USB-C – Die branchenübergreifende Revolution? [Kommentar]

Apple Macbook (Bild: Gizmodo)

Computer, Smartphones und Tablets könnten ihn bald alle beherbergen, den USB-C Anschluss. Sollte sich der neue Standard durchsetzen, könnte das Ende für die unterschiedlichsten Ladegeräte besiegelt sein. Doch ist das realistisch? Und verzichtet die Industrie wirklich freiwillig auf ein Zusatzgeschäft mit Dockingstations und Ladegeräten?

Ein Standard, der alles miteinander verbindet und mobile Endgeräte wie auch Computer gleichermaßen laden kann. Er soll USB-C beziehungsweise USB 3.1 heißen und könnte schon bald in vielen Devices zu finden sein. Ich selbst bin gegenüber diesem Schritt der Industrie positiv eingestellt. Doch gleichzeitig bezweifele ich auch, dass bei der Umstellung auf USB-C alles so glatt ablaufen wird.

Apple, das Zugpferd

Wie so oft sorgte Apple für den Tritt in die Gesäße der Medien und Zulieferer. Als die Kult-Schmiede aus Cupertino vergangenen Montag sein neues Macbook vorstellte, wimmelte es im Internet und tags darauf in den Zeitungen nur vor Nachrichten über das fantastische Design des neuen Design-Königs mit Voll-Aluminiumgehäuse. Ich selbst bin freilich nicht ganz abgetan vom neuen Macbook, obgleich wir uns hier in der Redaktion auch einig waren, dass es seitens der Hardware keine wirkliche Kaufempfehlung auszusprechen gibt.

Aber ich schweife ab und möchte gerne zum Punkt kommen. Denn das neue Macbook präsentiert sich nicht nur in einem schicken Design, auch in punkto Anschlüsse will Apple einen neuen Maßstab setzen. Dieser Maßstab, ihr werdet es nicht glauben, nennt sich USB-C und wurde im neuen Macbook neben einem Kopfhörereingang als einzige Schnittstelle verbaut. Abgesehen davon, dass Apple euch den neuen Standard als “all new”- Zukunftskram verkaufen möchte, diente die Reduzierung auf eine Schnittstelle letztendlich nur dazu, das neue Macbook überhaupt so dünn und leicht hervorzaubern zu können.

Doch ein Anschluss, der HDMI-, VGA-, Mini-DisplayPort, USB und das Netzteil in einem Stück vereint, birgt auch Nachteile für den Endverbraucher. Denn wo nur eine Schnittstelle zur Verfügung steht, kann auch nur ein Kabel eingesteckt werden. Für Apple bedeutet das ein lukratives Zusatzgeschäft mit Adaptern für 80 Euro das Stück – gar nicht so günstig und nicht wirklich vorteilhaft für das Design.

In meinen Augen ist das die Crux bei neuen plattformübergreifenden Standards. Denn hier geht Herstellern wie eben Apple auf lange Sicht eine Menge Geld in Hinblick auf das Zubehör flöten. Endverbraucher müssen nicht mehr ständig neue Ladekabel kaufen, hochpreisige Dockingstations müssen nicht mehr alle paar Jahre mit dem neuen Smartphone oder Tablet gleich mit ausgewechselt werden. Beim Macbook klappt das Zusatzgeschäft vielleicht noch mit einem Adapter, auf lange Sicht werden wir aber wahrscheinlich mehr als nur einen USB-C Anschluss bei Computern finden – Google bewies dies bereits bei seinem Chromebook.

MicroUSB war einst der Vorreiter, der einen einheitlichen Standard bei Tablets und Smartphones einläutete. Mit USB-C könnten nun alle, wirklich alle, Smartphones, Tablets und auch Computer mit nur einem Kabel geladen werden. Das bedeutet letztendlich Einbußen beim lukrativen Zubehör-Markt.

Apple setzte nicht als erstes Unternehmen auf USB-C

Wie fast immer war Apple auch bei USB-C nicht der Pionier der Technik. Nokia hatte den neuen Standard schon bei seinem N1 Tablet integriert, Google präsentierte bei seinem aktuellen Chromebook gleich zwei USB-C Schnittstellen. Doch Apple besitzt als größtes Unternehmen der Welt eine unglaubliche Macht am Markt. Wird aus Cupertino etwas neues gezeigt, lassen Zubehörhersteller nicht lange auf sich warten. Apples Ideen gelten als zuverlässiger Wegweiser, als tragendes Pferd auf das man aufspringen will und richtig Geld verdienen kann.

Meiner Meinung nach dürfte USB-C nach der Präsentation des neuen Macbooks also tatsächlich den lange ersehnten Standard für Computer, Tablet und Smartphone besiegeln – unabhängig von Plattform, Hersteller und Device. Ehrlich gesagt freue ich mich sehr auf diese Aussicht.

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Gleichzeitig weiß ich aber auch: Meine Geräte mit MicroUSB-, Lightning-Anschluss und anderen Netzteilen sind dem Zubehör-Tod geweiht, ebenso wie Displays – und inklusive meiner heißgeliebten (und teuren) Dockingstation auf die ich jetzt bestimmt schon dreimal hingewiesen habe. Und auch Apples ehemaliger eigener Standard Thunderbolt wird nicht mehr existieren, beziehungsweise existiert schon jetzt beim neuen Macbook nicht mehr.

Was übrig bleibt, ist auf lange Sicht eine große Ansammlung an Elektroschrott. Doch was soll es, vielleicht müssen wir ein letztes Mal in die Tasche greifen und nur noch einmal Geld für ein vollständiges Zubehör-Ökosystem ausgeben. In Hinblick auf den Schnittstellen-Messias in Form von USB-C würde ich diese bittere Pille schlucken. Doch so richtig vertraue ich dem angekündigten Frieden für die Zukunft noch nicht. Und er wird meiner Meinung auch nicht ewig in unseren Devices zu finden sein, Stichwort: “Next Stop” kabellose Schnittstellen.

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  1. Ich bin kein Experte, aber ich denke nicht, dass Thunderbolt verschwinden wird. Thunderbolt 2 bietet aktuell bis zu 20 Gbits, während USB-C auf USB 3.1 basierend, bis zu 10 Gbits erreicht.
    Ich denke, beide werden weiterentwickelt werden und der Einsatzzweck bestimmt, welche Schnittstelle verwendet wird.

  2. Schließe mich meinem Vorredner an.
    Jedoch sehe ich keine Revolution sondern eine logische Evolution.
    Was ich jedoch befürchte ist, das wie bereits heute, sich manche Hersteller auserhalb der Spezifikation des USB-C Standards bewegen um eine künstliche Inkombatibilität bzw. Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. Dann funktioniert zwar jeder USB Ladeadapter an jedem Gerät, jedoch nur am eigenen kann z.B. das Smartphone in 2 Std. und nicht erst in 4 geladen werden.

  3. Die Reduzierung auf einen einzigen, lausigen Anschluss dient nur einem Zweck, den Kunden auch noch Geld für die ganzen Adapter aus dem Portemonnaie zu ziehen. So einfach ist die Apple-Welt…

  4. Kann mich meinen Vorrednern ebenfalls (mit einer Ausnahme) nur anschließen. USB-C wird sich durchsetzen. Andere Geräte als das MacBook werden mehr als nur eine solche Schnittstelle besitzen – z.B. Tower, Laptops über dem Low-End (denn das neue MacBook ist ja leistungstechnisch auf der Ebene von Tablets und Smartphones, die dementsprechend ja auch nur einen Port benötigen).

    Thunderbolt wird so schnell nicht verschwinden, da wie gesagt Gen 2 ganze 20 GBit/s bietet und Gen 3 (40 GBit/s) bereits in den Startlöchern steht. Außerdem muss jetzt erstmal genug Peripherie auf USB-C umziehen – man wird nich zig tausend Adapter benutzen wollen, sprich die Industrie sollte anfangen, Mäuse, Tastaturen, USB-Sticks, WiFi/Bluetooth-Dongles (ich versteh übrigens nicht, wieso sowas noch immer nicht Standard auf Mainboards ist im Gegensatz zu USB (intern), Audio, Power etc) u.v.m. direkt per USB-C anzubinden. Das wird noch ein wenig dauern.

    Drahtlose Verbindungen werden aber schon ziemlich sicher der nächste Schritt nach USB-C sein, trotzdem glaube ich nicht, dass man sich allein aufs Internet verlassen wollen wird. Man kennt es doch, dieses Gefühl, Daten extern mit sich zu schleppen. Speicherkarten und USB-Sticks. In der Hinsicht bin ich gespannt, wie SSDs sich weiterentwickeln. Werden die neuen M.2-SSDs immer diese schmalen Blades bleiben und immer direkt ans Mainboard angebunden? Sobald optische Laufwerke und 3,5″-Festplatten verschwunden sind, werden Gehäuse nochmal kleiner, ebenso nach dem Verschwinden von 2,5″ Festplatten, die wohl ein bisschen länger bleiben werden als 3,5″-Varianten.

  5. Auch die vernünftige EU- Vorgabe einheitliche Lade-Anschlüsse bei mobilen Geräten zu verwenden, stärkt die Positionen von USB micro und dem Nachfolger USB-C.

    Und damit auch Apple auf Kurs bringen, auch zum Wohle der Verbraucher, diese nicht länger mit überteuerten und nicht vorsätzlich nicht kompatibel gehaltenen Zubehör-Anschlüssen abzuzocken.

    Neue Geräte und Ladegeräte durften dürften USB-C erhalten.
    Und für die älteren Geräte mit USB micro, gibt es bereits hunderte Millionen kompatible Ladegeräte.

    Hersteller-eigene Stecker- Normen, haben meistens nur das Ziel, das spezielle Hersteller-eigenes Zubehör extrem überteuert zu verkaufen.

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