Krisenreiche Zukunft: Bringen Start-Ups die Tech-Blase zum platzen? [Kommentar]

Titelbild: Patrick Nouhailler via Flickr.com)

Wer ein Start-Up plant, den zieht es in die USA, genauer ins Silicon Valley. Nie zuvor war es hier so einfach als kleines Unternehmen an Millionen US-Dollar zu kommen. Für Außenstehende wirkt es, als ob man dort nur eine Idee präsentieren müsste und schon fließen die Investitionen. Doch kann das gut gehen oder platzt bald eine neue Tech-Blase?

Der Online-Vermittlungsdienst von Mietwagen “Uber” ist aktuell 41,2 Milliarden US-Dollar wert, Dropbox liegt bei 10,4 Milliarden und der Social Network Frischling Snapchat bei 15 Milliarden. So und nicht anders sieht die Bewertung der meisten Start-Ups aus, die aktuell im Silicon Valley auf der Erfolgswelle schwimmen. In dem Beitrag “Silicon Wahnsinn – Platzt bald die Tech-Blase?” des Magazins “Capital” (Ausgabe 05/15) warnen Insider jedoch vor einer riesigen Tech-Blase, die bald platzen könnte.

Nie zuvor in der Tech-Branche waren Unternehmen mehrere Milliarden US-Dollar wert, obgleich sie teilweise nicht einen einzigen Cent an Umsatz oder gar Gewinn verzeichnen. Stattdessen kommen unzählige Jungunternehmer in das bei San Francisco nahe gelegene Silicon Valley, um einen Teil vom Milliarden-Kuchen abzubekommen. Wer hier etwa auf der Start-Up-Konferenz “Launch Festival” einen guten Eindruck hinterlässt, kann mit sieben-, teilweise achtstelligen Investitionen rechnen. Gelingt das einem kleinen Start-Up, kommen solche unmenschlichen Bewertungen durch Rating-Agenturen wie etwa bei Uber zustande.

Dotcom-Blase 2.0

Doch warum wird überhaupt investiert? Das Magazin Capital verweist dabei auf die FOMO-Theorie (“fear of missing out”) vieler Investoren. Keiner will das nächste Facebook verpassen oder gar eine Investition in das nächste Google. Überall könnte “the next big thing” lauern und deshalb muss auch überall investiert werden – zugespitzt gesprochen. Dabei machen Kapitalgeber anscheinend keinen Halt davor in noch nicht börsennotierte Privatunternehmen oder Start-Ups zu investieren, die noch keinen Cent Umsatz gemacht haben. Es wird Geld in jede halbwegs gute Idee gesteckt, in jede weitere Foto-App und in jeden Bluetooth-Kühlschrank.

Seit 2012 hat sich dieses Investitionsverhalten noch verstärkt, denn seither sind auch eben jene Investitionen in Privatunternehmen möglich, die noch weit vor dem Börsengang stehen. Nach der Investition in ein Start-Up geschieht jedoch zumeist folgendes: So verweist “Capital” auf eine Studie, dass 80 bis 90 Prozent aller Star-Ups wenige Jahre nach der Gründung wieder verschwinden – und mit ihnen das Geld ihrer Kapitalgeber.

Selten werden bei Start-Ups, gerade im Bereich der Applikationen, jedoch Gewinne ausgeschüttet. Jüngere Beispiele wie Snapchat, Pinterest oder Evernote kennt zwar jeder, jedoch bieten alle diese Apps kein vernünftiges Verkaufsmodell und können demnach auch keine Umsätze generieren. Bleibt daraufhin dann auch noch der erwünschte Erfolg bei den Kapitalgebern aus, so sind Unsummen an Finanzmittel in den Sand gesetzt bis das jeweilige Start-Up nach einigen Jahren endgültig verschwindet.

In einem Bericht aus dem vergangenen Jahr geht das Manager Magazin noch einen Schritt weiter und stellt die These auf, dass von gewissen Investoren gewisse Start-Ups gezielt so lange mit Geld vollgepumpt werden, bis sie an ein anderes Unternehmen gewinnbringend verkauft werden. Beste Beispiele aus der Silicon Valley Familie wären hier wohl Instagram und WhatsApp, die sich von Facebook für mehrere Milliarden US-Dollar kaufen ließen. Gelingen solche gezielten Investitionen nicht und ein Verkauf findet nicht statt, dann kommen wir zum gleichen Fazit wie ich es schon einen Absatz vorher beschrieben hatte.

So kommt man als vernünftig denkender Mensch eigentlich nur zum gleichen Schluss wie die “Insider” und “Experten” im Capital Artikel. Eine enorme Blase aus Investitionen ins Leere ist in der Start-Up-Welt bereits herangewachsen. Werden jene Unternehmen im Silicon Valley weiterhin so irreführend mit Milliardenbeträgen bewertet und weiterhin mit Geld vollgepumpt, ohne auf eine langfristige Rentabilität zu achten, dann wird diese Tech-Blase ebenso platzen wie einst bei der Dotcom-Krise in den 90er Jahren.

Tech-Blase

Investoren sind in meinen Augen mittlerweile viel zu sehr darauf bedacht auf irgendein “the next big thing” zu warten. Statt blind zu investieren, wie es meiner Meinung nach momentan geschieht, sollte doch vielmehr das einzelne Start-Up gründlich analysiert und klassische Marktforschung betrieben werden. Doch das kann anscheinend nicht stattfinden, denn jeder Investor möchte doch der Erste sein, der auf einen jungen Hoffnungsträger in der Tech-Branche setzt. Zusätzlich muss noch der Beitrag des Manager Magazins berücksichtigt werden, demzufolge anscheinend auch gezielte Investitionen getätigt werden, um die Ratings von Start-Ups künstlich in die Höhe zu treiben. Für mich schließt sich da der Teufelskreis.

Folgt man dem Artikel der “Capital” bleiben nur zwei Möglichkeiten für die Zukunft übrig: Entweder geht das Investitions-Spiel im Silicon Valley noch einige Zeit weiter und wird durch eine politische oder wirtschaftliche Krise zum platzen gebracht oder die Branche kommt mit einem blauen Auge, etwa in Form einer Marktsättigung, davon und die Geldflüsse der Kapitalgeber nehmen radikal ab. Dann würde sich immerhin der Markt für neue Start-Ups normalisieren und aktuell übliche Start-Up-Ratings von einer bis zehn Milliarden US-Dollar würden der Vergangenheit angehören.

Warum ihr hier über ein reines Business-Thema lesen dürft

Als tech-begeisterte Leser werdet ihr sicherlich mindestens einmal in der Woche von irgendeinem Start-Up auf Indiegogo, Kickstarter oder sonstigen prominenten Start-Up-Seiten lesen. Teilweise stellen auch wir euch regelmäßig spannende neue Produkte vor, die es mit den nötigen Investitionen zu verkaufsfertigen Gadgets schaffen könnten. Doch mein Anliegen ist es in diesem Kommentar auch darauf hinzuweisen, dass unbedachte Investitionen – egal in welcher Höhe – auch uns treffen können. Kommt es zum Platzen der Tech-Blase könnte sich das Problem des Silicon Valley ganz rasch zu einer neuen US-Finanzkrise entwickeln. Und so etwas will spätestens seit 2007 doch eigentlich keiner mehr so schnell miterleben.

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(Titelbild: Patrick Nouhailler via Flickr.com)

Tags :Quellen:capital.de
  1. Ganz klar Ja zu diesen Beiträgen bei Gizmodo. Es geht dabei ja um Tech und es ist überhaupt nicht abwegig! Es war eher einer positive Überraschung diesen Beitrag zu lesen.

    Das Magazin Capital 5/15 hole ich mir auf dem Heimweg.

  2. Lass sie doch das Geld umtauschen in vielleicht wertlose Firmenanteile. Die Verkäufer der Anteile kaufen sich dann mit dem Geld echte Villen, Porsches und Yachten. Und wer die baut, kauft von seinem Lohn auch wieder echte Häuser, Volkswagen und Tickets fürs Kino. Der Kartenabreisser im Kino hat am Ende sicher genug Geld für einen echten Hamburger bei McDonalds. Und der Hamburgerbrater dort kann von dem echten Geld, auch wenn es wenig ist, ein paar seiner lebensnotwendigen Ausgaben bestreiten. Das “dumme” Geld fließt also immer wieder in die “gesunde” echte Welt zurück…

    Kein Risiko für die Menschen in der echten Welt, nur für die Zocker.

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