sumo zwar wendiger, fährt dafür aber weniger stabil.

Wie die Speichen besteht das Gehäuse des Jumping Sumo zum größten Teil aus klobig und wenig wertig anmutenden Kunststoff, der geradewegs aus dem 3D-Drucker stammen könnte. Dadurch wirkt das Gerät, die Elektronik im Inneren und den Preis von 160 Euro außen vor gelassen, wie die zu große Brut eines Überraschungseis. “Zweckmäßige” Materialwahl trifft es am ehesten, denn durch den großen Durchmesser der Räder kommt der Körper des Sumo selbst kaum mit dem Untergrund in Berührung. Ob das Gehäuse bei all der Hüpferei einem unglücklichen Sturz auf unebene Böden standhielte, steht auf einem anderen Blatt. Doch auch hier sollten bei zweckmäßigem Gebrauch eigentlich keine Schäden zu erwarten sein. Übrigens bietet das Gehäuse keinen Schutz vor Schmutz und Nässe, weswegen der Sumo nur in absolut trockener Umgebung starten sollte.

Parrot Jumping Sumo (Foto: Gizmodo)

Zum Wechsel der Radposition müssen die Speichen gebogen werden. Ob das auf Dauer gut tut…

Leicht zu lernen, schwer zu meistern, selten zu starten

Gesteuert wird der Jumping Sumo mit dem Smartphone (Android, iOS und Windows Phone), sofern die Systemversion aktuell genug ist. Die App FreeFlight 3 gibt es kostenlos im jeweiligen App Store. Nachdem ihr den mitgelieferten 550 mAh Akku in die dafür vorgesehene Halterung setzt, wird der Sumo via micro-USB-Kabel, welches ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist, etwa 1,5 Stunden geladen. Nach erfolgreicher Verbindung über WLAN könnt ihr loslegen. Oder etwa nicht? Denn obwohl uns die grüne Farbe der leuchtenden Augen des Sumo und die WLAN-Einstellungen des Smartphones eine erfolgreiche Verbindung bestätigen, erkennt FreeFlight 3 dies nur allzu oft nicht und hält die Schaltfläche zur Steuerung zurück. Irgendwann war es uns schlussendlich vollkommen unmöglich, die Drohne zu benutzen – ein Problem mit dem wir augenscheinlich nicht alleine zu dastehen.

An dieser Stelle hätten wir euch gerne eigene bewegte Bilder des Jumping Sumo gezeigt. Leider war es uns trotz vermeintlich erfolgreicher Verbindung nicht möglich, das Gerät noch einmal zu steuern.

Daher können wir euch unsere Eindrücke und die Funktionsweise nur schriftlich vermitteln. Wir hätten uns gewünscht, dass alles so problemlos abgelaufen wäre, wie es obiges Tutorial vermittelt.

An sich verfügt die FreeFlight 3-App über ein übersichtliches Interface, welches eine Bedienung des Jumping Sumo mittels des Touchscreens und der Neigungssensoren eures Smartphones ermöglicht. Ein “Gas”-Hebel im Vordergrund des gestreamten Bildes lässt den Sumo langsam bis schnell mit bis zu 2 m/s vorwärts und rückwärts fahren. Neigt ihr das Smartphone oder Tablet nach rechts oder links, bewegt sich auch die Drohne in die entsprechende Richtung. Da sich die Räder des Jumping Sumo unabhängig voneinander drehen können, kann dieser auf der Stelle rotieren, was sehr enge Kurven ermöglicht. Hierfür gibt es auch Schnellzugriffe per Wischgeste, die eine sofortige 90°- oder 180°-Drehungen auslösen. Mit einer Berührung auf die entsprechende Schaltfläche lässt sich die Sprungfeder für später spannen oder gleich ein gewagter Sprung vollführen. Grundlegend ist die Steuerung einfach, das Gefährt zu beherrschen, ob der hohen Geschwindigkeit jedoch recht schwer. Wir empfehlen euch auf einer großen freien Fläche wie einem Parkplatz zu üben.

Parrot Jumping Sumo (Foto: Gizmodo)

Diese Sprungfeder befähigt den Jumping Sumo zu Sprüngen von fast einem Meter Weite oder Höhe. Die Wucht, mit der der Fuß in den Boden rammt, ist jedoch nichts für empfindliche Böden, da der Gummischutz nicht bombenfest sitzt!

Dabei ist der Sumo laut – sehr laut. Beinahe so laut, dass der Eindruck erweckt wird, sämtliche Motoren im Inneren seien vollkommen überlastet. Noch lauter wird es, wenn der Sprungfuß beherzt in den Boden gerammt wird, um das 180 Gramm-Gefährt in die Luft zu katapultieren – nichts für empfindliche Ohren und Fußböden (Kleine Randbemerkung: die in vielen Illustrationen der Website entspannt neben dem lärmenden Sumo schlafenden Comic-Katzen entbehren jeder Authentizität). Ansonsten gibt es einige vorprogrammierte Tricks, die auf einmalgen Knopfdruck ausgelöst werden können: Metronom, Drehsprünge, usw.

Parrot Jumping Sumo (Foto: Gizmodo)

Direkt unter dem Ein-/ Ausschalter befindet sich der austauschbare 550 mAh-Akku. Nach 1,5 Stunden Ladung hält er maximal 20 Minuten durch.

Nach spätestens 20 Minuten ist dann schon wieder Schluss. Der aktuelle Akkustand wird stets im rechten unteren Bildschirmrand angezeigt und schwindet schneller als uns lieb war. Bis zum letzten Energiefünftel habt ihr die Gelegenheit, Sprünge zu vollführen. Das leuchtet spätestens dann ein, wenn man feststellt, dass ein einziger Hüpfer rund 10 Prozent Akku verschlingt. Danach verweigert der Jumping Sumo weitere Höhenflüge. Und erst nach 1,5 Stunden kann es wieder losgehen. Wer keinen zweiten aufgeladenen Akku hat, verbringt die meiste Zeit mit Warten. Schön, wenn dieser mit im Lieferumfang enthalten gewesen wäre.

Die Rettung: Parcours

Ein Faktor, der für uns die zivile Parrot Drohne nicht zur kompletten Enttäuschung avancieren ließ, sind die via App vorprogrammierbaren Parcours. Wir haben Stunden (und noch mehr Ladezeit) damit zugebracht, Möbel und andere Hindernisse so zu stellen, dass der Sumo um sie herum fährt, auf sie springt und sich vollends autonom bewegt. Zuvor müsst ihr seinen Bewegungsablauf festlegen. Dabei könnt ihr fast alle Bewegungen, zu dem das Gerät fähig ist, in eine Liste ziehen, die im Nachhinein “abgearbeitet” werden muss. Beispiel gefällig?

  • Einen Meter bei 1 m/s vorwärts fahren
  • Rechtes Auge rot, linkes grün blinken lassen
  • 30°-Drehung nach rechts
  • 2,4 Meter langsam geradeaus über eine Rampe
  • Hoher Sprung auf einen Stuhl
  • Schnelle Drehung als (hoffentlich) gelungener Abschluss

Der Spaß liegt vor allem daran, die Hindernisse exakt auszurichten und immer wieder zu probieren. Als hilfreich stellt sich eine Übersichtskarte neben der Aktionsliste heraus, die die programmierte Strecke und die Aktionen zwischen den Wegen markiert. Nahezu jede Aktion lässt sich detailliert anpassen und bietet somit viel Freiraum zum Ausprobieren.

Fazit

gizrank-big-30

Der Jumping Sumo von Parrot ist ein etwas frustiges Gadget. Daran ist vor allem das Problem mit der WLAN-Verbindung Schuld. Wer die Möglichkeit oder viel mehr das Glück hat, lange Zeit mit der Drohne fahren zu können, wird sicher Spaß daran haben, die nicht ganz einfache Kontrolle über das Gefährt zu erlangen. Abgesehen davon finden wir zu viele “Abers”, um begeistert zu sein: Videos können aufgezeichnet werden, aber nur mit micro-USB-Stick. Ein Adapter hilft hier, aber er schränkt den Sumo ein. Das Gerät muss 1,5 Stunden geladen werde, hält aber nur maximal 20 Minuten durch. Der Akku ist austauschbar, aber ein zweiter für längere Fahrfreude ist nicht im Lieferumfang enthalten.

Dafür begeisterte uns der Parcours-Modus der FreeFlight 3-App, der zum Experimentieren einlädt. Nett ist zudem die Kompatibilität zu iOS, Android und Windows Phone. Wir empfehlen euch trotzdem, mit dem Kauf des 160 Euro teuren Gerätes zu warten, bis Parrot die App in den Griff bekommen hat. Dann ist der Jumping Sumo ein uneingeschränkter Spaßbringer.

plusEinfache Steuerung, aber schwer zu meistern

plusViele Einstellungen und Parcours-Modus laden zum Experimentieren ein

plusAkku austauschbar

plusVideoaufzeichnung

minus…jedoch nur mit Zubehör

minusleider kein zweiter Akku. Dadurch Fahrdauer in Relation zur Ladezeit zu kurz

minusSich häufende Verbindungsprobleme

 

 

Tags :

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising