Schluss mit Schnickschnack – das Honor Holly im Test

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Mit ungewöhnlicher Preispolitik hat man dem Honor Holly einen Startbonus verschafft. Je mehr Vorbestellungen eingehen, desto weiter sinkt der Preis gegenüber den anfänglichen 140 Euro. Was ein Smartphone für so wenig Geld noch bieten kann? Wir haben´s getestet.

Honor, ein Ableger des chinesischen Unternehmens Huawei, brachte am 23. Februar sein neues Einsteiger-Smartphone Holly nach Deutschland. Die Anzahl der Vorbestellungen drückte den Preis mittlerweile auf 100 Euro. Ein intelligenter absatzpolitischer Schachzug, der dem Verbraucher obendrein seine Macht suggeriert? Fast, schließlich gilt das bemerkenswerte Angebot nur bis 26. Februar und für diejenigen, die bei der Pricehacker-Aktion selbst einen Preisvorschlag eingereicht haben.

Honor Holly Screenshots und Testbilder

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Der Lock-Screen bietet vier direkte Optionen.

Design

Den ersten Eindruck eines Smartphones bestimmt das Design. Im Falle des Honor Holly hat man es mit einem sehr angenehm in der Hand liegenden, 9,3 Millimeter dicken 5-Zoll-Gerät zu tun. Wer kleinere Hände als ich besitzt, könnte mir dabei aber durchaus widersprechen. 9,3 Millimeter, das ist in etwa doppelt so viel, wie die Tiefe des derzeit dünnsten Smartphones. Klobig wirkt das Honor Holly deshalb aber keineswegs, schließlich ist die abnehmbare, weiße Plastikrückseite zu den Seiten hin gekrümmt und das Gewicht mit 156 Gramm nicht besonders schwer.

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Kamera und LED-Blitz.

Überhaupt sitzt das Plastik sehr fest, knackt nur bei kräftigen Drücken, ist aber auch anfällig für Fingerabdrücke. Die Kamera, oben mittig positioniert, lugt etwa einen Millimeter hervor und ist vom LED-Blitz sowie einer kleinen Mikrofonöffnung umgeben. Drei Zentimeter darunter prangert der schlanke, silberne “honor”-Schriftzug und links unten der Lautsprechergrill.

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Lautstärkewippe und On/Off-Button.

An den Seiten trifft die weiße Schale auf die schwarze Vorderseite. Starker Kontrast, der jedoch gefallen kann. Oben rechts hat Honor den 3,5-Millimeter-Anschluss für ein Headset platziert, auch wenn keines mitgeliefert wurde. Unten links lässt sich das MicroUSB-Kabel einführen und an der rechten Seite befinden sich, sehr angenehm platziert, die silberne Lautsprecherwippe sowie der On/Off-Button.

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Liegt angenehm in der Hand. Zumindest in meiner.

Das Display ist von einem vier bis fünf Millimeter dicken Rand zu den Längsseiten sowie einem zentralen Lautsprecher oberhalb des Bildschirms umgeben. Links daneben filmt die Frontkamera und blinkt die LED in nervend kurzen Intervallen, um ungelesene Nachrichten oder niedrige Akkustände anzuzeigen. Unten belegen, wie  zu erwarten, drei Navigationsbuttons den Platz. Vielleicht habt ihr den Steckplatz für MicroSD-Karten vermisst. Um daran zu gelangen, muss zunächst die Schale entfernt und der Akku herausgenommen werden. Selbige Aktion macht übrigens auch die beiden Slots für die MicroSIM-Karten zugänglich.

Power

Der Quadcore-Prozessor MT6582 von Mediatek taktet mit 1,3 GHz und gibt nebst einem GByte Arbeitsspeicher sein Bestes. In der Regel reicht das auch aus, Browsen oder Apps öffnen vollzieht sich recht flüssig und nur sehr selten mit bis zu einer Sekunde Wartezeit. Für hehre Aufgaben wie aufwendige Games ist das Honor Holly aber tendenziell nicht geschaffen. Die Grenzen der Power spürt man bereits, wenn man in der Galerie zwischen den Bildern wechselt. Hier kann man den geschossenen Fotos dabei zusehen, wie die scharfen Details Block für Block laden.

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Schwarz-Weiß und abgerundet – das Design aus der Seitenansicht von links.

Display

Eine HD-Auflösung ist bei solch günstigen Einsteigergeräten nicht gerade die Regel, eine Ausnahme bildet das Holly deswegen aber trotzdem nicht. Die 1.280 mal 720 Pixel lassen bei genauem Hinsehen zwar Treppeneffekte erkennen, doch das wird wohl die Wenigsten kümmern.

Bei voller Helligkeit strahlt das LCD-Display angenehm in satten Farben, wenngleich die automatische Helligkeitsregulierung aufgrund der Akkulaufzeit definitiv zu empfehlen ist. Dann wird´s natürlich deutlich dunkler, was nach wenigen Minuten aber fast nicht mehr auffällt. Der spiegelnde 5-Zoll-IPS-Bildschirm erfüllt insgesamt seinen Zweck und bleibt auch bei der Blickwinkelstabilität nicht hinter den Erwartungen zurück.

Auch bei der Toucherkennung macht das Holly keine signifikanten Abstriche, wenngleich ich in seltenen Fällen den Eindruck hatte, schon mal präzisere Systeme unter den Fingern gehabt zu haben.

Spieg´lein, Spieg´lein in der Hand...

Spieg´lein, Spieg´lein in der Hand… Tatsächlich spiegelt das Display des Honor Holly mehr, als es recht ist.

Kamera

Bei den Kameras liegt das Holly kaum über dem, was man für 100 Euro respektive 140 Euro erwartet. Hinten löst die Knipse mit 2.0er Blende 8 Megapixel und macht bei Tageslicht zufriedenstellende Fotos. Vergleichbar mit dem, was Apple aus der 8-Megapixel-Kameras seines iPhone 6 holt, ist das aber mitnichten. Die Full-HD-Videoaufnahmen gefielen aber nur mit Abstrichen, so flackerte die Helligkeit teilweise enorm.

Wie zu erwarten, fällt die Holly-Kamera bei schwacher Belichtung schnell in starkes Rauschen und neigt hin und wieder auch dazu, helle Stellen überbelichtet wiederzugeben. Der Autofokus funktioniert zwar, braucht aber nicht selten mehrere Sekunden, um scharf zu stellen.

Vorderseitig löst das Honor Holly die Selfies mit 2 Megapixel auf. Außerdem fehlt der Frontkamera die HDR-Funktion (die mich aber auch an der Rückkamera wenig überzeugt hat) sowie ein LED-Blitz. Die weiteren Features der Rückkamera beschränken sich auf Panoramaaufnahmen sowie Beauty-Fotos und dem Live-Fotomodus, bei dem ein dreisekündiger Videoclip aufgezeichnet wird, der während der Wiedergabe vom Anfangsbild geschmückt ist.

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Software

Dem Billigphone hat Honor erneut seine Benutzeroberfläche Emotion UI verliehen. Allerdings kommt das verniedlichte Android 4.4.2 KitKat ohne brauchbare Extra-Features. Wie bei Apple gibt es keine separate App-Ansicht in einem Menü, stattdessen sind alle Anwendungen auf den Seiten des Startbildschirms aufgeführt. Und das ist auch nicht weiter schlimm.

Sehr angenehm ist die Möglichkeit, direkt beim Entsperren verschiedene Apps per Wischgeste zu erreichen. Neben Kamera und Telefon sind diese SMS sowie klassisches Entsperren, bei dem man auf dem Startbildschirm landet, ohne eine Anwendung zu öffnen. Die dort sichtbaren App-Symbole sind aufgrund ihrer kindlichen Farbe und dem schlichten weißen Symbol durchaus gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache.

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An Apps überladen ist das Holly im Übrigen nicht. Neben Standards wie Uhrenanwendungen, Musikplayer, Kamera, Bilder- und Videoanzeige, Kontakte, Nachrichten, Anrufe und einem eigenen Browser sind auch Facebook, Twitter, Mobilgeräte-Broadcasts und WPS Office vorinstalliert.

Wie für Android üblich kommt das Honor Holly auch nicht ohne einer ganzen Menge Google-Apps aus. Auf dem Smartphone findet man dementsprechend Google Now, die Google-Suche, Google Maps, der Google Playstore, Chrome, Gmail, Google+, Hangouts, Fotos, Drive, YouTube, Play Music, Play Books, Play Kiosk, Play Movies & TV sowie die Google Einstellungen.

Darüber hinaus befindet sich im Werkzeuge-Ordner auf der Startseite ein praktischer Kalender, ein FM-Radio, das selbstverständlich nur bei angeschlossenem Headset funktioniert, ein Taschenrechner für grundlegende Rechenaufgaben, ein einfacher Soundrekorder, ein Datei-Manager, eine Taschenlampenanwendung, der Downloads-Ordner, eine Wetter-App mit Unterstützung von AccuWeather, das SIM-Toolkit, System-Update sowie die Datensicherung. Das ist verhältnismäßig wenig, so fehlt hier sogar eine einfache Anwendung, in der man Notizen schreiben und speichern könnte.

Die drei Navigationsbuttons sind leider nicht beleuchtet, was auf Dauer aber nicht stört, da ihre Bedeutung sehr schnell eingeprägt ist. Links wechselt man innerhalb Menüs zurück, mittig springt man per kurzem Druck zum Startbildschirm beziehungsweise nach langer Touchgeste zu Google Now und das rechte Symbol öffnet entweder ein kleines Menü oder, bei längerem Druck, die Ansicht der geöffneten Apps, die sich per Wischgeste schließen lassen.

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Der Audioanschluss an der Oberseite.

Im Startmenü befindlich lässt sich per Menütaste beispielsweise der Hintergrund ändern, Widgets oder Screens hinzufügen, eine enorm reduzierte Simple UI öffnen, bei nur einfarbige Kacheln die Anwendungen anzeigen, sowie die Übergänge beim Wechseln zwischen den Screens ändern.

Die von oben nach unten ziehbare Mitteilungszentrale entspricht auf den ersten Blick dem, was man von Android gewohnt ist. Auf den zweiten Blick fällt der Menü-Button rechts oben auf, über den man zu einer Ansammlung an Einstellungs-Shortcuts gelangt. Diese sind WLAN, Bluetooth, GPS, Flugmodus, Datenverbindungen, Datenverbrauch, Audioprofile, Helligkeit, automatische Drehung sowie Bildschirmübertragung und Akku. Hinzu kommt eine Kachel, die zum eigentlichen Einstellungsmenü leitet und eine weitere für das eigene Profil. Verändern lassen sich die Buttons aber nicht. Darüber hinaus kann dieses Menü nicht per Wischgeste, wie meist bei Android, geschlossen werden. Der Benutzer muss zunächst zur ursprünglichen Mitteilungszentrale zurückkehren.

Akku

Lange Zeit hat mich der 2.000-mAh-Akku des Honor Holly sehr positiv überrascht. So schaffte ich bei automatischer Helligkeit, eingeschaltetem WLAN und regelmäßiger Benutzung des Browsers sowie Messenger-Apps und der Kamera problemlos zwei oder drei Tage. Wirklich ernüchternd ist die Leistung des Akkus hingegen bei voller Bildschirmhelligkeit oder aktivem LED-Blitz innerhalb der Foto-App. In diesem Fall sank der Ladestand um ein bis zwei Prozent je Minute! Einmal Aufladen dauerte mit etwas mehr als drei Stunden verhältnismäßig lange. Aufgrund der abnehmbaren Rückseite aus Plastik ist der Akku bei Defekten im Übrigen auch austauschbar.

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Konnektivität, Anschlüsse und Sensoren

LTE versteht das Honor Holly leider nicht, dafür aber gleich zwei SIM-Karten. Während die erste das 3G-Netz nutzen kann, bleibt für die zweite MicroSIM leider nur mehr GSM übrig. Die Verbindung sowie Sprachqualität klappte aber durchweg gut und ohne Probleme.

WLAN funkt beim Holly leider nur mit 2,4 GHz, also dem 802.11 b/g/n-Standard, dafür ist Bluetooth 4.0, A2DP, VPN und A-GPS integriert. Wi-Fi Direct und das Erstellen eines WLAN-Hotspots sind ebenfalls inbegriffen. An Sensoren hat Honor einen Beschleunigungsmesser, Näherungssensor sowie Kompass verbaut.

Speicher

Eine Speicherdiversifikation wie beim iPhone kann es bei einem 100- beziehungsweise 140-Euro-Einsteigermodell natürlich nicht geben. Das Honor Holly kommt ab Fabrik mit 16 GByte internem Speicher, von denen knapp 13 GByte auch tatsächlich zur eigenen Verfügung stehen. Per MicroSD-Karte lässt sicher um maximal 32 GByte erweitern. Wenn das nicht reicht, kann man natürlich auf eine der zahlreichen Cloud-Dienstleister im Play Store zurückgreifen.

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Das Zubehör: Netzteil, USB-MicroUSB2.0-Kabel sowie Anleitungen, Garantiekarte und weitere Zettel. Ein Headset liegt dem Holly nicht bei.

Sound

Es verwundert nicht, dass der zum Teil blecherne Klang der Lautsprecher des Honor Holly niemandes Ohren spitzen lassen wird. Schlecht, fad oder gar breiig ist er zwar nicht, kräftige Bässe oder nadeldünne Höhen vermisst man aber trotzdem. Kritisieren kann man ansonsten höchstens die Position des Lautsprechergrills, der an der Rückseite immer wieder von einer Hand verdeckt wird. Liegt die Hand jedoch nicht direkt an der Schale auf, so reflektiert sie wenigstens den Schall und bringt mehr von ihm zurück zum Hörer, der in der Regel ja aufs Display sieht.

Alte Leier: Für guten Sound auf Mobilgeräten braucht es entweder externe Lautsprecher, die per Kabel oder Bluetooth verbunden sind beziehungsweise In-Ears. Solche hat Honor dem Holly leider nicht beigelegt, was die meisten wenig stört, schließlich sammeln sich Kopfhörer und Ladekabel mit der Zeit in jedem Haushalt. Da das Honor Holly aber als Einsteigergerät interpretiert werden kann, zu dem auch Personen ohne jeglichen Gadget- oder Smartphone-Hintergrund greifen werden, stünde ihm ein mitgeliefertes Headset aber gut zu Gesicht. Ein USB-Ladekabel samt Netzteil ist dafür im Lieferumfang enthalten.

Fazit: Schnickschnack is´ nich´

Wer nur knapp über 100 Euro für ein neues Smartphone ausgibt, darf nun wirklich keine hohen Ansprüche haben. Die werden dafür aber mitnichten enttäuscht, so reichen Leistung, Akku, Kamera und Display problemlos, wenn man das Smartphone auch “nur” als Kommunikationsgerät, Kamera, mobiler Schnittstelle zum Internet und kleinem Werkzeugkasten betrachtet. Freilich wäre LTE schneller, freilich sieht Full-HD schärfer aus und freilich macht ein Stylus Spaß. Für diese Wünsche muss man derzeit aber zwangsläufig tiefer in die Tasche greifen.

Es waren ausschließlich Kleinigkeiten, die mich in den zwei Wochen, die ich das Honor Holly testete, störten. Darunter die virtuelle Tastatur, die so manche Texteingabe doch langwieriger machte, als es nötig war, was nicht zuletzt daran lag, dass hin und wieder plötzlich das us-amerikanische Layout aktiv war.

Wer für möglichst wenig Geld also ein aufs nötigste reduziertes Smartphone mit 5 Zoll Bildschirmdiagonale möchte, kommt kaum daran vorbei, sich das Holly anzusehen – auch wenn wir natürlich nichts über die Langlebigkeit des Geräts sagen können. Ähnlich gute Geräte mit mehr Features und kleinerer Baugröße gibt es aber ebenso günstig, beispielsweise das Moto E, Wiko Wax oder Lumia 535 beziehungsweise 630 (hier geht´s zum Test).

Am Ende bleiben aber zufriedenstellende 4 von 5 Sterne für das Honor Holly, dem man seinen niedrigen Preis bei der Benutzung kaum anmerkt.

plus Recht ordentliche Performance

plus Gutes Display

plus Erfreuliche Akkulaufzeit

plus Dual-SIM

minus Kein LTE

minus Kein Headset

minus Äußerst wenig Features

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