Diesen faltbaren Fahrradhelm wirst du nie liegen lassen

(Foto: Closca)

Sicherheit sollte beim Fahrradfahren eigentlich an erster Stelle stehen. Also: Immer Helm auf! Manchmal aber nervt das große, unpraktische Teil. Wäre also doch praktisch, wenn man seinen Fahrradhelm in die Tasche stecken könnte, wenn man ihn nicht braucht!

Ein faltbarer Fahrradhelm ist keine radikal neue Idee. Aber einen Helm zu entwerfen, der gleichzeitig einfach zu benutzen und sicher ist, ist eine Herausforderung. Wie es scheint, hat der Fahrradhelm Fuga diese Herausforderung bestanden.

Der Helm besteht aus drei runden Komponenten, die sich ineinander falten lassen. So schrumpft der Helm auf eine Größe, die in jede Tasche passen sollte. Laut dem Hersteller Closca hat der Helm Zertifizierungsprozesse in Europa, Kanada und den USA bestanden. Eine Kombination aus Polystyrol und Polycarbonat soll für Sicherheit und Stabilität sorgen.

Für rund 72 Euro kann der Helm in drei Größen vorbestellt werden, noch im Frühjahr soll er dann an seine künftigen Träger verschickt werden. Bis dahin sollte auch das Wetter endlich etwas outdoor-tauglicher sein!

Tags :Quellen:CloscaVia:gizmodo.com
  1. Fahrradfahren mit Helm ist nicht sicherer. Eine Studie hat gezeigt, dass Autofahrer weniger seitlichen Abstand beim überholen halten, wenn man einen Fahrradhelm trägt. Kombiniert man das mit der Tatsache, dass die Hälfte der schweren Unfälle durch sich öffnende Autotüren entsteht, ist gerade das Abdrängen nach rechts durch Autofahrer, die das Rechtsfahrgebot missverstehen, gefährlich. Helme helfen da auch nur bedingt und schützen z.b. nicht vor den vielen schweren Verletzungen am Bewegungsapparat. Rein physikalisch kommt noch dazu, dass sich durch einen Helm der Schwerpunkt des Körpers zum Nachteil bei einem Überschlag verändert – wenn auch nur minimal, aber bei Unfällen geht es auch häufig um Millimeter. Letzter Aspekt: Fahrradfahren ist vor allem dann sicher, wenn es viele Menschen tun (safety in numbers). Angst vorm Fahrradfahren ohne Helm zu schüren verringert eher die Anzahl (deshalb ist einr Helmpflicht das Dümmste, was man machen könnte).
    Sorry für die lange Ausführung, zurück zu Gadgets

    1. Ich arbeite in der Radiologie, Röntgenbilder zeigen deutliche! Unterschiede bei Kopfverletzungen von Radfahrern, mit Helm sind die weit weniger oft kritisch. Aber jeder wie er es braucht, bei manchen schützen Ellenbogenprotectoren die wichtigeren Körperteile.

    2. „Angst vorm Fahrradfahren ohne Helm zu schüren verringert eher die Anzahl (deshalb ist einr Helmpflicht das Dümmste, was man machen könnte).“

      Hat man ja in Australien gesehen: nach der Einführung der Helmpflicht ging die Anzahl der kopfverletzten Radfahrer zurück. Dummerweise in *deutlich geringerem Maße* als die Anzahl der Radfahrer insgesamt. Für die, die weiterhin mit dem Rad gefahren sind, ist also das individuelle Kopfverletzungs-Risiko gestiegen.

      Eine interessante Untersuchung gab es in einer kanadischen Provinz, in der eine Helmpflicht eingeführt wurde. Normalerweise würde man ja erwarten, dass für den Fall, dass ein Fahrradhelm in signifikantem Maße vor Kopfverletzungen schützt (die Ergebnisse der Schweizer Unfallversicherer SUVA an Skihelmen, die grundsätzlich deutlich robuster sind als Fahrradhelme, waren einigermaßen erschreckend: bei geringen Geschwindigkeiten bringen sie wenig, bei Geschwindigkeiten ab 25-30 km/h bringen sie nichts mehr. Wenn man weiß, welche Anforderungen Helme erfüllen müssen, um zugelassen zu werden; wenn man weiß, wie Helme geprüft werden, wundert einen das nicht besonders), der *Anteil* der von Radfahrern erlittenen Kopfverletzungen an allen von Radfahrern erlittenen Verletzungen (dass ein Helm Beinbrüche verhindert, wird wohl außer Thompson/Rivara/Thompson, die diesen Umstand ja auch nicht besonders hervorgehoben haben, niemand behaupten) durch Einführung einer Helmpflicht zurückgeht. Und durch die Normierung auf alle von Radfahrern erlittene Verletzungen hätte man in erster Näherung auch Effekte erschlagen, die durch unterschiedliche Radverkehrsstärken in den Vergleichszeiträumen zustande kommen.
      Das Ergebnis war erstaunlich: durch die Einführung einer Helmpflicht (die auch überwiegend eingehalten wurde) hat sich am Anteil der Kopfverletzungen an allen von Radfahrern erlittenen Verletzungen überhaupt nichts geändert.

  2. Klar kann man nicht mit Ritterrüstung Fahrradfahren. Allerdings sind die schwersten Verletzungen Kopfverletzungen. Mit einem amputierten Bein kannst du sehr wohl noch weiterleben. Von daher sind Helme sehr wohl sinnvoll ;)

  3. Radfahren ist nicht gefährlicher als andere Beschäftigungen. Es ist der Gesundheit sogar zuträglich. Zudem gibt es keinen Beleg, dass Helme positive Auswirkungen auf den Verlauf von Unfällen haben. Die Unfallstatistiken müssten die steigende Helmtragequote ja anderenfalls irgendwie widerspiegeln.

    Und gesetzt den Fall, Helme sind für mehr gut, als den Aufprall von Steinen oder Pferdehufen abzumildern (wofür wie gesagt ein Nachweis fehlt): Warum werden sie dann im Straßenverkehr nur Zweiradfahrern empfohlen? Die meisten Kopfverletzungen sind nicht beim Rad- oder Motorradfahren zu verzeichnen, sondern bei Autofahrern.

    Empfehlt doch lieber Schwimmwesten für Badende. Die helfen nachweislich gegen Ertrinken, und in Deutschland sterben etwa so viele Menschen beim Baden wie beim Radfahren.

  4. Erinnert ihr euch an die Sicherheitsgurt-Debatten? Heute weiß jeder, dass der Gurt schützt, genauso wie jeder weiß, dass ein Kopfschutz beim Radeln schützt. Heute ohne Gurt Autofahren ist genauso dumm wie ohne Helm radeln – so einfach ist das.

    1. „Erinnert ihr euch an die Sicherheitsgurt-Debatten?“

      Ja. Und der Nutzen des Sicherheitsgurtes ist *belegbar*. Das unterscheidet ihn vom Nutzen des Fahrradhelmes, der wird nämlich nur *behauptet*.
      Sämtliche Versuche – die es ja durchaus gab, und die von interessierter Seite immer wieder vorangetrieben werden -, die Schutzwirkung von Fahrradhelmen zu belegen, sind gescheitert. Es gibt keine einzige Studie, die eine Schutzwirkung nahelegt – und dabei zumindest von groben methodischen Mängeln frei ist.
      Am häufigsten zitiert wird immer noch Thompson/Rivara/Thompson. Die Nasen kamen zum Ergebnis, Fahrradhelme würden „bis zu 85 % der schweren Kopfverletzungen verhindern“ können. Interessanterweise kommt man mit der gleichen Methodik (grob gesagt: man hat in Krankenhäusern nachgezählt und ermittelt, ob die Radfahrer mit schweren Kopfverletzungen einen Helm trugen oder nicht. Verzichtet hat man auf einen Realitätsabgleich der Daten. Wenn 15 % der kopfverletzten Radfahrer im Krankenhaus bei ihrem Unfall einen Helm getragen haben, lässt sich daraus eben nicht schließen, dass dieser die Verletzungen der anderen 85 % verhindert hätte. Und wenn 15 % der kopfverletzten Radfahrer im Krankenhaus bei ihrem Unfall einen Helm getragen haben, damals aber weniger als 5 % der in der Realität anzutreffenden Radfahrer mit Helm unterwegs waren, deutet das sogar auf das Gegenteil einer Schutzwirkung hin) und den gleichen zugrunde liegenden Daten auch zum Ergebnis, dass Fahrradhelme 2/3 aller Beinbrüche verhindern könnten. Erstaunlich, oder?
      Die UDV (Unfallforschung der Versicherer) kam im letzten Jahr erstaunlichen Ergebnissen: viel zu wenige Fälle, etwas Zahlenvoodoo, und schon sieht man, dass der Helm schützt. Okay, man sieht auch, dass Gesichtsverletzungen bei Nicht-Helmträgern eher in der linken Gesichtshälfte und bei Helmträgern eher in der rechten auftreten, aber das wird wohl wieder mit Magie zu tun haben – anders ist das nicht zu erklären (okay, ich gebe zu, dass es eine andere Erklärung gibt: die untersuchten Fallzahlen sind dermaßen jenseits von Gut und Böse, dass die angebliche Studie in die Tonne gehört! Aus den paar untersuchten Unfällen lassen sich schlichtweg keine sinnvollen Schlüsse ziehen).
      Aber Rettung naht: der Verkehrtminister von BaWü hat beschlossen, etwas für die Wissenschaft zu tun, und eine Studie beauftragt. Dummerweise stand in der Ausschreibung schon, was als Ergebnis herauszukommen hat: nämlich ein „Beleg“ für die Behauptung, Helme würden schützen.

      Ein paar seriöse Studien gibt es auch, eine sogar aus Deutschland (Möllmann, Uniklinik Münster). Dummerweise kommen die alle zum Ergebnis, dass sich die behauptete Schutzwirkung nicht belegen lässt.

      Deshalb ziehen sich die Helm-Befürworter ja auch immer auf Pseudo-Argumente wie „das weiß doch jeder, so einfach ist das!“ zurück.

  5. Nochmal etwas zum vorgestellten Produkt: Es gibt ja durchaus Helme, denen eine gewisse Schutzwirkung (die allerdings auch immer wieder überschätzt wird) nicht abgesprochen werden kann – gemeint sind die vor allem von Motorradfahrern genutzten Integralhelme.
    Diese sind auf dem Fahrrad aber in den meisten Situationen (Ausnahme: Downhill, wenn Rad und Fahrer per Seilbahn o.ä. auf den Berg transportiert werden) nicht sinnvoll verwendbar, da bei körperlicher Bewegung (unter anderem *deshalb* fährt man ja mit dem Rad) einiges an Abwärme abzuführen ist. Hierbei ist, wenn man schon ein Styropor-Mützchen tragen möchte, eine gute Belüftung des Kopfes erforderlich.

    Und jetzt schauen wir uns mal den hier vorgestellten „Helm“ an. Lüftungsschlitze, anyone?
    Für Nutzer von Elektro-Mofas („S-Pedelcs“, „E-Bikes“) mag das ja taugen, aber für jemanden, dessen Rad körperliche Bewegung in Vortrieb umwandelt?

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