Test: Captain Toad: Treasure Tracker hat den Dreh raus

Captain Toad Treasure Tracker, Gizrank (Bild: Nintendo)

Mit Captain Toad: Treasure Tracker bekommt Pilzkopf Toad nach langer Nebenrolle endlich sein eigenes Spiel spendiert. Entstanden ist ein kurzweiliger Rätselspaß, bei dem ihr buchstäblich um die Ecke denken müsst. Wir haben den auf den ersten Blick unscheinbaren Wii-U-Titel für euch getestet und verraten euch, warum wir den Controller nicht mehr aus den Händen legen konnten.

„Ok, nur noch einen Level, dann ist Schluss!“ Vor dieser Selbstdisziplinierung standen wir beim Test von Captain Toad: Treasure Tracker nur allzu oft – und haben uns trotzdem nie daran gehalten. Bei der kurzweiligen Mischung aus Geschicklichkeit, Knobeln und einer gehörigen Portion Charme dreht sich alles um Schätze. Buchstäblich, denn um alle Geheimnisse der liebevollen Welten zu erkunden, müsst ihr sie in alle Richtungen rotieren lassen. Entweder durch den Analog-Stick oder durch Schwenken des Wii U-GamePads. Denn nur so offenbaren sich alle Gänge und geheimen Höhlen, in den auf den ersten Blick mehr als überschaubaren Abschnitten.

Die Idee des Spiels ist eigentlich nicht neu: Bereits in Super Mario 3D World lockerten die kreativen Speziallevel mit Captain Toad das eher turbulente Treiben um Mario auf unterhaltsame Weise. Nintendo hat das Potenzial hinter dem Prinzip erkannt und daraus einen eigenen Titel entwickelt, den wir euch nun in aller Ausführlichkeit vorstellen.

Gameplay und Steuerung

Mit Captain Toad Treasure Tracker ist auf den ersten Blick ein eher unspektakuläres Spiel. Ihr steuert Pilzkopf Toad oder seine Weggefährtin Toadette durch kleine, oft lose würfelförmig angelegte Level, mit dem Ziel, den goldenen Powerstern einzusammeln. Auf dem Weg dorthin müsst ihr zusätzlich drei Diamanten einsacken. Alles in allem beansprucht diese Prozedur selten mehr als fünf Minuten. Klingt öde, oder? Weit gefehlt! Nintendo hat schon öfter bewiesen, dass ein fesselndes Spiel nicht zwangläufig von komplexen Spielmechanismen abhängt. Denn nur, wenn ihr die Abschnitte, beziehungsweise die Kameraperspektive dreht, schafft ihr es, alle Schätze und Rätsel zu entdecken und zu lösen. Nicht selten hört man es im Kopf „klick“ machen, wenn sich vorher unentdeckte Wege plötzlich erschließen.

Captain Toad Treasure Tracker, Gizrank (Bild: Nintendo)

Nur mit dem richtigen Dreh findet ihr alle versteckten Schätze. Die Level sind kurz gehalten und machen schnell süchtig.

Wie schon in Super Mario 3D World nutzt Captain Toad Treasure Tracker einige Wii U-Features sinnvoll aus. Das ist auch notwendig, der Pilz-Protagonist ist im Gegensatz zum rot-blauen Klempner weder in der Lage zu Springen, zu rennen oder sich sonst irgendwie seiner Feinde zu erwehren: Durch Bewegung des GamePads lässt sich die Perspektive ändern, der Touchscreen ermöglicht es, gewisse Objekte zu verschieben/ zu verdrehen und mit einem Propeller versehene Plattformen lassen sich durch Pusten in das Mikrofon bewegen. Das wirkt erfrischend anders und passt sich optimal in das Spielgeschehen ein ohne aufgesetzt zu wirken. Was Toad jedoch vermag, ist Rüben und andere Dinge wie Hebel aus dem Boden zu ziehen, um diese gegen Gumbas und ShyGuys einzusetzen.

Manche Level, in denen ihr in Loren sitzt und in denen ihr das GamePad als Zielfernrohr für Rübenschüsse nutzt oder Spezialaufgaben, die gelegentlich erscheinen, laufen etwas rasanter ab. Auch Boss“kämpfe“, die sich jedoch etwas ähneln, dürfen nicht fehlen. Dennoch ist Captain Toad: Treasure Tracker ein angenehm entschleunigtes Spiel, das man gerne nach Feierabend in die Konsole legt.

Captain Toad: Treasure Tracker, Gizrank (Bild: Nintendo)

Endlich ein Spiel, das die Fähigkeiten der Wii U nutzt. Loren-Level wie diese durchbrechen die Gemächlichkeit von Captain Toad.

Nach all der Lobpreisung haben wir jedoch auch Anlass zur Kritik und das ist der kaum ansteigende Schwierigkeitsgrad. Während ihr euch durch die Episoden spielt, spürt ihr selten, dass ihr zu einem Punkt spürbar mehr gefordert werdet als zu Beginn des Spiels. Und so sammelt man immer mehr 1-Ups, ohne eines zu verlieren. Das ist etwas schade. Zwar machen Captain Toads Abenteuer deshalb nicht weniger Spaß, da der Titel diesen Mangel mit seinem Ideenreichtum kompensieren kann, geschadet hätten mehr echte Herausforderungen dagegen keinesfalls.

Story und Umfang

Es ist keine große Überraschung, dass die Story aus Toads erstem eigenen Spiel so dünn ist wie Papier: Captain Toad findet einen Schatz, der samt Toadette von einem fiesen Obermotz entführt wird. Auf dem Weg zur Rettung der holden Maid absolviert ihr die für sich stehenden Level. Wie es ausgeht, das wollen wir euch an dieser Stelle natürlich nicht spoilern. ;) Doch das stört überhaupt nicht, da Captain Toad: Treasure Tracker viel mehr von seiner Spielmechanik lebt, denn seiner Story. Hätte die Rahmenhandlung gefehlt, würde sie wohl keiner vermissen und trotzdem Spaß haben.

Was wir jedoch vermissen ist: mehr! Wie erwähnt benötigt ihr selten für einen Abschnitt mehr als fünf Minuten. Oft schafft man es bereits beim ersten Anlauf, sämtliche Diamanten auf dem Weg zum Stern einzusammeln. Wie lange ihr bei etwa 70 Welten benötigt, kann sich jeder schnell ausrechnen. Da helfen auch die (meistens) recht simplen Zusatzaufgaben á la „sammle 45 Münzen“ nicht, um den Wiederspielwert drastisch zu steigern. Immerhin erhalten diejenigen, auf deren Wii U-Konsole sich Speicherdaten von Super Mario 3D World befinden, einige zusätzliche Level. Das ist neben dem recht flachen Schwierigkeitsgrad der einzige wirkliche Kritikpunkt, den wir finden können. Wer weiß, vielleicht sind in Zukunft Level-Pakete als DLC erhältlich. In diesem Fall wären wir gerne bereit, ein paar Euro zu bezahlen.

Grafik und Sound

Da es sich bei Captain Toad: Treasure Tracker streng genommen um ein Spin-off von Super Mario 3D World handelt, ist das audiovisuelle Erlebnis vergleichbar. Die Grafik liegt auf dem selben Niveau und die gestalterischen Elemente sind selbstverständlich dem Mario-Universum entnommen, sodass man sich sofort heimisch fühlt. Neben der spaßigen Spielmechanik gehört der Abwechslungsreichtum im Pilzkönigkreich des Klempnerschädels zu den ganz großen Pluspunkten des charmanten Rätselspiels. Kein Level ähnelt dem anderen, nichts fühlt sich redundant an oder sieht redundant aus. Natürlich spielt sich der Großteil der Abschnitte in Mario-typischen Themenwelten (Spukhäuser, Strände, im All) ab, es gibt jedoch auch Neues wie kleine Westernstädte oder Züge zu sehen. In HD-Optik ist Captain Toad: Treasure Tracker durchweg ein visueller Hochgenuss.

Captain Toad Treasure Tracker, Gizrank (Bild: Nintendo)

Zu Land, zu Wasser und zu Zügen. Die Level sind sehr abwechslungsreich gestaltet und locken zur Erkundung.

Wenden wir uns dem Soundtrack zu: Auch hier gibt es kaum Überraschungen. Zwischen der ein oder anderen Mario-Melodie schallen überwiegend unaufdringliche und wenig einprägsame Töne aus dem Fernseher, die den Fokus auf das Wesentliche legen: die Rätsel. Epische Orchesteruntermahlung wäre in diesem Genre auch schlichtweg fehl am Platz.          Daher betrachten wir diesen Punkt als neutral und dem Zweck angepasst.

Fazit

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Captain Toad: Treasure Tracker ist ein echter Geheimtipp! Still und ohne großes Drumherum ist das Rätselspiel auf der Wii U gelandet. Mit jeder Minute, die wir uns länger mit dem buchstäblich abgedrehten Titel beschäftigt haben, wurden wir süchtiger – nach dem nächsten Diamanten, dem nächsten Stern, dem nächsten Level. Denn eines können wir euch versprechen: Auch wenn Captain Toad sich für kurze Runden geradezu anbietet, werdet ihr selten unter zwei Stunden am Stück damit verbringen. Dies ist dem gelungen Mix aus Einfachheit, Abwechslung, Charme und Kurzweil zu verdanken. Daher verwundert es nicht, dass wir uns mehr von dem Spiel gewünscht hätten. Wir empfanden den Umfang, beziehungsweise Wiederspielwert als etwas zu gering und auch der Schwierigkeitsgrad hätte mit den Spielstunden getrost stärker anziehen dürfen. Diese Zeit haben wir dafür umso mehr genossen. Wer sich generell für Nintendos knallbunte Welt erwärmen kann, sollte sich dieses Spiel auf jeden Fall einmal ansehen.

plusEinfaches Spielprinzip mit hohem Suchtpotenzial

plusAbwechslungsreichtum

plusSinnvolle Nutzung aller Wii U-Features

plusAha!-Effekt

minusEtwas wenig Umfang/ Wiederspielwert

minusSchwierigkeitsgrad zieht kaum an

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