Nintendo Creators Program: Dürfen Urheber an Let’s Plays mitverdienen? [Kommentar]

(Screenshot: Nintendo)

Am 28. Januar startete die Beta-Version des Nintendo Creators Programs. Dabei können sich Let's Player auf YouTube 60 bis 70 Prozent der Einnahmen aus Werbung verdienen - oder umgekehrt: müssen künftig 30 bis 40 Prozent ihres Verdienstes an Nintendo abtreten. Befürworter unter den Spielern melden sich zu Wort, doch auch die Kritiker sind nicht gering in ihrer Zahl. Ist es also wirklich unverschämt, wenn der Urheber an der Verwendung seines Werkes mitverdienen möchte?

Let’s Plays bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone: In gewisser Hinsicht verstoßen sie gegen das Urheberrecht, doch Videospiele-Publisher haben YouTuber bisher meist gewähren lassen oder die Videos, die ein Spiel komplett – meist mit Kommentar – zeigen, zumindest geduldet. Wieso auch nicht? Handelt es sich dabei nicht um „Gratis-Werbung“?

Ein Argument der Kritiker, auf welches man seit wenigen Tagen häufig stößt. Immerhin fallen Äußerungen über ein Spiel in aller Regel eher positiv aus. Zum einen können Let’s Plays die Neugier eines potenziellen Käufers wecken oder viel mehr ein schon vorhandenes Interesse bestärken. Auf der anderen Seite besteht das Potenzial, dass sie einem Spiel sämtlichen Reiz nehmen, wenn vorhandene Handlungen oder andere Besonderheiten bereits im Vorhinein erlebt wurden und den Kauf des Titels damit überflüssig machen können. Und so hört nur der Videoproduzent die Kassen klingeln.

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(Bild: Gizmodo)

Manchmal frage ich mich ohnehin, warum erst jetzt eine solche Debatte entsteht – und warum Let’s Plays überhaupt so beliebt sind, dass sie sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt haben. Sie scheinen gut zu laufen, folglich haben sie ihre Daseinsberechtigung.

Felix Kjellberg alias PewDiePie, der derzeit erfolgreichste YouTuber mit sagenhaften 34 Millionen Kanal-Abonnenten und Let’s Player kann von seinem Einkommen mehr als gut leben. Er hat sich deutlich gegenüber dem Nintendo Creators Program geäußert – eine Meinung mit Gewicht, könnte man also behaupten.

Seines Blogeintrags nach gäbe es nur Verlierer auf beiden Seiten. Zwar sei das Programm und die damit einhergenden Lizenzvereinbarungen rein rechtlich nicht zu beanstanden, doch er ist der Meinung, dass vor allem kleine Kanalbetreiber die Einbußen zu spüren bekommen könnten, sodass diese sich künftig entscheiden müssten, überhaupt ein Nintendo-Let’s Play zu produzieren.

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Quelle: Instagram

 

Nintendo ignoriere Kjellberg zufolge zwei Fragen: die Unklarheit, ob die Zuschauer den jeweiligen Kanal wegen der Nintendo-Spiele oder wegen des Let’s Players besuchen würden. Außerdem würde das japanische Traditionsunternehmen die Wirkung der kostenlosen Werbung verkennen.

Let’s Player oder Spielinhalt. Wie soll sich eindeutig ermitteln lassen, woran die Zuschauer tatsächlich Interesse haben? Wenn dieses lediglich mit dem Videospiel verbunden wäre, wäre meiner Meinung nach der Fall eindeutig gelagert und Nintendo möchte zurecht mitverdienen. Doch eine solche Aussage lässt sich nicht eindeutig nachweisen und vermutlich spielt eine gewisse Symbiose die entscheidendere Rolle. Doch derartige Schaffenstiefe dürfte ein Let’s Play-Video nicht aufweisen können, um gemäß § 2 UrhG als eigenständiges Werk zu gelten.

Warum überhaupt der große Unmut? Schließlich beschweren sich die Kritiker darüber, Geld mit der Verwendung von Werken Dritter zu verdienen, ohne deren Existenz die Grundlage ihres Verdienstes dahin wäre. Und dann möchte Nintendo noch einen Teil daran verdienen. Unverschämtheit!! Ist die Sichtweise bei auf YouTube gestreamten Filmen von Sky oder vollständig vorgelesenen Büchern ähnlich lapidar – kostenlose Werbung für Sender und Verlage? Ich denke nicht.

Das Nintendo Creators Program ist ein System, welches bei erfolgreicher Durchsetzung das Interesse anderer Publisher wecken könnte. Andererseits hat sich Microsoft erst kürzlich – unter der Berücksichtigung einiger Richtlinien – für die Erstellung von Videos mit Xbox One- und Xbox 360-Inhalten ausgesprochen, solange diese nur auf YouTube und Twitch monetarisiert werden. Fährt Nintendo den Karren also gegen die Wand? Oder ist der Mitverdienst an Werbeeinnahmen an Let’s Plays einfach noch nicht ausgereift? Ausgerechnet PewDiePie hat mich auf die Idee eines fairen Konzepts gebracht. Er beendet sein Stoßgebet an Nintendo mit den Worten, er werde weiterhin Nintendo-Spiele in seinem Kanal behandeln, da er es sich leisten könne, auf die 30 bis 40 Prozent Einbuße auf einen Teil seiner Videos verzichten zu können, wozu kleinere Kanäle nicht in der Lage wären.

Warum also nicht generell Richtlinien für Let’s Plays in Erwägung ziehen? Vorstellbar wäre die Erhebung der Abgabe ab einer gewissen Anzahl von Views/ Woche oder Abonnenten. Prinzip: Reichensteuer. Oder  wie wäre es, den prozentualen Anteil diesen Variablen gegenüber in Relation setzen. Große YouTuber wie PewDiePie könnten die Abgabe verschmerzen, während kleinere Kanäle die Chance hätten, sich zu etablieren. Wäre das nicht die Win-Win-Situation, die sich beide Parteien vom Let’s Play-Kuchen erhoffen?

Wie steht ihr dazu, dass Nintendo an den Werbeeinnahmen von Let’s Plays mitverdienen möchte? Faire Symbiose oder Sägen am eigenen Ast? Eure Meinung zu diesem Thema interessiert mich sehr!

 

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  1. Ein komplexes Thema – jedoch wäre solch eine „Reichensteuer“ definitiv fairer für Startups, die damit ihre Startschwierigkeiten besser kompensieren können. Ich weiss was es heisst sich wirklich Mühe gegeben zu haben und man dann untergeht in der Masse. Wenn man dann noch das Ziel hatte Geld zu verdienen und dann noch 40% abgeben muss (für eine Art Werbung/Huldigung für andere), dann ist das sicher bitter.

    Aber faire Reichensteuern wird es kaum geben (egal wobei), solange die Reichen darüber zu entscheiden haben (bzw. die, die darüber zu entscheiden haben, beeinflussen können). ;)

    1. Das ist keine Werbung(Let’s plays) Das ist eher:“ich zeig dir dass ganze Spiel und jetzt kaufe es bitte“. Wieso ich kenn doch alles!(Wo bleibt der Spaß, die ganzen Lp leute haben den ganzen Spaß vorweg)
      Bei Online Spielen ist es noch anders…

      1. Geh mal von was anderem aus :

        wir haben hier kein Spannendes RPG mit Story , sondern ein Mario Spiel oder Spiele mit Weltweit Bekannten Memes ( ich sag nur „The Cake is a Lie“)

        Wenn man nun von dem Spiel ein tolles LP sieht , kauft man es sich eventuell um den Entwickler zu Unterstützen , um es Selbst zu erleben oder warum auch immer

        Außerdem kann es Lustig sein wenn man Blind LPs Schaut und sich daran erfreut wie jemand genauso dumm in einem Spiel Failt wie man selbst

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