Test: Parrot Minidrones Rolling Spider – Spaß für drei Minuten [UPDATE!]

(Bild: NetMediaEurope)

Das Wetter wird schöner und bietet sich perfekt dazu an, die Parrot Rolling Spider Mini-Drohne im Freien zu testen. Für knapp 90 Euro bekommen Hobbypiloten den kleinen Quadrocopter, dessen applizierbare Räder die Drohne namensgebend wie eine Spinne die Wand hochkrabbeln lassen sollen - unser Test.

Parrot Rolling Spider

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Parrot Rolling Spider
Der Akku der Rolling Spider wird hinten eingeschoben und lässt sich nur recht schwer entfernen.

UPDATE: Nachdem wir eine zweite Rolling Spider samt neuem Satz Akkus ausprobieren durften, können wir hinsichtlich der Akkulaufzeit absolute Entwarnung geben. Mit dem neuen Zubehör haben wir die Drohne Salti und Starts aus dem Wurf heraus im Akkord vollführen lassen und wurden mehr als überrascht: Die Rolling Spider hielt mit all diesen Tricks tatsächlich elf, in jedem Fall zumindest zehn Minuten durch. Kein Vergleich zu den höchstens drei Minuten, die in unserem ursprünglicher Test zutage kamen. Die separat erhältliche Ladestation, die es ermöglicht zwei Akkus gleichzeitig zu laden, können wir euch nur ans Herz legen, denn dann könnt ihr durchaus eine lohnenden, spaßigen Flug im Freien unternehmen. Deshalb rechnen wir dem ehemaligen 3,5-Sterne-Rank einen ganzen Stern dazu. Wir können nur mutmaßen, ob der erste Akku-Satz womöglich überlagert war.

Wer einmal in die Freiheit verheißende Höhenluft der Drohnenwelt schnuppern möchte und weder über ausreichende Kenntnisse, noch das nötige Kleingeld für die professionellen Parrot Drohnen AR 2.0 oder Bebop verfügt, findet mit der Rolling Spider womöglich den richtigen Kompromiss zwischen Letzteren und 20 Euro-Abonnement-Prämien, für die der Aufstieg in luftige Höhen bereits die Obergrenze an Funktionalität darstellt. Denn in der Rolling Spider steckt für den Preis von rund 90 Euro durchaus brauchbare Technik in dem handtellergroßen (90 x 90 mm; 55 g) Brummer.

An der Unterseite lässt sich nämlich ein Luftdruckmesser erkennen, durch den die Mini-Drohne sich selbstständig in der Schwebe stabilisiert, was es Einsteigern – einschließlich mir – ungemein erleichtert, erste Flugmanöver durchzuführen. Über eine Videokamera verfügt der kleine Quadrocopter zwar nicht, dafür befindet sich ebenfalls bäuchlings eine Kamera mit der etwas ungewöhnlichen Auflösungsangabe von 300.000 Pixeln. Der App-seitige Auslöser sollte dadurch theoretisch einen Einblick in des Nachbars Garten ermöglichen, wenn die Aufnahmen in der anwendungsinternen Galerie geöffnet werden. In der Praxis ließ sich keine einzige Aufnahme begutachten. Dafür muss die Rolling Spider erst wieder mit dem PC verbunden werden, wo sich nun auch die Auflösung der Fotos mit 640 x 480 Pixeln besser erschließt.

1, 2, 3 – vorbei: Unverhältnismäßige Flugzeit

Die Rolling Spider hält sich durch ihren Luftdruckmesser grundlegend recht stabil in der Luft – was jedoch zu den Herzschlag aussetzen lassenden Kollisionen führen kann, sind schon kleine Windböen. Diesen zu entgehen ist nur dann möglich, wenn sich der Pilot in Sekundenbruchteilen der in Relation zum Fluggerät stehenden Richtungswechsel vergegenwärtigt – sollte er überhaupt noch in der Lage sein zu erkennen, wohin Mademoiselle Spinne gerade sieht. Durch die Gegend fliegende Propeller sind garantiert. Die sind nämlich einfach nur auf die Motorenachse aufgesteckt und erwecken schon in sich nicht den Eindruck höchster Robustheit. Wer sich den beinahe exorbitanten Preis von etwa 5 Euro vierer in der Herstellung ein paar Cent kostender Plastikteile sparen möchte, dem wünschen wir viel Freude an der verspäteten Oster-Suche für Forgeschrittene. Warum Parrot sich nicht dazu entschieden hat, wenigstens einen zustätzlichen Satz dem Lieferumfang beizulegen, kann sich jeder selbst zusammenreimen.

(Bild: NetMediaEurope)

Der Akku lässt sich nach hinten herausziehen. ohne lange Fingernägel oder Hilfsmittel geht aber nichts.

Folglich sucht man sich ein freies Gelände, möglichst ohne Gebäude und drohnenfeindlicher Vegetation, das nicht immer unbedingt direkt vor der Tür liegt. Dort angekommen kann man im Idealfall ohne Bluetooth-Verbindungs- und App-Probleme, welche gelegentlich auftreten, sofort losstarten. Neben der gewöhnlichen Navigation in alle drei Dimension und der Rotation um die eigene Achse lassen sich mit der kostenlosen FreeFlight 3 App besonders spaßige, vorprogrammierte Flugmanöver durchführen – dazu aber später mehr. Doch diese fressen, jede für sich, beinahe ein Fünftel der Prozentanzeige in der rechten unteren Bildschirmecke weg. Nach spätestens drei Minuten ist Schluss und ihr müsst zur Landung ansetzen. So ging die erste Flugstunde beinahe schneller vorrüber als man “Challenger” sagen kann. Dabei gibt der Hersteller eine Flugzeit von acht beziehungsweise sechs Minuten (mit angebrachten Rädern) an. Insofern ist es ärgerlich, dass der ziemlich schwer zu entfernende Akku über eine Leistung von nur 550 mAh verfügt, obwohl rein von der Größe her bestimmt um die 2.000 mAh möglich wären. Ohne zweiten, dritten, wenn nicht gar vierten Akku wird wohl jede Fahrt ins Freie länger dauern als ein Flug mit der Rolling Spider.

FreeFlight 3: Das durchwachsene “Cockpit”

Wie schon in unserem Test zur flugunfähigen Bodendrohne Parrot Jumping Sumo, bedient sich auch Rolling Spider der gemeinsamen App FreeFlight 3, die sowohl für iOS als auch für Android zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Folglich lassen sich sämtliche Ärgernisse des virtuellen Cockpits leider auch auf den fliegenden Kollegen übertragen. Als erstes zu nennen sind die teils nicht unerheblichen Verbindungsprobleme via Bluetooth. Oftmals kommt erst gar keine Verbindung erfolgreich zustande, wenn doch, kann es vorkommen, dass sie sogleich wieder abreißt. Dementsprechend ist die kleine Drohne an die überschaubare Distanz der blaubezahnten Ketten gefesselt. Nach spätestens 20 Metern spürt ihr regelrecht den Ruck des sich plötzlich straffenden Drahtlosseils.

(Bild: Parrot)

So sieht eines der Steuer-Interfaces aus. In Notfällen lässt sich die Drohne stets mit einem Druck auf “Emergency” sofort abwürgen.

Dabei bietet die App ganz allgemein ein brauchbares und übersichtliches Interface. Nach einem Hauptbildschirm, der mit Weiterleitungen zu Kaufmöglichkeiten von Parrot-Produkten und zu Videotutorials großflächig versehen ist, könnt ihr euch hinter das Steuer klemmen. Mit der einen Hand lassen sich Flughöhe und Rotation variieren, während die andere Hand für die Richtung verantwortlich ist, sofern ihr die Neigungssteuerung deaktiviert habt, mit der es sich in etwa so präzise manövrieren lässt, wie ein alkoholisierter Privatpilot eine Landebahn anpeilt – daher raten wir von diesem Modus ab. Wie bereits erwähnt müsst ihr euch die Richtungspfeile immer in Relation zur Rolling Spider vorstellen, was sich schon ohne den Faktor eingeschränkter Sehfähigkeit als Herausforderung erweist. Nachdem man ein Gefühl für die Drohne entwickelt hat (Glückwunsch von meiner Seite, ich stelle euch höchstpersönlich eine Urkunde aus), könnt ihr den Blick auf die zusätzlichen Funktionen vorprogrammierter Tricks heranwagen. Auch Fotos lassen sich hier mit der Drohne knipsen. Als Ersatz für die fehlende Filmfunktion dürft ihr wenigstens während der Steuerung app-intern mit dem Handy filmen.

(Bild: NetMediaEurope)

Schon nach wenigen Metern lässt sich kaum noch ausmachen, in welche Richtung der Kopf der Drohne blickt. Das erschwert die Steuerung ungemein.

Achtung! Legt man extra eine gewisse Distanz zurück, um genügend Platz zu haben – ansonsten Vorsicht vor umherfliegenden Propellern – sollte auf diese Manöver verzichtet werden, da sie wie erwähnt enorm an den Kraftreserven des knappen Akkus zehren. Spaß machen sie dennoch allemal. Aus einer Dropdown-Liste lassen sich Kunststückchen wie Überschläge in alle erdenklichen Richtungen auswählen und im Anschluss per Doppeltipp auslösen. Das sieht beeindruckend aus und ist zugleich wesentlich einfacher als der freie Flug. Besonders Gefallen habe ich an dem Sofortstart gefunden, mit dem die Rolling Spider aus dem Wurf heraus losfliegt. Da die Rotoren allerdings sofort die volle Leistung aufbringen müssen, zieht dieser Trick besonders am Akku. Praktisch ist das allerdings bei unebenen Untergründen.

(GIF: NetMediaEurope)

Die Rolling Spider kann Tricks wie diesen durch Doppeltippen vollführen. Nach wenigen Malen ist der Akku allerdings fast leer.

Der namensgebende Rollmodus, mit dem die Drohne an Böden, Wänden und Decken entlang fahren kann, macht vergleichsweise wenig Spaß, da sich ähnliche Effekte auch ohne die entsprechende Einstellungen erzielen lassen.  In zusätzlichen Menüs dürfen einige Parameter, darunter die maximale Flughöhe oder Geschwindigkeit, ganz simpel der gegebenen Lokation oder den eigenen Fertigkeiten entsprechend, anpasst werden. Geschwindigkeitsliebende Senkrechtstarter laufen allerdings Gefahr, die Kontrolle über die Rolling Spider zu verlieren, wenn sie aus allem Übermut heraus mit zu viel Schwung die Reichweite des Smartphones überschreitet und nicht mehr von eigenständigen Erkundungstouren auf Nachbars Balkon abgehalten werden kann. Eine Drohne auf feindlichem Terrain macht sich deutlich schlechter als nach einem fehlgeleiteten Fußball zu fragen.

Fazit

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Die Parrot Rolling Spider Minidrone ist ein spaßiger Zeitvertreib für warme Tage. Diese wohlwollenden Worte mögen euch nach den letzten Zeilen vielleicht irritieren, doch einen Fuß in die Welt der Drohnen zu setzen machte im Zuge unseres Testes tatsächlich Laune. Denn auch, wenn man mit Hürden wie gelegentlichen Verbindungsproblemen, einer nicht optimalen App und unverhältnismäßiger Akkulaufzeit zu kämpfen hat, wussten die wenigen Flugminuten am Stück (uns standen glücklicherweise zwei Akkus zur Verfügung) zu begeistern: Die Rolling Spider nämlich zu beherrschen erfordert Geschick, klammert Anfänger aber auch nicht aus, indem sie einige coole Tricks bietet, die sich per Knopfdruck auslösen lassen

Zum Preis von etwa 90 Euro bekommt man durchaus etwas für sein Geld geboten, man darf aber auch kein Profi-Equipment erwarten. Die meisten Kritikpunkte gehen auf das Konto der FreeFlight 3-App, die leider (immer) noch nicht mit dem Potenzial der Drohne mithalten kann. Hoffentlich nehmen sich die Entwickler die in den Download-Reviews geäußerte Kritik bald zu Herzen, damit Parrots zivile Drohnen endlich das zeigen können, zu dem sie fähig sind.

plusPreiswerte Drohne mit guter Ausstattung

plusStabiles Flugverhalten

plusWitzige Tricks auf Knopfdruck

plusFotokamera

plusRollen als  Propellerschutz

plusLeicht zu erlernen, schwer zu meistern

minus

Akkuleistung unbefriedigend

minusHolprige App mit Verbindungsproblemen

minusKeine Ersatzpropeller inbegriffen

 

 

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