Microsoft Surface 3 im Test: Top Leistung und verfehlte Preispolitik

(Bild: Gizmodo.de)

Formschön, elegant und für den Arbeitsalltag tauglich. Dürfte ich mir ein Tablet kostenlos aussuchen, würde ich sofort auf das Microsoft Surface 3 zurückgreifen. Alle Infos zum Surface 3 und warum mir der Preis dieses Tablets zu schaffen macht, lest ihr in diesem Testbericht.

Das Surface 3 im Detail

Bild 1 von 23

18

Wenn es Liebe auf den ersten Blick für technische Gerätschaften gäbe, das Surface 3 wäre meine erste Wahl. Bereits vor zwei Monaten hatte ich die ersten Details des neuen Windows Tablets in einem Kommentar zusammengefasst und dem Surface 3 eine rosige Zukunft als „das beste Tablet für 2015“ zugesprochen. Nun haben wir den schlanken Bruder des Microsoft Surface Pro 3 (hier geht es zum Test) in die Redaktion bekommen und genauer unter die Lupe genommen – die Liebe auf den ersten Blick kann schließlich manchmal täuschen.

Design

Fast 200 Gramm leichter (622g) und 0,4 Millimeter (8,7mm) dünner, mit diesen Maßen kann das Surface 3 tatsächlich auch als Tablet genutzt werden. Der große Bruder, das Surface Pro 3, war in punkto Gewicht und Dicke doch eher in die Richtung Laptop mit Touchdisplay geraten.

Bei der Designsprache hat sich vom Surface Pro 3 zum neuen Surface 3 allerdings nicht viel geändert. Das Gehäuse besteht aus einem hellgrauen Magnesium-Unibody und kann mit klaren, abgesetzten Kanten punkten, die einen äußerst guten Halt verleihen. Der Kickstand wurde im Gegensatz zum Surface Pro 3 beim Surface 3 wieder auf drei Stufen statt stufenloser Regelung reduziert – ich tippe darauf, dass man mit solchen Details den höheren Kostenpunkt bei der Pro-Version rechtfertigen möchte. Dennoch wirkt die Drei-Stufen-Regelung beim neuesten Microsoft-Tablet eher wie ein Schritt zurück.

Lediglich das Microsoft-Logo hat sich in Bezug auf das Design zum Surface Pro 3 verändert.

Lediglich das Microsoft-Logo hat sich in Bezug auf das Design zum Surface Pro 3 verändert.

Hatte ich beim Surface Pro 3 jedoch noch die hohe Qualität bei der Verarbeitung gelobt und hervorgehoben, dass das Tablet an keiner Stelle knarzt, so muss ich hier beim Surface 3 Kritik üben. Zwar gelang Microsoft auch beim Surface 3 eine gute Verarbeitung bis hin zu nicht existenten Spaltmaßen, doch an einer Stelle könnte sich noch eine echte Schwachstelle beim neuen Convertible offenbaren.

Jene Schwachstelle findet sich bei den Lautsprechern, die durch eine Ausfräsung an den Displayrändern direkt an das Gehäuse anschließen (siehe Foto). Bei leichten Drehbewegungen an den Kanten bemerkte ich, dass Display und Rahmen sich nicht parallel bewegen. Vielmehr spürt man deutlich, dass das Display leicht hervorgeht. Dieser „Mangel“ setzt aber natürlich voraus, dass überhaupt jemand versucht sein Surface 3 absichtlich zu biegen. Jedoch verrät es auch, dass Microsoft sich in Bezug auf die Statik beim Surface 3 nicht bis ins kleinste Detail Gedanken gemacht hat.

Bei den Lautsprechern scheinen Rahmen und Display nicht zu 100 Prozent in sich zu greifen.

Bei den Lautsprechern scheinen Rahmen und Display nicht zu 100 Prozent in sich zu greifen.

Hardware

Käufer des Microsoft Surface 3 werden sich mit einem einzigen Prozessor bei der Konfiguration zufrieden geben müssen. Hier stellt Microsoft einen Quad-core Intel Atom Prozessor (x7-Z8700) zur Verfügung mit 1,6 Gigahertz und Boost bis zu 2,4 Gigahertz.

Wählen können Kunden dafür bei Internen Speicher und Arbeitsspeicher. Hier stehen Varianten mit 64 Gigabyte Speicher und zwei Gigabyte RAM (599 Euro) oder 128 Gigabyte Speicher und vier Gigabyte RAM (719 Euro) zur Verfügung. Zusätzlich können bald noch 4G Module in beiden Ausführungen erworben werden.

5

Alle Modelle des Surface 3 verfügen über den Funkverbindungs-Standard WiFi 802.11 a/b/g/n/ac und Bluetooth 4.0. Zur Größe des Akkus macht Microsoft beim Surface 3 keine Angaben. Jedoch schlägt sich dieser mit durchschnittlich sieben Stunden sehr gut. Die von Microsoft angegebenen zehn Stunden Akkulaufzeit werden bei regulärer Nutzung, also etwa Arbeit und Surfen, jedoch nicht zu schaffen sein.

Doch auch wenn das Ausstattungspaket beim Surface 3 nun nicht wirklich nach fantastischem High-End Allrounder klingt, für den regulären Gebrauch als Arbeits-Laptop und Tablet eignete sich das Surface 3 in der Testphase sehr gut. Die Applikationen öffnen sich binnen Sekunden, das Tablet erhitzt nicht und das kostenlose Jahresabo von Office 365 Personal gibt es als willkommene Arbeitshilfe obendrauf. Wer allerdings nicht wie wir Blogger nur am Surface 3 Schreiben und Surfen möchte, der sollte sich für aufwendigere Prozesse wie Video und Bildbearbeitung wohl eher doch das Surface Pro 3 in diesem Segment ansehen.

Zusatzinfo: Aufgrund einer sehr kurzen Testzeit, da wir das Surface 3 wieder rasch zurückschicken mussten, und dem Aspekt, dass ich Probleme bei der Installation von Software hatte, mussten wir bei diesem Testbericht auf Benchmarks verzichten.

Display

Ein 10,8 Zoll „ClearType Full HD Plus Display“ mit einer Auflösung von 1920 mal 1280 Pixel sorgt beim Microsoft Surface 3 für sehr scharfe Ergebnisse. Die Blickwinkel sind aus jeder erdenklichen Perspektive stabil, sodass sich das Surface 3 etwa gut zum Streamen von Videos gemeinsam mit Freunden eignet. Zudem wirkt das Surface 3 im Vergleich zur Pro 3 Version nun etwas heller.

Nicht ganz so optimal wirkt hingegen das Surface-typische spiegelnde Displayglas. Hier kann man bei Sonnenlicht mitunter ziemlich gestört werden und sieht letztendlich einfach weniger.

18

Meine Begeisterung beim Surface 3 muss ich aber in Bezug auf das 10,8 Zoll große Display aussprechen. Erwirbt man bei der Pro 3 Version ein 12 Zoll Display, so geht der Tablet-Aspekt in meinen Augen etwas verloren. Das kleinere 10,8 Zoll Display lässt sich beim Surface 3 schlicht und einfach besser mit den Fingern bedienen und man kommt ohne großartige Bewegungen in jeden Winkel des Bildschirms. Auch halte ich Microsofts Schritt von Widescreen auf 3:2-Format für die richtige Entscheidung bei einem Tablet beziehungsweise Convertible.

Kamera

Ich konnte die Front- und Rückkamera des Surface 3 im Test wirklich genießen. Hatte ich mich noch über miese Kameramodule bei der Pro 3 Version geärgert, liefert das Surface 3 nun endlich brauchbares Bildmaterial. Grund dafür ist der Aspekt, dass Microsoft tatsächlich beim günstigeren Surface 3 bessere Kameras als bei der Pro-Version integriert hat – etwas unverständlich aber gut zu wissen.

14

Statt zwei 5 Megapixel Kameras kommt beim Microsoft Surface 3 nun eine Rückkamera mit 8 Megapixel und eine Frontkamera mit 3,5 Megapixel zum Einsatz. Auch hat Microsoft im Surface 3 nun wieder meine geliebte 360 Grad Funktion für Rundumblicke integriert. Im reinen Bezug auf die Kamera überzeugt mich das Surface 3 also auf ganzer Linie und sticht sogar die hauseigene Pro-Version aus. Gerade in punkto Videotelefonie bei der Frontkamera und 360 Grad Aufnahmen bei der Rückkamera kann das Surface 3 also überzeugen.

Beispielbilder der Front- und Rückkamera

Die Ergebnisse der Rückkamera können sich bei einem Tablet sehen lassen.

Die Ergebnisse der Rückkamera können sich bei einem Tablet sehen lassen.

Scharfe Videotelefonie sollte mit dem Surface 3 kein Problem sein.

Scharfe Videotelefonie sollte mit dem Surface 3 kein Problem sein.

Anschlüsse

Hier hat sich beim Surface 3 keine Neuerung ergeben. Neben einem Standard USB 3.0 Anschluss, Mini DisplayPort, microSD-Kartenleser (für Speichererweiterung), Headsetbuchse und dem Coveranschluss wurde auch der Micro USB zum Laden des Tablets erneut integriert. Ich persönlich halte die überschaubare, aber dennoch vollkommen ausreichende, Auswahl an Anschlüssen weiterhin für die richtige Entscheidung. Das Surface 3 lässt sich fix mit größeren Bildschirmen und Beamern verbinden, verfügt über alle gängigen Ports und setzt sich so in diesem Bereich immer noch deutlich von der Konkurrenz ab.

13

Zubehör

Zähneknirschend komme ich nun zum Zubehör. Doch mein Missmut hat einen Grund und dieser heißt: Kein Zubehör, außer ein Netzteil. Kein Type Cover. Kein Surface-Stift. Wer sich das Surface 3 in der Grundausstattung holt, zahlt 599 Euro und erhält das zwingend notwendige Type Cover nicht dazu. Stattdessen muss man die vollen 150 Euro für Tastatur und 50 Euro für den Stift bezahlen. Und schon stehen wir bei 799 Euro. Nicht einmal ein Bundle bietet Microsoft beim Surface 3 an, wohingegen dies beim Surface Pro 3 üblich ist.

9

Fazit: Beziehung mit Hindernissen

Das Microsoft Surface 3 hinterließ einen bitteren Beigeschmack. Einerseits wünscht man sich genau solch ein Tablet, welches Entertainment, Design und Arbeit in einer kompakten Größe verpackt. Die Hardware reicht vollkommen aus, um viel zu Schreiben, Lesen, Filme anzusehen oder zu Surfen – nicht umsonst bewirbt Microsoft das Surface 3 als Studenten-Convertible. Die Größe des Surface 3 wirkt stimmig, das Device lässt sich dank des relativ geringen Gewichts als Tablet nutzen und das Design darf als einzigartig bezeichnet werden.

24

Doch dann kommen wir auf die andere Seite, den bitteren Beigeschmack. Denn eigentlich erhält man beim Surface 3 merklich zu wenig für einen Einstiegspreis ab 599 Euro. Das Type Cover, der essenzielle Bestandteil eines Convertible, fehlt. Die Hardware wirkt für den Preis plötzlich doch etwas schwach. Und so überlegt man sich ganz rasch, ob man vom frisch ins Herz geschlossenen Einsteiger-Convertible lieber doch ablässt und sich bei der Konkurrenz umsieht.

Ich halte jedoch trotzdem weiter an meiner Aussage fest das Microsoft Surface 3 als „Tablet des Jahres 2015“ zu bezeichnen. Es verdient den Namen allein auf dem Hintergrund, dass man ein Rundum-Sorglos-Paket in schickem Gewand erhält. Schraubt Microsoft nun noch etwas bei der Preispolitik, setzt also etwa den Preis um 100 Euro niedriger an oder spendiert dem Surface 3 eine vergünstigte/kostenlose Tastatur, dann könnte dieses Convertible zum Verkaufsschlager werden.

Ranking

Im Ranking erhält das Surface 3 daher von mir vier von fünf Sternen. Hier kommt der Abzug durch die minimal schlampige Verarbeitung bei den Übergängen zwischen Display und Rahmen zustande, hauptsächlich aber durch die meiner Meinung nach weit verfehlte Preissetzung. Eine Kaufempfehlung würde ich zum aktuellen Zeitpunkt also noch nicht aussprechen. Microsoft hat bei seinen Surface Produkten in den letzten Jahren jedoch bewiesen, dass die Preise noch (erheblich) fallen können. Tritt das ein, dann solltet ihr auf jeden Fall zuschlagen.

plus Aluminium-Unibody und einzigartiges Design

plus Überraschend gute Front- und Rückkamera

plus Scharfes Display mit stabilen Blickwinkeln und optimalem Bildformat

plus Schnelle Performance, trotz mittelmäßiger Hardware

minus Minimal wackelige Verarbeitung am Display

minus Zu hoher Preis

minus kein Zubehör

Tags :
  1. Schöner Artikel! Allerdings kann ich persönlich der Empfehlung „auf jeden Fall zuschlagen“ nicht folgen, egal zu welchem Preis.
    M.E. hat MS einen etwas seltsam anmutenden Laptop kreiert – mit einem leichten handlichen Tablet haben weder die HW noch das verwendete OS etwas zu tun. Insbesondere zum arbeiten fiele meine Wahl auf einen leichten Laptop, z.B. MacBook Air.

    Dieser Kommentar hat zu viele negative Stimmen erhalten hat. Klicken Sie hier, um die Nachricht zu sehen.
  2. netter artikel, könnte etwas tiefgründiger sein, weil gerade windows-nutzer mit dem kopf entscheiden. dazu fehlen aber einige infos. aber der artikel macht neugierig. die preispolitik zu dem gerät gefällt mir auch nicht. mal abwarten.

    jupp wieder mit dem üblichen bashing. du bist und bleibst ein trottel :D

  3. Ich hab das Surface 3 seit zwei Tagen in Betrieb und finde es sehr gelungen. Windows 8.1 64 Bit auf einem Tablet ist einfach klasse! Da darf es auch mal 2 mm dicker sein, als ein Android- oder iOS-Device. Immerhin ist das Ding jetzt lüfterlos. Das Gejammer wegen der fehlenden Tastatur muss man relativieren: Ich komme bisher gut ohne aus. Wenn ich eine kaufen würde, fände ich aber 70-100 EUR durchaus genug dafür.

    Das einzige, was mich bisher stört, ist, dass der Gehäuserand ein wenig über dem Glas raussteht und damit eine scharfe Kante ergibt. Stört beim drüberstreichen, ist aber auch nicht wild. Würde mich aber sehr interessieren, ob das bei allen Surface 3 so ist.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising