Mit dem iCar auf der Überholspur [Kommentar]

(Bild: Andreas Donath)

iCar, iSah, iSiegte - derzeit brodelt die Gerüchteküche um das iCar, auch Project Titan, ein potenzielles Elektroauto von Apple. Die Anzeichen, dass das Gefährt Realität wird, verdichten sich - und mit ihnen bin ich mehr und mehr überzeugt, dass das Vehikel mit dem Apfel Apples nächster großer Wurf werden könnte.

Ich bin kein Apple-Verfechter – weiß Gott nicht. Meine Zuneigung zu dem Unternehmen geht nicht über den ein oder anderen in die Jahre gekommenen und an geplanter Obsoleszenz verendeten iPod hinaus. Doch eines muss man Apple lassen: Sie wissen, wie man bereits vorhandene Technologien für die Masse “sexy” macht – und das verdient immerhin Respekt. Ähnlich ist der Fall bei Elektroautos gelagert. Tesla ist nicht der einzige Automobilhersteller, der die E-Revolution auf die Autobahnen bringen möchte. Beinahe jeder namhafte Vertreter der Branche hat bereits vorsichtig einen Fuß auf das Eis gesetzt. Warum daraus noch nicht eine florierende Eislaufbahn geworden ist, lässt sich an einer Hand abzählen: Hohe Preise, zu geringe Kapazität, gewöhnungsbedürftige Designs und nicht zuletzt Lobbyismus. Ich bin der Meinung, dass das iCar dies nun ändern könnte.

Smart und schick muss das iCar sein

Warum? Und warum gerade Apple? Ganz einfach: Autos sind inzwischen weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. Mit jedem Jahr werden die Fahrzeuge smarter – bekommen Einparkhilfen oder vernetzte Interfaces. Die IT wächst also zusehens mit der Automobilindustrie zusammen. Apple könnte mit Project Titan, der Einfachheit halber dem “iCar” das Pferd von hinten aufzäumen. Warum also nicht das gesammelte technische Know-How nehmen und eine ansehnliche Karosserie drum herum bauen? Dass an dem Projekt mit der nötigen Ernsthaftigkeit gearbeitet wird, beweist das Engagement von Steve Sadesky, der ein Team von 1.000 Mitarbeitern um sich scharen darf, sowie Geschäftsreisen zu Verhandlungen mit bedeutsamen Automobilkoryphäen und Auftragsfertigern. Daher ist es inzwischen immer wahrscheinlicher, dass Project Titan mehr als nur ein Projekt ist und bleibt, an dem ohne Ergebnis herumexperimentiert wird, ohne an die Öffentlichkeit zu gelangen.

Titan: Apple arbeitet offenbar ernsthaft an einem Elektroauto

(Bild: Gizmodo.com)

Nun wird Apple freilich das Elektroauto nicht neu erfinden – böse Zungen werden gar den hämischen Vegleich vom iPhone zum Nexus-Smartphone heranziehen. Doch ich bezweifle, dass Tim Cook die Technik eines Passat aus dem Jahr 2000 in das Gehäuse eines Porsche stecken wird. Auch Konkurrent Google wagt bereits mit seinen autonom fahrenden Autos erste Versuche in diesem Geschäft, wenngleich der Look des Ergebnisses gehörig Minuspunkte kassierte – aber seien wir fair, es handelte sich um einen Prototyp. Dass das immer wahrscheinlicher werdende iCar ebenso Standards setzen wird, wie seinerzeit das iPhone oder iPad, lässt sich zu diesem Zeitpunkt wenigstens zutrauen. Mit Designstars wie Marc Newson, der vor einigen Jahren ein Auto für Ford entwarf, zieht man alle Register. Und ganz ehrlich? Apple braucht etwas Neues! Selbst wenn wieder einmal bereits bekannte Technologien herangezogen werden, um das Ergebnis zu optimieren oder gar wirklich den Durchbruch in den Mainstream zu schaffen. Profitieren wird schließlich nicht nur Apple davon – sondern letzten Endes auch wir.

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Und auch, wenn aktuellen E-Auto-Designs eher verhalten begegnet wird, dürfte nicht zuletzt die Marke Apple helfen, das Auto an den Mann zu bringen. Ganz gleich, ob dieser Apfel zum Anbeißen aussehen wird oder nicht. Dabei könnte die aktuelle Identitäts- und Vertrauenskrise, in der US-Autokonzerne wie General Motors stecken, dem iPod-Konzern in die Hände spielen. Erstgenannter musste vergangenes Jahr bis zu einer Million Autos wegen eines Konstruktionsfehlers sprichwörtlich aus dem Verkehr ziehen.

Und was ist mit Tesla?

Ob ich mich von einem anderen Arbeitgeber abwerben lassen würde, wenn 250.000 Dollar Einstiegsprämie und doppeltes Gehalt winkten? Hm, das würde wohl selbst Ideologen den Starrsinn aus dem Kopf pusten. Dieses Angebot soll Apple Wired zufolge in den vergangenen Monaten – erfolgreich – 64 hochkarätigen Tesla-Ingenieuren unterbreitet haben. Absorbtion an der Basis sozusagen. Dabei soll es zuvor immer wieder einmal Berührungspunkte zwischen Apple und Tesla gegeben haben. Zeitweise war sogar von einer Übernahme des Letzteren die Rede. Nun, da klar ist, dass die beiden Unternehmen zu keinem IT-Automobil-Klumpen verschmelzen, beginnt besagte Personalschlacht, die natürlich nur Apple gewinnen kann. Denn das kann auf beträchtliche Summen zurückgreifen. Wir sprechen von allein 155 Milliarden Dollar Barreserven. Fang also etwas an mit deinem Geld, Cupertino!

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Und genau das ist das Schlagwort für den Knackpunkt am iCar. Es muss nicht erwähnt werden, dass Apple sich für seine Produkte horrend bezahlen lässt – Technologie aus einem Guss hin oder her. Wer Apple kauft, packt nun einmal auch das Design und den Namen in den Einkaufswagen. Das wird beim iCar, so es denn kommt, nicht anders sein. Schon “klassische” E-Autos wie der BMW i3 schlagen mit einem Basispreis von knapp 35.000 Euro zu Buche. Was Projekt Titan kosten wird, kann man mit einem Blick auf den Smartphone- und Tabletmarkt grob einschätzen, aber das ist alles höchst spekulativ.

Ein Name allein ist kein Sprungbrett

Um außerdem wirklich interessant zu sein, muss das iCar Probleme bisheriger Lösungen verbessern. Immer noch kämpfen aktuelle Elektroautos mit der geringen Reichweite. Ob Apple auch in seinem Auto auf fest verbaute Akkus und Lightning-Anschluss schwören würde? ;-) Immerhin sollen es Wägen wie der Chevrolet Bolt zu vernünftigen Preisen auf immerhin 300 Kilometer bringen. Hier darf sich Apple nicht zu sehr auf die gepflegte Marke und Top-Design ausruhen. Da muss etwas mehr kommen – und dessen bin ich mir fast sicher.

  • Wird Apple mit dem iCar Elektroautos endlich massentauglich machen?
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Letzten Endes bleibt uns derzeit nichts als abzuwarten. Neue Produktgruppen zu erschließen kann immer in die Hose gehen. Selbst wenn Apple mit dem iCar nicht den erhofften Erfolg einfahren würde oder das Projekt sang- und klanglos in aller Heimlichkeit verschwindet, springen neue technologische Entwicklungen für andere Gerätegruppen heraus. Mit den richtigen und notwendigen Innovationen, aufeinander abgestimmter IT- und Automobiltechnik, einem revolutionären Design und einer nicht zu abgedrehten Preispolitik wie bisher, wird das iCar denke ich einige Konkurrenten am CO²-freien Auspuff schnuppern lassen. So freue zumindest ich mich als kein iFanboy durchaus auf das, was Project Titan in den nächsten Jahren bringen mag.

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  1. Naja. Auf das Design bin ich gespannt. Auf den Rest nicht, ich prophezeie einen riesen Flop. Apple hatte die großen Erfolge durch entweder “neue” Produkte die noch nicht Massentauglich waren oder alternative Bedienkonzepte siehe iPhone. Bei einem Elektroauto ist aber beides nicht gegeben, diese Dinger sind seit 100 Jahren nicht konkurrenzfähig und werden es auch nicht werden. Von der gigantischen Umweltverschmutzung durch diese Dinger mal ganz zu schweigen, aber das ist ein anders Thema. Das könnte so ähnlich werden wie die Smartwatch von Apple, sie versuchen ein noch nicht massentaugliches Gerät für das im Prinzip nur ein künstlich aufgeblasener pseudo-Markt existiert massentauglich zu machen und “scheitern” daran, dass ihre Produkte einfach keinen Nennenswerten Vorteil bringen…

    1. Abwarten und Tee trinken. Bei der Uhr weiß man es nicht, und beim Auto schon gar nicht. Greifen wir das Thema auf, wenn es tatsächlich so weit ist. ;-)

  2. Wenn ich schon den Scheiss mit der geplanten Obsoleszenz (heute scheint es ja als cool zu gelten, dieses lächerliche Modewort Planet zu benutzen, egal wie deplatziert es ist) lese könnte ich im Strahl kotzen. Wenn ich denke, wieviele uralte iPods mir in letzter Zeit begegnet sind. Aber Hauptsache getrollt…

  3. apple kauft tesla? wobei tesla ja mercedes gehört…also kauft apple jetzt mercedes?

    auf jeden fall wird apple die innendesigns von autos auf ein neues level heben – ein tesla sieht ja innen und außen ganz ok aus, aber das wird wohl die hauptaufgabe von apple werden. design.
    die technik werden wie immer firmen liefern die davon ahnung haben, hat ja seinen grund weshalb keine wichtige komponente von apple-produkten selbst gefertigt wird.
    ob man damit allerdings letztlich einen markt erobern kann, der zum einen gesättigt ist und zum anderen keine vorteile bietet bzgl der alternativen endergien/antriebe wage ich zu bezweifeln. von der sicherheit fange ich gar nicht erst an – grade nach dem bentgate und dem kundenfeindlichen verhalten im nachgang.
    die akku-kapazitäten sind einfach zu schlecht, abgesehen von kalifornien sind nirgends flächendeckende lademöglichkeiten und in zeiten in denen selbst die großen marken die absatzkrisen spüren wird es noch schwerer die produkte zu verkaufen.
    dazu dann noch die problem usa – rus/china…da bleibt doch kaum noch ein sinnvoller markt übrig.

    1. Stimmt doch gar nicht. Mercedes hatte 2009 gerade mal 9,1% Anteil an Tesla. Tesla hat im übrigen den gesamten Antriebsstrang für die B-Klasse Electric Drive entwickelt, also wäre es theoretisch kein Problem, das mit zu übernehmen. Nach der Fertigstellung hat Mercedes wieder 4% zurückgegeben, somit liegt der jetzige Anteil bei 5,1%.

    2. Immer wieder toll, bentgate und die “Kunden die mit dem Service in der Folge nicht zufrieden waren” größer kann man nen kleinen Fehler nicht aufblasen, es gab 7 oder 9 Fälle von Millionen, die auch sofort ausgetauscht wurden. Die Kraft um es zu verbiegen liegt im gleichen Rahmen wie bei anderen phones, teilweise drüber, aber man kann halt auf Apple rumhacken…

  4. Ach Fabian: Du warst auch einer derer die gesagt haben, dass das iPhone 6 floppt. Woher nimmst du nur das Selbstbewusstsein, so einen Müll zu posten.

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