Panasonic CM1 im Test: Die Kamera, die auch Smartphone sein will

(Bild: Andreas Donath)

Panasonic hat mit der CM1 eine Kamera vorgestellt, die auch gleichzeitig ein Android-Smartphone ist. Das große Objektiv und der Blendenring verraten schon, das hier kein gewöhnlicher Kamerasensor verbaut wurde. Vielmehr hat Panasonic einen 1-Zoll-Typ mit 20 Megapixeln eingebaut. Wir haben uns angesehen, was er taugt.

Pansonic_CM1_Fotos

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Panasonic CM1

Die Panasonic CM1 sieht von vorn aus wie eine normale Kamera: Objektiv, Lederüberzug auf dem Gehäuse, silberner Gehäusedeckel und sogar einen Blendenring und einen Auslöser gibt es, wenn man genauer hinsieht.

Eine Zoomwippe fehlt und das ist auch gleich unser erster Kritikpunkt. Zwar fährt das Objektiv beim Einschalten der Kamera etwas heraus, aber das ist nur notwendig, weil sonst der 1-Zoll-Typ-CMOS-Sensor mit seinen 20 Megapixeln nicht ausgeleuchtet werden kann. Ein Zooobjektiv ist nicht vorhanden, das Objektiv mit Festbrennweite kommt auf 28 mm (bezogen aufs Kleinbild). Mit f/2,8 ist das Objektiv zudem sehr lichtstark. Wer Detailaufnahmen machen will, muss also näher an das Motiv herangehen. Dafür hat der Weitwinkel aber auch große Vorteile: In engen Räumen bekommt an recht viel aufs Foto, zudem ist eine Panoramafunktion eingebunden, die aber wie bei Smartphones und Digitalkameras üblich nur verwendet werden sollte, wenn sich keine bewegenden Motive im Bild befinden.

Die Kamerafunktion kann über eine vorinstallierte App gestartet werden, doch wer will, kann auch auf der Geräteoberseite einen Schalter bewegen, um sofort die Fotofunktion aufzurufen: Das ist in der Praxis sehr sinnvoll, weil die Kamera so wie ein echter Fotoapparat verwendet werden kann. Die Startzeit ist jedoch recht lang – es vergehen ungefähr 1,5 Sekunden bis zur Aufnahmebereitschaft, sofern das Smartphone überhaupt eingeschaltet ist. Das Booten dauert erheblich länger, aber wer schaltet sein Handy schon komplett aus?

Apropos Handy: Die CM1 ist ein vollkommen normales Android-Phone mit Android 4.4. Die Oberfläche ist zwar leicht modifiziert, doch das tut der Benutzerfreundlichkeit keinen Abbruch – Android ist sofort zu erkennen und erlaubt natürlich auch die Installation ganz gewöhnlicher Apps.

Die Foto-App und einige andere Programme zur Bildbetrachtung und Verarbeitung stammen von Panasonic. Das ist auch recht sinnvoll, denn die Foto-App zeigt eine Bedienoberfläche, die der moderner Panasonic-Kameras fast 1:1 entspricht. So kann der Anwender über ein Schnellmenü sich selbst die Einstell-Punkte zusammen stellen, die auf einer einzelnen Menüseite dargestellt werden sollen, was sehr praktisch ist. Neben der Art der Belichtungsmessung können auch je nach Kameraeinstellung die Zeit, Blende und der ISO-Wert beziehungsweise das Bildformat ausgewählt werden. Wer will, kann Rohdaten und JPEGs parallel aufnehmen. Die Rohdaten (und die JPEGs natürlich auch) lassen sich in richtigen Bildbearbeitungsprogrammen auf dem Rechner weiterverarbeiten. Die Kamera nimmt auch Videos in Full-HD auf. Gespeichert wird wahlweise auf dem internen Speicher oder eine eingesteckte MicroSD-Karte.

Die meisten Einstellungen der Kamera müssen über den Touchscreen (4,7 Zoll, Full-HD-Auflösung) vorgenommen werden, doch je nach Programmmodus kann mit dem Blendenring auch ein Parameter verstellt werden. Weil die Kamera auch zahlreiche Filtereffekte bietet, kann dadurch recht fix der passende Verfremdungseffekt gewählt werden.

Bei klassischen Programmen wie Blenden- oder Zeitvorwahl spielt der Drehregler am Objektiv natürlich seine Vorteile auch voll aus. Sogar manuelles Scharfstellen ist so möglich. Die aufgenommenen Bilder lassen sich mit Panasonics Apps noch auf dem Smartphone weiter bearbeiten und verschicken beziehungsweise auf sozialen Medien verbreiten. Das macht auch den Reiz des Kameraphones Panasonic CM1 größtenteils aus: Eine zweite Kamera kann in vielen Fällen daheim bleiben und das Bildmaterial kann sofort verschickt werden.

Dank LTE (Cat4) und WLAN geht das erstaunlich schnell. Das Gerät verfügt ferner über Bluetooth, NFC und GPS. Die über GPS ermittelten Aufnahmekoordinaten können in die Bilder geschrieben werden. Die Bilder lassen sich dann auf einer Landkarte ortsgenau platziert angesehen.

Das Panasonic CM1 arbeitet sehr schnell, was angesichts des Quadcore-Prozessors Snapdragon 801 auch kein Wunder ist. Dazu kommen ein 2 GByte großes RAM und 16 GByte interner Speicher.

Die Panasonic CM1 als Kamera

Die Bildqualität ist bei guten Lichtverhältnissen hervorragen. Dank der 20 Megapixel sind die Fotos auch sehr detailgenau, was sich allerdings recht stark ändert, wenn schlechteres Licht vorherrscht und die Belichtungsempfindlichkeit heraufgesetzt werden muss. Bei höheren ISO-Werten (mehr als ISO 800, deutlich bei ISO 3.200) beginnt die CM1 schon recht ordentlich zu rauschen. Einen Großteil dieser Artefakte kann man am PC mit geeigneter Software aus den Rohdatenbildern entfernen. Die Kamera-JPEGs sehen allerdings etwas verwaschen aus, wenn das Rauschen einsetzt. Das Objektiv sorgt für recht schwache Verzeichnungen und einen geringen Schärfeabfall zum Rand hin. Chromatischen Aberrationen (Farbsäume) sind jedoch an den Bildrändern durchaus erkennbar . Ein Großteil solcher Bildfehler dürfte die Kamera jedoch auch selbst entfernen.

Angenehm überrascht waren wie auch vom Autofokus. Er kann entweder einen bestimmten Bereich selbst scharf stellen oder fokussiert das Bildmotiv, das der Nutzer auf dem Touchscreen antippt. Eine LED hilft dem Autofokus bei schlechtem Licht, dennoch scharfzustellen. Die CM1 arbeitet mit einem Kontrast-AF, während beim aktuellen iPhone auch ein Phasenvergleichs-AF genutzt wird, der bei schnell bewegten Motiven seine Vorteile ausspielen kann. Die erfasst die Panasonic nicht so schnell und zielsicher.

Die CM1 als Smartphone

Die Sprachqualität und -verständlichkeit sind ohne Tadel, gestört hat uns beim Telefonieren nur die große Objektivausbuchtung. Sie sorgt auch dafür, dass das Smartphone schlecht in die Hosentasche zu stecken ist, obwohl es mit einem 4,7 Zoll großen Bildschirm eigentlich nicht übermäßig groß ist. In der Jacken- oder Sakkotasche stört das Objektiv ebenfalls. In einer etwas enger anliegenden Anzugjacke trägt es sogar so stark auf, dass es sich durchzeichnet.

Das beeinträchtigt unseren ansonsten sehr guten Eindruck ein wenig. Die Kamera selbst sieht sehr edel aus, angefangen von der gebürsteten Metalloberfläche, der kunst)belederten Vorderseite bis hin zum fein geriffelte, alufarbenen Objektivring.

Die Panasonic Lumix DMC-CM1 misst 134,4 x 68,0 x 21,1 mm und wiegt 204 Gramm. Der Preis liegt ohne Vertrag bei etwa 850 bis 900 Euro, je nach Händler.

Fazit

Es gibt wohl derzeit kein aktuelles Smartphone mit einer derart guten Bildqualität wie das Panasonic Lumix DMC-CM1. Zudem ist es noch ein gutes und schnelles Android-Smartphone. Auch in Punkto Bedienung zeigt Panasonic, wie ein gutes Kamera-Smartphone aussehen muss. Interessenten sollten angesichts des etwas unhandlichen Gehäuses und des Preises jedoch überlegen, ob sie es auch im Alltag einsetzen wollen – vielen reicht die durchschnittliche Bildqualität normaler Smartphones.

Pro / Con

plusplus Hohe Bildqualität

plus Gute Kamera-App

plus Fast unverändertes Android

plus Schnell

minus Weit hervorstehendes Objektiv

minus Etwas schwer

minus Hoher Preis

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