Facebooks Schlag gegen das freie Internet [Kommentar]

(Bild: shutterstock / Gizmodo)

Millionen Facebook-User in Schwellenländern sind in dem Glauben, dass sie bei der Nutzung des sozialen Netzwerks nicht im Internet sind. Kein Wunder, sind doch gerade in Schwellenländern unzählige von Facebook als Zugang ins Internet abhängig. Facebook selbst ist dieses Monopol mehr als recht. Doch es ist Vorsicht geboten: Facebook gefährdet damit die Freiheit des Internets.

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Am 04. Februar 2004 gründete Mark Zuckerberg, zusammen mit Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin das soziale Netzwerk, das anfangs auf diverse Universitäten in den USA beschränkt war. Was in Harvard klein begann erreichte nach nur einem Jahr bereits eine Million Mitglieder aus 800 Universitäten. Bild: Shutterstock

Eine aktuelle Studie des Nachrichtenportals Quartz bestätigt, was Forscher von LIRNEasia und Research ICT Africa bereits vor Jahren erkannt haben: Viele Menschen denken, dass sie bei der Nutzung von Facebook nicht im Internet wären.

Im Zuge der Studie von Quartz wurden über das Nutzungsverhalten von Facebook und Internet insgesamt 500 Teilnehmern per SMS abgefragt. Im Durchschnitt gaben hier 10 Prozent der Befragten an, dass sie Facebook nutzen würden, aber nicht im Internet sind. Ganz im Gegensatz zu den oben genannten 10 Prozent äußerten aber durchschnittlich 60 Prozent der Befragten, dass für sie Facebook mit dem Internet als Ganzem gleichzusetzen ist.

Jetzt denkt ihr euch vielleicht, das waren bestimmt ältere Herrschaften, die sich mit aktuellen Technologien nicht mehr so wirklich auskennen. Doch tatsächlich handelte es sich bei den Befragten um durchschnittlich 22 bis 25-Jährige – also die Kernzielgruppe des sozialen Netzwerks.

(Bild: Facebook)

Facebook – Das Internet für Arme?

Wie kommt es dazu? Nun, grundsätzlich handelt es sich um Befragte aus Asien und Afrika beispielsweise etwa Thailand, den Philippinen oder Nigeria, aber auch aus Indien und Brasilien. In solchen Schwellenländern ist das Internet noch nicht so weit verbreitet wie etwa in Europa oder den USA.

Laut Internet.org, einem Facebook Unternehmen, würden tatsächlich zwei Drittel der Welt überhaupt noch nicht über einen Zugang zum Internet verfügen. Während wir also hierzulande schon seit Jahren das Internet als selbstverständlich ansehen, ist Facebook für viele Menschen dieser Welt oftmals der erste und einzige Kontakt zum Internet.

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Das soziale Netzwerk Facebook erfreut sich also weltweit großer Beliebtheit, auch in Ländern, in denen kein anständiges Internet-Netz ausgebaut ist. Speziell für solche Länder hat Facebook mit regionalen Providern besondere Mobilfunktarife im Angebot, die einen (eingeschränkten) Zugang zum sozialen Netzwerk gewähren. Hier kommen beispielsweise abgespeckte Facebook-Varianten in Schwarz-Weiß zum Einsatz, die auch auf rudimentären „Tasten-Handys“ nutzbar sind.

Auch sogenannte Facebook-only-Tarife richten sich vorwiegend auf die Nachfrage von Schwellenländern ein. Sie bieten günstigere Tarife als reguläre Datentarife und ermöglichen trotzdem einen Zugang zum Internet – zumindest zu einem kleinem Teil des Internets, nämlich Facebook.

(Bild: facebook / Gizmodo)

Grundsätzlich hat Zuckerbergs Netzwerk-Imperium also das geschafft, wovon Web-Anbieter nur träumen können, eine flächendeckende Vermarktung des eigenen Produkts. In Bezug auf die Preispolitik außerhalb jeder Konkurrenz und angesichts des ermöglichten Zugangs zum sozialen Netzwerk eine scheinbar humanitäre Führungspolitik. Und Facebook hat es sogar in manchen Ländern geschafft als Synonym für das wichtigste Gut des digitalen Zeitalters, das Internet, angesehen zu werden – not bad Mr Zuckerberg!

Doch das „soziale Engagement“ – bei diesem Begriff stellen sich mir die Haare zu Berge – von Facebook geht noch weiter. Das etwas weiter oben erwähnte Internet.org ist Facebooks Antwort auf eine weltweite Vernetzung. Dank der App wird hier ein kostenloser Zugriff auf ausgewählte Nachrichtenportale, Wetter, Jobsuche, Sport und Hygiene möglich – von nahezu überall auf dieser Welt.

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Hierfür geht Facebook weltweit Deals mit Mobilfunkanbietern ein, die über ihr Netz Internet.org kostenlos zur Verfügung zu stellen. Damit Facebook von seiner eigenen großzügigen Plattform profitiert, dient das soziale Netzwerk inklusive Messenger als einzige Möglichkeit zur Kommunikation über Internet.org.

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Facebook profitiert hier also durch ein Kommunikationsmonopol und alleiniger Beteiligung am erwirtschafteten Gewinn durch angepasste Werbeeinnahmen. Das selbstlose Ziel „Ideen und Kreativität mit allen Menschen der Welt zu teilen“, wie es auf der Webseite heißt, wirkt in Bezug auf Monopol und Profit also gar nicht mehr so selbstlos.

Kommen wir dann noch auf die Netzneutralität zu sprechen, sollten sich auch bei euch die Haare aufstellen. Denn wer über Internet.org auf das gesamte Internet zugreifen möchte, der muss ordentlich in die Tasche greifen. In Schwellenländern also eher die Ausnahme.

Was wird aus der Netzneutralität?

Hier komme ich auch zu den Gefahren, die ich bei Facebooks Bemühungen die Welt zu vernetzen sehe. Denn die Welt sollte sich nicht von einer einzigen Plattform abhängig machen, die nur darauf aus ist Nutzerdaten zu Geld zu machen.

Facebook wächst täglich und mit ihm die Abhängigkeit von Privatpersonen die nur über Facebook Kontakt zu (ein paar wenigen) Nachrichten und der Außenwelt erhalten und von Firmen dort vertreten sein zu müssen und Werbung zu platzieren. Gelingt es Facebook nun auch noch Geldüberweisungen über das eigene Netzwerk abzuwickeln, könnte die komplette digitale Infrastruktur in manchen Ländern von Zuckerbergs Plattform abhängig sein.

Und darunter leidet letztendlich maßgeblich die Netzneutralität, welche durch das gesamte Internet weitgehend gegeben ist. Ein Internet alias Facebook als kleinen dominierenden Ausschnitt des gesamten Internets in Schwellenländern tritt die Netzneutralität mit Füßen und schafft eine rein monopolistische Ebene in der Facebook sogar noch über die Gleichschaltung und Kontrolle angezeigter Inhalte verfügen könnte.

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Tags :Via:derStandard.at
  1. Danke für den Kommentar. Ich finde das sehr bedenklich. Die Menschen hinterfragen nun mal nicht andauernd Ihre Umwelt und versuchen den Unterschied zwischen „dem Internet“ und „internet.org by facebook“ zu verstehen.

    Meist laufen wir auf Automatik. Und der ist die grobe Ähnlichekeit ausreichend und schon ist „Internet“ ein tolles Produkt von „facebook“. Fertig ist die Realität.

    Naja, aber wir denken ja auch Diamantenringe sind wertvoll und Wasser sollte man in Flaschen kaufen.

  2. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!

    Wenn, wie im Text steht, 22 bis 25-Jährige nicht den Zusammenhang Internet/Facebook verstehen, dann sind sie im Jahre 2015 nicht mehr lebensfähig. So etwas nennt man auch natürliche Selektion.

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