Illegale Videostreaming-Websites zu sperren nutzt gar nichts

(Bild: Shutterstock)

Nun ist es praktisch amtlich: Eine Studie der EU hat ergeben, dass es nichts bringt, gegen große Videostreamingplattformen vorzugehen, die illegal Material verteilen. Wird eine vernichtet, entstehen schon bald mehrere Nachfolger, die kaum noch kontrolliert werden können.

Nach einer Suite des Joint Research Center der Europäischen Union bringt es auf Dauer nichts, illegale Video- und Musikdownloadangebote schließen zu lassen. Sofort entstehen neue Anbieter, die mitunter sogar schwerer zu bekämpfen sind als die etablierten Plattformen.

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Auswirkungen der Schließung des Videostreamingportals Kino.to ergründet. Nach seinem Entstehen im Jahr 2008 entwickelte sich das Streamingverzeichnis in kurzer Zeit zu einer der Hauptquellen für illegal ins Internet eingestellte Filme und Serien. Mit Werbung und einem kostenpflichtigen Premium-Angebot sollen die Betreiber mehr als 2,9 Millionen Dollar eingenommen haben.

Die zügige und effektive Schließung des Angebots durch die deutsche Polizei hatte der EU-Studie zufolge aber nur einen minimalen Effekt auf den Markt für illegale Videoinhalte. Durch die Auswertung der Clickstream-Daten von mehr als 5000 Internetnutzern in drei Ländern stellten die Forscher fest, dass diese Nutzer “kaum Schwierigkeiten” hatten, zu einer anderen Site zu wechseln.

“Die Schließung von Kino.to resultierte in einer noch stärker fragmentierten Struktur des Markts für unlizenziertes Filmstreaming. Dies könnte ein zukünftiges Eingreifen der Strafverfolgungsbehörden entweder teurer machen – da es keine einzelne dominierende Plattform mehr zu Schließen gibt – oder weniger effizient als wenn nur eine einzige Website Ziel der Ermittlungen ist”, heißt es in der Studie. Mit anderen Worten: Wenn eine Piraterieseite geschlossen wurde, entstanden an ihrer Stelle gleich mehrere neue.

In einigen Staaten, einschließlich Deutschland, Frankreich und Großbritannien, wurden in den letzten Jahren die Urhebergesetze verschärft und mehrere Gerichtsprozesse zur Schließung von Websites ausgetragen. Ein Verfahren vor dem britischen High Court gegen die wohl berüchtigste Piraterie-Site The Pirate Bay endete damit, dass die führenden Internet-Provider Großbritanniens den Zugang zu dem Torrent-Tracker blockieren mussten. Doch auch dies hatte nur einen geringen Effekt auf den Traffic der Site, die laut Alexa nach wie vor zu den 500 meistbesuchten Websites weltweit zählt.

Die EU-Studie merkt hinsichtlich der Schließung von Kino.to auch an, dass andere Sites die dadurch entstandene Lücke schnell wieder geschlossen hätten. “Durch die zügige Entstehung neuer urheberrechtsverletzender Plattformen konnte sich der Pirateriemarkt für Filmstreaming schnell wieder von dem Eingriff erholen.”

Weiterhin weisen die Studienautoren darauf hin, dass nach dem Aus von Kino.to nur 2,5 Prozent der Nutzer zu lizenzierten Videoplattformen gewechselt seien. Doch nur so würde sich eine Schließung für die Rechteinhaber bezahlt machen. Sie könnten keine positiven Effekte erwarten, wenn die Nutzer weiterhin nicht bereit seien, für eine lizenzierte Version ihrer Produkte zu bezahlen.

Tags :Quellen:ZDNet.comVia:Mit Material von Björn Greif, ZDNet.de
  1. Und das haben die nach kaum 20 Jahren Internet schon bemerkt? Ich bin beeindruckt! Ich will hier keineswegs illegale Machenschaften für gut heissen, aber wenn wer was ändern kann, dann ist das einzig die Contentmafia selber indem sie ihre schier endlose Gier zurückschraubt (aber dazu gehört auch, dass man das merkt und nicht nur rumheult).

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