Wenn Maschinen Menschen die Arbeitsplätze nehmen [Kommentar]

Humans Need Not Apply (Screenshot: YouTube)

Maschinen werden immer intelligenter. Und glaubt man den Aussagen Sachkundiger, ist die Entwicklung einer echten Künstlichen Intelligenz nur noch eine Frage der Zeit. Schon jetzt nehmen uns Roboter und Rechner immer mehr Arbeit ab. Wann ist der Punkt erreicht, an dem Arbeitsplätze durch den technologischen Fortschritt gefährdet sind? Ein Szenario, das mehr als nur Science Fiction ist.

Eigentlich ist es eine hübsche Vorstellung, sich auszumalen, nichts tun zu müssen, während Maschinen den Haushalt schmeißen und uns alle unliebsamen Mühen des Lebens abnehmen. Doch jeder, der schon einmal Zeiten der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit erlebt hat, wird das Gefühl kennen, sich früher oder später nutzlos oder unausgelastet zu fühlen. Dass Roboter und komplexe Rechner uns tatsächlich überlüssig machen könnten, das klingt eher nach Zukunftsmusik. Doch diese Zukunft ist gar nicht so fern, bedenkt man, dass etwa die Londoner U-Bahn innerhalb der nächsten sieben Jahre vollkommen autonom fahren soll.

Motor ersetzt Pferd – Rechner ersetzt Mensch?

Ein Blick zurück verdeutlicht die Problematik: In der Vergangenheit spielten Pferde für den Transport oder in der Landwirtschaft eine erhebliche Rolle, die sie nach und nach an motorisierte Fahrzeuge abzugeben hatten. Eine vergleichbare Situation könnte der menschlichen Bevölkerung in Zukunft widerfahren, wenn Maschinen respektive Künstliche Intelligenz den Punkt überschritten haben, an dem sie menschliche Arbeit zu günstigeren Kosten mit mindestens gleichbleibender Qualität verrichten können.

Welche Arbeitsplätze dürften also am schnellsten betroffen sein? Zum einen sind es wie schon angedeutet Zugführer, aber auch Schiffskapitäne, Taxifahrer oder Lagerhallenmitarbeiter, die schon jetzt die Veränderung spüren: Neben der bald autonomen  Londoner U-Bahn hat auch der Internethändler Amazon seine ersten Lager mit Kiva Systems ausgestattet, wenn auch noch nicht in Deutschland. Aber nicht nur mechanische Arbeit könnte von Maschinen übernommen werden. Selbst in komplexen Aufgaben lassen sich Menschen durch die Automatisierung wegrationalisieren: K.I., die Kontoauszüge und andere Unternehmensdokumente autonom überprüft oder Software, die unsere Krankheitsgeschichte verknüpft sowie Krankheiten diagnostiziert – alles schneller, günstiger und mangels Ermüdungserscheinungen fehlerfreier als der Mensch. Schon jetzt kann der Supercomputer Watson von IBM einigen Lungenkrebs-Patienten helfen, indem er nach einer Befragung Patientenakten durchsucht und die für die Behandlung wichtigsten Informationen nach Grad der Vertraulichkeit als Liste ausgibt. Doch die Behandlungsentscheidung obliegt verständlicherweise weiterhin den Ärzten.

Automatisierung der Muskelkraft VS. Automatisierung des Denkens

Anderorts haben Maschinen ebenfalls verantwortungsvolle Aufgaben übernommen: In den Finanzmärkten übernehmen Aktien-Handelscomputer Geschäfte und reagieren sogar selbstständig  auf börsenrelevante Nachrichten. Durch die zukünftige Optimierung solcher Software werden Computer als eigenständige Arbeitskräfte in diesen Bereichen noch weit häufiger anzutreffen sein. Das Video „Humans Need Not Apply“ zeigt all die Bereiche, in denen Roboter und Künstliche Intelligenz bereits jetzt ihre Finger im Spiel haben, und prophezeit, dass es künftig kaum neue Arbeitsfelder geben wird, die nicht von Maschinen übernommen werden können. Was passiert dann mit uns Menschen? Sollten wir uns ob der zu erwartenden Arbeitslosigkeit in vielen Wirtschaftszweigen sorgen oder freuen, dass wir von Montag bis Sonntag tun können, wonach uns der Sinn steht? Doch ich bezweifle, dass die Zukunft für unser täglich Brot derart düster aussehen wird. Ein Thema, das nicht zuletzt auch Gewerkschaften beschäftigt. So meint Verdi-Chef Frank Bsirske: „Die Frage ist, inwieweit auf die Automatisierung der Muskelkraft eine Automatisierung des Denkens folgt.“ Abhängig davon sei, wie viele Berufsfelder von der Digitalisierung bedroht seien.

Und genau darin liegt die Problematik: Der technologische Wandel wird nicht nur Arbeitsplätze mit körperlicher Betätigung verdrängen. Auch Jobs mit Ausbildung und Studium sind gefährdet. Ein Szenario, in dem Passagierflugzeuge selbstständig fliegen und landen können ist gar nicht so weit her geholt. Zunächst würden vermutlich Piloten weiterhin aus Sicherheitsgründen im Cockpit bleiben, doch ein Co-Pilot wäre überflüssig.

Ist die Automatisierung gar notwendig?

Wie eine solche Zukunft aussehen könnte, zeigt die durchaus sehenswerte schwedische Serie „Real Humans – Echte Menschen“. Dort ersetzen Roboter unter anderem Lagerarbeiter, Haushaltshilfen und Verkäufer, selbst im Rotlichtmillieu findet man sie. Die Arbeitslosenzahlen sind auf einem Rekordhoch und echte Menschen haben kaum Chancen, einen neuen Job zu finden.

Das ist Fiktion, und unsere Zukunft muss nicht ganz so drastisch aussehen. Einem Interview von MobileGeeks mit Trendforscher Sven Gábor Jánszky von 2b Ahead zufolge, sei zwar mit der Streichung vieler Arbeitsplätze durch die Automatisierung und durch Künstliche Intelligenz zu rechnen, dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt sehe er aber nicht, da primär Jobs, die die primitive Steuerung von Geräten oder Expertenwissen voraussetzen, davon betroffen seien. Und damit dürfte er – vorerst – recht haben. Weiter argumentiert Jánszky, dass wir sogar froh sein sollten, „wenn Maschinen uns Arbeit abnehmen und die Wirtschaft am Laufen halten“, da die aktuelle demographische Lage dies sogar voraussetze. Dies oder die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, da es in Deutschland in zehn Jahren 6,5 Millionen Menschen gebe, die in Rente gingen, ohne einen Nachfolger für ihre Stelle zu haben.

Noch geht es nicht ohne den Menschen

Was heißt das nun für uns? Augenscheinlich müssen nicht wir mit einer Massenarbeitslosigkeit bis zum Ende des ersten Drittels des 21. Jahrhunderts rechnen – zumindest nicht mit einer, deren Ursache in der Automatisierung der Arbeitsvorgänge begründet liegt, dafür sind die Kosten jener Technik noch zu unverhältnismäßig. Fakt ist jedoch, dass es zu Veränderungen kommen wird – einfache Jobs werden wegfallen, Arbeitskräfte komplexerer Berufe in ihrer Funktion verlagert, ähnlich wie es heute in modernen Supermärkten ohne Kassierer der Fall ist, welche aktuell noch von einer Kontroll- beziehungsweise Überwachungsfunktion durch den Menschen abhängig sind. Und noch darf man es durchaus mit Humor nehmen: Selbst im Jahr 2015 lassen zum Beispiel prophezeite völlig autonom betriebene “Cafés der 80er Jahre” und selbstrocknende Jacken wie in “Zurück in die Zukunft II” auf sich warten.

Auch wenn der technologische Fortschritt unaufhaltsam voran schreitet, sollten wir nicht resigniert den Kopf hängen lassen. Ob als einzige Alternative eine komplette Veränderung unserer Gesellschaft übrig bleibt, ob wir überhaupt eine solche Zukunft erleben werden, ist viel zu komplex, um eine stichhaltige Prognose liefern zu können. Zumindest Angestellte aus der IT werden sich zunächst keine allzu großen Sorgen machen müssen – bis der Schritt getan ist, an dem sie sich womöglich selbst ersetzen.

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  1. Ein netter Artikel der im Kern aber nur die schlechte Seite aufzeigt.

    In dem Punkt mit der Arbeitslosigkeit muss man zweifelsohne zustimmen, doch was wäre wenn man diese permanente Langzeitarbeitslosogkeit nutzen könnte? Nur die wenigsten Menschen haben nicht das Bedürfnis, nicht einer Tätigkeit nachzugehen.
    In den Grundzügen wird eine Erwerbstätig gewählt die oft das meiste Geld einbringen soll.
    Unter der Annahme, das sämtliche Menschen ein Grundeinkommen erhalten, könnte man nun wirklich seine Freizeit so gestalten wie es einem im Kopf schwebt.
    An diesem Punkt bin ich aus voller Überzeugung sicher: Der Mensch würde einen neuen Höhepunkt an Solidarität und Menschlichkeit erreichen.
    Viele würden gerne an sozialen Projekten hauptberuflich arbeiten, doch das wird von einem niedrigen Gehalt verhindert.

    Sollen doch Maschinen die Arbeit leisten und den Menschen mit Konsumgütern versorgen.
    Während dessen kann sich die Menschheit darauf konzentrieren was sie von Maschinen ubterfcheidet. Die Kreativität und die kritische Selbstreflektion.

  2. Grundsätzlich stehe ich dem Thema eigentlich gelassen gegenüber, aber das wirkliche Problem ist die Übergangsphase.
    Es wird ja nicht passieren, dass ab dem 1.1.2025 alle Jobs von Robotern übernommen werden, sondern es wird über Jahrzehnte dauern, in denen immer mehr Jobs übernommen werden.
    Für jeden Roboter fallen dann meist gleich mehrere Arbeitsplätze weg.
    Und auf kurz oder lang wird unser Wirtschaftssystem daran zerbrechen. Milliarden von Arbeitslosen, aber kaum noch Leute, die Steuern zahlen. Und was geschieht, wenn alle Menschen nur noch die Grundversorgung erhalten? Irgendwann muss dann der Bruch kommen, dass die Menschen nicht mehr bestraft werden, dass sie keinen Job haben. Aber was ist dann noch mit der arbeiten Bevölkerung, die in Jobs arbeiten, die nicht von Robotern übernommen werden können. Warum sollten diese weiterarbeiten wollen, wenn man ohne Job auch gut leben kann?
    Und selbst wenn es irgendwann in den Industrieländern funktionieren würde, was ist mit den ärmeren Ländern? Diese verarmen nochmehr, da die Roboter die Waren noch günstiger produzieren können, als zum Hungerlohn und somit leiden diese nochmehr.
    Es wird auf jeden Fall eine schwere Übergangszeit werden.

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