USA: Apple, Google und Co wollen keine staatlichen Hintertüren

(Bild: Shutterstock/Cousin_Avi)

Google, Apple, Facebook, Microsoft, Adobe, Yahoo, Automattic, Evernote, Mozilla, Dropbox, Rackspace, CloudFlare und LinkedIn - sie alle wollen eines nicht: Dass die USA sie zwingen, Hintertüren für staatliche Zugriffe in ihre Anwendungen einzubauen. Das haben sie nun in einem offenen Brief noch einmal deutlich gemacht.

Zahlreiche US-Firmen und Organisationen fordern Barack Obama in einem offenen Brief auf, Abstand von Plänen zu nehmen, dass sie Hintertüren in ihre Produkte einbauen müssen. Das würde die Sicherheit bedrohen – und ganz lapidar ihre Absatzchancen verringern.

“Wir bitten Sie dringend, jegliche Vorschläge zurückzuweisen, die darauf hinauslaufen, dass US-Firmen absichtlich die Sicherheit ihrer Produkte schwächen”, heißt es in dem Brief. “Wir fordern das Weiße Haus stattdessen auf, sich auf die Entwicklung einer Politik zu konzentrieren, die eine breite Adoption starker Verschlüsselungstechnik fördert und nicht unterminiert. Solche Anstrengungen wiederum werden sowohl hier wie auch im Ausland helfen, Cybersicherheit, wirtschaftliches Wachstum und die Menschenrechte zu fördern sowie zu schützen.”

Zu den Unterzeichnern zählen neben Branchenverbänden und gemeinnützigen Organisationen Google, Apple, Facebook, Microsoft, Adobe, Yahoo, Automattic, Evernote, Mozilla, Dropbox, Rackspace, CloudFlare und LinkedIn. Vertreten sind weiterhin zahlreiche prominente Sicherheits- und Rechtsexperten. Techdirt, das auch das Dokument in voller Länge veröffentlicht hat, fasst die unterzeichnenden Computerexperten zusammen als “Who’s Who der Leute, die tatsächlich wissen, wovon sie reden”.

Mit auf der Liste stehen drei der fünf Mitglieder eines von Obama eingesetzten Expertengremiums, das schon Ende 2013 einhellig das Ende der NSA-Telefonüberwachung forderte. Dabei sind zudem Politiker, die hinsichtlich nationaler Sicherheit gewöhnlich zu den Falken zählen. “Wenn ich tatsächlich glaubte, dass sich eine Hintertür nur für die US-Regierung einrichten ließe, dann ließe ich mich vielleicht überreden”, zitiert die Washington Post Paul Rosenzweig, der in der Regierung von George W. Bush eine ranghohe Position im Heimatschutzministerium innehatte. “Aber das entspricht einfach nicht der Realität.”

Die Technikfirmen und die anderen Unterzeichner versuchen Gegendruck zu erzeugen, nachdem die Vertreter von Sicherheitsbehörden immer wieder unverblümt nach Hintertüren und gezielten Lücken in den Verschlüsselungssystemen verlangen. So forderte FBI-Direktor James Comey angesichts der zunehmenden Verschlüsselung von privaten Daten auf Mobiltelefonen eine Zugriffsmöglichkeit. Ähnlich argumentierte NSA-Direktor Mike Rogers und begründete es mit Cyberbedrohungen wie dem Angriff gegen Sony Pictures Entertainment. Wie der Chef der US-Bundespolizei wollte er aber lieber von “Vordertüren” sprechen, da sich der Begriff Hintertür zu zwielichtig anhöre.

Ganz ähnliche Bestrebungen gibt es auch in Großbritannien. Premierminister David Cameron kündigte schon im Januar für den Fall seiner Wiederwahl ein Verbot verschlüsselter Kommunikation an. Er will ein Gesetz einbringen, das jede Form von digitaler Kommunikation untersagt, die von Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendiensten nicht abgehört werden kann.

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Tags :Quellen:Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de
  1. Wie herrlich zu lesen.
    Im Artikel „Russland baut eigenes Betriebssystem für Smartphones“ musste ich schmunzeln….denn in einem Absatz heißt es doch „Vor einem Jahr hatte Nikiforow verschiedene Softwarehersteller aufgefordert, den Quellcode ihrer Produkte offenzulegen. Die russische Regierung wollte prüfen, ob sie irgendwelche Hintertüren und Schwachstellen enthält, wie es Dokumente aus dem Fundus des Whistleblowers Edward Snowden nahelegen. Unter anderem hatte sich Apple und das Walldorfer Softwarehaus SAP dieser Forderung widersetzt.“
    Und jetzt möchten diese Herrschaften plötzlich nicht mehr mit dem NSA zusammen arbeiten?
    Ein Schelm wer böses denkt…… :-D

  2. Nicht nur Russland, sondern auch China und EU sollten eigene Betriebssysteme entwickeln lassen, ggf. mit Steuergelder, um Abhängigkeit und Spionage durch USA = NSA zu vermeiden.

    Alternativ könnten Alle, weltweite Betriebssysteme mit offenen kommentierten Quellencode finanzieren, und diese regelmäßig auf Backdoors durch eigene Experten öffentlich überprüfen!

    Die meisten Betriebssysteme kommen heute aus USA, und sind NSA versucht! (Apples iOS, Android, Microsoft,…)
    Das bedeutet Gefährdung und auch Schädigung durch Ausspähen, Betriebsspionage, Erpressbarkeit, usw.
    Dazu kommt die Abhängigkeit! (Stellt euch vor was alles zusammenbricht, wenn im Krisenfall USA alle Apples iOS, Android, Microsoft Betriebssysteme in EU / Asien / Russland, bei nächsten Zwangsupdate still legt?)
    Dann geht nicht mehr! Kein Strom, kein Wasser, kein Geldverkehr, kein Transport, usw.

    Die Welt sollte alle solche feindlichen Waffen der USA ersetzen!
    Und alle Produkte von durch USA kontrollieren Firmen meiden,
    den die sind alle durch USA- Gesetze gezwungen Vasallen der NSA & Co!

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