Skyrim: Das Für und Wider kostenpflichtiger Mods [Kommentar]

(Bild: Valve Software)

Vergangene Woche führten Valve und Bethesda kostenpflichtige Mods für den Steam-Workshop des beliebten Rollenspiels Skyrim ein. Unzählige Proteste, einige Morddrohungen erzürnter Spieler und wenige Tage später zogen die Softwareunternehmen den Schwanz ein. Warum der Versuch zum Scheitern verurteilt war.

„Bitte die Scharen für etwas, das sie lange Zeit umsonst bekamen, zur Kasse und du wirst polizeilichen Schutz benötigen.“ Ein spontan selbst erdachtes Zitat, welches sich auf beinahe jedes Gut, nicht nur den Klassiker Online-Journalismus, sondern neuerdings auch auf jeden ähnlich gelagerten Fall hinter der Fassade der Anonymität im Netz – zuletzt nun auch auf bisher kostenlose Spiele-Mods, anwenden lässt. Denn das zornige Kind einer solchen Entscheidung führt nicht selten zu überzogenen, teils strafrechtlich relevanten Reaktionen.

Um was geht es? Das Rollenspiel The Elder Scrolls V: Skyrim erfreut sich in seiner vierjährigen Geschichte nach wie vor großer Beliebtheit, was nicht zuletzt an der riesigen Community liegt, die stets an neuen Mods für das Spiel arbeitet. Die Schnittstelle für diese Mods ist der Steam Workshop des Unternehmens Valve. Dort konnten im Handumdrehen neue Maps oder Zusatzfunktionen freigeschaltet werden. Das schönste daran: die Community versorgte sich selbst mit ihren Werken in der Regel zum Spaß, für Ruhm und für Ehre. Die Mods im Steam Workshop waren kostenlos – bis vor wenigen Tagen als Valve Mods kostenpflichtig anbieten lies. Die Preise reichten von wenigen Cent bis knapp 100 Euro.

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Im Fall der von Valve und Bethesda eingeführten Bezahl-Mods führte der sofortige Aufschrei der Community – Morddrohungen inklusive – zum gewünschten Ziel. Das System wurde eingestellt, bereits gezahlte Beträge zurückerstattet. Doch kann man es den Entwicklern und Moddern vorwerfen, für ihre Arbeit ein Entgelt zu verlangen? Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Jein.

Das Problem beginnt schon ganz grundlegend beim „Produkt“ selbst: zum einen gibt es über mehrere Wochen und Monate in liebevoller Arbeit erstellte Mods, deren Qualität durchaus eine Bezahlung rechtfertigen würden. Zum anderen können sich aber auch wenig aufwendige Mods, die in wenigen Stunden fertig sind, an dem Bezahlzwang bereichern. Ein Argument, dass auch Garry Newman, der Entwickler des sehr erfolgreichen „Half-Life 2“-Mod „Garry’s Mod“ verteidigt: „Ich kann die Entfernung der Bezahl-Mods bei ‚Skyrim‘ verstehen und warum Menschen es hassen, für Mods zu bezahlen“, so Newman im Gespräch mit The Market for Computer & Video Games. „Ich unterstütze es trotzdem. […] Mir gefällt die Idee, dass jemand ein paar Monate seines Lebens mit der Entwicklung eines Mods für ein Spiel verbringen und damit genug Geld verdienen könnte, um seine Arbeit zu kündigen und Vollzeit daran zu arbeiten. Ich kann den Gedanken nicht ausstehen, dass jemand einen Tag damit verbringt, ein Modell eines Brecheinens zu erstellen und Geld dafür zu verlangen.“ Dies wäre der Eindruck gewesen, der in der Skyrim-Angelegenheit erweckt wurde.

Denn so schnell und planlos wie das System startete, vermittelte es nicht das Gefühl, die Bezahlung würde bessere Mods gewährleisten. Eine verpasste Chance! Stattdessen sah die Spielgemeinschaft einfach ein Preisschild auf etwas, das es noch zuvor kostenlos gab. Der Unmut ist also durchaus verständlich. Doch das ist auch gar nicht das eigentliche Problem. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Spieler bereit wäre für qualitativ hochwertige und umfangreiche Mods angemessen zu bezahlen. Es ist schlichtweg eine komplexe Angelegenheit, Bezahl-Mods vernünftig zu organisieren und sie zu einer seriösen Infrastruktur aufzubauen. Denn Early Access- und Pre-Alpha-Käufe sind für die Flut minderwertiger Inhalte verantwortlich, in deren Masse hochwertige Entwicklungen untergehen. Ein Schicksal, das auch kostenpflichte Mods ereilen würde. Hier ist ein hohes Maß an Kontrolle notwendig – was rechtfertigt welchen Preis?

(Bild: amusquiz)

Mit Mod-Schildern demonstrierten Spieler gegen das System der Bezahlmods. (Bild: steamcommunity)

Im Zuge dessen lässt mir auch die Aufteilung der Erträge die Magensäure aufsteigen, weswegen ich froh bin, dass Valve schnell einen Rückzieher gemacht hat. Die Prozentsätze, die im Sieb aus dem Softwareunternehmen und Bethesda hängen bleiben entsprechen den für einen Onlinestore üblichen 30 Prozent (Valve) und ganzen 45 Prozent für Bethesta. Was für die Mühen des Modders übrig bleibt, erfordert keine höhere Mathematik. Mit gerade einmal einem Viertel des Preises mussten sie sich begnügen. Auch Newman zeigte sich angesichts dieser Verteilung entrüstet: „Ich würde mich schämen, 75% des Gewinns der harten Arbeit eines anderen ohne irgendeine Rechtfertigung zu verdienen. Das wirkt wie eine große Fehlkalkulation von Bethesda. Bezahl-Mods sollten die Modding-Community ermächtigen und nicht Entwickler dazu befähigen, die harte Arbeit von Moddern auszunutzen, um Geld zu verdienen.“ Dabei wirkt die Stellungnahme Valves nach der Wiederherstellung des Status quo ante wie blanker Hohn: Deren „großes Ziel“ war es nämlich, Mod-Erstellern die Möglichkeit zu geben, in Vollzeit an ihren Mods zu arbeiten. Immerhin zeigt sich das Unternehmen im selben Atemzug äußerst devot und sendet Beschwichtigungssignale an die Community aus.

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Womöglich war es neben der fehlorganisierten Infrastruktur (perfiderweise wurden auch Spendeninformationen aus den Mods entfernt) schlichtweg keine ganz unproblematische Entscheidung, in die bereits sehr weit entwickelte Modding-Community von Skyrim einzugreifen. Man muss es Valve als Unternehmen jedoch auch anrechnen, den Wunsch der Spieler respektiert und entsprechend reagiert zu haben. Wer weiß, ob, wann und zu welcher Gelegenheit in Zukunft ein besser organisierter Versuch gestartet wird, Modder für ihre Arbeit zu belohnen, bei dem gleichzeitig die Qualität für bezahlte Produkte gewährleistet werden kann. Denn gegen ein kontrolliertes Bezahlsystem, dem sich Modder nach eigenem Wunsch auch komplikationsfrei entziehen können, dürften wohl nur die wenigsten etwas haben.

Tags :Quellen:ValveVia:The Market for Computer & Video Games
  1. wer ein paar mehr mods benutzt wird eh nicht den workshop, sondern nexusmods.com besuchen. da gibts seit jeher einen spendenbutton

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