iSkin: Elastische Sensoren machen Haut zur Eingabefläche

(Bild: Oliver Dietze)

Klingelt im Meeting das Smartphone, muss man es oft erst herauskramen, um es stumm zu schalten. Schneller und diskreter wäre es, den Anruf mit kurzem Druck auf den eigenen Finger zu blockieren. Geht nicht? Geht aber vielleicht bald.

Saarbrücker Informatiker forschen daran, den menschlichen Körper als berührungsempfindliche Oberfläche für mobile Geräte einzusetzen. Aus Silikon haben sie elastische, mit Sensoren versehene Sticker entwickelt, die sich an die Haut anschmiegen.

Der Nutzer kann so mobile Geräte direkt über den eigenen Körper steuern, indem er auf den Sticker drückt oder tippt. Das flexible Material ermöglicht es, die Sensoren in verschiedenen Formen und Größen und mit persönlichem Design herzustellen.

Auf der Cebit 2015 präsentieren die Forscher ihr Verfahren „iSkin“. Mit einer Smartwatch kann der Nutzer vom Handgelenk aus seinen digitalen Kalender einsehen oder sogar E-Mails empfangen. Ihre bedienbare Oberfläche ist jedoch starr und klein, sodass es schwierig ist, einzelne Tasten zu treffen. Eine Methode von Saarbrücker Informatikern, entwickelt in Zusammenarbeit mit Forschern von der Carnegie Mellon University in den Vereinigten Staaten, könnte das ändern: Sie haben aus flexiblem Silikon und leitfähigen Elektrosensoren berührungsempfindliche Sticker für die Haut entwickelt.

Diese können wie eine Eingabefläche technische Befehle empfangen, ausführen und so mobile Geräte fernsteuern. Drückt man auf einen Sticker, kann man so, je nach Modell, zum Beispiel einen Anruf annehmen oder die Lautstärke eines Musikspielers regulieren. „Mit den Stickern erweitern wir die interaktive Oberfläche für den Nutzer, da praktisch der ganze Körper als Eingabefläche eingebunden werden kann“, erklärt Martin Weigel, der an der Universität des Saarlandes forscht.

Das Verfahren „iSkin“ soll den menschlichen Körper enger mit der Technikwelt verknüpfen. Zudem kann der Nutzer das Design der Sticker zuvor am Rechner individuell gestalten. „Dafür reicht ein gängiges Grafikprogramm“, sagt Weigel. So hat einer der Sticker die Form von Musiknoten, ein anderer ist rund wie eine Schallplatte. Das Silikon macht die Sensorsticker auch elastisch und verformbar. „So ist es einfacher, sie im Alltag zu benutzen. Den Musikspieler kann man einfach zusammenrollen und einstecken“, erklärt Jürgen Steimle, Leiter der „Embodied Interaction Group“, in der Martin Weigel forscht. „Sie sind außerdem hautfreundlich, da sie mit medizinischem Kleber auf der Haut aufgebracht werden. So kann der Nutzer selbst festlegen, wo er den Sticker haben will und wie lange er ihn tragen möchte.“

Momentan sind die Sticker noch über Kabel an ein Computersystem angeschlossen. In Zukunft könnten sie durch eingebaute Mikrochips auch drahtlos mit anderen mobilen Geräten verknüpft werden.

Bild: Oliver Dietze

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