Gibts bald keine Werbung mehr auf Android?

(Bild: Eyeo)

Eyeo hat einen Android-Browser mit integriertem Werbeblocker entwickelt. Das Tool ist noch in der Betaphase, doch könnte es künftig dafür sorgen, dass Websites massive Finanzierungs- und Existenzprobleme bekommen, wenn die Nutzer gar keine Werbung mehr eingeblendet bekommen. Ob das dann im Sinne der Nutzer ist?

Gegen Werbung ist ein Kraut gewachsen – Adblocker für Desktopbrowser gibt es seit vielen Jahren. Doch auf den mobilen Endgeräten sieht es bisher mau aus, doch das soll sich ändern. Eyeo entwickelt gerade einen Android-Browser mit eingebautem Adblocker.

Die Entwickler bezeichnen ihren Browser für Android als “umfassendere Blockierlösung für mobile Werbung”. Er soll Nutzern Aufwand ersparen, sie vor möglicherweise mit Malware verseuchten Anzeigen schützen und ihnen mehr Kontrollmöglichkeiten über ihre Browsingerfahrung geben. Ein weiterer Vorteil sei die Einsparung von Datenvolumen.

Der Adblock Browser für Android integriert die Adblock-Technologie zum Herausfiltern von Werbeanzeigen beim Browsen. Allerdings erlaubt die Software auch, Ausnahmen zu definieren, sodass der Nutzer nicht zu aufdringliche Werbung weiterhin anzeigen lassen kann, um etwa einem werbefinanzierten Dienst nicht die Geschäftsgrundlage zu entziehen.

“Als die Leute das mobile Internet für sich entdeckten, sind Werbetreibende auf sie eingestürmt und haben die Nutzungserfahrung mit Anzeigen zerstört, die oft rücksichtslos designt sind. Zudem wimmelt es in mobilen Anzeigennetzwerken von Sicherheitslücken. Adblock Browser für Android gibt die Kontrolle zurück in die Hände der Nutzer”, kommentiert Till Faida, Mitgründer von Adblock Plus. “Eine vollständige Android-Browser-App ist ein logischer nächster Schritt für uns. Zusätzlich zum Blockieren von Adware und unerträglicher Anzeigen können wir so schnellere Browsing-Geschwindigkeiten, eine effizientere Datennutzung und sogar eine längere Akkulaufzeit bieten. Es ist eine Win-win-Situation für alle Nutzer weltweit.”

Websites und Dienste, die sich durch Werbung finanzieren, dürften dies jedoch anders sehen. Auf dem Desktop kämpfen sie schon länger damit, dass immer mehr Anwender Werbeblocker einsetzen. 2013 hatten daher unter anderem Spiegel Online, Süddeutsche.de, FAZ.net, Zeit.de, Golem.de und RP Online ihre Leser gebeten, auf Plug-ins zum Ausblenden von Werbung auf ihren Seiten zu verzichten. Nur so sei die Sicherung eines kostenfreien Qualitätsangebots möglich. Die Verlage kritisierten, dass Nutzer ihnen mit solchen Programmen die wichtigste Einnahmequelle verweigern. AdBlock Plus argumentierte, die 2011 eingeführte Acceptable-Ads-Initiative sei ein Versuch, einen Kompromiss zwischen Internetnutzern und Verlegern zu finden.

Dass Adblocker an sich legal sind, hat Ende April das Landgericht Hamburg bestätigt. Es wies eine Unterlassungsklage der Herausgeber von Zeit Online und Handelsblatt ab, die dem Adblock-Plus-Entwickler Eyeo wettbewerbswidriges Verhalten vorgeworfen hatten. Allerdings sind noch drei weitere Klagen der Mediengruppen ProSiebenSat1, RTL Interactive und Axel Springer anhängig.

Eyeo bietet Adblock Plus kostenlos an. Geld verdient das Unternehmen mit einer White List mit Anzeigen, die es seine Filter passieren lässt. Sie müssen bestimmte Kriterien erfüllen und dürfen beispielsweise weder Animationen noch Ton enthalten. Laut Eyeo kann sich zwar “niemand in die White List einkaufen”, die Bedingungen der kostenpflichtigen “Support Services” macht das Unternehmen allerdings nicht öffentlich.

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Tags :Quellen:ZDNet.comVia:Mit Material von Björn Greif, ZDNet.de
  1. Bald?! Ich habe schon seit Jahren keine Werbung mehr auf meinen Android-Geräten und das sogar Systemweit, nicht nur beim Surfen! Die App AdAway machts möglich (gerootetes Gerät vorausgesetzt); arbeitet mit ähnlich wie die gängigen Browser-Erweiterungen mit Sperrlisten und fügt diese der Hosts-Datei hinzu.

  2. Die Websitenbetreiber sind doch selber Schuld. Die Schliessen Kreuze werden versteckt, später eingeblendet oder an ganz anderen Stellen angezeigt. Gerade auf dem Tablet bekommt man die Werbung häufig gar nicht weg, ohne sie versehentlich doch anzuklicken.

    Hätten die Betreiber nicht so maßlos übertrieben mit der Werbung, würde sich heute keiner beschweren, aber die Gier ist bei denen genauso maßlos wie ihre Werbung.

    Das Grab haben sie sich selbst geschaufelt und nun heulen sie, dass sie darin liegen.

    Gruß Jan

    1. sehr naiv und oberflächlich.
      und die probleme mit den bannern habe ich zwar nicht, aber es gibt werbeblocker, die du speziell für diese seiten aktiveren kannst. vlt treibst du dich auch auf den falschen seiten herum. :) seriöse seiten kleistern ihren inhalt normalerweise nicht mit banner zu, die du erst wegklicken musst. sonst meide die seiten oder beschwer dich bem betreiber.

  3. Die Leute, die sich AdBlocker nutzen, sind die, die am lautesten schreien würden, wenn Sie plötzlich für heute selbstverständliche Dienste wie google, facebook, wetterdienst, youtube, newsdienste usw. bezahlen müssten.
    Wenn man es genau nimmt ist mit AdBlocker surfen vergleichbar mit Schwarzfahren in der Bahn.
    Natürlich gibt es krass nervige Werbung, die sich über die Inhalte legen und schlecht schließen lassen. Diese sterben aber auch nach und nach immer weiter aus, weil die Nutzer diese Seiten genervt meiden.

  4. >Wenn man es genau nimmt ist mit AdBlocker surfen vergleichbar mit Schwarzfahren in der Bahn.

    Wenn man es noch genauer nimmt: Nö.

    Außerdem seid ihr doch eh alle VHS-Kassette-Werbung-Vorspuler Schwarzfahrer, höhö!

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