Edward Snowden bereut, nicht früher aktiv geworden zu sein

(Bild: Imgur/Reddit)

Als Edward Snowden sich entschloss, die Praktiken der Geheimdienste offenzulegen, war es seiner Meinung nach schon fast zu spät: Die Praktiken seien mittlerweile fest etabliert. Wäre er vielleicht früher an die Öffentlichkeit gegangen, hätte noch etwas bewirkt werden können.

Edward Snowden bereut, dass er nicht früher an die Öffentlichkeit gegangen sei, sagte er auf Reddit, Stunden nachdem der oscarprämierten Dokumentarfilm Citizenfour bei HBO ausgestrahlt wurde.

Seine Flucht ins russische Asyl bereue er nicht, erklärte Snowden scherzhaft – schließlich sei das Wetter in Moskau derzeit deutlich besser als an der Ostküste der USA. Auf die Frage, ob man Wladimir Putins Aussage glauben könne, dass Russland seine Nutzer nicht ausspioniert, sagte er: “Es gibt keinen Beweis, und das ist Teil des weltweiten Problems. Wir können nicht einfach die Gesetze eines Landes reformieren, die Hände waschen und uns zufrieden zurücklehnen. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Rechte nicht nur durch Buchstaben auf einem Blatt Papier geschützt sind, sonst erlischt dieser Schutz in dem Moment, in dem unsere Daten eine Ländergrenze überschreiten. Die einzige Möglichkeit, Respekt für die Menschenrechte der Bürger weltweit durchzusetzen, ist durch Systeme und Standards statt durch Gesetze und Prozeduren.”

Auf die Frage, ob er Veränderungen durch seine Enthüllungen sehe, erklärte Snowden, die meisten von ihnen erfolgten auf Entwicklungsstufe und seien daher für viele Menschen unsichtbar. Er zollte aber ausdrücklich Google für die Verschlüsselung des Datenverkehrs zwischen Rechenzentren und Apple für die standardmäßige Komplettverschlüsselung des Smartphone-Datenspeichers Respekt.

Snowden weiter: “Die größte Veränderung liegt im öffentlichen Bewusstsein. Wenn man vor 2013 gesagt hätte, die NSA zeichnet sämtliche Telefongespräche auf und das GCHQ überwacht Rechtsanwälte wie auch Journalisten, hoben die Leute die Augenbrauen und nannten dich einen Verschwörungstheoretiker. Das hat sich verändert.”

Wenn er schon früher an die Öffentlichkeit gegangen wäre, erklärte Snowden, wären diese Überwachungsprogramme noch nicht ganz so etabliert gewesen, die Geheimdienste noch nicht ganz so sehr an ihre Macht gewöhnt. Das sei allgemein ein wichtiger Faktor. Einmal eingeräumte Sonderrechte seien immer schwer zurückzunehmen.

Alle drei betonten auf Reddit die Bedeutung von Verschlüsselung für alle ihre Projekte. Poitras sagte: “Es wäre für uns unmöglich gewesen, an den NSA-Geschichten zu arbeiten und Citizenfour zu filmen, wenn uns nicht zahlreiche Verschlüsselungswerkzeuge ermöglicht hätten, sicherer zu kommunizieren. Deshalb danken wir auch im Abspann diversen freien Softwareprojekten.” Sie warb für Spenden an Projekte wie Tails und Tor, die über die Freedom of the Press Foundation abgewickelt werden könnten.

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Tags :Quellen:ZDNet.comVia:Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de

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