Indien: Netzneutralität wichtiger als Facebooks Internet.org

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Wer die Apps innerhalb Facebook´s Projekt "Internet.org" nutzt, bekommt die dabei verbrauchten Daten nicht auf das Volumen angerechnet. Damit kann in ärmeren Regionen zwar zumindest ein partieller Zugang zum Internet geschaffen werden, die Integrität der Netzneutralität ist damit allerdings passé. Und das veranlasste einige indische Facebook-Partner zum Ausstieg aus dem Internet.org.

Neben dem Reisebuchungsdienst Cleartrip  zogen sich auch journalistische Angebote wie NDTV und Newshunt sowie bestimmte Teile der Times Group aus der Internet.org-Initiative  zurück. Dazu zählen laut Times of India die TimeJobs und Maharashtra Times. Die Times of India selbst bleibe solange im Internet.org enthalten, bis sich auch ihre Konkurrenten zum Ausstieg entschließen. “Wir unterstützen die Netzneutralität, weil sie ein gerechtes, für alle Firmen gleiches Feld bereitet, für kleine wie große, um den besten Dienst zu schaffen und ihn Verbrauchern anzubieten.” Da Facebook diese verletzt und mit seiner Initiative zum Teil sogar suggeriert, selbst das Internet an sich zu sein, mahnte Kollege Lenz bereits im Februar diesen Jahres.

Facebook hatte die Internet.org-App erst vor gut zwei Monaten in Indien verfügbar gemacht. Als Netzbetreiber-Partner fungiert Reliance Communications: Es rechnet Zugriffe auf die in der App zunächst enthaltenen 38 Websites nicht auf das Datenvolumen seiner Nutzer an.

Den ersten Dienst dieser Art hatte das Facebook-Projekt im Sommer 2014 in Sambia gestartet (siehe Titelbild). Später folgten Ghana, Kenia, Kolumbien und Tansania.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat erst diese Woche zur Frage Stellung genommen, ob Internet.org die Netzneutralität bedroht. “Ich glaube, Netzneutralität ist wichtig, um sicherzustellen, dass Netzbetreiber nicht zwischen Inhalten unterscheiden und Zugriffe auf Dienste beschränken, die die Menschen gern nutzen möchten, besonders in Ländern, wo die meisten Menschen online sind”, sagte er. “Für Leute ohne Internet ist ein bisschen Anbindung und ein wenig Sharing schon besser als gar nichts. Darum sind Programme wie Internet.org wichtig und können mit Netzneutralitätsregeln koexistieren.”

Im Rahmen der gleichen Frage- und Antwortstunde machte Zuckerberg auch öffentlich, dass er sich ein Internet.org-Angebot in Europa vorstellen kann. In den USA dürfte eine solche Offerte seit Februar 2015 rechtswidrig sein.

In Indien ist das Problem noch etwas komplexer, als Zuckerberg vermutlich wahrhaben möchte. Der größte Mobilfunk-Netzbetreiber Bharti Airtel hat dort nämlich ein vergleichbares Angebot gestartet, Airtel Zero – und dafür wählt er die Website-Partner aus, nicht etwa Facebook. Die Netzneutralitätsdebatte kam dann dadurch ins Rollen, dass sich die große E-Commerce-Plattform Flipkart vergangene Woche aus Airtel Zero zurückzog.

Tags :Via:Florian Kalenda, ZDNet.de

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