Die Apple Watch als mediale Lachnummer und warum kein anderer Hersteller Ideen hat [Kommentar]

(Bild: Apple)

Seit heute morgen 9 Uhr kann die Apple Watch vorbestellt werden. Grund genug, um Apple als erfolgreichstes Unternehmen weltweit einmal mehr am Halsband durch die Manege zu führen. Doch was treiben eigentlich andere Hersteller bei der Entwicklung des vielversprechenden Wearables?

Nicht immer kann ich Apples Verhalten unterstützen. Erst vor drei Wochen habe ich mich über die Preispolitik zur Apple Watch geärgert und Apple das Vergraulen seines alten Kundenstammes unterstellt. 543 der insgesamt 1505 befragten Leser auf Gizmodo teilen mit mir diese Verärgerung.

Doch was soll es, vielleicht spricht ein Stück weit auch der Neid aus mir, dass Apple ein und dasselbe Produkt für 399 Euro in der low-budget Version und für 11.000 Euro und mehr für besser Betuchte verkauft. Vielmehr beschäftigt mich in den letzten Tagen die Art und Weise wie andere Hersteller versuchen sich auf Kosten von Apple lustig zu machen.

Schneidet sich Netflix mit dieser Werbung ins eigene Fleisch?

Apple müssen diese Parodien nicht stören, sie sind das seit Jahren gewohnt, die Produkte aus Cupertino verkaufen sich noch immer wie geschnitten Brot – obwohl die große Innovation ausbleibt. Auch heute, am Tag der Vorbestellungen zur Apple Watch, lief alles wie gewohnt. Apples neuestes Produkt wird bis Sommer ausverkauft sein, der Absatz boomt gewaltig. Lediglich die Schlangen vor den Stores blieben heute aus, das hatte aber ganz andere Gründe.

Gut 60 Prozent der Apple Watch-Interessierten auf Gizmodo würden sich das neue Wearable zulegen. Trotz sehr geringer Akkulaufzeit und fragwürdigem Funktionsumfang eine beachtlich große Zahl. Und auch die internationale Presse scheint von der Apple Watch begeistert zu sein.

 

„[…] das anspruchsvollste Wearable, das es gibt.“

 

Die US-Ausgabe unserer Partnerseite CNET war von der Apple Watch so begeistert, dass sie diese als Krone der Cook’schen Schöpfung beschrieb. Oder einfacher ausgedrückt: Als ultimative Fernbedienung für sämtliche Apple Produkte.

Apple fehlt der Spirit und das stört die Menschen

Wie immer hat Apple also alles richtig gemacht. Die Fans sind begeistert, das neue Produkt ist ausverkauft, die Presse erfreut sich an einem hochwertigem neuen Spielzeug. Warum sich also lustig machen? Ich glaube weniger, dass es hier um Neid oder gar einem technologischen „David gegen Goliath“ geht. Vielmehr wird Apple auch noch acht Jahre nach dem iPhone als großer Innovations-Treiber gefeiert, als Triebwerk für fantastische Produkte.

Doch betrachten wir den Smartphone-Markt, dann bleibt diese Innovation aus. Apple zaubert kein neues „the next big thing“ hervor und auch der Konkurrenz bleiben die Ideen aus. Smartphones werden weiterentwickelt, verbessert und das Design optimiert – keine Innovation.

Quo vadis Smartwatch?

Das Gleiche erleben wir im Moment auch bei den noch recht jungen Wearables. Wo bleibt hier die Innovation? Wissen Konsumenten und Hersteller überhaupt was eine Smartwatch alles können soll? Vielmehr wird meiner Meinung nach doch einem gewissen Trend gefolgt, es wird produziert weil es „in“ ist. Was der User eigentlich genau will, das weiß keiner.

Eigentlich entwickelt sich der Wearable-Markt also nicht weiter. Viele unserer Kollegen und einige Hersteller drückten uns gegenüber ihre Unzufriedenheit mit Android Wear aus. Hier lautet das Credo: Das Betriebssystem ist schlicht und einfach nicht ausgereift für Armbanduhren. Es mangelt also sowohl an den Ideen für vernünftige Features als auch an einem Betriebssystem als Grundlage. Auf diesem Boden können in meinen Augen überhaupt keine Innovation heranwachsen.

Soll die Smartwatch der Computer am Handgelenk werden?

Stattdessen wird Apple von allen Seiten mit erhobenen Zeigefinger ausgelacht. Aber sehen wir uns die Fakten an: Wer hat sein Betriebssystem so optimiert, dass es alle Features optimal auf einer Uhr anzeigen kann? – Apple. Wer hat es geschafft Bezahldienste, Messaging, Sprachassistenten und Apps vielversprechend in eine Smartwatch zu integrieren? – Auch Apple.

Die neue digitale Krone der Apple Watch dürfte viele Nachahmer finden, da Apple hier tatsächlich die Menüführung des Mini-Bildschirms am Handgelenk optimiert hat. Dank Apples Marktmacht dürften auch App-Anbieter nicht lange auf sich warten und in das neue Boot aus Cupertino aufspringen.

Ich lehne mich deshalb aus dem Fenster und behaupte: Apple hat es immerhin geschafft eine Teil-Innovation mit der Apple Watch zu kreieren – und das bei einer Technologie von der kein Hersteller überhaupt die leiseste Ahnung hat ob und wie sie Konsumenten in den kommenden Jahren begleiten soll.

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  1. In der Tat ist der Smartphone Markt bereits gesättigt, weshalb der Smartwatch Markt erfunden wurde. Und auch hier passiert nüchtern gesehen nichts neues. Man bindet sich ein slave Device um das Handgelenk damit man „wertvolle Sekunden“ sparen kann. Ach der Pulsmesser ist natürlich eine Innovation… wie konnte man vorher ohne überleben? Sind ja alles Leistungssportler welche sich eine Smartwatch leisten. Innovativ wäre eine Art Armband welches ein Rundum Volldisplay (d.h. gebogen) und allen Funktionen des Smartphones sowie der Smartwatches enthällt. Idealerweise mit echter Holographie und/oder ausziebarem Display. Zum Telefonieren lediglich nur noch ein Headset nehmen und perfekt wäre es. Vorbei die Zeit in welcher man mit einem 5 Zoll Ziegelstein im Gepäck durch die Gegend rennen müsste. Das wäre Innovativ. Aber leider wohl nur Zukunftsmusik.

        1. Kommt ganz darauf an, was man will. Einige wollen eine eigenständige Uhr, andere wollen sie nur als Erweiterung. Jeder so, wie er es mag, hat ja auch niemand etwas dagegen, also ich zumindest nicht. :-)

  2. Ich verstehe nicht warum man sich hier über die Preispolitik aufregt. Soweit ich verstanden habe kann die 399€ Uhr doch das selbe wie die für 11000 oder 18000€… Oder gibt es technische Unterschiede?

    Audi ist doch auch nicht scheiße, nur weil sich nicht jeder n RS6 leisten kann…
    Und da gibt es technische Unterschiede zu nem a1 eco in der Basic Ausstattung …

  3. Nur „399 Euro in der low-budget Version“?

    Und wie viel % davon ist für den irationellen Logo- Hype, und wie wenig für Funktionalität?

  4. Wieso bleiben der Konkurrenz die Ideen aus?
    Ich würde mal sagen, dass die Google Entwickler nur ganz andere Ideen hatten als die Apple Entwickler (und so manche Redakteure).
    Android Wear will halt nicht nur die Funktionalität eines Smartphones 1:1 auf die Uhr übertragen, sondern versucht eine sinnvolle Ergänzung zu diesem darzustellen (in den relativ engen Grenzen in denen das möglich ist). Daher rücken Apps auf Android Wear auch eher in den Hintergrund. Interaktion ist mit eine Wearable halt von der Usability total gruselig, da hilft auch keine digitale Krone, das wird sich auch nie ändern, daher ist m.E. der Ansatz von Google, die wichtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt darzustellen, zwar sehr ambitioniert, aber m.E. interessanter als der App zentrierte Ansatz von Apple. Android Wear wurde halt auch nicht nur in Hinblick auf eine Uhr entwickelt, sondern für wearables allgemein, vor allem auch Google Glass.

  5. Ich bin mit meiner LG g watch, welche ich für unter 100€ erstanden habe mehr als zufrieden.
    Ich verstehe nicht, wer 399€ für eine Smartwatch mit 18h Akkulaufzeit ausgibt.

    Interessierte vielleicht mal Smartwatches mit Android wear anschauen. Diese bekommen bald ios Unterstützung.

  6. Ich halte es für wichtig, wenn hier gesagt wird, dass niemand weiß, was der Kunde will. So isses. Die vielen disruptiven Innovationen auf der einen und die vielen gesättigten Märkte auf der anderen Seite führen beim Kunden zu absoluten Ratlosigkeit. In deren Köpfen lautet die fortdauernde Frage:“Is this the next big thing? „. Am Ende ist Nichts neu genug.

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