Warum Antivirus Software bei Android überbewertet wird [Kommentar]

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Antivirus Software für Smartphones sind immer mal wieder Thema - gerade, wenn es um Android geht. Und besonders Android-Neueinsteiger sind sich oft unschlüssig, ob und inwiefern sie ihr Smartphone schützen sollten.

Ich selbst bin vor gut einem Jahr von iOS auf Android umgestiegen. Das ging einfach und ich bereue es nicht. Zumal ich mein iPad trotz meiner neu entdeckten Liebe zu Android nicht missen möchte.

Ich wagte mich aus meinen golden Apple-Käfig in ein offenes und mir unbekanntes Ökosystem und fühlte mich sofort unsicher. Ich könnte mir vorstellen, dass sich neben mir noch weitere Android-Neulinge von den Sicherheitsversprechen von Avira, GData, Kaspersky, Norton, ESET und wie sie alle heißen einlullen lassen.

Die Unsicherheit bei einem neuen Betriebssystem ist ideal für Security-Unternehmen Angst zu schüren. Der Gedanke: Antivirus Software bei iOS? Die Security-Masche bei iPhone und Co. funktioniert wohl eher nicht, was der positiven Reputation vom vielfach virenfreien OS X zu verdanken ist. Bei Windows Phone vielleicht schon eher. Und bei diesem Allerweltsbetriebssystem Android ganz sicher. Schließlich weiß nicht mal Google selbst, was da alles im App-Store lauert, so der Vorwurf. Neben dem verhältnismäßig offenen App-Store kommt noch hinzu, dass Android Weltmarktführer ist und damit die weiteste Verbreitung hat. Ein gefundes Fressen für Viren-Programmierer.

Gefahren beim Download von Apps

(Bild: Gizmodo.de)

Grundsätzlich sieht die Sache aber doch so aus: Gefahren bietet das Internet zuhauf. Surft ihr also am Computer im Internet seid ihr einem Risiko ausgesetzt. Doch jeder minimal kundige Mensch weiß in etwa wo er grundsätzlich surfen darf und wo er nicht klicken sollte. Klickt man doch und hat keinen geeigneten Schutz, fängt man sich einen Virus schneller ein als man „Antivirus Software“ rufen kann. Doch so gestaltet sich das (hauptsächlich) nur am Computer. Bei mobilen Betriebssystemen kommt die erste Instanz der Sicherheit in Form eines App Stores beziehungsweise bei Android eben durch den Google Play Store.

Hier werden Downloads über Googles eigenes Ökosystem abgewickelt. Google prüft die Inhalte seines Stores fast so akribisch wie Apple es seither macht. Das Risiko hier also auf eine verseuchte App zu stoßen, ist relativ gering. Eine zweite Sicherheitsstufe liefert Google hier auch noch gleich mit. So könnt ihr, ja müsst sogar, vor dem Installieren einer App immer checken worauf das neue Programm denn gerne zugreifen würde. Hier kann der Nutzer also selber sehen, ob die bewilligten Berechtigungen zur App passen könnten. Habt ihr etwa eine Bildbearbeitungs-App, die gerne auf eure Kontakte zugreifen möchte, macht einen großen Bogen darum.

Android bietet noch eine weitere Sicherheitsstufe. Auf Android-Smartphones kann man zwar Software von Drittanbietern über den Browser herrunterladen, sollte man aber – zumindest als Anfänger – nicht. Android untersagt das Installieren von Software von Drittanbietern. Unter „Einstellungen“ und „unbekannte Quellen“ kann man das dennoch erlauben.-Grundsätzlich ist diese Funktion bei Erwerb eines Smartphones aber erst einmal gesperrt.

  • Nutzt ihr Security Apps auf eurem Smartphone?
  • Ergebnisse

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Wollt ihr Inhalte über den Browser eures Smartphones herunterladen, beziehungsweise über einen anderen Store als den Google Play Store, macht Antivirus Software tatsächlich Sinn. Doch wenn ihr, so wie ich, nicht sicher seid, was ihr da herunterladet und euch mit einer Security App absichern wollt, dann lasst es lieber gleich sein.

Das Zwischenfazit zu Antivirus Software beim Download von Apps heißt also: (Eher) nein.

Schützt mich Antivirus Software vor neuen Viren und Hacks?

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Es gibt viele weitere Gefahren bei Android. Jeder kennt sie, diese plötzlichen Hacks, und schon sind eure Daten geklaut. Hierbei seid ihr nicht Schuld, habt nichts gedownloaded oder seid auf keine gefährlichen Seiten gegangen. Ihr wurdet einfach das Opfer eines Hacks. Dabei ist aber zu unterscheiden zwischen Hacks die sich direkt an euer Smartphone richten und Hacks die auf eure Datenbank über Apps zugreifen. Bei Letzterem hilft euch keine Antivirus Software der Welt, denn hier steht der Betreiber der jeweiligen App / Webseite in der Pflicht seine Datenbank hinreichend zu sichern.

Und wird tatsächlich euer Smartphone direkt gehackt, sei es vom Nachbartisch oder über einen neuartigen Virus, verpackt in einem App-/System-Update, tja dann kann euch auch keine Antivirus Software dieser Welt helfen. Denn diese können euch nur vor bereits bekannten Gefahren schützen. Vor neuen Viren oder gezielten Hacks kann euch aber kein Avira, ESET, Norton und Co. bewahren. Hier wird meist suggeriert, dass in bestimmten Premium-Versionen von Security Apps Viren zeitnah entfernt werden. Einmal einen neuartigen Virus aber eingefangen seid ihr also sowieso erstmal betroffen, mit und ohne Antivirus.

Antivirus also bei direktem Virenbefall oder Hacks? Eher auch nicht. Grundsätzlich bieten aber viele Anbieter von Security Lösungen kostenlose Diagnose-Apps an, mit denen sich feststellen lässt, ob man überhaupt betroffen ist. Sollte dies der Fall sein, so seid euch sicher, arbeitet Google schon längst an einer Lösung um dem neuen Virus entgegenzuwirken. Schließlich will der Anbieter des weltweit meist verbreitetsten Betriebssystems nicht, dass ein schlechtes Licht auf ihn fällt. Zudem sind Googles Möglichkeiten mit einem Virus im eigenen Ökosystem umzugehen weitaus größer, als bei einem Dritt-Anbieter von Sicherheitssoftware.

Die Köder-Zusatzfunktionen von Security Apps

Anbieter von Sicherheitslösungen für mobile Endgeräte haben mittlerweile erkannt, dass das reine Schutz-Argument nicht wirklich neue Kunden zu ihnen bringt. Seither wird zusätzlich mit Features geworben, die euer Smartphone bei Diebstahl verfolgen können und außerdem dann die Daten vor Zugriffen schützen können oder das Smartphone direkt lahm legen sollen. Das sind wirklich brauchbare Funktionen, doch könnt ihr euch meine Antwort denken? Diese Features findet ihr auch direkt bei Google – und ihr müsst keinen Cent dafür berappen.

Hier wären etwa die unbeliebten Google Play Dienste oder der Device Manager zu nennen. Zusätzlich verfügen eure Smartphones aber auch über eine IMEI Nummer, die euer Provider oder Hersteller des Smartphones verfolgen kann und so über Fernzugriff auch euer mobiles Endgerät stilllegen kann. Ihr seht also, die beworbenen Zusatz-Features von Security Apps existieren bereits, sind nur nicht so komfortabel gebündelt.

Mein Fazit

Sicherheit Security Smartphone

Antivirus Software Anbieter speziell für Android spielen mit eueren Ängsten. Gerade wenn man das erste Mal ein Android Smartphone in den Händen hält. Risiken bestehen, doch in einem weitaus geringerem Umfang als euch Security Anbieter glaubhaft machen wollen.

Schutz bieten also nicht die Anbieter von Sicherheitslösungen für mobile Endgeräte, sondern euer Download und Suchverhalten. Bleibt ihr im Google-Ökosystem sind die Gefahren relativ gering gehalten. Hier treten vereinzelt natürlich auch Gefahren auf, doch vor diesen kann euch keine Antiviurs Software dieser Welt schützen. Und um das ganze abzuschließen hier noch eine kleine Geschichte zur ganz neuen Viren-Antiviren-Masche, recherchiert von unserer Schwesterseite ITespresso.de:

Palo Alto Networks warnt vor einer „Antivirus for Android“ genannten App aus dem Google Play Store. Wie die Untersuchung durch Experten des Unternehmens ergeben habe, zeigt das Programm vermeintlich erkannte Viren an – will damit Benutzer aber lediglich zum Kauf eines Premium-Services bewegen. Den Statistiken bei Google Play zufolge haben Benutzer die App “Antivirus for Android” mehr als eine Million Mal heruntergeladen. Die Anwendung wurde zeitweise daher auch in den Top 100 der kostenlosen Apps in der Kategorie “Tools” aufgelistet.

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  1. Bin selber vor etwa einem halben Jahr von iOS auf Android umgestiegen und die eine Sache die mich seither Kolossal stört ist, dass man einer App entweder alle Rechte einräumen muss oder die App gar nicht nutzen kann.

    Das ist bei Apple so praktisch gelöst, man kann für jede App einzeln die Rechte auswählen und sie später bei Bedarf auch wieder entziehen.

    AppOps war ja eine Lösung die Google aber wieder schön deaktiviert hat, warum auch immer.

  2. Fakt ist das Smartphone Nutzer, durch Betriebssysteme und Apps voll ausgespäht werden.
    Im Gegensatz zu Apple OP, gibt es bei Android gewisse Optionen etwas dagegen zu unternehmen.
    Z.B. Rooten bzw. modifizierte Betriebssysteme wie Cyanogenmod zu beanspruchen.
    Leider wird zu wenig dazu aufgeklärt, und das bewusst sein dieser Gefahren ist kaum vorhanden.
    Bereits in den Schulen müsste darüber aufgeklärt werden.

    Ach komfortable Apps die zuverlässig vor Ausspähen schützen sind rar.
    Welche Apps könnt Ihr empfehlen,
    die möglichst alle Schnüffel- Abfragen erkennen,
    und dieser mit Fake-Daten füttern????????

    Z.B. Schnüffler- Abfragen mit leeren oder gefakten Adressen füttern.
    Oder die GPS- Koordinaten mit einen Zufallsgenerator bzw. Vorgaben generieren.
    Oder nur Fake- Bilder aus einen bestimmten Ordner versenden?

  3. Netter Artikel dem ich in weiten Teilen zustimmen kann.

    Aber zu dem „…Schließlich will der Anbieter des weltweit meist verbreitetsten Betriebssystems nicht, dass ein schlechtes Licht auf ihn fällt.“
    kann ich nur mal raten den folgenden Artikel zu lesen.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Millionen-Android-Geraete-mit-Sicherheitsluecken-auf-Lebenszeit-2517130.html

    Daher kann ich nur fragen, will ich das selbst ein „Steinzeitvirus“ mein System infizieren kann. Oder will ich den fehlenden Sicherheitsupdates wenigstens einen kleinen Schutz gegenüberstellen?

    Klar muss man aufpassen das man sich nicht den Bock zum Gärtner macht, daher sollte man auf bekannte Anbieter zurück greifen. Und das sind etwa ein duzend.

    Und zum Thema MAC Sicherheit:
    http://www.heise.de/security/meldung/iWorm-infiziert-tausende-Macs-2412353.html

    Mein Fazit:
    Ja, Virenscanner können einen nicht gegen neue Viren sichern, aber es hilft wenigstens bei Systemen die nicht gepatcht werden. Und können so schon noch einen Nutzen haben.
    Daher würde ich generell zu einem Scanner raten! Auch wenn dieser oft mit Zusatzfunktionen überladen ist.

    1. Dann musst du aber auch dazuschreiben, wie der sich auf dem Mac verbreitet hat. Wer sich auf solchen Plattformen rumtreibt, ist selbst schuld. Bei normaler Benutzung passiert da rein gar nichts.

      1. Ja, okay da kann man drüber diskutieren, aber selbst renommierte Seiten stellen teilweise Downloads als torrent zur Verfügung…

        Aber das war nur EIN Beispiel für Viren bei MAC:
        wie ist es mit infizierten Webseiten, das macht jeder normaluser
        http://www.stern.de/digital/computer/mac-botnetz-flashfake-so-entfernen-sie-den-apple-trojaner-1811676.html
        In Kombination mit gehackten Seiten von renommierten Anbietern ist das eine Gefahr für jedermann….
        Selbst yahoo ist das geschehen…
        http://www.com-magazin.de/news/sicherheit/viren-webseite-yahoo-verbreitet-233015.html

        Ja klar Apple sichert viel und ist da auch schnell hinterher, aber selbst Apple ist nicht gegen Viren sicher.
        Ich will nicht sagen das Apple schlecht ist aber es ist genauso von Viren bedroht wie Windows, Linux oder sonst Betriebssysteme, es gibt nur weniger für MAC.

        1. Auch und ja, ich habe auch gesehen das MAC und Mobile Geräte außen vor waren, bei der Yahoo Sache. Das sollte nur als Beispiel dienen.

        2. Man muss hier ganz klar zwischen Trojaner oder Würmern und Viren unterscheiden. Vor Trojaner kann kein Betriebssystem schützen, da diese Programme sind die der User willens installiert (auch wenn er nicht weis was drinnen ist) – der Mac schützt zwar mir der „nur aus dem App Store installieren, oder ein Program das von einem vertrauenswürdiger Developer geschrieben ist“, aber der User hat halt immer noch die Chance jegliche Arten von Programmen zu installieren (allerdings nur mit Admin passwort).
          Viren scripte die sich in das Betriebssystem schreiben, und die sich unerlaubt dort reinschreiben können, ohne sogar ein Programm zu installieren (z.b. bei Windows durch eine Wortdatei). Diese Arten von Infektionen sind sehr selten beim Mac, da das Betriebssystem mit dem Sandbox system arbeitet.
          Also da wo man geschützt werden kann wird man beim Mac, durch ein intelligentes System geschützt

        1. Bei der normalen Nutzung Ja, aber es gibt halt immer noch viele, die sich allen möglichen Mist laden, und wahllos Links in Mails anklicken. Das größte Sicherheitsrisiko sitzt halt nach wie vor vor dem Rechner. ;-)

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