Warum sind Sprachassistenten weiblich? [Kommentar]

(Bild: Gizmodo.com)

Sie heißen Siri, Cortana und Alexa. Sie sind unsere Sprachassistenten und werden es wahrscheinlich die kommenden Jahre bleiben. Doch warum sind unsere Sprachassistenten eigentlich alle weiblich?

Sprachassistenten leben in euerer Hosentasche, auf dem Sideboard oder auf dem Schreibtisch. Sie wollen euch jeden Wunsch erfüllen, können sich um intime Angelegenheiten kümmern und sind, wie Microsofts Vice President Joe Belfiore sagte, „ein Teil eurer Familie“.

Es ist schwer zu erklären woher der Gedanke kam Sprachassistenten zu vermenschlichen, ja zu verweiblichen. Hätten es schließlich auch Männer sein können oder stimmverzerrte Roboter. Nein, unsere Sprachassistenten sind als Frau geboren und können, bis auf wenige Ausnahmen, auch niemals ihr Geschlecht wechseln.

Woher kommt also die Idee, dass Sprachassistenten weiblich sein müssen. Wenn wir in der Zeit etwas zurückgehen fällt mir Fritz Langs Metropolis von 1927 ein. Der Maschinenmensch oder Gynoid (weiblich für Android) dürfte zu ziemlich der erste robotoide Assistent in der Vorstellung der Menschen gewesen sein. Beispiele wie dieses ziehen sich durch die darauffolgenden Jahrzehnte bis heute durch. 2013 hatten wir es dann mit der künstlichen Intelligenz Samantha aus dem Film Her zu tun. Inspiriert durch Apples Siri entwickelt sich Samantha von der reinen Assistentin zu mehr im Leben, zu einer Bezugsperson.

Diesen Bezug finden wir etwa auch bei Microsofts Cortana, der pfiffigen und schlagfertigen Dame aus dem Halo-Universum. Auch sie ist mehr als nur die persönliche Assistentin. Sie gibt Ratschläge, kann Konversationen führen – zumindest in der Theorie.

Und dann hätten wir noch Alexa, Amazons Sprachassistentin des Amazon Echo. Sie übernimmt die klassischen Aufgaben des Sprachassistenten, das dienen und ausführen von Befehlen.

Alle bereits genannten Sprachassistenten sind dabei noch weit weg von Samantha aus Her oder der wahren Cortana aus Halo. Sie erhalten aber eine Persönlichkeit dank Hintergrundgeschichten und dank medialer Verbreitung und gewinnen dadurch unser Vertrauen.

Doch das erklärt nicht, warum die prominentesten Beispiele Alexa, Cortana und Siri weiblich sind. Könnte es sein, dass wir uns hier bei der klassischen Rollenverteilung wiederfinden? Die weibliche Assistentin, die all unsere Wünsche und Fragen ohne Widerworte akzeptiert und ausführt? So gesehen wären moderne Sprachassistenten nichts weiter als die beste Sekretärin der Welt. Sie machen das was man(n) befiehlt, wirken wie die brave, allwissende Hausfrau und verkörpern noch dazu das mütterlich-umsorgende Wesen der (männlichen) Idealvorstellung einer Frau. Keine Widerworte, charmant und mit leicht erotisierender Stimme.

Ich persönlich bin mir gar nicht sicher, ob damit die Frage nach dem „warum sind Sprachassistenten weiblich“ beantwortet ist. Bei dem gerade angeführten Versuch einer Erklärung konnte ich aber meinen eigenen Wunsch nach solch einer Assistentin wiederfinden.

Bin ich jetzt Sexist? Ich glaube nicht. Vielmehr tragen wir doch alle ein bisschen den Wunsch ab und an in die Arme einer nicht urteilenden Person zurückzukehren. Ein Mensch, fiktiv oder nicht, der uns akzeptiert wie wir sind und nichts fordert. Ob Mutterfigur oder willenlose Sekretärin ist dabei vollkommen egal.

In dem Film Her entwickelt sich Samantha mit wachsendem Charakter zunehmend zu einer eifersüchtigen Person. Sie lernt Gefühle zu entwickeln und diese auch dem Gegenüber mitzuteilen. Hier endet ihre Rolle als Sorgenpool und sie emanzipiert sich ein Stück. Ich befürchte aber wir wollen gar keine emanzipierte KI um uns herum haben. Eine Emanzipation also etwa für künstliche Intelligenzen? Wohl eher nicht, sondern vielmehr eine Versklavung als ewige Sekretärin und Mutter. Vielleicht auch als Sekretär für Frauen, am besten mit der Stimme von George Clooney.

Die Mutterfigur wird aber nach wie vor das Sinnbild für Geborgenheit bleiben, ich wage zu behaupten für Mann und Frau. Und so werden wir auch in Zukunft wahrscheinlich hauptsächlich weibliche Sprachassistenten nachhause bekommen.

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  1. Schon bei einem der größten Vorbilder unserer heutigen Zeit, der klassischen Star Trek Serie, hatten die Computer weibliche Stimmen.

    Angeblich, weil weibliche Stimmen ein Stimmengewirr besser durchdringen…
    Auch das Bild des dienstbaren Weibchen würde dort gut passen (Computer nannte Kirk „Süßer“!).

  2. Also als die ersten Siri Klonen auf Android kamen, gab es einige bei denen man unter den Einstellungen auch auf eine männliche Stimme ändern konnte, genauso wie es eigentlich fast alle Navigationageräte versteckt anbieten.

  3. Es liegt einzig und allein an der höheren Stimmlage, warum z.B. auch Navis weibliche Stimmen haben. die Aufmerksamkeit des Benutzers ist dadurch grösser. Ein ähnlicher Effekt ist, warum Erwachsene mit Babys oder Kindern in höheren Stimmlagen sprechen.

  4. So eine weibliche Stimme assoziiert auch in vielen Männergehirnen Hoffnung auf Mehr…

    Wie wäre es mit auswählbaren Stimmen.
    Damit z.B. auch Frauen netter assoziieren können…

    Einige „Text zu Sprache“ Programme, bieten solche Funktion an.

    Oder soll der User sich an die Stimme gewöhnen, und dem System treuer bleiben?

  5. Man, bevor man sich in die Brennesseln setzt, sollte man schon etwas recherchieren. Der Text ist zwar als Kommentar gekennzeichnet, aber aus wissenschaftlicher Persperktive wird er zum Ende hin immer schlimmer, tritt von einer unbegründeten Vermutung in die andere und wiederholt sich in leider tatsächlich sexistischen Stereotypen – die nichts darüber sagen, warum Sprachassistenten weiblich sind, sondern nur über die Wirkmacht patriarchalischer Sozialisierung auf den Autor. Völlig frei aus dem eigenen Bauchgefühl heraus zu argumentieren ist schon okay, aber dann hätte ich mir gewünscht, dass der Text das von Anfang an deutlicher macht.

  6. Sprachassistenten leben in eurer Hosentasche […] Sie wollen euch jeden Wunsch erfüllen, können sich um intime Angelegenheiten kümmern..

    aaahja ;-)

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