NSA trifft Vorbereitungen für Cyberkriege

(Bild: News.com)

Wie aus den Dokumenten von Edward Snowden hervorgeht, trifft die National Security Agency (NSA) Vorkehrungen für einen ausgewachsenen Cyber-Krieg um weltweit wichtige Infrastrukturen anzugreifen, falls das erforderlich wird.

Mit Hacks kann nicht nur der Heim-PC zur Virenschleuder umfunktioniert werden. Auch wichtige Infrastrukturen lassen sich ernsthaft beschädigen, wie der Angriff auf einen Hochofen in einem deutschen Stahlwerk eindrucksvoll zeigt. Das es auch im Krieg interessant sein könnte, den Gegner per Rechner anzugreifen, ist ebenfalls keine Science-Fiction mehr.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel kann die NSA auch Kraft- oder Wasserwerke angreifen.

Der Spiegel bezieht sich auf ein Projekt namens Politerain der für maßgeschneiderte Angriffe zuständigen Abteilung Tailored Access Operation (TAO). Einer Stellenbeschreibung zufolge gehört die “Manipulation und Zerstörung gegnerischer Computer” zu den Aufgaben von Politerain. Weitere Programme zur digitalen Kriegsführung sind Passionatepolka, Berserkr und Barnfire, mit denen sich “Netzwerkkarten schrotten”, Daten löschen und Computer mit einer Hintertür versehen lassen.

In der schon acht Jahre alten Stellenausschreibung heißt es zudem, Bewerber sollten lernen, “wie ein Angreifer denkt”. Inzwischen sei die “Denkweise eines Angreifers” für die Mitarbeiter der NSA zum Leitbild geworden. Nicht nur die NSA, sondern auch die anderen zur sogenannten Fünf-Augen-Allianz gehörenden Geheimdienste aus Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland bereiteten sich auf Angriffe auf Computernetzwerke vor, um alles lahmlegen zu könne, was mit ihnen verbunden sei.

Als Beispiele werden in den Snowden-Dokumenten neben der Strom- und Wasserversorgung auch Fabriken, Flughäfen oder der Finanzsektor genannt. Im Gegensatz zu atomaren, biologischen und chemischen Waffen (ABC-Waffen) gebe es für digitale Waffen keine internationalen Konventionen.

Die bisher bekannt gewordenen Details über die Abhörprogramme der NSA seien lediglich die “Phase 0″ in der Cyberkrieg-Strategie der USA, heißt es weiter in dem Bericht. Sie sollen Details zu Schwachstellen in gegnerischen Systemen liefern, um sie anschließend mit “verborgenen Implantaten” zu versehen und sie “permanent kontrollierbar” zu machen. Ziel der Phase 3 ist es demnach, “kritische Systeme nach Belieben zu kontrollieren und zu zerstören” und eine “kontrollierte Eskalation in Echtzeit” herbeizuführen. “Der nächste größere Konflikt wird im Internet beginnen”, zitiert Der Spiegel aus einer NSA-Präsentation.

Dem Bericht zufolge hat die US-Regierung 2013 den US-Geheimdiensten mehr als eine Milliarde Dollar für die Aufrüstung im Internet zur Verfügung gestellt. Der Etat für “unkonventionelle Lösungen” betrage alleine schon 32 Millionen Dollar.

Erste mögliche Beispiele für digitale Waffen der NSA sind Stuxnet und Regin. Die Schadprogramme, die nach Ansicht von Experten beziehungsweise laut durchgesickerter Dokumente unter anderem von den USA entwickelt wurden, wurden für Angriffe auf das Atomprogramm des Iran sowie den belgischen Telekommunikationsanbieter Belgacom verwendet. Vor allem Stuxnet hatte gezeigt, dass wie bei konventionellen Waffen auch, Kollateralschäden nicht ausgeschlossen werden können.

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[Mit Material von Stefan Beiersmann, ZDnet.de]

Tags :Quellen:Der SpiegelVia:ZDNet.de
  1. > Kollateralschäden nicht ausgeschlossen

    Die hatten sich in bisherigen Kriegen aber auf Zivilisten im Kriegsgebiet beschränkt. Computerviren dagegen kennen keine Staatsgrenzen.

    Auch wenn wir hier davon ausgehen können, dass die BRD in absehbarer Zeit schon wegen absehbarer Sinnlosigkeit keinen Krieg gegen die USA führen wird – rein kollateralschadensmäßig können wir trotzdem von der elektronischen Kriegführung betroffen sein.

    Abhilfe wäre einfach: Früher haben E- und Wasserwerke auch ohne Internetanschluss funktioniert. Könnten sie auch heute noch, die Mehrkosten wären gering.

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