Test: Blue Mo-Fi Kopfhörer [Videotest]

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Die Mo-Fi Kopfhörer von Blue Microphones sind in der Tat etwas Besonderes - auch optisch. Sie wirken wie die Mechanik eines Cyborgs, oder dem Futurismus der 70er entsprungen. Sobald man sie dann auf dem Kopf hat und Musik darüber hört, denkt man sich nur: „Wow, was für ein toller Sound!“ Warum ich die Blue Mo-Fi trotzdem nicht jedem empfehlen kann, erfahrt ihr im Test.

Blue Mo-Fi

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Die extravagenten Kopfhörer Mo-Fi von Blue Microphones

Blue Microphones kennt man hauptsächlich durch ihre – nun ja – Mikrofone. Hier wiederum haben sie sich auf die die richtig guten und auch teuren Mikrofone im Profibereich spezialisiert. So findet man zum Beispiel in Studios oft Geräte von Blue Microphones.

Hier unser ausführliches Testvideo zu den Blue Mo-Fi:

Laut Blue Microphones ist es für Mikrofonhersteller ein naheliegender Schritt, auch Kopfhörer zu fertigen. In Mikrofonen werden Sound-Wellen in elektrische Signale umgewandelt. In Kopfhörern wird genau das gleiche Prinzip einfach umgedreht. Kommt noch hinzu, dass im Kopfhörermarkt die Absatzerwartungen dank unzähliger Smartphone-Besitzer ungleich höher als im Mikrofonmarkt sein dürften.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Ein Kopfhörer muss also her! Bereits Ende 2013 begann Blue Microphones in der Presse seine Blue Mo-Fi zu teasen. Ende August 2014 kam er dann in den USA für 350 Dollar im Handel. Seit dem 19. Februar 2015, also etwa ein halbes Jahr später, kann der Blue Mo-Fi nun auch in Deutschland für eine UVP von 369,99 Euro erworben werden.

Nun gibt es auch ohne Blue Microphones bereits unzählige Kopfhörer auf dem Markt, darunter auch richtig gute. Das scheint Blue Microphones glücklicherweise klar gewesen zu sein. Denn mit den Blue Mo-Fi setzt das Unternehmen alles daran sich von der Konkurrenz abzusetzen. Das fängt beim ungewöhnlichen Design an.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Design & Verarbeitung

Die Blue Mo-Fi Kopfhörer wurden von Grund auf neu designt – was man ihm auch sofort ansieht. Das vielleicht auffälligste Merkmal ist der ungewöhnliche Bügel. Dieser kommt mit vier Scharnieren und einem Federzug, dessen Stärke über ein Stellrad angepasst werden kann. Die hier gezeigte Ingenieursleistung ist für einen Kopfhörer wirklich außergewöhnlich.

Der Bügel besteht überwiegend aus einer Art Gussmetall. Die Kopfauflage schützt ein weicher, durch Kunstleder geschützter Schaumstoff. Die ganze Konstruktion macht einen sehr stabilen Eindruck und verleiht dem Blue Mo-Fi gleichzeitig seine unverwechselbare Optik. Allerdings ist sie auch für meinen größten Kritikpunkt mitverantwortlich, dazu später mehr.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Die Hörmuscheln sind selbst für Over-Ears außergewöhnlich groß. Die Auflagefläche ist weich gepolstert und umschließt schallabweißend das gesamte Ohr. Die Blue Mo-Fi sind halboffen. Das sorgt zum einen für besseren Sound, führt aber auch dazu, dass Musik nach außen dringt. Das könnte dann vor allem in der U-Bahn für genervte Mitfahrer sorgen. In der Praxis dringen jedoch nicht allzu viele Geräusche nach außen.

Auch die Optik der Ohrenteile ist außergewöhnlich. In der Mitte des grauen Plastikrückens in Metalloptik prangt ein gut einen Zentimeter hervorstehender Chromring mit „Blue“-Logo. Dazwischen schwarzen, gefaltetes Gummi. Ein weiteres Scharnier direkt oberhalb der Ohrteile sorgt dafür, dass die Blue Mo-Fi die optimale Position über dem Ohr finden.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Doch diese außergewöhnliche Ingenieursleistung kommt zu einem Preis: Die Mo-Fi sind übermäßig schwer und voluminös. Sie wiegen 466 Gramm und damit deutlich mehr als vergleichbare Over-Ear-Kopfhörer auf dem Markt.

Die Ohrenteile sind derartig groß, dass sie tatsächlich minimal in meinen Sichtbereich ragen, während ich sie trage. Diese Punkte wirken sich auch negativ für alle Kunden aus, die Blue Mo-Fi überwiegen unterwegs nutzen wollen. Die Blue Mo-Fi lassen sich für den Transport nicht zusammenklappen.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Ein zweiter Punkt, der mir an dieser Konstruktion negativ aufstößt: Die Blue Mo-Fi sind deutlich weniger komfortabel als von Blue behauptet. Mittig oberhalb des Bügels befindet sich ein Stellrädchen, um den Bügeldruck auf die Ohren zu justieren.

Eigentlich eine tolle Idee. Allerdings ist der Druck in der lockersten Einstellung immernoch derart heftig, dass ich nach etwa 90 Minuten eine deutliche Verspannung meiner Kiefermuskulatur spürte. Vielleicht bin ich hier auch nur sehr empfindlich. Allerdings würde ich jeden Empfehlen, der mit einem Kauf liebäugelt, die Blue Mo-Fi genau daraufhin bei sich selbst zu testen, bevor die 14-tägige Rückgabezeit abgelaufen ist.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Technik & Sound

An der linken Hörmuschel befindet sich ein microUSB-Port zum Laden der Blue Mo-Fi, und eine Buchse für den 2,5 Millimeter Klinkenstecker. Schön gelöst: Um den Klinken-Port befindet sich ein Ringschalter, über den der hier verbauten Amplifier ein- und ausgeschaltet, sowie ein Extra-Bass-Boost (On+) hinzugefügt werden kann.

Es macht dem Akku nichts aus, wenn man den Amplifier nicht manuell ausschaltet. Die Blue Mo-Fi schalten sich automatisch aus, sobald sie abgenommen werden und die Ohrteile sich berühren. Der Akku soll übrigens für 12 Stunden Musikhören mit eingeschaltetem Amplifierer auf mittlerer Lautstärke sorgen. Auch wenn der Akku leer ist, kann noch Musik gehört werden, nur dann eben ohne den Amplifier.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Schaltet man mit dem Mo-Fi auf den Lauschern den Amplifier an, wird der Sound auf einen Schlag voluminöser, irgendwie voller und ausgeglichener. Dabei muss sich der integrierte Amplifier auch kaum vor externen Lösungen im Mittelklassebereich verstecken.

In dem Blue Mo-Fi ist der Verstärker bereits integriert, was vor allem bei einem für die Ausstattung günstigen Preis von 369,99 Euro zum Verkaufsstart erstaunt. Hier wird nicht das musikalische Rohsignal der Musikquelle abgegriffen. Schließlich kommen die Blue Mo-Fi auch mit einem normalen Klinkenstecker und nicht mit einem USB-Port.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Auch der Bass-Modus, hier schlicht „on+“ genannt, gefällt mir sehr gut. Gerade bei wuchtigen Songs wird noch nochmal eine ordentliche Ladung Bass aufgewuchtet. Erinnert mich ein wenig an die Beats-Reihe, nur dass die Blue Mo-Fi dennoch nicht die mittleren Töne vergessen.

Aber auch mit ausgeschaltetem Amplifier ist der Sound sehr gut. In diesem passiven Modus sollte die Lautstärke am Quellgerät jedoch etwas höher eingestellt werden. Insgesamt klingen die Blue Mo-Fi in allen Modi großartig und kommen für mich persönlich sogar an meine Referenzkopfhörer Bowers & Wilkins P7 (Der Kaiser unter den Kopfhörern) heran.

Blue Mo-Fi (Bild: Gizmodo)

Fazit

Die Blue Mo-Fi überzeugen mit außergewöhnlich gutem Sound! Besonders der integrierte Verstärker hebt den Mo-Fi in Sachen Sound deswegen aus der Mittelklasse in einen deutlich gehoben Bereich. Allerdings erweisen sie sich im Alltag als etwas unpraktisch. Sie sind schwer, drücken stark gegen den Kopf und lassen sich nicht zusammenfalten. Wer die Blue Mo-Fi überwiegend zu Hause nutzt, könnte hier dennoch seine perfekten Kopfhörer gefunden haben.

Allen anderen empfehle ich nach praktischeren Modellen Ausschau zu halten.

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plusToller Sound

plusIntegrierter Amplifier mit Bass-Boost

plusAußergewöhnliche Konstruktion

minusSchwer

minusHoher Druck auf dem Kopf

minusNehmen im Rucksack viel Platz weg

Hier unser ausführliches Testvideo zu den Blue Mo-Fi:

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