Xenoblade Chronicles 3D: Der RPG-Überflieger für New 3DS im Test

(Bildmaterial: Nintendo)

Am 2. April erschien mit Xenoblade Chronicles 3D, dem Remake des vielfach gelobten Wii-Originals, der erste New 3DS-exklusive Titel im Handel. Wir haben das mystische Schwert Monado ergriffen und verraten euch, ob sich das gigantische JRPG auch auf dem kleinen Bildschirm zur Gänze entfalten kann.

Xenoblade Chronicles 3D im Test

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Xenoblade Chronicles 3D im Test
Eine der sinnvollsten Änderungen zum Original stellen die auf den unteren Bildschirm gewanderten Anzeigen dar. So bleibt auch auf dem Handheld alles übersichtlich.

Ja, ich gestehe es, Xenoblade Chronicles zählt zu den absoluten Spitzenreitern unter den Favoriten auf meiner langen Spieleliste. Aus gutem Grund: Trotz selbst für damalige Wii-Verhältnisse im Jahr 2011 nicht ganz zeitgemäßer Grafik bescherte Monolith Soft (Xenosaga, Baten Kaitos) Nintendos Fuchtelkonsole gegen Ende ihrer Laufzeit ein regelrechtes Meisterwerk. Das RPG wusste durch seinen eingängigen orchestralen Soundtrack, seine kreative und mit vielen Wendungen versehene Storyline, sein gelungenes Echtzeit-Kampfsystem und seinen Tiefgang in Sachen Ausrüstungs-System und Charakter-Beziehungen zu überzeugen. Nun kommt das pompöse Spiel auf den Handheld – und es hat kaum an seiner Faszination verloren.

Die Story: Klassischer Anfang, unerwarteter Verlauf

Die Geschichte um Xenoblade Chronicles beginnt vor langer Zeit: Zwei Titanen, Bionis und Mechonis bekämpfen sich bis aufs Blut. Jahre später entsteht auf ihren leblos zurück gebliebenen Körpern Leben – je nach dem Abbild ihres Schöpfers. Doch das verfeindete Erbe wurde bis zu den Homs, Nopon und Hochentia, sowie Mechon und Machina genannten Bewohnern der beiden Titanen weitergegeben.

(Bild: Nintendo)

Die riesige Spielwelt von Xenoblade Chronicles befindet sich auf den leblosen Körpern zweier Titanen.

So kommt es, dass der Heimatort des Titelhelden Shulk eines Tages von Maschinen angegriffen wird. Im Zuge des Gefechts wird Shulks langjährige Freundin und zaghafte Schwärmerei Fiora von den Mechon getötet. Schließlich ergreift der Held das legendäre Schwert namens Monadeo, welches einst Bionis im Kampf gegen Mechonis geführt haben soll und sucht Vergeltung für den Tod seiner Freundin. Was als simpler Rachefeldzug mit schon oft gesehenen JRPG-Klischees startet, entwickelt sich schnell zur Entdeckung der Entstehungsgeschichte einer ganzen Welt – überraschende Wendungen inklusive. Dabei ist besagtes Schwert nicht einfach nur eine Waffe, es spielt eine ganz zentrale Rolle der Handlung.

Spielspaß für mehrere Hundert Stunden

Ja, ich bin ein gieriger Spieler. Titel, deren Ende ich nach unter 20 Stunden bereits gesehen habe, locken mich nur noch selten hinter dem Sofa hervor. Gerade deswegen war und bin ich von Xenoblade Chronicles 3D und dem Original so begeistert. Seinerzeit verbrachte ich annähernd 300 Stunden vor dem Bildschirm, bevor ich die Credits (in diesem Fall tatsächlich) gelesen habe. Denn an Umfang können nur wenige in sich geschlossene Spiele dem Monolith Soft-Titel das Wasser reichen. Grund dafür ist zunächst die riesige Spielwelt, die sich über wahrhaft kolossalen Körper der Titanen erstreckt, ganz getreu dem Motto: “If you can see it, you can get there.” Sie lädt oftmals einfach zum Entdecken ein, ohne unbedingt ein spezielles Ziel zu verfolgen. Nicht unschuldig sind die unzähligen Quests, welche von einfallslosen “sammle 2x Item A” oder “töte Ungeheuer B” über liebevolle Kurzgeschichten der Nebencharaktere bis hin zum Aufbau einer ganzen Kolonie reichen,  derer Zahl ihr kaum Herr werdet. Daneben gilt es ein “Kollektikon” genanntes Album aller Sammelitems zu vervollständigen oder die Harmonie unter den Hauptcharakteren und Stadtbewohnern zu maximieren. Wer Xenoblade Chronicles 3D wirklich komplettieren möchte, muss eine Menge Zeit investieren.

(Bild: Nintendo)

Der Aufbau von Kolonie 6 ist ein schier endloses Unterfangen und kostet Geld und viele Ressourcen.

Daneben verfügen ein Echtzeit-Kampfsystem, sowie die Möglichkeiten, die perfekte Ausrüstung zu sammeln und mit selbst schmiedbaren, unterschiedliche Stats beeinflussenden Juwelen zu besetzen, über genügend Tiefgang, der dem Rest des Spieles würdig ist. Kämpfe können jederzeit nahtlos im Spielverlauf von der Welt aus begonnen werden. Dabei greifen die maximal drei aktiven Teammitglieder ohne Zutun automatisch das Ziel an. Dies sorgt in der Regel dafür, dass sich eine Spezialanzeige füllt, wodurch eine besondere Technik ausgeführt werden kann. Daneben gibt es zahlreiche Techniken, die mit dem Steuerkreuz ausgewählt werden, während ihr euch mit dem CirclePad bewegt. Diese können je nach Position zum Gegner oder unter anderen Umständen Spezialeffekte auslösen, welche wiederum drei Teile der Harmonieleiste am linken oberen Bildschirmrand füllen. Bevor eine Technik wieder eingesetzt werden kann, muss eine gewisse Zeit abgewartet werden.

Landet einer eurer Mitstreiter einen kritischen Treffer oder verfehlt Gegner wie “Oylen” oder “Krabbel”, müsst ihr im richtigen Moment “B” drücken, um ihm zuzujubeln oder zu trösten, denn auch diese Aktionen füllen die Harmonieleiste. Sobald diese voll ist, können sogenannte Kettenangriffe gestartet werden, bei welchen ihr während die Zeit stehen bleibt, nacheinander die Kontrolle über jedes Teammitglied übernehmt und eine seiner Techniken auswählt. Ist das Verhältnis der Charaktere untereinander gut, steigt die Chance, die Kette um einen Angriff zu erweitern. Außerdem können mutlose (und damit schwächere) Teammitglieder unter Verbrauch eines Harmoniebalkens ermuntert oder Kampfunfähige wiederbelebt werden. Ist die Leiste leer, können diese Aktionen vorerst nicht mehr eingesetzt werden.

(Bild: Nintendo)

Charakterdaten und Karte sind auf den unteren Bildschirm gewandert, damit ihr in den von Einblendungen überfluteten Kämpfen den Überblick behaltet.

Mit bestrittenen Kämpfen steigt nicht nur der Level von Shulk, Reyn, Sharla und Co. Sie erhalten auch Technikpunkte, durch welche sie mit der Zeit neue Techniken lernen und Talentpunkte, die wie der Name bereits vermuten lässt, diverse Talente fördern, die auch außerhalb von Kämpfen besondere Effekte auslösen können. Ihr merkt, Xenoblade Chronicles 3D hat einiges zu bieten.

Unterschiede zur Wii-Version

Bei Xenoblade Chronicles 3D handelt es sich um einen Port des 2011 erschienen Wii-Spiels. Daher sind die Unterschiede zum Original eher marginaler Natur und kommen hauptsächlich der besseren Übersicht zugute. So sind die Charakter-Fenster, die Auskunft über Level, Kraftpunkte, Mut, EP, TeP und TaP geben, auf den unteren Bildschirm gewandert. Auch die runde Karte mit integrierter Uhr, die sich auf der Wii noch in der rechten oberen Bildschirmecke befand, wurde auf den Touchscreen befördert, damit ihr auf dem kleineren Bildschirm nicht die Übersicht verliert und die schöne Welt in vollen Zügen genießen könnt. “Touch”screen trifft es dabei nicht ganz, denn leider wurde auf den Einsatz von Berührungssteuerung komplett verzichtet. Nicht, dass ich mir schnell schief laufende Steuerungsexperimente gewünscht hätte, doch an mancher Stelle wäre die Navigation mittels Fingertipp etwas komfortabler von der Hand gegangen. Vor allem der Wechsel der Uhrzeit mittels Touchpen, statt über einen Menüpunkt, hätte eine sinnvolle Ergänzung dargestellt. Ebenfalls etwas schade ist es, dass besagte Fenster sich auf einem tristen schwarzen Hintergrund befinden, was einen recht lieblosen Eindruck hinterlässt, doch die meiste Zeit werdet ihr die Augen ohnehin auf den 3D-Bildschirm richten, denn – und das ist wie im Namen ersichtlich – ein weiterer Unterschied: dank bewegungsstabilem 3D-Effekt und einer sehr gelungenen optischen Tiefe, macht es richtig Spaß, den 3D-Regler bis zum Anschlag nach oben zu schieben.

(Bild: Nintendo)

Im Vergleich zum Wii-Original fallen die weniger fein ausgearbeiteten Texturen von Xenoblade Chronicles 3D auf.

Fans japanischer Originalsynchronisationen müssen beim Kauf des 3D-Remakes ganz stark sein, denn der Originalton wurde, vermutlich aus Speichermangel, ersatzlos gestrichen. Doch auch die in britischem Akzent gehaltene englische Sprachausgabe mit deutschem Untertitel ist nach wie vor von guter Qualität. Eine kleine Erweiterung bildet das im Hauptmenü aufrufbare amiibo-Feature, bei welchem kompatible Figuren, bisher nur Shulk, täglich einmal auf den Touchscreen gehalten werden, um Marken zu sammeln, die wiederum gegen Charaktermodelle oder Stücke der Audiothek eingelöst werden können. Sehr nett: Mit eingestecktem Kopfhörer lässt sich der abwechslungsreiche Soundtrack auch bei zugeklapptem System anhören.

Wer angesichts der Seltenheit des Shulk-amiibo und dem damit sehr hohen Preis, zu welchem dieser inzwischen gehandelt wird, keine solche Figur sein Eigen nennen kann, muss auf dieses Feature nicht verzichten, denn auch durch Schritte gesammelte Spielmünzen des 3DS-Systems und durch StreetPass-Begegnungen lassen sich besagte Marken sammeln.

Den einzigen Unterschied zum Original, den man Xenoblade Chronicles 3D vielleicht ankreiden kann, sind die etwas verwascheneren Texturen. Dies tritt natürlich beim New 3DS XL deutlich mehr zu Tage als beim kleineren Modell. Doch das tut dem Gesamteindruck nur in sehr bescheidenem Maße einen Abbruch, da schon seinerzeit das Original keine Grafik-Explosion war und der Titel auf dem New 3DS immer noch beeindruckend aussieht.

Steuerung: Für den New 3DS exklusiv – für den New 3DS geboren

Xenoblade Chronicles 3D nutzt als erster für den New 3DS (-> hier geht’s zum Test) exklusiver Titel natürlich all dessen neue Features. Insbesondere profitiert das Spiel von dem neuen C-Stick, mit dem sich die Kamera zu jeder Zeit butterweich justieren lässt – vorausgesetzt, ihr habt die Kameraschnelligkeit in den Optionen auf “schnell” umgestellt. Gerade in Kämpfen ist man über eine direkte Kamerajustierung immer glücklich, da man mitten in den effektreichen Techniken und vielen Status-, Schadens- und Effekt-Einblendungen sonst schnell den Durchblick verlieren würde. Im Zusammenspiel von CirclePad und C-Stick lassen sich Shulk und Konsorten äußerst präzise über Bionis und Mechonis manövrieren.

Selbst die beiden zusätzlichen Schultertasten haben ihre Daseinsberechtigung unter Beweis gestellt: Für sofortigen Zugriff auf die Karte mit anschließender Schnellreise oder erweiterte Kameraeinstellungen genügt ein entsprechender Druck. Anfänglich musste ich mich erst an die Position von ZR- und ZL- gewöhnen, aber nach einiger Zeit bekommt der New 3DS nur noch “Schultermassagen”, wenn sie beabsichtigt sind. Glücklicherweise wurden die nahe beieinander liegenden Tasten nicht mit Funktionen belegt, auf die fatale Folgen zu erwarten sind.

Wie bereits erwähnt, hätte das Remake aber gerade von den zusätzlichen Möglichkeiten des Touchscreens Gebrauch machen können. Die Rede ist natürlich nicht von schnöden Touchpen-Spielereien, sondern eben die schnellere Navigation durch Item-Menüs oder eben besagte Zeitumstellung. Eine verpasste Chance, dem Spiel noch einen gewissen Pluspunkt abzugewinnen. Insgesamt fügt sich Xenoblade Chronicles 3D aber optimal in das New 3DS-Ökosystem ein und lässt sich optimal bedienen.

Fazit

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Xenoblade Chronicles 3D ist eines der wenigen Spiele, die ich nahezu uneingeschränkt empfehlen würde. Es bietet ungeheuren Umfang, quer durch die Bank sympathische Charaktere und eine mit den Spielstunden zusehens ausgefallene Story. Wer das inzwischen rar gewordene Original auf der Wii verpasst hat, sollte in jedem Fall zuschlagen, um dieses Stück Videospielgeschichte nachzuholen. Meine Befürchtung, die Spielerfahrung könnte unter dem kleineren Bildschirm leiden, hat sich als falsch erwiesen.

Überdies nutzt Xenoblade Chronicles 3D die Fähigkeiten des New 3DS in vollem Umfang: Vom Gebrauch der neuen Steuereinheiten, der höheren Rechenleistung über die Verlagerung von Bildschirminhalten auf den unteren Screen bis zur amiibo-Einbindung bekommen die Besitzer des neuesten Nintendo-Handhelds ein Stück geboten, das seine Bühne auszunutzen weiß. Sämtliche Kritikpunkte bewegen sich im Größenverhältnis kleiner Schönheitsfehler, die Qualität des Titels an keiner Stelle mindern. Wer die Wartezeit bis zum geistigen Nachfolger Xenoblade Chronicles X für Wii U, das noch 2015 erscheinen soll, überbrücken möchte, hat hiermit den optimalen Zeitfresser gefunden.

plusEnormer Umfang

plusAußergewöhnliche und fesselnde Handlung

plusEpischer und abwechslungsreicher Soundtrack

plusNutzt fast alle Features des New 3DS

plusAufgeräumter Bildschirm

plusGut umgesetzter Tiefeneffekt

 

minusUnterers Display lieblos gestaltet

minusKeine Touchscreen-Einbindung

minusOriginalsyncro wegreduziert

minusVerwaschenere Texturen

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  1. Hallo Autor ;)

    Ich lese häufig auf gizmodo.de die Artikel.
    Seit letztem Wochenende bin ich new 3ds xl jünger. Hauptsächlich für die Zelda und Mario Titel.
    Ich habe vor xenoblade als einzigem exklusiv Titel gestanden und aus Unwissenheit nicht danach gegriffen. Jetzt werd ich es aufjedenfall mal versuchen!

    Ich würde mir mehr 3ds Rezensionen auf gizmodo wünschen!!!

    Weiter so Gruß chris

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