LG G Flex 2 – Geschrumpfter Riese im Test

LG G FLex 2 (Bild: Gizmodo)

Das erste LG G Flex war im Grunde nur eine Machbarkeitsstudie. Für den Massenmarkt war es zu groß, zu teuer und mit zu schlechtem Display ausgestattet. Dafür aber gebogen wie kein Smartphone vor ihm. Das LG G Flex 2 ist immer noch krumm. Doch LG hat es an allen entscheidenden Punkten verbessert und macht es damit zu einer echten Kaufempfehlung. Warum das LG G Flex 2 dennoch einen schweren Stand haben wird, erklären wir dir im Test mit Video.

LG G Flex 2

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Krumm ist das Ding immer noch. Zum Glück, verleiht doch der deutliche Schwung dem LG G Flex 2 sein unverwechselbares Äußeres und macht es im Smartphone-Einheitsbrei zu etwas wirklich besonderem.

Hier unser ausführlicher Video-Test zum LG G Flex 2:

Außerdem besonders: Das LG G Flex 2 ist das erste Smartphone auf dem Markt mit Qualcomms Snapdragon 810. Wer nun denkt, dass er dafür ähnlich viel auf dem Tisch legen muss wie damals für das erste LG G Flex nötig war, täuscht sich dankenswerterweise. Das LG G Flex kam damals zu einer UVP von 799 Euro auf dem Markt, das LG G Flex kann ab sofort für 649 Euro bestellt werde. Es wird nicht lange dauern bis dieser Preis nochmal deutlich sinkt.

Verarbeitung

Wie von LG zu erwarten, kommen wieder Rear-Keys zum Einsatz, um das Gerät Ein- Auszuschalten und die Lautstärke zu regeln. Diese fallen im Vergleich zu den Rear-Keys am LG G3 etwas größer aus und besitzen einen weicheren Druckpunkt. Darüber findet man die etwa einen Millimeter heraus stehende Kamera, daneben den Dual-LED-Blitz und den Laserfokus.

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Die Rückseite ist griffig. Das LG G Flex 2 rutscht einem deswegwen so schnell nicht aus der Hand. Die Rückseite kommt wieder mit der vom Vorgänger bekannten Wolverine-Beschichtung, die kleine Kratzer automatisch heilen soll. Diesmal soll dieser Heilungseffekt sogar noch etwas schneller eintreten. Allzu viel sollte man davon jedoch nicht erwarten. Sobald die Kratzer auch nur etwas tiefer sind, heilt nichts mehr.

An den Seiten befinden sich keine Knöpfe, dafür aber ein paar Ports und Sensoren wie der microUSB-Anschluss, der Klinkenanschluss, zwei Mikrofone und eine Infraroteinheit. Die Rückseite lässt sich abnehmen. Darunter verbirgt sich ein Mono-Lautsprecher, ein kombinierter Slot für die SIM-Karte und eine SD-Karte. Der Akku lässt sich nicht ohne Zuhilfenahme eines Schraubenziehers wechseln.

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Die Front des LG G Flex 2 gibt sich minimalistisch. Außer dem Lautsprechergrill zum Telefonieren, einem Näherungssensor und einem LG-Logo am unteren Rand ist er komplett schwarz.

Die Ähnlichkeiten zwischen dem LG G Flex 2 und dem LG G3 sind kaum zu übersehen. Wäre nicht die deutliche Krümmung, könnte man beide problemlos verwechseln. Das ist alles andere als ein Nachteil. Ich begrüße es sogar, wenn ein Unternehmen eine klare Designsprache verfolgt und konsequent in seinen Produkten umsetzt.

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Allerdings wirkt das Design dennoch etwas uninspiriert, fast schon langweilig. Hätte das LG G Flex 2 keine Krümmung, würde ich es designtechnisch in die Mittelklasse verbannen. Das liegt vor allem an dem exzessiven Einsatz von Plastik. Eine vergleichsweise edle Anmutung wie man sie beim HTC One M9 oder dem Galaxy S6 (Edge) bekommt, braucht man hier nicht zu erwarten.

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Wie bereits der Vorgänger, kann auch das LG G Flex 2 sehrt gut mit Druck umgehen – im wahrsten Sinne des Wortes. So soll es kein Problem sein, wenn man sich darauf setzt und es von der Banane zur Flunder biegt. Dank flexibler Komponenten biegt sich das LG G Flex 2 bei Entlastung einfach wieder in seinen Ursprungszustand.

Display

Das Display des Vorgängers war einer seiner größten Kritikpunkte. Es war mit 6 Zoll riesig und löste dennoch nur mit 720p auf. Das Display des LG G Flex 2 ist nun auf 5,5 Zoll geschrumpft, während sich die Auflösung auf 1080p erhöht. Damit kommt das P-OLED auf eine Pixeldichte von ordentlichen 403 ppi. OLED-typisch sind die Schwarzwerte enorm und die Farben knackig. Es ist ausreichend hell, um es auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch ablesen zu können. Insgesamt macht es einen ganz hervorragenden Eindruck.

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Das Display macht besonders viel Spaß, wenn man sich farbenfrohe und hochauflösende Videoclips anschaut. Aber auch das simple Scrollen in Webseiten macht mir mehr Spaß als an anderen Geräten. Dank des gekrümmten Displays wirken die platten Seiten fast schon plastisch.

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Sound

Der Mono-Lautsprecher befindet sich hinter einem Schlitz auf der Rückseite dses Geräts. Er erinnert von seiner Bauart stark an den Lautsprecher im LG G3, der eine eher mittelmäßige Sound-Qualität aufweist. Nicht so beim LG G Flex 2. Der hier verbaute Lautsprecher klingt deutlich besser als der im LG G3. Richtig gut ist er damit aber immer noch nicht. Garnicht gefallen hat mir dir Postionierung. Während des Tests verdeckt vor allem im Landscape-Modus ich mehrere Male versehendlich dem Lautsprecher mit der Hand.

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Akku

Meine ursprünglichen Erwartungen an die Akkulaufzeit waren recht hoch. Schließlich handelt es sich um ein Gerät mit „nur“ 5,5 Zoll und Full-HD, befeuert von einem großen 3.000 mAh Akku. In der Praxis erreichte das LG G Flex 2 dann einen guten Wert, ohne uns jedoch vom Hocker zu reißen.

Bei unserem Youtube-Test in dem wir ein Video in 1080p über WLAN auf halber Bildschirmhelligkeit abspielen hielt das Flex 2 6:30 Stunden durch. Das ist fast exakt genauso lange wie das LG G3 durchgehalten hat und damit ein guter, wenn auch nicht überragender Wert. Das LG G Flex der ersten Generation hielt deutlich länger durch.

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Toll hingegen ist, dass LG nun zum ersten Mal Qualcomms Quick-Charging Option nutzt. In unserem Test lud das krumme Ding mit dem mitgeliefertem Ladeteil in 60 Minuten stolze 73 Prozent des Akkus auf.

Hardware

Das LG G Flex 2 ist das erste Smartphone mit dem neuen Qualcomm Flaggschiff-Prozessor Snapdragon 810  auf dem Markt. Damit kommt LG dem HTC One M9 zuvor, welches in den nächsten Tagen ausgeliefert werden soll. Wir haben die deutsche Version mit 2 GByte RAM und 16 GByte erweiterbarem Speicher vorliegen.

Im Antutu Benchmark erreichte das LG G Flex 2 beim ersten Test etwa 55.000 Punkte, beim zweiten Test etwa 53.000 Punkte und beim dritten Test etwa 54.000 Punkte. Kollegen ermittelten während des MWC auf dem HTC One M9 (810 / 3 GByte RAM) etwa 58.000 Punkte.

Einge vermuten nun, dass der Prozessor im Flex 2 im Gegensatz zum gleichen Prozessor im HTC One M9 auf dem MWC etwas herunter geregelt wurde, um einer übermäßigen Hitzentwicklung entgegen zu wirken. Genau das wird nämlich bei ersten Tests des HTC One M9 bemängelt. Es soll sich beim GFXBench Grafiktest auf der Rückseite auf über 50 Grad Celsius erhitzen. Die Hitzeentwicklung beim 20-minütigen GFXBench Grafiktest mit dem LG G Flex hielt sich in Grenzen. Es fühlte sich auch direkt danach auf der Rückseite zwar warm an, aber keinesfalls heiß.

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Die Hardware-Power, die der 64-bit Octa-Core Snapdragon 810 ohne Zweifel mitbringt, überträgt sich nicht komplett auf die Alltagsnutzung. Das scheint dann wohl ein LG-Problem zu sein. Denn auch beim LG G3 kam es immer wieder zu Rucklern, die so gar nicht zur potenten Hardware passen wollten. Immerhin sind die Ruckler und Verzögerungen beim LG G Flex 2 deutlich geringer als es noch beim LG G3 war.

Natürlich ist das mal wieder ein Gejammer auf allerhöchsten Niveau. Denn innerhalb von Apps läuft alles butterweich – egal ob Games, Browser, Fotos und so weiter. Nur beim Surfen in den Untermenüs von Android sowie beim Wechseln zwischen verschiedenen Apps kommt es zu Verzögerungen.

Software

Die LG Optimus UI spaltet die Gemüter. Den einen ist sie immer noch zu bunt, andere nehmen Anstoß an den Animationen oder der eingewilligten Sortierung im Einstellungsmenü. Ich persönlich finde sie recht gelungen. Worüber man nicht streiten braucht: Wahrscheinlich trägt die Optimus UI Schuld an der immer noch nicht optimalen Performance.

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Unglaublich nützlich finde ich nach wie vor LGs Knock-On, aber vor allem den Knock-Code. Das Entsperren durch das Abklopfen eines Musters auf dem unbeleuchteten Display funktioniert einfach derartig gut, dass ich das System in Bezug auf Bequemlichkeit fast schon auf Level mit Fingerabdruck-Scannern sehe. Auch schön: Streicht man auf dem Display des gesperrten Geräts von oben nach unten erscheint am oberen Rand die Uhrzeit.

Kamera

LG verbaut hier eine 13 Megapixelkamera mit optischem Bildstabilisator, dem vom G3 bekannten Laserfokus sowie eine Dual-LED. Die mit dem LG G Flex 2 geschossenen Bilder sind erstaunlich gut. Besonders die Performance bei widrigen Lichtverhältnissen ist überdurchschnittlich. Mir ist jedoch negativ aufgefallen, dass der Fokus bei sehr nahen Objekten etwas mürrisch reagiert und lieber den Hintergrund scharf stellt. Ansonsten ist der Laser-Fokus wie schon vom G3 gewohnt flott. Hier findest du ein paar mit der Kamera geschossene Bilder.

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Bezüglich der Kamera-Optionen hat sich im Vergleich zum LG G3 nicht viel verändert. Wieder kann man per Sprachbefehl oder Geste auslösen, bei gedrücktem Auslöser viele Bilder hintereinander machen, ein Dual-Kamera und einen Zeitlupenmodus nutzen. Wie gehabt: Wenn das LG G Flex 2 im Stand-By-Mode befindet lässt sich die Kamera aktivieren, indem man lange dem Volume-Down Button drückt. Auch wie immer und immer noch toll: drückt man im Kameramodus die Optionen weg, löst man durch das Drücken auf eine beliebige Stelle des Displays aus.

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Fazit

Das Ding ist krumm! Ob man das nun mag, oder nicht, muss jeder selbst wissen. Entscheidende Vorteile gewinnt man der Krümmung jedenfalls nicht ab. Ich mag sie dennoch. Sie macht das LG G Flex 2 zu etwas wirklich Besonderem. Es würde sonst im Design-Mittelmaß untergehen. Denn – wohl der Krümmung und der damit einhergehenden leichten Flexibilität geschuldet – das LG G Flex 2 besteht fast vollständig aus Plastik.

Trotzdem könnte das LG G Flex 2 wohl besonders für jene interessant sein, die schon beim Flex der ersten Generation mit dem Gedanken an einen Kauf spielten und ihn aus verständlichen Gründen wieder verwarfen. Dann LG macht im Vergleich zum Vorgänger hier vieles besser. Das G Flex 2 kommt mit tollem Display, handlicher Größe, schnellem Prozessor, einem microSD-Kartenslot und zu einem akzeptablen Anfangspreis von 649 Euro, der wohl bald deutlich sinken dürfte. Lediglich die Akkulaufzeit ist beim LG G Flex 2 im Vergleich zum Vorgänger etwas geringer, aber immer noch gut.

Richtig meckern kann man eigentlich nur bei dem gefühlten Ungleichgewicht zwischen Over-the-Top Hardware und Solala-Android-Performance. Trotzdem ist das LG G Flex 2 – zumindest für kurze Zeit – das schnellste Smartphone auf dem Markt

Hier kommen wir aber auch schon zum größten Problem des LG G Flex 2. Es stehen mit dem HTC One M9 und Samsung S6 (Edge) zwei echte Smartphone-Kracher in den Startlöchern, die das LG G Flex 2 in vielen Disziplinen überholen werden. Sogar aus den eigenen Reihen wird in Form des LG G4 bald Konkurrenz auf das LG G Flex 2 zukommen.

Deswegen denke ich auch, dass sich die Absatzzahlen in Grenzen halten werden. Wer auf krumme Dinger steht, solle sich das LG G Flex 2 dennoch genauer anschauen. Denn es ist das erste Smartphone einer neuen Prozessorgeneration und in allen Belangen gut.

LG G FLex 2 (Bild: Gizmodo)

Pro / Con

plusDas erste Gerät mit Snapdragon 810

plusSehr schönes Display

plusGute Kamera

plusOptisch spannende Krümmung…

minus… ohne wirklichen Mehrwert

minusUninspiriertes Design

minusMicro-Lags trotz Top-Hardware

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