Bang & Olufsen BeoPlay H8: Premiumausstattung zum Premiumpreis [Test]

(Foto: Gizmodo)

Bang & Olufsen steht bekanntlich für hochpreise Audioaustattung. Auch der neue Bluetooth-Kopfhörer BeoPlay H8 steigt mit 500 Euro in der Premiumklasse ein. Rein optisch sieht das Edelgerät mit Active Noise Cancellation in der gehobenen Klasse gut aufgehoben aus, aber wie schlägt sich der Kopfhörer im Test?

Der BeoPlay H8 ist B&O’s erster drahtloser Kopfhörer und gilt deswegen als Nachzügler. Statt sich jedoch als Nachteil zu entpuppen, ist der H8 der Versuch, die Probleme, die andere in diesem Kopfhörergenre plagen, zum eigenen Vorteil zu nutzen und sie zu bereinigen. Wie sieht also das traditionelle Verhältnis zwischen Sound, Akkulaufzeit und Design aus? Und wer trägt Kopfhörer, die aussehen als wären sie der Hotellerie der Arabischen Emirate entsprungen?

Zunächst sei jedem verziehen, bei dem der Eindruck entsteht, der BeoPlay H8 stelle Äußeres über die Technik. Er sieht etwas aus, als wäre er für Personen gestaltet, die einen Nerzmantel und mit Diamanten besetzte Handschuhe tragen – bei jedem Wetter. Wie jedoch bei allen BeoPlay-Produkten bisher offenbart sich auch die Qualität hinter der Fassade, wenn man sie genauer betrachtet – oder einfach die Augen schließt und hinhört. Schnell wird deutlich, dass das Verhältnis zwischen Klang und Design ein ausgewogeneres als 30/70 ist. Immerhin handelt es sich immer noch um Bang & Olufsen.

(Foto: Gizmodo)

Das berührungsempfindliche Bedienfeld an der rechten Hörmuschel reagiert sehr empfindlich auf Eingabung. Präzision ist deshalb zur akkuraten Steuerung Voraussetzung.

Allgemein folgt der H8 dem selben Muster anderer drahtloser Kopfhörer, die immer seltener einen “drahtlosen” Eindruck erwecken. Während manchen anzusehen ist, dass sie mit Akkus bepackt sind, versteckt der BeoPlay H8 diese Eigeschaft ganz geschickt. Tatsächlich ist das neue Modell nur eine Spur breiter als der BeoPlay H6, was für sich gesehen eine kleine Überraschung ist. Am unteren Rand befinen sich ein Ein-/Aus-Schieberegler, welcher gleichzeitig für das Bluetooth-Pairing zuständig ist, sowie ein klassischer Klinkenanschluss. In die andere Hörmuschel ist ein Fach für den Akku eingelassen, welches sich öffnen und den Akku überraschenderweise entnehmen lässt. Gerade auf langen Reisen kann ein zusätzlicher Akku ein Segen sein.

Glücklicherweise teilt der BeoPlay H8 viele gestalterische Charakteristika des H6. Jakob Wagner, der Gestalter der Produktreihe gibt sich sichtlich Mühe, die Marke mit einem Wiedererkennungswert zu versehen. Zwar ist dies nur meine Meinung, aber wie ich finde, hat Wagner es geschafft, ein zeitloses Design zu entwerfen. Der Bügel ist oberseitig mit hochwertigem, farblich abgestimmten Leder versehen – davon mag man halten was man mag. Bei feuchter Witterung kommt man jedoch nicht umhin, sich um dieses Material zu sorgen.

(Foto: Gizmodo)

Die Oberseite des Bügels ist mit hochwertigem Leder überzogen. Ob feuchtes Wetter diesem sonderlich gut tut?

Eine Besonderheit sind dabei die – in der uns zur Verfügung gestellten Farbvariante – goldenen, geriffelten Aluminium-Außenflächen, genauer gesagt die rechte. Hinter vier kleinen Strichen verbirgt sich die berührungsempfindliche Steuerung des Geräts respektive der abzuspielenden Musik. Gesten wie ein Wisch nach vorne oder hinten skippen durch die Titelliste, eine mittige Berürung pausiert. Kreisförmige Bewegungen regulieren die Lautstärke, während Gesten in vertikaler Richtung die Aktive Rauschunterdrückung de-/aktivieren. Generell sind die Bedienelemente sehr empfindlich, weshalb Eingaben sehr gut erfasst werden – selbst mit Handschuhen. Um anfängliche Fehleingaben kommt man jedoch nicht herum, da man den Finger selten auf Anhieb akkurat genug bewegt. Mit einigen Tagen Gewöhnungszeit relativiert sich dieses Problem. Nichtsdestotrotz fühlt es sich seltsam an, Gesten neben seinem Ohr Gesten durchzuführen. Ein Gefühl, dass wir vermutlich auch mit Microsofts HoloLens verspüren werden, doch geben wir dem Gerät vielleicht fünf Jahre und wir betrachten es als selbstverständlich.

Luxusausstattung, aber auch Luxusklang?

Wie klingt der BeoPlay H8 also? Ganz allgemein gesprochen kann der Klang weitgehend mit dem exklusiven Design mithalten. Das will man beim Preis von 500 Euro auch erwarten können. Wenn es Anlass zur Kritik gibt, dann dass die Tiefen und Mitten das Klangbild dominieren, wobei die Höhen gelegentlich etwas abgewürgt werden. Es ist nicht so, dass der Sound dumpf klingt, viel mehr sind die Höhen leiser, als sie sein könnten.Titel wie “Aftermath” von sukekiyo verlieren dadurch an Intensität. Dennoch ist der Klang des H8 ausgeglichen genug, um kein Musikgenre ungenießbar wiederzugeben. Der BeoPlay kennt hier keine Extreme.

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Nach circa zwölf Stunden muss der BeoPlay H8 wieder geladen werden. Dank austauschbarem Akku kein Problem.

Wie immer mehr Bluetooth-Kopfhörer ist auch der BeoPlayH8 der Active Noise Cancellation fähig. Die Mikrofonöffnungen dafür befinden sich sichtbar an den Außenseiten des Kopfhörers. Da es sich beim H8 allerdings um einen On-Ear- und keinen Over-Ear- oder gar In-Ear-Kopfhörer handelt, kann er trotz der sehr guten technischen Lösung nicht alle Umgebungsgeräusche von den Ohren fern halten. Dies führt auch zu weiteren Kritikpunkten hinter der exklusiven Fassade: Der H8 sitzt vergleichsweise locker, wodurch neben dem nicht perfekten Verschluss der Ohrmuschel die Gefahr von Stürzen recht hoch ist, wenn der Oberkörper nach vorne geneigt wird, was bei einem Gerät von 500 Euro besonders schmerzt. Was beinahe schmerzhafter ist, sind die gelegentlichen Rückkopplungen, die sich in den Gehörgang bohren, wenn die Hand einen gewissen Abstand zum Mikrofon einnimmt, sobald man den Kopfhörer beispielsweise zurechtrücken möchte. Dies habe ich bisher bei keinem anderen Gerät bemerkt. Gut wiederum ist die Batterieleistung von zwölf Stunden bei überdurchschnittlicher Lautstärke. Zwar konnten die von Bang & Olufsen versprochenen 14 Stunden nicht erreicht werden, doch der austauschbare Akku lässt darüber schnell hinwegsehen.

Fazit

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Ist der BeoPlay H8 der beste Wireless-Kopfhörer, den man derzeit kaufen kann? Nun, bedenkt man, dass der Parrot Zik um die 200 Euro weniger kostet und mehr Spielraum für Anpassungen lässt, ist es schlussendlich eine Frage dessen, wie viel Geld man bereit ist, für Design zu zahlen. Denn wie bei allen Bang & Olufsen-Produkten ist der Klang nur ein Teil des Ganzen. Sicherlich ist die Optik für viele zu pompös, die Gestensteuerung zu gewöhnungsbedürftig, dass der H8 gar nicht erst in Erwägung gezogen wird.

Hinter der exklusiven Fassade muss sich der neue BeoPlay klanglich nicht verstecken. Hier legt sich der Bluetooth-Kopfhörer nicht fest und kann beinahe alle Genres bedienen. Wenn ein Frequenzbereich vernachlässigt wird, sind es die Höhen, die schon einmal zu leise klingen können. Punkten kann der H8 zudem durch seine gute Aktive Rauschunterdrückung und die Möglichkeit, die Akkulaufzeit von rund zwölf Stunden mittels austauschbarer Akkus zu vervielfachen. Doch perfekt ist der H8 auch nicht. Zu locker sitzt das Gerät auf dem Kopf, und unter Umständen kommt es bei aktiver ANC zu schmerzhaften Rückkopplungen. Wer auf exklusives Design bei gutem Klang wert legt, kann nichtsdestotrotz zugreifen – das nötige Kleingeld von 500 Euro vorausgesetzt.

plusVerarbeitung und Design auf höchstem Niveau

plusAustauschbarer Akku

plusIntuitive Gestensteuerung

plusWeitgehend ausgewogener Klang…

minus…mit etwas zu leisen Höhen

minusLockerer Sitz, dadurch Sturzgefahr

minusGelegentlich Rückkopplungen bei aktiver Active Noise Cancellation

 

Spezifikationen

Frequenzbereich: 20-22.000 Hz

Verbindung: 3,5 mm Klinkenanschluss, Bluetooth 4.0, aptX, AAC, HSP, HFP, A2DP, AVRCP

Akkukapazität: 770 mAh (Ladezeit: drei Stunden)

Größe/ Gewicht: 180x 190 x 40 Millimeter/ 255 Gramm

Farben: Argilla Bright, Gray Hazel

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