Microsofts Zukunftsvision und die digitale Abhängigkeit [Kommentar]

(Screenshot: YouTube)

Eine Welt in der alles vernetzt sein wird. Davon träumt Microsoft und zeigt in einem sechsminütigen Video wie man sich die Zukunft der Vernetzung vorstellt. Doch dient die Vernetzung wirklich uns oder vielmehr Microsoft?

In 6:28 Minuten träumt Microsoft von einer Welt in der alle unsere Computer, Tablets und Wearables miteinander vernetzt sind. Ziel soll es eines Tages sein, dass Daten in Echtzeit von einem Gerät zum anderen übertragen werden können und mobile Endgeräte mit anderen Devices nahtlos zusammenschmelzen. Das Ganze Video dann natürlich schön angefüllt mit futuristisch anmutenden Gerätschaften.

Microsoft stellt mit seinem Clip ein Maximum an Produktivität vor, welches alle technischen Grenzen überwinden soll. Als ich mir das Video das zweite Mal angesehen habe, dachte ich mir plötzlich: „Moment, den Großteil der Geräte gibt es doch schon.“

Etwa die VR-Taucherbrille bei 0:16 Sekunden, welche schöne Bildchen in Echtzeit an das wundervolle Muster-Klassenzimmer von morgen überträgt. Gibt es, und zwar von GoPro seit letztem Jahr. Die Technik in eine VR-Brille zu übertragen sollte kein Problem sein.

(Screenshot: Microsoft)

In 0:33 treffen wir dann auf Touchdisplays, welche als Tafeln in Schulen fungieren sollen. Auch diese gibt es bereits, wie etwa dieses Modell von Wittler. Auch den 3D-Drucker in 0:42 oder nahezu rahmenlose mobile Endgeräte sind bereits verfügbar.

Technisch gesehen finden wir bei Microsofts „Productivity Future Vision“ getauften Clip also auf den ersten Blick keine wirklichen Endgeräte der Zukunft. Vereinzelt verstecken sich zwar faltbare E-Book Reader und Tablets, etwa in 1:24, doch selbst diese Zukunftsmusik konnte sich bereits 2013 in Form eines Prototypen von Plastic Logic finden.

Productivity Future Vision

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Auch verzichtet Microsoft in seinem Clip auf Smartphones. Diese mobilen Endgeräte scheinen den Redmondern zufolge bald auszusterben. Vielmehr sind faltbare Smartwatches (3:42) oder erweiterbare Wearables (3:20) angesagt. Hier hat sich bis dato tatsächlich noch kein Unternehmen offiziell herangewagt. Und meiner Meinung nach könnten solche Smartwatches wirklich das rasche Ende von Smartphones einläuten.

Alles schön und gut, doch vielmehr stört mich ein ganz anderer Punkt, der natürlich nicht nur Microsoft betrifft. Uns wird die gezeigte Technologie als etwas fantastisches und essenzielles im Leben der Zukunft verkauft. Technologie, die es heute bereits schon gibt. Warum mich das ärgert? Weil es zeigt, dass es primär gar nicht mehr um mobile Endgeräte und Computer geht, sondern vielmehr um die Vermarktung von Daten und Lösungen für Produktivität in Unternehmen.

Zahlen dürfen wir einmal für unsere Gadgets und Devices, die wir für den (Arbeits-)Alltag benötigen. Ein zweites Mal werden wir aber dann zur Kasse gebeten, wenn es darum geht die Software-Infrastruktur, etwa von Microsoft, zu erwerben.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin nicht gegen technischen Fortschritt, sonst würde ich hier wohl kaum schreiben. Das „Internet of Things“, die allgegewärtige Cloud und letztlich das mobile Internet haben uns aber klammheimlich einen weiteren Geschäftszweig beschert, der uns gerne auf lange Sicht das doppelte des Preises für ein mobiles Endgerät zahlen lässt. Doch der Preis alleine ist nicht ausschlaggebend. Vielmehr könnte mit diesem Geschäftszweig auch eine digitale Abhängigkeit kommen.

Ich würde Microsoft in seinem Clip sogar unterstellen, dass sie bewusst mit unseren Emotionen spielen. Keine dieser zukunfts-anmutenden Technologien ist auch nur ansatzweise eine echte Innovation im Vergleich zu dem was wir aktuell bereits mit uns herumtragen. Stattdessen werden wir unterbewusst animiert, dass wir diese grenzenlose Produktivität schon bald nutzen könnten, die Technik dazu besteht schließlich bereits. Wie schön wäre es also, wenn wir einfach unser Wearable auf den Tisch legen könnten und schon tauschen Tisch und Smartwatch, ohne unser Zutun, Daten aus.

Unsere Faulheit wird durch solche Software-Lösungen belohnt. Unternehmen sehen sich durch wachsende Vernetzung gezwungen auf das immer rascher reitende digitale Pferd aufzuspringen, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Und Microsoft, Google und Konsorten freuen sich über jede Menge Umsatz.

Was will ich damit sagen? Nun, meiner Meinung nach sollten wir behutsam mit solchen Zukunftsvisionen umgehen. Aus meiner Sicht werden wir in den letzten Jahren vermehrt mit Smartwatches, Tables und Smartphones angefüttert. Doch eigentlich dienen diese materiellen „Spielzeuge“ nur dazu, um uns in eine Art digitale Abhängigkeit zu stürzen. Die muss nicht zwangsläufig alleine von Microsoft kommen, ebenso versuchen beispielsweise auch Google, Apple und Facebook ihre ganz eigenen Monopole digitaler Infrastruktur zu errichten. Google und Facebook reden hier von freiem Internet für alle, stürzen unter diesen Angaben aber ganze Kontinente in eine unfreie Abhängigkeit – wie ich bereits letzte Woche über Facebook berichtete.

Wichtig ist hier ein ausgewogener Wettbewerb und die Chance, dass Konkurrenz diesen Wettbewerb beflügelt. Konkurrenz bei mobilen Endgeräten gibt es zuhauf, die digitale Infrastruktur hängt aber mangels namhafter Konkurrenz an einem seidenen Faden und droht ins Monopol abzustürzen. Und Monopole waren noch nie wirklich hilfreich, auch wenn Microsoft uns so eine schöne Zukunft in Aussicht stellt.

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  1. :D lenz nölkel, bekennender apple-fan, beschwert sich, dass im clip von microsoft mit den emotionen der leute gespielt wird. … ICH dachte immer, das kann keiner besser als apple.

    „Microsoft, Google und Konsorten freuen sich über jede Menge Umsatz“ … konsorten klingt so negativ. meinst du mit konsorten zb apple?

    lenz nölkel, wahrscheinlich hast du beim anblick des clips als einziger angst davor, dass microsoft ein monopol errichtet.
    erzähle uns doch mal, mit welchen utensilien du so arbeitest? gehören dazu macbook, ipad air, iphone, icloud und demnächst apple watch. und du hast tatsächlich angst vor einem microsoft-monopol? :D

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